Keine Lust, seinem Kind was zu erklären ??

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von fruehchenomi 13.04.11 - 17:29 Uhr

Bin ziemlich viel unterwegs, wo man Mütter mit Kindern antrifft - u.a. derzeit viel in Wartezimmern von Ärzten. Gestern erlebt. Junge, Schulalter, geschätzt 3. Klasse - holt sich ein Buch und liest vor - fürchterlich stockend, wie Erstklässler - okay, das kann vorkommen. Aber, dann kommt im Text vor, dass Holz schwimmt. Er: "Mama, warum schwimmt Holz?" Sie (gähnend gelangweilt in den Nägeln puhlend)"weiß ich doch nicht". Der Bub: "Mama, es würde mich aber interessieren!" Sie: "Himmel lass mich in Ruhe, ich hab doch gesagt, dass ich das nicht weiß, es ist mir auch egaaaaal!"
Ich hätte hochgehen können wie ein Zäpfchen, verdammt nochmal, wozu legen sich diese Leute eigentlich Kinder zu ? Es ist ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, das dem Kind zu erklären. Wenn sie zu doof ist, es zu wissen, dann kann sie ja immer noch sagen, weißt du was, wir schauen daheim nach, momentan weiß ich es auch nicht. Das ist keine Schande, ich weiß ja auch nicht alles. Aber so ein Desinteresse, einem Kind was zu erklären, erlebe ich soooo oft - und frag mich schon - ist das wirklich heute normal ? Ist da nur noch die Schule dafür "zuständig" ?????
Ich kenne es anders, von meinen Eltern - und von mir auch ! Und meine Tochter versucht auch, ihrer Tochter alles zu erklären, notfalls über Onkel Guggl !
LG Moni
PS: Ich habs dem armen Kerl dann übrigens erklärt, warum Holz schwimmt, konnte mich NICHT raushalten, auch wenn mich die Mutter bitterböse angeschaut hat. :-p
Meeennnnsch, so ein interessiertes Kerlchen und SO eine Mutter - #klatsch

Beitrag von ayshe 13.04.11 - 18:15 Uhr

Ich finde es auch sehr schade, wenn man das Interesse eines Kindes im Keim erstickt und sehe es wie du, entweder man kann es gleich erklären oder durch ein Zeitproblem oder weil man nachschlagen muß erst später.

Andererseits habe ich den Eindruck, daß Erklärungen nur als positiv eingestuft werden, wenn sie sich auf solche Wissenfragen beziehen, aber wenn man Umstände erklärt, Verbote erklärt und begründet o.ä. heißt es schnell, man rede sich den Mund fusslig und solle lieber handeln.


Ich finde Informationen generell wichtig.

Beitrag von fruehchenomi 13.04.11 - 18:19 Uhr

Neee auch Verbote usw werden von mir erklärt, das Kind muss ja wissen, warum es was nicht darf (zu gefährlich oder so) nur - ich erkläre nicht 465 mal, sondern höchstens zweimal, das reicht; das wussten/wissen aber auch alle Kinder in meinem Umfeld recht schnell :-p
LG Moni

Beitrag von ilva08 13.04.11 - 20:00 Uhr

Richtig ... und das gilt übrigens für ALLE Erklärungen. Sonst erzieht man sich Kinder, die grundsätzlich nie selber denken, sondern wegen jedem P*** nachfragen.

(Wozu das Eingangsbeispiel sicherlich nicht zählt.)

Beitrag von valentina.wien 14.04.11 - 11:54 Uhr

Blödsinn.

Beitrag von ilva08 14.04.11 - 18:00 Uhr

Nö.

Kennst du diese Kinder nicht? Eigentlich superintelligent, trauen sich aber nix zu und fragen zur Sicherheit immer nochmal einen Erwachsenen, bevor sie irgend etwas tun?

DAS sind die Kinder, denen immer ALLES erklärt wird... statt mal mit Fragen ihren Forschergeist anzuregen: Was meinst du, warum es so ist? Hast du eine Idee?

Noch nie erlebt?

Beitrag von ayshe 14.04.11 - 18:13 Uhr

Ich habe das nie erlebt und kenne es nur so, daß gerade eine Erklärung, wenn sie denn verarbeitet wurde, zu weiteren logischen Schlüssen und Überlegungen anregt.

Beitrag von ilva08 14.04.11 - 19:06 Uhr

"Ich habe das nie erlebt"

Ist auch nicht die Regel. :-)


Ums klar zu stellen, falls es nicht klar war: Ich habe nie behauptet, man solle NIX erklären....... ;-)

Beitrag von ayshe 14.04.11 - 19:10 Uhr

Kann es vllt sein, daß du eher meinst, daß ein Kind sozusagen unselbständig und "unmündig" wird, wenn man ihm jede Entscheidung abnimmt?

Geht es nicht eher um Entscheidungen und weniger um Erklärungen?
Dann könnte ich deine Aussage oben ja verstehen.

Beitrag von ilva08 14.04.11 - 19:36 Uhr

Nein, glaub mir, es geht um Erklärungen. Auch wenns schwer zu fassen ist. :-)

Okay, ich versuchs mal zu beschreiben: Ich bin Lehrerin und habe in etwa jeder zweiten Klasse so ein Kind. Meist WIRKLICH schlaue Kinder, aber sie stellen ständig Fragen, du vermutest irgendwann, sie würden dafür bezahlt...

... so seltsam, dass es sogar den anderen Kindern auffällt. Du siehst es förmlich an den Blicken der anderen, wenn dieses Kind aufzeigt. Die Blicke der sagen: "Boah, nicht wieder der, gleich kommt wieder so ein Klops..."

Und wenn die Frage dann kommt, hört man alle leise stöhnen... "Neee, das ist doch total klar, wie kann man sowas fragen?"

Das sind Fragen wie: "Hier steht, ich soll blau unterstreichen, ist hellblau auch okay?" (Ich hatte mal einen Viertklässler, der es schaffte, sowas zu fragen.)

Oft lassen diese Kinder eine allgemeine Erklärung der Lehrerin nicht mal sacken, lesen keine Arbeitsanweisung zweimal, sondern wollen SOFORT Hilfe/ Absicherung durch die Lehrperson.

Es ist gar nicht so einfach, solche Kinder davor zu schützen, dass sie sich immer wieder selbst in der Gruppe bloßstellen. Ich sage ihnen (und der Klasse) immer wieder, dass es halt zu diesem Kind dazugehört und versuche nach und nach, dem Betreffenden beizubringen, zwischen notwendigen und überflüssigen Fragen zu unterscheiden.

Auf Sprechtagen, wenn ich mich mit den Eltern unterhalte, kommt dann in der Regel: "Ja, wir erklären unserem Kind immer ALLES. Nein, wir haben noch nie mit ihm GEMEINSAM ÜBERLEGT..."

Was ich sagen will, ist: Fragen beantworten ist okay. Nimmt man einem Kind jedoch STÄNDIG DAS DENKEN AB, wird es unmündig und seeehr unsicher.

Beitrag von ayshe 14.04.11 - 20:11 Uhr

Gut, jetzt verstehe ich, was du meinst.

Es ist gar nicht so weit weg von dem, was ich meine ;-)

Wenn ein Kind tatsächlich fragt, ob hellblau auch okay ist, dann kann es nicht selber entscheiden. So etwas meine ich zum Teil ja auch.
Da fehlt es meiner Meinung nach an Selbstbewußtsein.
"Normalerweise" würde es ja sagen "Ich nehme HELLblau, das finde ich jetzt schön. Fertig."
Weil sie in der Lage sein sollten, es selber zu entscheiden, auch diese Entscheidung zu vertreten.
Einen Zusammenhang zu Erklärungen sehe ich jetzt nicht so sehr, aber "Denken UND Entscheidungen abnehmen", das sehe ich.

Das ist meiner Meinung nach auch nicht der richtige Weg.

Meine Tochter ist erst in der 1. Klasse, da gibt es ja viel, was sie mit vorgegebenen Farben machen sollen, aber sie sucht es sich eben aus, fertig, will sie hellgrün, nimmt sie es oder eben dunkelgrün, daß es nicht okay sein könnte, kommt gar nicht auf.

Manche Aufgaben finde ich mißverständlich.
Es war ein Schuh abgebildet, der auch ein kurzer Stiefel hätte sein können.
Da es um "st" ging, hätte ich ihn als Stiefel bezeichnet.
Meine Tochter hat ihn nicht angekreuzt und ich fragte.
Sie sagt, "In Schuh ist kein st."
Ich sage"Ich finde es sieht wie ein Stiefel aus."
"Nein, nur so ein bißchen, aber nicht richtig, es ist ein Schuh."
Sie bleibt dabei. Gut, okay, dann ist es so.

Ich weiß, die Aufgabe war so gesehen falsch, nach ihrer Definition aber richtig.
Also was soll´s.

Vllt ist es nur der kleine Unterschied ob man versucht, zum Denken anzuregen oder aber letztlich dem Kind das eigene "richtige" aufzuzwängen. Bei Letzterem werden sie vllt unsicher und wollen eben deshalb dauernd eine Absicherung haben #kratz

Beitrag von ilva08 14.04.11 - 20:19 Uhr

"Manche Aufgaben finde ich mißverständlich."

Sind sie. Diese Bilder z. B. werden von Kindern immer wieder falsch interpretiert. Kein Lehrer fände die Nachfrage seltsam. :-)



Und JA: Es hat VIEL mit Unsicherheit zu tun.

Beitrag von ayshe 14.04.11 - 20:31 Uhr

Nicht nur von Kindern #rofl
Im Ernst, manche sind zeichnerisch so dämlich, daß ich selbe rnicht weiß, was das sein soll.

Und einmal ging es um "ch", sollte eben markiert werden.

Es war ein Stern und ein Mond, für mich also "Nacht".
meine Tochter kreuzt es natürlich nicht an. Sie sagt "Wieso? Das bedeutet TÜRKEI! Das ist kein ch!"
,Ja, entschuldige, daß ich so blöd bin´ #cool

Und einmal so ein Tier, sah aus wie eine katze, sollte aber ein Puma sein, war echt nicht zu erkennen.


##
Kein Lehrer fände die Nachfrage seltsam.
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Meine Tochter fragt ja nie, sie sieht es so und basta.
Ich sehe den Fehler, das Mißverständnis, spreche es mal so nebenher an, aber sie bleibt absolut dabei.
Das meine ich ja, SIE hat das längst für sich so entschieden.
Und da man diese Sachen auch so interpretieren kann, akzeptiere ich das auch.


##
Und JA: Es hat VIEL mit Unsicherheit zu tun.
##
Aber das ist der Punkt am Anfang.
Ich glaube nicht, daß man Unsicherheit rein mit der Beantwortung von Fragen fördert, aber sicher, wenn man ihnen alle Entscheidungen abnimmt und bei manchen "Mißverständnissen" wie diese Bilderbeispiele zu lange und zu viel rumredet und auf seine Sicht als erwachsener beharrt.
Wenn meine Tochter sagt, ein Stern und ein Mond bedeuten Türkei und da kommt kein "ch" vor, dann sage ich ihr, sie soll das so der Lehrerin sagen und fertig, auch wenn ich sicher bin, daß sie "Nacht" meinen.
Aber mir ist das egal


Beitrag von ilva08 14.04.11 - 21:06 Uhr

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Kein Lehrer fände die Nachfrage seltsam.
##
Meine Tochter fragt ja nie, sie sieht es so und basta.

#pro Und ganz ehrlich, das ist doch toll. :-) Da zeigt sich die Selbstständigkeit eines Kindes.

Ich frage bei diesen Bildern oft nach, wenn die Kinder einen "Fehler" gemacht haben (immer komme ich nicht dazu, aber es ist total spannend!).

In deinem Beispiel hätte ich deiner Tochter zugestimmt, dass "Türkei" kein "ch" enthält. ;-)

Und dann kriegst du zu hören: "Siehste Mama, meine Lehrerin hat auch gesagt..." #rofl

Beitrag von ayshe 15.04.11 - 07:29 Uhr

Ja, aber die Ursache dafür, daß manche nichtmal ohne "GO" hellblau wählen, kann ja nicht am Erklären liegen, höchstens daran, daß die Eltern darauf beharren, daß nur ihre Ansicht richtig ist und die des Kindes falsch.
Das meine ich.
Aber man kann doch viel erklären, aber trotzdem dem Kind auch seine Sicht lassen.
Vllt führen diese Eltern einfach zu viel.
Ich glaube, da liegt die Ursache. Sie zwingen sie auf ihren eigenen Weg und lassen dem Kind nichts offen, deshalb will es sich dann für jeden Pup erst vergewissern, nicht daß dann wieder alles falsch ist, krass gesagt.


Bei diesen Beispielen habe ich es auch hingenommen, daß sie es anders sieht, obwohl die Aufgaben anders gemeint waren.
Ich finde es trotzdem okay, die Lehrerin auch, sie fragt auch die Kinder nach Möglichkeit, danach, wie sie zu ihren Ergebnissen gekommen sind, so wie du und akzeptiert es auch.
Und so ist doch alles paletti.

Beitrag von valentina.wien 14.04.11 - 20:42 Uhr

Nein, nie erlebt.

Ich kenne nur Kinder, die sich ab und zu auch etwas öfter als zweimal erklären lassen.
Weil entweder die Erklärung nicht gut genug war. Oder weil sie das Kind sich nicht gemerkt haben. Oder oder oder....

Beitrag von ilva08 14.04.11 - 20:58 Uhr

Kenn ich auch, mein ich nicht.

Beitrag von ayshe 14.04.11 - 18:15 Uhr

##
ich erkläre nicht 465 mal, sondern höchstens zweimal, das reicht
##
Das meine ich.
Viele unterstellen hier immer gleich, daß man da sitzt und es hundertemale wiederholt, dabei stimmt das sicher nie oder nur ganz selten.

Beitrag von redrose123 13.04.11 - 18:25 Uhr

Ich weiss auch nicht alles aber dann liest man es eben nach, wie du sagst gibts heut google.....Aber manche googlen eben nach unwichtigen dingen udn wollen selbst nichts mehr lernen....

Beitrag von jeanny.82 15.04.11 - 10:51 Uhr

genau so machen wirs auch!!!!

Beitrag von sarahg0709 13.04.11 - 18:34 Uhr

Hallo,

weißt Du, was meine Eltern gesagt haben, wenn ich wissen wollte, warum etwas so ist wie es ist? Entweder: "Das ist halt so." oder später: "Lies es halt nach.", was ich dann auch gemacht habe. Was ist daran schlimm?

Und es geht Dich auch überhaupt nichts an. Die Frau hat vielleicht einen anstrengenden Tag hinter sich und es gibt Tausend schönere Dinge, als beim Arzt rumzusitzen. Ich persönlich hasse das und vermeide es, wo es nur geht.

LG

Beitrag von meringue 13.04.11 - 19:30 Uhr

Hi,

es ist aber schon ein Unterschied, ob man "Lies es halt nach!" sagt oder "Mir doch egaaal!" Das ist mir wirklich noch nie über die Lippen gekommen, wenn ich ernsthaft etwas gefragt wurde.

Bedenklich finde ich es, wenn Kinder gar nicht mehr davon ausgehen, dass ihre Eltern überhaupt mit ihnen sprechen. Die sitzen eine halbe Stunde oder länger nebeneinander und kein Wort wird gewechselt. Mama liest die Gala und Kind starrt in die Luft/den Nintendo. Macht auf mich immer einen etwas gruseligen Eindruck und ich frage mich dann, ob jetzt wieder ein neues Rezept abgeholt wird für den Logopäden, "damit das Blag endlich vernünftig sprechen lernt".:-p

Sorry, niemand wartet gern beim Arzt. Aber die Zeit vergeht für alle schneller, wenn man sich unterhalten kann. Ich nutze das immer ganz gern für Plaudereien mit meinen Kindern. Es muss ja auch nicht immer um Wissensvermittlung gehen.

LG

Beitrag von fruehchenomi 13.04.11 - 20:18 Uhr

Genauso war es, die Mutter hatte keine Lust überhaupt mit ihrem Kind zu sprechen.
Und wenn ich noch so groggy bin (was ich mehr als gut kenne !), kann ich zu dem Kind sagen, weißt was ich bin heut so müde, ich schau dir daheim nach, ich weiß das gerade auch nicht.
Das könnte jeder verstehen, der Bub hätte das sicher auch verstanden, denn der war absolut lieb und garnicht nervig - aber sehr dankbar, dass jemand mit ihm redete.
LG Moni

Und DAS kann ich auch unterstreichen !!!! Und wie ! #schwitz
"....Mama liest die Gala und Kind starrt in die Luft/den Nintendo. Macht auf mich immer einen etwas gruseligen Eindruck und ich frage mich dann, ob jetzt wieder ein neues Rezept abgeholt wird für den Logopäden, "damit das Blag endlich vernünftig sprechen lernt..."

Beitrag von sacagawea 13.04.11 - 21:21 Uhr

Wie traurig.
Als Kind habe ich geglaubt meine Mutter weiß alles. #herzlich
Keine Ahnung, wie sie das gemacht hat. Sie meinte irgendwann später sie hätte einige Fragen eben abends nachgelesen. Aber ich kann mich nicht erinnern je nicht sofort eine Antwort erhalten zu haben die mich zufriedengestellt hätte.
Und ihre Tage waren sicher stressig.

Klar ist ein Arztbesuch ätzend und man hat evtl. nicht immer Lust auf solche Fragen zu antworten, besonders wenn man etwas nicht weiß und es zugeben müsste.
Aber so eine Desinteresse - der arme Junge.

Beitrag von anico 13.04.11 - 21:29 Uhr

so sehe ich das auch: der arme junge. aber: man kann sich seine eltern nun mal nicht aussuchen.