Bin ich kalt, abgeklärt? Oder komme ich einfach nur damit klar?

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von aurora-borealis 16.04.11 - 22:31 Uhr

Hallo,
Kurz vor Weihnachten starb mein Vater plötzlich und unerwartet.

Meine Mutter und meine Schwester haben die Zeit nur mit Beruhigungsmitteln überstanden, ich stand immer fest und gerade auf dem Boden, war zudem schwanger (6 Wochen vor Geburt), voll mit Problemen ( mit dem Vater der Kinder) und alleinerziehend von drei Kindern, für die ich ebenso stark sein musste.
Ich hatte niemanden der mich auffing und niemand fragte mich, wie es mir geht, wie ich klar komme.
Ich habe im Grunde nur zweimal richtig geweint und getrauert..als ich die Nachricht seines Ablebens erhielt und bei der Beerdigung.

Meine Mutter und meine Schwester tragen noch immer schwarz, nehmen z.t immer noch Beruhigungsmittel und meine Schwester weint noch oft.

Ich nicht.
Ich verstehe das nicht, er fehlt mir doch auch. Ich vermisse ihn ebenso und mir tut es auch weh.
Warum ist meine Haltung so komplett anders?
Liegt es daran das ich nebenbei soviele andere Probleme hatte und immer noch habe? Kann ich einfach nur besser damit umgehen? Habe ich evtl noch gar nicht richtig getrauert oder bin ich kalt und abgeklärt?
Ich verstehe das nicht.

aurora

Beitrag von lemon007 16.04.11 - 22:57 Uhr

Huhu,

hat deine Schwester auch Kinder? Du bist tagsüber wahrscheinlich zu beschäftigt um zu trauern, deine Kinder lenken dich ab. Ja, und abends, da wirst du vllt. zu müde sein. Ich kenn das nämlich. Meine Mutter ist gestorben. Zum Trauern komme ich erst, wenn der Kleine abends schläft. Manchmal verdränge ich es tagsüber und habe das Gefühl, sie ist noch da!

Aber: Jeder trauert anders. Die Einen weinen mehr, die anderen weniger...

Mach dir also keine Vorwürfe #liebdrueck

LG

Beitrag von aurora-borealis 21.04.11 - 10:06 Uhr

Komme leider erst heute zum nachlesen und antworten...

ja, sie hat zwei Kinder, ist voll Berufstätig und erträgt nicht einmal ein Foto von ihm...
Ich ja, ich komme viel leichter damit klar.
Ich erwische mich aber dabei das ich immer noch sage "ich fahre zu meinen eltern"
Sie sagt z.b ich fahre zu meiner Mutter...

Beitrag von lemon007 16.04.11 - 22:59 Uhr

Ach, und noch eine #kerze für deinen Papa und eine

#kerze für meine Mama, die am 24.02.2011, 1 Tag nach ihrem 56. Geburtstag, von uns gegangen ist #schmoll

Beitrag von aurora-borealis 21.04.11 - 10:07 Uhr

#kerze
Dir auch noch mein Herzliches Beielied

Beitrag von chris.1984 16.04.11 - 23:51 Uhr

Hallo... erstmal noch mein Beileid.

Ich denke auch wie meine Vorrednerin schrieb, das du einfach durch deine Kinder und evtl. auch den anderen Problemen "zu" abgelenkt bist.

Ich kann nur von mir sprechen und ich habe mir schon die gleiche Frage gestellt, wie du gerade. Ob ich einfach nur eiskalt bin.
Heute ist der 2. Todestag von meiner Tochter. Ich habe sehr schnell angefangen, die Trauer zu verdrängen. Ich habe gelernt, die positiven Seiten (das sie keine Schmerzen mehr hat, es ihr jetzt besser geht, sie so kein normales Leben hätte führen können usw.) immer weit in den Vordergrund gestellt. Das hat mir geholfen, mit dem Schmerz besser umgehen zu können. Oder ich verdränge ihn nur damit.

Dienstag war ihr 4. Geburtstag und der Tag war wirklich schwer. Heute ist ihr 2. Todertag und ich sagte vorhin noch zu meinem Mann, das ich gedacht hätte der Tag heute wird viel schwerer. Der Tag war unschön, keine Frage. Aber ich konnte es gut verdrängen. BIS meine Kids im Bett waren und ich zur Ruhe kam. Dann kam der totale Tiefpunkt.

Im Großen und Ganzen, was ich damit sagen will.
Jeder geht mit Trauer anders um. Du bist nicht kalt. Glaube mir, die Zeit wird noch kommen und dafür wünsche ich dir viel Kraft.
Ich hab es auch nur Schubweise.

Eine #kerze für deinen Papa
Eine #kerze für meine Prinzessin Lara

LG

Beitrag von aurora-borealis 21.04.11 - 10:08 Uhr

Danke dir...

für deine Prinzessin auch eine Kerze... #kerze

Beitrag von redrose123 17.04.11 - 08:55 Uhr

Weil jeder anders Trauert, bei meinem Opa hab ich auch nur beim hören das er Tod ist geheult und Beerdigung. Ich denke jeder Trauert anders und das ist gut so....

Beitrag von aurora-borealis 21.04.11 - 10:09 Uhr

Das stimmt wohl

Danke

Beitrag von mona1879 17.04.11 - 09:48 Uhr

hallo aurora,

die gleichen fragen habe ich mir gestellt nachdem letztes jahr mein baby gestorben ist. ich war stark für meine kinder und für mich. klar habe ich getrauert, aber es ging nicht so gut und auch nicht gleich. für mich hat es ein halbes jahr gedauert bis ich zusammen gebrochen bin und vier wochen nicht mehr aus dem bett aufgestanden bin.

meine therapeutin sagete, manchmal dauert es jahre bis man trauern kann, weil man durchhalten will und es auch nicht anders kann und manchmal schafft man es auch ohne zusammenbruch.

für mich ist das trauern ein mystherium. ich verstehe auch nicht warum es mir nicht gut gelingt, weil ich sonst nicht gefühlskalt bin oder so. es versteht auch niemand, wie einem das nicht gelingen kann.

lieben gruß und lass es einfach so sein wie es ist. frag dich nicht, ob es anders sein sollte.

mona

Beitrag von aurora-borealis 21.04.11 - 10:10 Uhr

ok... ich muss es wohl auf mich zukommen lassen..
Vielen dank für deine Worte...

Beitrag von schwilis1 17.04.11 - 12:14 Uhr

die frage ob du noch nicht richtig getrauert hast kannst nur du dir beantworten. Meine mama starb im oktober. und so traurig ich auch war, ich habe einen Sohn, der mich braucht. wir waren alle traurig. wir haben alle geweint, aber der Tod gehoert zum leben dazu.
ich glaube nicht, dass man unnormal oder kalt ist weil man seine Tage dennoch gut rüberbringt, weil man nicht ständig am weinen ist.
Jeder geht anders mit Trauer um und sterben als eine Teil des lebens zu betrachten gehoert eben auch dazu

Beitrag von aurora-borealis 21.04.11 - 10:10 Uhr

wirklich benatworten kann ich es nicht, aber ich sehe es wie dur.. der tod gehört dazu und ihc weiss doch das es ihm besser geht.
Deswegen frage ich mich ja auch ob ich zu abgeklärt bin..

Beitrag von oma.2009 17.04.11 - 14:29 Uhr

Hallo,

auch mein Vater ist Anfang Dez. 2010 verstorben...ich habe keine Geschwister. Meine Mutter trauert immer noch, ich selber habe bisher noch keine "Zeit" gehabt, um meinen Vaer zu trauern. Ich habe einen schwerst pflegebedürftigen Ehemann (der war zu der Zeit im Krankenhaus) und ich habe mich mit meiner Mutter zusammen um die Beerdigung und den ganzen Papierkram gekümmert, war also immer irgendwie eingespannt. Ich habe Angst davor, dass mich die ganze Geschichte irgendwann mal einholt. Aber eines weiß ich, mein Papa fehlt mir mit jedem Tag mehr und ich denke jeden Tag an ihn.
Papa, ich vermisse dich!

LG

Beitrag von aurora-borealis 21.04.11 - 10:11 Uhr

Bis auf den Ehemann hätte ich das schreiben können....

Danke

Beitrag von pechawa 17.04.11 - 21:11 Uhr

Hallo Aurora,

jeder Mensch baut eine Art Selbsschutz auf. Das ist wichtig, denn er muss ja auch noch "funktionieren", z.B. wenn noch andere Sorgen dazu kommen und Kinder da sind. Dann trauert auch jeder anders, aber glaube mir, die Farbe der Kleidung hat nichts mit TRauer zu tun, auch nicht die Menge der Beruhigungsmittel!
Du bist nicht kalt oder abgeklärt, musst aber aufpassen, dass du deine Trauer nicht verdrängst, denn sonst kommt irgendwann mal unweigerlich der Zusammenbruch! Alleinerziehend in einer Trauerphase, da braucht man unbedingt jemanden, der einen auch mal auffängt. Wenn man ihn nicht in der Familie findet, dann sollte man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, z.B. über die Pfarrei oder den Hausarzt!

Liebe Grüße
Pechawa

Beitrag von aurora-borealis 21.04.11 - 10:12 Uhr

Danke.
Ich ahbe psychologische Hilfe, bislang habe ich das aber noch nie angesprochen... mich nicht so richtig getrat

Beitrag von pechawa 22.04.11 - 20:03 Uhr

... trau dich! Seinem Therapeuten sollte man vertrauen, denn die verstehen ihre Arbeit und du wirst feststellen, dass es dir dann viel besser geht #liebdrueck
Wie ich schon schrieb, jeder Mensch trauert auf seine eigene Art und Weise, wenn dir nach weinen ist, dann weine und wenn nicht, dann ist das auch OK!

Liebe Grüße
Pechawa