20 Jahre Freundschaft einfach wegwerfen?

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Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von hannes05 14.04.11 - 14:51 Uhr

Hallo ihr Lieben,

zur Vorgeschichte: Ich habe ein geistig schwer behindertes Kind (6 Jahre). Das Leben mit ihm wird immer schwieriger, da er inzwischen immer öfter aggressiv wird, Wut- und Schreianfälle hat und somit die ganze Familie (er hat noch zwei Schwestern) darunter leidet. Er kann aber auch total friedlich und pflegeleicht sein, es gibt also auch viele schöne Momente mit ihm. Trotz allem hängen wir sehr an ihm.

Die Frage nach vollstationärer Unterbringung in einer Einrichtung rückt jedoch immer näher, sollte sich sein Verhalten nicht ändern. Von allen Seiten wird uns angeraten (von Fachleuten und dem persönlichen Umfeld), den Schritt der Unterbringung zu gehen, zumal wir uns kräftemäßig wirklich am Limit bewegen. Wir hadern aber sehr damit, weil wir eigentlich hofften, wir schaffen es zumindest bis zur Pubertät, ihn in der Familie zu behalten. Er ist doch noch so klein.

So und nun zu meinem Problem: Meine beste Freundin, mit der ich seit 20 Jahren befreundet bin, hat nun tatsächlich gefragt, ob es vielleicht des Geldes wegen wäre, dass wir unser Kind nicht vollstationär geben. Ich dachte, ich höre nicht richtig und fühle mich sehr verletzt. Sie weiß genau, wie wir unter der Situation leiden, und wie schwer wir es uns mit dieser Frage machen. Aber sicher nicht aus finanziellen Gründen. Wir arbeiten beide und es ging uns auch vor unserem behinderten Kind gut und wir haben immer schon ein bisschen gespart und führen ein geregeltes Leben. Ich behaupte mal, wir konnten im Gegensatz zu ihr immer schon gut mit Geld umgehen und dass weiß sie auch.

Sie hat sich dann per SMS entschuldigt, dass es doch ganz anders gemeint war, ich jedes Wort auf die Goldwaage lege und ob das eine Freundschaft nicht mal aushält. Ich habe geantwortet, dass ich mit niemandem mehr, der nicht selber davon betroffen ist, über dieses Thema reden möchte und dass ich erst meine Zahn-OP hinter mich bringen möchte. Okay, ich konnte mich nicht zurückhalten und habe als letztes geschrieben, dass gesunde Familien ihre Kinder ja auch nicht wegen dem Kindergeld behalten.

Seither hatten wir keinen Kontakt mehr (seit 10 Tagen). Einerseits tut es mir leid, andererseits bin ich immer noch sehr wütend. Ich finde, so etwas kann man vielleicht denken, aber nicht aussprechen, zumal sie mich so gut kennen müsste, dass es mir nicht ums Geld geht.

Was würdet ihr machen? Die Freundschaft beenden oder wieder Kontakt aufnehmen? Vertrauen ist jedoch dahin und ich glaube, es würde sicher nicht mehr wie vorher sein.

Danke und liebe Grüße

Hanni05

Beitrag von michi0512 14.04.11 - 15:27 Uhr

Ich kann mir sehr gut vorstellen wie weh es Dir tut. Ich (Mama 2er gesunder Kinder) sage JETZT:

NIEMALS würde ich mein Kind ABGEBEN.

Ja - ich kann es nicht nachvollziehen weil ich es als meine Pflicht ansehe meinen Kindern beizustehen.

Aber: Ob ich so denken würde wenn ich mich jahrelang aufopfer? Wenn ich in Deiner Situation wäre? Ich weiß es nicht.



Die Entscheidung über eine Einrichtung könnt nur ihr treffen.




Was Deine Freundin angeht: 20 Jahre wirft man nicht weg. Ich denke Du bist im Moment etwas empfindlich weil Dir von allen Seiten tolle Ratschläge um die Ohren flattern und Du mit dir selber haderst.

Deine Freundin hat vlt. blöd oder nicht nagemessen reagiert, aber sie hat Dir ihr EHRLICHES empfinden geschildert. Du darfst nicht vergessen dass sie eben ein anderes Leben führt. Sie war EHRLICH - und das zählt in einer Freundschaft. Schreib ihr ne SMS dass Du noch immer Sauer bist - aber rede mit ihr. Vielleicht hast Du etwas anders aufgefasst.. sie hats anders gemeint...

GlG

Beitrag von manavgat 14.04.11 - 17:28 Uhr

NIEMALS würde ich mein Kind ABGEBEN.


Aha.

Du würdest also in Kauf nehmen, dass

die Familie zerbricht

Du für Deine anderen Kinder keine Kraft hast?

Du dem behinderten Kind nicht gerecht werden kannst?


Gruß

Manavgat

Beitrag von michi0512 14.04.11 - 17:31 Uhr

Jaja #bla

Hättest Du richtig und vorallem noch ein Stück weiter gelesen hättest Du das Posting auch kapiert.

Beitrag von jennykannsauch 14.04.11 - 21:33 Uhr

Genau DAS kann sie ja nicht #winke #klatsch

Beitrag von kati543 14.04.11 - 18:37 Uhr

Manavgat,
das wurde überhaupt nicht behauptet und geschrieben. Richtig lesen...und vor allem ALLES lesen.

Beitrag von jennykannsauch 14.04.11 - 21:34 Uhr

Laber Rababer, immer derselbe sinnlose Scheiß #bla

Beitrag von clazwi 14.04.11 - 16:10 Uhr

Hallo Hanni,

ich bin in einer ähnlichen Situation wie Du.
Auch bei mein geistig behindertes Pflegekind hatte sehr anstrengende Verhaltensweisen: eigen- und fremdaggressiv, keine Kontrolle über sich, kein Gefahrenbewusstsein...usw.

Ich dachte manchmal, ich befinde mich im "falschen Film".

Wir haben ein ganz tolles Umfeld, in das wir vollkommen integriert sind - trotzdem gab es auch da mal Fragen und Anregungen, ob wir "so weitermachen" können.
Vor etwa 1.5 Jahren ist unsere Kleine derartig ausgetickt, dass ich zum Arzt bin und gesagt habe: "Entweder das Kind oder ich..."


Unser -glücklicherweise- sehr gründlicher und verantwortungsvoller Arzt hat ihr einen sog. "Dopaminhemmer" verschrieben.
"Dopamin" ist ein köprereigener Botenstoff - vielleicht hast Du auch schon mal gehört, jemand ist "gedoped" (beim Radsport z.B.).
Durch das Dopamin wird der Körper hochgepuscht und bei manchen Menschen kann das krankheitsbedingt erhöht sein und z.B. Psychosen auslösen oder eben derartige Verhaltensweisen.

Hier mal ein Link:

http://de.wikipedia.org/wiki/Dopamin


Die Mutmaßung mit den finanziellen Gründen wirkt aber auch auf mich schon übergriffig - aber (!) sie hat sich entschuldigt.
Viele Menschen können sich nicht entschuldigen und sind auch nicht einsichtig.

Die Entschuldigung würde ich auf jeden Fall annehmen und auch das Gespräch mit ihr suchen, wenn Du Dich innerlich wieder etwas beruhigt hast.

Ich bin mit meinen Mitmenschen immer im Dialog, da kann man doch vieles klären.

Alles Gute für Dich!
Claudia


Beitrag von krokolady 14.04.11 - 16:22 Uhr

wer kein solch besonderes Kind hat darf sich da eh kein Urteil bilden!

Meine Tochter wird bald 6, ist geistig behindert, hat körperliche kleinere Baustellen, und eine lebensbedrohliche, genetische Form von Epilepsie.
Das Leben mit ihr ist manchmal echt anstrengend......manchmal "nervt" sie mich totel - so hart sich das nun vielleicht anhört.....ihre autistischen Züge sind manchmal total stressig.

Allerdings könnte ich mich niemals vorstellen sie in eine Fremdunterbringung zu geben........jedenfalls nicht die nächsten 13 bis 15 Jahre.
Wenn sie Erwachsen ist werd ich sie ziehen lassen wie jedes gesunde Kind auch.

Wenn Du noch nicht soweit bist ihn in Fremdbetreuung zu geben......versuch dir Hilfe zu holen!
Du hast ja sicher eine Pflegestufe....also im Jahr etwas über 1500 euro für Verhinderungspflege.
Und ich denk mal das Dir auch 200 Euro im Monat zustehen für den erhöhten Betreuungsbedarf. Lass doch da ab und zu mal wen vom FED oder ähnlicher Einrichtung kommen.

Und zu Deiner Freundin: Vielleicht macht sie sich einfach nur Sorgen um Dich.......das Du Dich "zwingst" Deinen Sohn zu Hause zu behalten der Finanzen wegen.....was totaler Blödsinn wäre, weil ihr nur einen geringen anteil zahlen müsstet.

Setz dich mit ihr zusammen und erklär ihr Deine Gefühlslasge.......

Beitrag von sabrinimaus 14.04.11 - 16:52 Uhr

Hallo Hanni,

wenn ich mir nur vorstelle, dass ich jetzt an deiner Stelle wäre, würde es mir schlecht werden. Ich möchte auch nicht entscheiden müssen, ob ich mein Kind behalte oder nicht! Ich wünsche euch, dass ihr für euch die richtige Entscheidung trefft. Und egal, wie diese ausfällt, es darf sich keiner ein Urteil bilden, der nciht selbst ein schwerbehindertes Kind hat!

Nun zu deiner Freundin. Ich denke auch, dass du ein wenig übertreibst! Eine 20ig-jährige Freundschaft sollte soetwas aushalten und ehrlich, nur weil deine Freundin in deinen Augen einmal die falsche Frage gestellt hat, willst du die Freundschaft doch nicht ernsthaft aufgeben, oder???

Gerade in einer wirklichen Freundschaft muss man doch mal "offen" sprechen könne, egal ob es sich um Kritik, eine andere Meinung oder sonst was handelt. Und selbstverständlich kommen auch in einer Freundschaft, auch wenn man sich noch so gut kennt auch einmal Missverständnisse vor, die man doch in einem persönlichen Gespräch ganz schnell wieder aus dem Weg räumen kann.

Gib dir einen Ruck und ruf sie an! Ich denke, du würdest es irgendwann bereuen, wenn die Freundschaft zu Bruch geht!

LG Sabrina

Beitrag von anja570 14.04.11 - 17:25 Uhr

Hallo,

ich kann sehr gut verstehen, dass Du verletzt bist, die Frage Deiner Freundin war sehr unglücklich formuliert.

Sie meinte es vermutlich so, dass es eine Entlastung wäre, weil Ihr schon an der Grenze Eurer Kräfte angekommen seit und die Geschwister darunter leiden.

Aber Dein Sohn ist erst 6 Jahre, für mich wäre der Zeitpunkt darüber nachzudenken auch noch zu früh, Alternative wäre vielleicht mit Schulbeginn erstmal ein Internat. Selbst das wäre mir aber mit 6 Jahren noch viel zu früh gewesen und auch jetzt kann ich es mir noch nicht vorstellen, wir hätten aber auch keine Möglichkeit dafür in unserer Region. Wir hatten 2 G-Schulen im Umkreis zur Auswahl, an beide ist kein Internat angeschlossen.

Mein Mittlerer ist schwer behindert und inzwischen schon 14. Als er im Kiga-Alter war so mit 3-4 kam schon von meinem Vater die Frage, ob er nicht im Heim besser aufgehoben wäre. Das hat uns damals sehr verletzt, er war noch so klein und ich muss dazu sagen, dass wir noch nie Hilfe aus der Familie hatten.
Letztes Jahr kam von meiner Nichte die Frage, wann er in eine Einrichtung kommen soll. Ich weiß, dass es nicht von ihr kommt, die Frage kam sehr gezielt. Meine Schwester mit der wir kaum Kontakt haben, hatte wohl Interesse es zu erfahren. Ich habe normal dazu geantwortet und es hat mich nicht so verletzt, wie vor vielen Jahren.

Aus dem Freundeskreis kam noch nicht diese Frage, meine Freundin sagte vor Jahren mal ehrlich, dass sie nicht mit uns tauschen möchte.

Bei uns kommt die Frage aus der Familie, obwohl es denen auch egal sein könnte, wenn wir sowieso von Anfang an auf uns allein gestellt sind und uns anderweitig Hilfe und Entlastung gesucht haben.

Ich würde 20 Jahre Freundschaft nicht deshalb wegwerfen, aber schon offen sagen, dass es Dich verletzt hat und dass Ihr den Zeitpunkt selbst entscheidet. Ich finde das muss eine Freundschaft auch aushalten und es hat nichts mit jedes Wort auf die Goldwaage legen zu tun.

Mich stört es schon, dass solche Fragen immer von Nichtbetroffenen kommen, die keine Entlastung sind.

Es gibt auch Menschen, die einem das Pflegegeld neiden, haben wir schon erlebt.

LG
Anja

Beitrag von manavgat 14.04.11 - 17:26 Uhr

Warum darf eine so gute Freundin nicht fragen. Du kannst ihr doch antworten.

Kann es sein, dass du - völlig unsinnige - Schuldgefühle hast und sie jetzt die Projektionsfläche ist?

Behalte Deine Familie, also auch die anderen Kinder im Blick. Niemand ist geholfen, wenn ihr völlig am Rad dreht. Ihr werdet Euer Kind doch nicht aufgeben, wenn es vollstationär aufgenommen ist, oder? Es wird doch Besuche geben, ihr zu ihm und vielleicht auch, dass Euer Sohn mal - sofern das möglich ist - über das WE zuhause ist, oder nicht?

Entscheide so, dass insgesamt weniger gelitten wird.

Rechtfertige Dich nicht für Deine Entscheidung, aber akzeptiere, dass nahestehende Personen fragen.

Pfleg Deine Freundschaften, sie sind dafür da, dass man offen über die Dinge spricht!

Gruß

Manavgat

Beitrag von kati543 14.04.11 - 18:35 Uhr

OK. Ich habe auch 2 schwerbehinderte Kinder. Wir bekommen auch einiges an Geldern, Freibeträgen,... - schwer erkämpft und noch lange nicht genug. Aber wie zum Teufel, kann man denn auf die Idee kommen, dass die paar Euros ausreichen würden, schon um allein die Besonderheiten des Kindes zu finanzieren? Entweder es gibt hier noch irgendeinen Topf, von dem ich bisher nichts weiß (was ich nicht glaube), oder aber deine Freundin hat eine absolut utopische Vorstellung, was es für Kosten mit sich bringt, ein behindertes Kind zu haben.
Ansonsten kann ich zu dem Thema nur eines sagen. Sie war 20 Jahre deine Freundin. Sie kennt dein besonderes Kind nun seit 6 Jahren und hat dir sicherlich da auch einige Male zur Seite gestanden - sei es als Schulter zum Ausweinen oder sie hat dir den Kleinen oder die Schwestern mal abgenommen, dass du mal Luft holen konntest. Soll da ein verbaler "Fehlgriff" nicht mal erlaubt sein? Klar bist du sehr sensibel in dem Bereich. Ich denke, ihr solltet euch gemütlich zusammensetzen und ganz offen darüber reden und nicht das Thema totschweigen. Sage ihr ganz klar, dass die vielen Zusatzgelder, die man ja bekommt von Pflegekasse, Sozialamt, Krankenkasse und Finanzamt letztendlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Klar sind das für Außenstehende Riesensummen. Aber bei näherem hinschauen ist es gar nichts.

Für dein anderes Problem. Dass dein Sohn früher oder später in Vollstationäre Pflege muß, ist dir klar. Warum suchst du nicht schon ein passendes Pflegeheim für ihn? So schnell findest du sowieso keinen Platz. Da können Monate bis Jahr(e) vergehen.
Nutzt du alle Entlastung die die PS dir gibt? Also die Kurzzeitpflege und die Verhinderungspflege? Und das eben ruhig auch außerhalb der Familie.

Beitrag von 3wichtel 14.04.11 - 19:02 Uhr

Kann das nicht sein, dass Deine Freundin es nur gut gemeint hat?
Vielleicht hat sie Angst, dass ihr Euch einen Heimplatz nicht leisten könnt und deshalb euer Kind zu Hause lasst, obwohl ihr eigentlich nicht mehr die Kraft für die Pflege habt.
Oder sie hat Angst, dass ihr das Pflegegeld zum Leben braucht und deshalb diesen Schritt nicht gehen könnt.

Vielleicht wollte sie nur andeuten, dass sie mit euch gemeinsam eine (finanzielle) Lösung suchen möchte, wenn die Finanzen das Problem sind.

Es kann wirklich alles ganz rührend lieb gemeint sein von ihr!

Beitrag von cazie71 14.04.11 - 21:50 Uhr

Liebe Hanni.

Ich hatte beim Lesen deines Beitrages nur einen Gedanken:

Vergiss sämtliche Leute (einschließlich deine Freundin), die dir raten, DEIN Kind abzugeben. Auch wenn es oft schwierig ist - er ist DEIN SOHN und er gehört zu euch!

Alles erdenklich Gute!!!!
Carmen

Beitrag von bipi168 14.04.11 - 22:09 Uhr

Hallo,

ich kann dir nur von uns sagen.......

unser sohn hat frühkindlichen autismus, einen helm zum schutz, kein schmerzempfinden, ist geistig zurückgeblieben, verhaltens und entwicklungsgestört und hat schwere epilepsie ( 09 hatte er eine tumor und hirnentfernung).prognosen? es wird immer schlechter momentan................ABER dann sind wieder die tollen kurzen momente da.
wir haben insgesammt 5 kinder, leider mag tim seinen kleinen bruder max gar nicht. die beiden schlagen sich halb den kopf ein und tim ist ein 24std. job da ich ihn nicht aus den augen lassen kann.
er würgt, er wirft mit stühlen und er hat spastiken.
nachts schläft er nicht durch und muss gewickelt werden mehrmals und und und .........tim wird jetzt 7 jahre alt.

oft komm ich an meine körperlichen und psychischen grenzen ABER ich habe es noch nie bedauert, ich würde nichts ändern.
auch wenn tim und max sich nicht mögen und sich ständig "streiten"......tim ist eine bereicherung für uns.

ich möchte dir kein schlechtes gewissen machen ABER ich denke mit 6 jahren muss ein kind nicht weg von den eltern, dass könnt ihr noch schaffen wenn ihr bereit dazu seit.

rede mit deiner freundin, ich denke das du es falsch aufgenommen hast.
20 jahre freundschaft wirft man nicht so einfach weg.

liebe grüße und alles gute bianca

Beitrag von anja570 15.04.11 - 13:22 Uhr

Hallo,

ich finde wenn Außenstehende egal wie es gemeint war sich Gedanken darüber machen, ob Eltern ihr Kind nur wegen Pflegegeld & Co. weiter zu Hause pflegen, sollten sie aufgeklärt werden, was sie dem Staat jahrelang damit für Kosten ersparen.

Ein Heimplatz kostet jeden Monat mehrere tausend Euro, Eltern bekommen nur einen winzigen Bruchteil dessen für die Pflege daheim gezahlt.

Das soll nicht heißen, dass Eltern sich komplett aufopfern sollen bis zum Burnout, bis sie und die restliche Familie gar keine Kraft mehr haben.

Aber so lange die Pflege zu Hause möglich ist, die Belastungsgrenze noch nicht komplett erreicht ist und der Zeitpunkt noch nicht gekommen ist, das Kind in eine Einrichtung zu geben, so lange ersparen wir dem Staat jeden Monat sehr viel Geld.

Das sollte jeder Nichtbetroffene wissen, der sich darüber Gedanken macht, egal ob es positiv gemeint war, oder nur so daher gesagt.

Ob das Vetrauen dahin ist und ob die Freundschaft nochmal wie vorher werden kann, kann ich nicht beurteilen, aber bestimmte Punkte sollte Deine Freundin wissen, erstrecht bei einer so langen Freundschaft. Sprech es an und erkläre ihr Deinen Standpunkt, entweder geht sie darauf ein und sieht auch mal Deine Seite, oder die Freundschaft bleibt gestört.

LG
Anja




Beitrag von haarerauf 15.04.11 - 15:05 Uhr

Hat sie es evtl. so gemeint, dass es ein Heidengeld kostet sein Kind in eine Einrichtung zu geben, ihr es euch nicht leisten wollt/könnt?

Und ihr daher die Daheimpflege lieber durchziehen wollt.

Oder wegen des Pflege- und Kindergeldes dass ihr bekommt euer Kind eben nicht in eine Einrichtung gebt?

LG

Haarerauf

Beitrag von kati543 15.04.11 - 18:39 Uhr

Wenn es so gemeint gewesen wäre, müsste sie sich nicht entschuldigen, oder?

Beitrag von manu-ll 15.04.11 - 18:45 Uhr

Also zu der Unterbringung eure Sohnes will und kann ich mich nicht äußern, darum ging es dir ja auch nicht.

Ich hatte mit einer sehr guten Freundin eine ähnliche Situation: sie hat mich mit einer Aussage sehr verletzt und das meiner Meinung nach absichtlich.
Mich hat das schwer getroffen und ich habe die Freundschaft erstmal auf Eis gelegt. Sie konnte das auch gar nicht nachvollziehen, denn ihrer Meinung nach war das ja gar nicht sooo schlimm, was sie gesagt hat.

Ich habe ihr dann klipp und klar gesagt, dass es Grenzen für mich gibt und die hatte sie überschritten. Sollte sie jemals etwas Ähnliches mit mir machen, werde ich die Freundschaft beenden.

Sie hat darauf ehrlich erstaunt reagiert, aber es so akzeptiert und seitdem ist so etwas nicht wieder vorgekommen.

Also: sag es ihr nochmal klipp und klar, dass solche Aussagen für dich völlig inakzeptabel sind.

Und dass dich sowas sehr verletzt, verstehe ich total.

Manu

Beitrag von katerella 15.04.11 - 21:31 Uhr

Eltern von ganz besonderen Kindern haben einfach ab und an Momente, in denen sie überdimensional sensibel auf jegliche das Kind betreffende Kommentare reagieren.
Nach der Diagnose "komplexer Herzfehler" bei unserer Tochter, kam ich mir vor, als hätte mich jemand auf einer einsamen Insel ausgesetzt. Ich habe in allen Kommentaren und gut gemeinten Ratschlägen nur noch das negative raus gehört bzw. zurecht gebogen. Ich bin bei jedem Gespräch, in dem es um unsere Tochter ging, schon mit der Einstellung ran gegangen: ihr könnt alle reden, ihr habt ein gesundes Kind und müsst nicht diese ganzen furchtbar aufreibenden Zeiten mitmachen.
Mittlerweile habe ich gelernt, mein Selbstmitleid, und ich denke das spielt eine sehr große Rolle, in gewisse Bahnen zu lenken. Sicher gibt es immer noch Momente, in denen ich mich nur mit selbst betroffenen Eltern austausche. Einfach, weil ich da nicht viel erklären muss sondern offen und ehrlich meine Ängste und Sorgen auf den Tisch packen kann. Aber ich akzeptiere genauso unsere Freunde, welche sich ernsthaft Gedanken machen und mit uns fühlen, aber eben nicht im einzelnen alles nachempfinden können.

Eine Freundschaft, die 20 Jahre gehalten hat, zerbricht nicht einfach an einem Satz, der sicherlich ein großes Potential an Missverständnis mit sich bringt.
Es kann natürlich sein, dass man sich auch mit der besten Freundin auseinander lebt, bzw. einige Lebensumstände dazu führen, dass man eine gewisse Zeit nicht wirklich zu einander passt.
Du bzw. ihr müsst für euch alleine klären, ob ihr euch ohne Kontakt besser fühlt. Ehrlichkeit ist hier, wie so oft im Leben, das A und O.

Ich weiß ja nicht, ob ihr zu einer Art Selbsthilfegruppe Kontakt habt. Aber ich würde euch das wärmstens empfehlen.

Ich wünsche euch alles Gute und vor allem sehr viel Kraft für eure Entscheidung, egal wie sie ausfällt.
Lg Claudi :-)

Beitrag von janaquinn 20.04.11 - 06:58 Uhr

Hej Hanni,
ich denke, 20 Jahre engster Freundschaft sollte man nicht einfach wegwerfen, sei froh und glücklich, dass du solche Freunde hast, auch wenn es mal zu Missverständnissen kommt. Natürlich ist es eine heftige Frage gewesen, aber deine Freundin hat sich entschuldigt und vielleicht setzt ihr euch einfach mit einem Pott Kaffee hin und redet darüber. Bei uns steht das Thema Fremdbetreuung seit Jahren im Raum, mein Sohn ist jetzt 10 Jahre alt, die Pflege wird immer schwerer, seine Wutanfälle sind kaum zu bändigen und wird aggresiv gegenüber uns und seiner kleinen Schwester. Er hat die Kraft eines 10jährigen, aber den Entwicklungsstand eines 8 Monate alten Kindes.
Bei uns ist es eine finanzielle Entscheidung ihn aktuell nicht ins Internat zu geben, weil ich mein Geld damit verdiene. Sowas ist hier in Schweden vollkommen normal und wir fahren sehr gut damit, aber kommen täglich an unsere Grenzen, die Fremdbetreuung wird in spätestens 2-3 Jahren Realität, weil es dann einfach nicht mehr möglich sein wird, Yannic zu händeln und vernünftig zu pflegen, weil er bereits jetzt 30kg wiegt und gehoben werden muss.

Aber zu deiner Freundin zurück: Schätze dich einfach glücklich, dass du solche Freunde hast, die trotz behinderten Kind fest an deiner Seite stehen und sich um dich und die Familie sorgen, sowas gibt es selten und ist kostbar. Zumindest haben wir es so erlebt, wir haben aus den Zeiten vor der Geburt unseres Sohnes noch genau 3 Freunde übrig und wir hatten einen grossen Freundeskreis. Aber nach der Geburt blieben uns nur diese 3 Freunde, die uns immer zur Seite gestanden haben und uns gestützt und unterstützt haben. Ruf deine Freundin an und dann redet darüber, erkläre ihr warum du so reagiert hast, dass es einfach ein sensibles Thema ist und das es einfach Tage gibt, an denen du an deine Grenzen stösst und ausgebrannt bist. Das ist keine Schwäche, sondern eine Stärke, die man erst lernen muss...gerade als Mama eines behinderten Kindes.
Grüsse aus Schweden
JANA:-)

Beitrag von tomama 22.04.11 - 17:51 Uhr

Hallo,

ich finde die Frage gar nicht verwerflich. Kostet so ein Platz nicht mindestens 2000 oder 3000 Euro. Und ihr habt noch weitere Kinder. Deine Freundin wird sich wohl nur Gedanken gemacht haben.

Du stehst im Moment vor einer sehr schwierigen Entscheidung. Ich könnte mir vorstellen, dass Du egal wie Du entscheidest, Dich immer fragen wirst, ob die Entscheidung richtig war.

Aber Deinen ganzen (berechtigten) Frust jetzt an Deiner Freundin abzulassen, ist nicht wirklich gerecht. Aber eine gute Freundschaft wird auch das aushalten.

Meine beste Freundin dürfte auch so ungerecht zu mir sein, wie Du es gerade bist. Wenn ich wüßte, dass ihr gerade das Herz gebrochen wird, dann könnte ich das aushalten.

Euch alles Gute

Tomama