20 Jahre Freundschaft einfach wegwerfen?

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Forum: Freundschaften

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Beitrag von hannes05 14.04.11 - 14:54 Uhr

Hallo ihr Lieben,

zur Vorgeschichte: Ich habe ein geistig schwer behindertes Kind (6 Jahre). Das Leben mit ihm wird immer schwieriger, da er inzwischen immer öfter aggressiv wird, Wut- und Schreianfälle hat und somit die ganze Familie (er hat noch zwei Schwestern) darunter leidet. Er kann aber auch total friedlich und pflegeleicht sein, es gibt also auch viele schöne Momente mit ihm. Trotz allem hängen wir sehr an ihm.

Die Frage nach vollstationärer Unterbringung in einer Einrichtung rückt jedoch immer näher, sollte sich sein Verhalten nicht ändern. Von allen Seiten wird uns angeraten (von Fachleuten und dem persönlichen Umfeld), den Schritt der Unterbringung zu gehen, zumal wir uns kräftemäßig wirklich am Limit bewegen. Wir hadern aber sehr damit, weil wir eigentlich hofften, wir schaffen es zumindest bis zur Pubertät, ihn in der Familie zu behalten. Er ist doch noch so klein.

So und nun zu meinem Problem: Meine beste Freundin, mit der ich seit 20 Jahren befreundet bin, hat nun tatsächlich gefragt, ob es vielleicht des Geldes wegen wäre, dass wir unser Kind nicht vollstationär geben. Ich dachte, ich höre nicht richtig und fühle mich sehr verletzt. Sie weiß genau, wie wir unter der Situation leiden, und wie schwer wir es uns mit dieser Frage machen. Aber sicher nicht aus finanziellen Gründen. Wir arbeiten beide und es ging uns auch vor unserem behinderten Kind gut und wir haben immer schon ein bisschen gespart und führen ein geregeltes Leben. Ich behaupte mal, wir konnten im Gegensatz zu ihr immer schon gut mit Geld umgehen und dass weiß sie auch.

Sie hat sich dann per SMS entschuldigt, dass es doch ganz anders gemeint war, ich jedes Wort auf die Goldwaage lege und ob das eine Freundschaft nicht mal aushält. Ich habe geantwortet, dass ich mit niemandem mehr, der nicht selber davon betroffen ist, über dieses Thema reden möchte und dass ich erst meine Zahn-OP hinter mich bringen möchte. Okay, ich konnte mich nicht zurückhalten und habe als letztes geschrieben, dass gesunde Familien ihre Kinder ja auch nicht wegen dem Kindergeld behalten.

Seither hatten wir keinen Kontakt mehr (seit 10 Tagen). Einerseits tut es mir leid, andererseits bin ich immer noch sehr wütend. Ich finde, so etwas kann man vielleicht denken, aber nicht aussprechen, zumal sie mich so gut kennen müsste, dass es mir nicht ums Geld geht.

Was würdet ihr machen? Die Freundschaft beenden oder wieder Kontakt aufnehmen? Vertrauen ist jedoch dahin und ich glaube, es würde sicher nicht mehr wie vorher sein.

Danke und liebe Grüße

Hanni05

Beitrag von ann-mary 15.04.11 - 09:58 Uhr

Hallo Hanni,

lass dich erstmal #herzlich drücken. Ich kann mir gut vorstellen wie schwer die Lebenssituation für dich ist.

Die Frage, ob ihr euren Sohn stationär in eine Einrichtung bringen sollt, kann ich dir nicht beantworten. Ihr müßt es einfach für euch entscheiden, ob ihr die Kraft habt noch viele weitere Jahre für euren Sohn Tag und Nacht dazusein.

Pflegt ihr euren Sohn denn ganz alleine oder gibt es keine Unterstützung von Ämtern, bsp. eine Krankenschwester, wenn du zur Arbeit mußt o.ä. ? Kann euch eure Familien weiterhelfen ??

Die Sache mit deiner Freundin, finde ich vor meinem Computer gesehen aus, jetzt nicht so tragisch. Ich war bei eurem Gespräch selbst nicht dabei und weiß somit auch nicht in welchem Ton sie mit dir gesprochen hat.

ABER ich gehe mal einfach davon aus, dass du es ernster aufgenommen hast, als sie es gemeint hat. Aus dem einfachen Grunde schon, weil dir die viele Arbeit mit Familie, evtl. auch Beruf über den Kopf wächst, sprich nervlich angespannt bist und auf alles was mit deinem Sohn zusammenhängt gleich persönlich nimmst.

Ich würde sagen, dass du dich mit deiner Freundin wieder verträgst. Wenn sie dich in- und auswendig kennt, wird sie dir deinen "Spruch" ihr gegenüber verzeihen können.

Gib dir einen Ruck und lad sie zum Kaffee ein.

HG ann

Beitrag von rain72 18.04.11 - 10:20 Uhr

Hallo Hanni05,
also, ich kenne ja Eure finanzielle Situation kein bisschen, aber: Egal, wie sie ist: Ich finde die Frage Deiner Freundin nun wirklich nicht abwegig! Ich habe mich in letzter Zeit wegen möglicherweise anstehender Unterbringung in Pflegeheimen im Verwandtenkreis mit dem Thema "Heimunterbringung" befasst und habe da nur die Erfahrung gemacht, dass man am besten einen Goldesel daheim hätte. Und so, wie Du die Situation schilderst, würdest Du ja für Deinen Sohn sicherlich nicht eine 08/15-geht-grad-so-Unterbringung wollen, sondern eine schöne Einrichtung mit sehr guter Förderung usw.... Das hat überhaupt nichts mit "mit Geld umgehen können" oder "geregeltem Einkommen" zu tun!
Und eine sehr gute Freundin muss doch diese Frage auch mal stellen dürfen, oder? Wenn Du nicht mit Ihr über Eure finanziellen Verhältnisse sprechen möchtest, seien sie auch noch so gut, finde ich das auch ok. Ich wüsste aber ehrlich gesagt nicht, weshalb aufgrund dieser Frage "das Vertrauen dahin" sein sollte?? Ich meine, so wie ich das verstehe, hat sie ja GEFRAGT, ob es was mit den Finanzen zu tun hat und nicht unterstellt, Ihr würdet Euren Sohn nur deshalb zu Hause betreuen, weil Ihr es Euch nicht anders leisten könnt, oder??
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich würde Dir raten, dass Du Dich mit Deiner Freundin aussprichst, Ihr erklärst, was Dich an der Frag so verletzt hat und danach gebe ich ihr Recht: Das muss eine Freundschaft aushalten!
LG
rain