Nur etwas für starke Nerven..die lange Geburt meiner Lily (sehr lang)!

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von fialein84 17.04.11 - 21:18 Uhr

Vorne weg! Dieser Geburtsablauf ist eher selten und nicht die Regel!

Wer hätte gedacht, dass eine Schwangerschaft soo lange dauern kann! Ausgerechnet war der 15.3.2011, aber mein Arzt und meine Hebamme prognostizierten seit geraumer Zeit, dass das Kind früher kommen würde, weil sie schon so groß wäre und so tief im Becken liegen würde.
Pustekuchen!!!

Ich hatte seit der 38.Woche ständige Wehen, sogar Geburtswehen, die aber keinen Fortschritt brachten und wieder zum Stillstand kamen.
Endlich am 23.3. bemerkte ich morgens einen bräunlichen Schleimabgang! AHA, dachte ich mir, der berühmte Schleimpropf..nun also geht’s endlich los!

Es zog dann auch schon ganz schön im Rücken, so dass ich meinen Mann vorsichtshalber auf der Arbeit anrief, er solle doch bitte mal ganz schnell nach Hause kommen. Ich bekam auch langsam Panik, da sich die Wehen binnen Minuten intensivierten, allerdings immer nur im Rücken, aber alle 5 Minuten spürbar.

Wir fuhren also ins Krankenhaus, wo man uns erst mal Spazieren schickte..der Muttermund war gerade mal bei 2 cm und das Köpfchen lag noch nicht fest im Becken (entgegen der Behauptung meines FA)…

Die Rückenwehen blieben konstant bei allen fünf Minuten und waren am CTG, wie sollte es auch anders sein, kaum zu sehen. Wir wurden dann stationär aufgenommen und konnten es uns erst mal gemütlich machen. Abends um sieben ging es dann richtig los. Alle 3-5 Minuten Wehen, die auch schon stellenweise gut wehtaten. Wir gingen also wieder runter zum CTG und dort waren die Wehen auch schon zu sehen. Juhu!! Man sagte mir dann, wenn sie noch stärker werden, solle ich wieder kommen zu einem Entspannungsbad. Jetzt sollte ich aber erst mal weiter über den Flur laufen, was ich und mein Mann dann auch taten.

Kurz vor Mitternacht waren die Wehen schon richtig stark und ich musste sie gut veratmen. Da dachte ich dann: Ok, nun will ich in die Wanne! Aber soweit sollte es gar nicht kommen, denn ich musste erst wieder ans CTG…auf einmal waren zwei laute Knackgeräusche zu hören und ich bekam eine dunkle Ahnung, dass das nur meine Fruchtblase gewesen sein kann. Die Hebamme glaubte mir zunächst nicht…aber ich zog mir schon die Hose aus und stellte mich hin und es lief giftgrünes vergiftetes Fruchtwasser aus mir heraus. :-/

Die Hebamme und ich bekamen einen gehörigen Schrecken. Sie sagte mir dann auch, ich sollte mich sofort wieder hinlegen, da das Köpfchen noch nicht im Becken sei. Ab da begann die Tortur…die Wehen wurden schlagartig extrem schmerzhaft, so dass ich teilweise schon lauter stöhnen bis schreien musste.

Nun wurde ich in den Kreissaal geschoben und wieder untersucht. Muttermund immer noch bei 2-3 cm und Kopf immer noch nicht im Becken..das sollte sich auch die nächsten 6 Stunden nicht ändern. Ich hatte nun schon starke Schmerzen und schrie vor mir hin. Das schlimmste war in dem Moment einfach, dass ich mich nicht bewegen durfte, sondern liegen musste. Ich verkrampfte einfach noch mehr.

Um halb fünf erbarmte man sich meiner und legte mir eine PDA, was nur ca. eine halbe Stunde gut half. Die würde ich auch nicht noch mal nehmen. Aber nun lag sie und ich schaute ängstlich auf die durchlaufende Spritze und hoffte sie möge nicht so schnell alle werden.

Eine Kochsalzlösung bekam ich noch zusätzlich, da mein Kreislauf langsam schlapp machte. Nach der PDA untersuchte mich, der mittlerweile gerufene Chefarzt und stellte den gleichen Befund wie schon vor 6 Stunden…Das konnte doch nicht sein!! Ich fragte mich, warum es nicht vorwärts ging und der Chefarzt meinte, dass Erstgebärende wohl öfter länger brauchten und zu meinen Schmerzen meinte er, ich hätte erst richtige Geburtsschmerzen wenn ich meinen Namen nicht mehr wüßte. Ich war sprachlos und dachte..was kommt da noch auf mich zu, was muss ich noch aushalten?

Um 6 Uhr morgens war Hebammen Schichtwechsel mit zwei Lichtblicken. 1. Meine Lieblingshebamme kam und 2. Sie sagte, sie fühle das Köpfchen. Das gab mir neue Motivation und trotz der Schmerzen..ich wollte wieder angreifen*g*
Mittlerweile war ich schon 26 Stunden wach und hatte davon 11 Stunden starke Wehen. Ich bettelte um erneute Schmerzmittel…und sie gab mir die ich nenne sie mal : Leck mich am Arsch Spritze…die Schmerzen waren zwar nicht weg, aber sie waren mir prinzipiell egal, denn ich war wie auf Drogen und konnte mich entspannen. Mittlerweile hatte ich schon zwei Kochsalzlösungen durch und wurde zwei Mal katheterisiert.

Um 8. Uhr folgte die nächste Untersuchung und nun standen schon zwei Ärzte und Hebammen um mich herum und stellten fest..Muttermund bei 4 cm und Kopf eventuell!! auf dem Weg ins Becken…na toll….Gott sei Dank erlaubte mir die Hebamme mich hinzusetzen und ich konnte wenigstens mal das Becken kreisen lassen, was schon unheimlich gut war, dennoch schrie ich bei jeder Wehe…denn mittlerweile hatte ich einen Wehentropf bekommen, der das ganze beschleunigen sollte.

Um halb elf oder war es schon halb 12? bequemte sich dann der Chefarzt runter, untersuchte und stellte fest. Kopf nicht im Becken, Muttermund immer noch bei knapp 4 cm. Geburtsstillstand!!

Ab da ging alles ganz schnell, mir wurde ein Katheter gelegt, ich wurde rasiert und man spritze mir Wehenhemmer, denn irgendwie musste ich noch die nächste Viertelstunde auf der OP Pritsche festgeschnallt aushalten und das geht mit mörderischen Wehen eher nicht.

Zwischendurch fragte mich der Anästhesist noch eigenartige Sachen wie…: Sind ihre Zähne fest im Moment, haben sie eine Erkrankung bla blaa bla….ich sagte ihm noch schnell, er solle mir alles geben, was sein Narkoserepertoire hergibt..denn ich wollte einfach nicht mehr…..
Danach belehrte mich der Chefarzt…..ich unterbrach ihn, winkte die Zettel herbei und versuchte mit zittrigen Händen zu unterschreiben..und tatsächlich..mein Name fiel mir nicht mehr ein! (Nebenbei bemerkt, ich hätte auch eine Amputation unterschrieben..mir war einfach alles nur noch egal..ich hätte dieses Kind auch selbst aus mir rausgeschnitten, wenn sie nix unternommen hätten)

Im OP waren dann lauter nette Menschen, die mich erst mal mit warmen Decken zudeckten und mir Sauerstoff gaben, denn ich war völlig fertig…dann wurde Tücher über meinen Bauch gehängt und ich wurde eingepinselt..was ich nicht merkte, da die PDA ja noch lag! Der Anästhesist klärte mich auf, dass sie mir erst die Vollnarkose geben kurz bevor sie schneiden, damit das Kind davon nix mitbekommt. Ich dachte nur, na klasse! hoffentlich wirkt das Zeug auch schnell und betonte nochmal er sollte mir ja genug geben!

Und dann wurde mir das Zeug gespritzt und es klingelte in meinen Ohren und weg war ich, da war es bereits viertel nach 12 und um 12:32 erblickte meine Lily dann endlich das Licht der Welt! Sie müsste noch eine Zeit lang abgesaugt werden, da sie so viel Fruchtwasser geschluckt hatte…meine arme Maus..

….um Viertel vor drei erwachte ich im Aufwachraum und war wieder mit warmen Decken zugedeckt, das war sehr angenehm und wohlig. Auch die Schmerzmittel wirkten. Als man bemerkte dass ich wach war, brachte die Hebamme mir etwa zehn Minuten später meine kleine Lily, die ich ca. 3-4 Minuten anschauen konnte…Sie war sooo schön und so perfekt und schaute mich mit großen blauen Augen an….vergessen war nun all der Schmerz und die Erschöpfung und ich war einfach nur glücklich.

Mittlerweile habe ich die Geburt gut verarbeitet. Ich habe für eine natürliche Geburt gekämpft und wollte sie bis zum Schluss, aber irgendwann waren meine Kräfte aufgebraucht und der KS war einfach die richtige Lösung.
Der Chefarzt berichtete mir dann, dass Lily sich in der Nabelschnur verheddert hatte und niemals ins Becken gerutscht wäre, trotz der Wehentröpfe.

Mir bleibt die Gewissheit, dass es Lily und ich ohne die moderne Medizin niemals geschafft hätten. Wir wären gestorben und diese Wissen, dass man es einfach nicht geschafft hat, ein Kind „normal“ zu bekommen, obwohl es nicht meine „Schuld“ war, die nagt an einem.
Meine süsse Lily entschädigt mich aber für alles..sie ist das Schönste und Beste was mir je passieren konnte! Ich liebe sie bedingungslos!
PS: Mein Mann hat mir die ganze Zeit zur Seite gestanden und mich unterstützt. Das ist das Beste was einem passieren kann

Beitrag von elli81 17.04.11 - 22:17 Uhr

Herzlichen glückwunsch zur Geburt.
Du kannst sehr stolz auf dich sein. Du hast so lang gekämpft. Ich hätte ja gedacht die würden schneller einen Keiserschnitt machen. So lang nach grünem Fruchtwasser und hammerschmerzen.

Schön das ihr nun eine kleine Familie seid.

LG Elisabeth

Beitrag von beat81 17.04.11 - 22:19 Uhr

Huhu,
herzlichen Glückwunsch zur Geburt eurer kleinen Lily :-)

Ich finde es jedoch unverständlich, warum nicht sofort ein KS gemacht wurde, bei so "giftgrünem" Fruchtwasser #kratz Dass die da immer noch abgewartet haben.

Ansonsten hört sich die Geburt nicht nach Horrorgeburt an. Eine Geburt tut ja nunmal leider weh. Aber jetzt hast du es ja hinter dir und genießt eine schöne Zeit mit deinen Lieben...

LG beat

Beitrag von fialein84 18.04.11 - 08:49 Uhr

Mit Horrorgeburt sind auch nicht die Schmerzen gemeint, sondern die Folgen..hatte zum Beispiel ein stark geschwollenes Becken durch die starken künstlichen Wehen, die versucht haben mein Kind ins Becken zu drücken. Und naja ich wollte eben nie einen Kaiserschnitt. Das das Weh tut war klar, aber wenn so viele Stunden vergehen und nichts tut sich lässt einen das verzweifeln!

Danke für eure guten Wünsche!!:-)

Beitrag von fialein84 18.04.11 - 08:55 Uhr

Noch eine Anmerkung zum Fruchtwasser: Die Herztöne waren die ganze Zeit über gut, deswegen hatte man wohl noch nichts unternommen.

Beitrag von diana-und-john 18.04.11 - 14:11 Uhr

Oh man da hast du ja was mit gemacht.Solange Wehen und dann dich ein Kaiserschnitt.Schön das du dich erholt hast und es euch zwei gut geht und mach dir keine Gedanken wegen dem KS dafür ist er da um Frauen und Kindern zu helfen :o)