Die Geburt von Lilly 27.11.2009 *Achtung lang*

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von engelchen-123. 17.04.11 - 22:54 Uhr

Ich versuch mich dann auch mal mit einem Geburtsbericht, auch wenn es schon 16 Monate her ist:

Die Schwangerschaft ist, trotz eines insulinpflichtigen Schwangerschaftsdiabetes, ziemlich problemlos und harmonisch verlaufen.

Mein ET war der 26.11.2009. Ich war eine Woche vorher aufgrund des Diabetes im Krankenhaus zur Geburtsplanung. Es wurde besprochen, dass ich am 26.11.2009 um 9 Uhr im Kreissaal erscheine und dann ein Wehenbelastungstest gemacht wird.
Da ich nichts Gutes über Einleitungen gehört habe, hab ich in der Woche alles Mögliche versucht, um die Geburt voranzutreiben.
Der 26.11. war ein Donnerstag. In der Nacht von Montag auf Dienstag hatte ich eine Blutung. Nach Rücksprache mit dem Kreisssaal sind wir ins Krankenhaus gefahren. Ich hatte aber weder Wehen, noch war mein Muttermund geöffnet. Leider nichts, was auf eine baldige spontane Geburt hinwies und wir fuhren wieder nach Hause.

Der 26.11. kam dann schließlich und nach einem aufgeregten Frühstück fuhren mein Mann und ich Richtung Krankenhaus. Dabei bemerkte ich leichte Rückenschmerzen, besonders wenn wir über Hubbel fuhren. Allerdings konnte ich mir nicht vorstellen, dass das Wehen sind, weil es gar nicht schlimm war.
Im Kreissaal war dann schließlich ziemlich viel los. Die drei Kreissääle waren besetzt und auch im CTG-Raum hingen drei Hochschwangere am CTG.
Also wurden wir erstmal ins Aufnahmebüro geschickt, um mich anzumelden. Zurück im Kreissaal mussten wir ein bißchen warten und dann durfte ich ans CTG. Dort zeigten sich ziemlich heftige Ausschläge, obwohl ich weiterhin nur leichte Rückenschmerzen hatte. Die arme Frau mir gegenüber hatte wohl ziemlich schmerzhafte Wehen, aber kaum Ausschläge auf dem CTG. Aber die Hebamme klärte uns auf, dass die Höhe der Ausschläge nichts über die Heftigkeit und Wirksamkeit der Wehen aussagte. Schließlich kamen wir dann in einen Kreissaal und der Wehenbelastungstest wurde durchgeführt. Man erhoffte sich gleichzeitig damit die Geburt einzuleiten.
Am Anfang war noch alles super und mein Mann und ich scherzten ein wenig herum. Aber als der Tropf immer höher gestellt wurde, wurden auch die Schmerzen schlimmer und auch die Abstände wurden kürzer. Ich spürte einen inneren Drang, die Wehen im Stehen bzw. aufrechten Sitzen auszuhalten, was schwierig war, da ich gleichzeitig am CTG angeschlossen war.
Schließlich war der Test dann irgendwann vorüber und auch die Wehen ließen nach. Wir durften dann etwas zu Mittag essen und spazieren gehen und ich sollte mich am Abend nochmal im Kreissaal melden. Ich hatte während der ganzen Zeit Wehen, allerdings wurden die Abstände größer und die Schmerzen weniger.
Abends im Kreissaal war mein Muttermund nur 2-3 cm geöffnet und die schwachen Wehen wurden nicht beim CTG aufgezeichnet. Die diensthabende Hebamme besprach dann mit uns, dass es wohl an diesem Tag nichts mehr geben würde und mein Mann könnte nach Hause fahren, um sich für den nächsten Tag auszuruhen.
Wir sollten uns dann, nach dem Frühstück, wieder im Kreissaal melden.
Ich ging dann schließlich ins Bett.
Ich las noch ein bißchen und schrieb Tagebuch für unser Baby. Dabei hatte ich immer mal wieder Wehen, die immer regelmäßiger wurden. Gegen 0.30 Uhr kamen sie ca. alle 8-10 Minuten und ich musste sie gut veratmen. Ich meldete mich dann nochmal im Kreissaal und wurde von einer ziemlich unfreundlichen, verschlafen aussehenden Hebamme 30 Minuten ans CTG gehangen. Zwischendurch klingelte ich nochmal, weil ich die Wehen deutlich spürte, aber gar nichts auf dem CTG zu sehen war. Die Hebamme fummelte ein wenig an den Knöpfen herum, aber es änderte sich nichts. Nach der halben Stunde zeigte sich nicht die kleinste Welle auf dem CTG, obwohl ich schon Wehen hatte. Ich hatte das Gefühl die Hebamme glaubte mir nicht bzw. nahm mich nicht ernst. Als ich sie fragte, ob sie nicht nach meinem Muttermund gucken wollte, sagte sie, dass es nach einem Wehenbelastungstest sehr selten passiert, dass sich der Muttermund in der Nacht weiter öffnet #kratz#gruebel
Sie gab mir dann noch ein Buscopan-Zäpfchen mit zum Entkrampfen und ein warmes Kirschkernkissen mit und war anscheinend froh, wieder schlafen zu können#aerger.
Ob das Buscopan-Zäpfchen gewirkt hat, weiß ich nicht, aber das Kirschkernkissen machte die Wehen noch heftiger und unangenehmer. Das habe ich sofort in die Ecke gepfeffert. Ich bin dann irgendwann am frühen Morgen eingschlafen und wurde um 7 Uhr geweckt, weil ich so schnell wie möglich in den Kreissaal sollte. Das hatte ich irgendwie anders verstanden, aber nun gut.
Ich wurde ans CTG gehangen (keine Wehen zu sehen und zu spüren) und sollte dann zur Untersuchung zur Ärztin. Mein Muttermund war immerhin schon 6 cm geöffnet und sie meinte, ich hätte in der Nacht wohl fleißig gearbeitet (das hätte ich am liebsten der Nachthebamme um die Ohren gehauen#wolke).
Naja, ich durfte dann frühstücken und mein Mann kam auch dazu. Dannach gingen wir noch kurz spazieren und um 10 Uhr sollten wir uns wieder im Kreissaal melden. Da kamen auch die Wehen wieder. Ich kam nochmal ans CTG und sie wurden auch aufgezeichnet. Die Geburt konnte losgehen. Die Hebammme, die für mich zuständig war, war zufälligerweise die Schwester meiner Nachsorgehebamme und sehr sympathisch.
Sie fragte mich, ob ich einen Einlauf haben wollte und da ich Angst hatte, dass mir während der Geburt etwas Peinliches passiert #hicks und sie mir sagte, dass das die Wehen vorantreiben könnte, stimmte ich zu.
Danach ging ich in den Kreissaal und nach einer weiteren Untersuchung und regelmäßigen, starken, aber veratembaren Wehen sagte mir die Hebamme, wenn ich eine PDA wolle, dann jetzt. Ich stimmte zu und der Anästhesist kam. Er klärte mich über die Risiken auf und begann dann. ich weiß nicht warum, aber es klappte nicht. Er hat ingesamt sechsmal gestochen und es tat sich nichts. Die Hebamme wurde schon sauer und verdrehte mehrmals die Augen. Ich sagte dann, er solle aufhören, denn die Wehen seien weniger schlimm (DACHTE ICH). Er murmelte dann etwas von einem "komischen Rücken":-[und ging dann.
Ich ging dann baden und genoss es sehr. Inzwischen war Schichtwechsel und eine sehr sympathische, junge Hebammenschülerin stellte sich mir vor. Unter Aufsicht der diensthabenden Hebamme, war sie nun für meine Betreuung zuständig. Im Kreissaal veratmete ich eine Wehe nach der anderen, in dem ich mich an den Hals meines Mannes hing und mein Becken kreisen ließ. So ging es eigentlich ganz gut.
Ich wurde dann nochmal untersucht, der Muttermund war immer noch nicht richtig geöffnet und es ging alles viel zu langsam voran. Deswegen wurde mir nochmal ein Oxytocintropf gelegt. Der Muttermund öffnete sich dann irgendwann komplett, trotzdem ging es leider nicht weiter. Meine Wehen waren sehr heftig, aber nichts geschah. Also wurde besprochen, dass sie die Fruchtblase künstlich eröffnen wollten. Ich willigte ein. Die Wehen, die dann kamen waren der absolute Hammer. Ich dachte, ich müsste sterben, ich schrie und weinte und konnte mir nicht vorstellen, dass das irgendwann vorbei gehen sollte. Ich war echt verzweifelt.
Die Hebammen beschlossen, mir etwas gegen die Schmerzen zu geben, was nur dazu führte, dass ich mich in den Wehenpausen besser entspannen konnte, aber die Wehen wurden nicht erträglicher.
Irgendwann war ich mit meinen Kräften am Ende. Ich wartete auf die Presswehen, weil ich wusste, dass es dann nicht mehr lange dauern könnte, aber sie kamen einfach nicht.
Schließlich kam gegen 18 Uhr der Oberarzt und erklärte mir, dass sie mir einen Kaiserschnitt nahelegen wollten, da die Kleine nicht ins Becken rutschen wollte und wir beide bald am Ende unserer Kräfte seien.
Ich war so erleichtert und willigte sofort ein. Eine andere Ärztin klärte mich über die Risiken auf, die ich kaum mitbekam, da ich zwischendurch immernoch Wehen hatte. Ich bekam dann einen anderen Tropf, um die Wehen zu stoppen. Dann ging alles ganz schnell.
Ich wurde in den OP gebracht und mein Mann sollte sich umziehen. Im OP stellten wir fest, dass die Anästhesistin eine ehemalige Ausbildungskollegin von mir war. Sie fragte mich direkt, wie es mir ginge und was ich so mache #aerger. Ich dachte nur genervt: "Ich kriege gerade ein Kind, du blöde Kuh.", antwortete aber nur kurz angebunden. Das letzte was ich jetzt wollte, war Smalltalk:-[.
Jedenfalls gelang es ihr problemlos mir die Spinalanästhesie zu setzen und von meinem "komischen Rücken" war keine Rede mehr.
Ich musste die ganze Zeit furchtbar zittern und konnte es nicht kontrollieren. Da wirkten wohl alle Medikamente und meine Aufregung zusammen.
Schließlich wurde unsere Tochter dann um 18.20 Uhr geboren.
Ich werde den Moment, als ich sie schreien hörte und die Hebamme sie mir hinhielt niemals vergessen. Das war so wunderschön. Mir liefen die Tränen herunter, ich sah meinen Mann an und sagte: "Wow, ist die hübsch.".Meinem Mann liefen auch nur die Tränen herunter.
Er ging dann schließlich hinterher, um sie abzunabeln und er durfte auch beim Baden und Vermessen helfen, während ich wieder zugenäht wurde. Meine Süße wurde mir dann nochmal gebracht. Leider traute ich mir nicht, sie im Arm zu halten, da ich so zitterte und ich Angst hatte, sie fallen zu lassen. Aber die Hebamme hielt sie ganz nah an mein Gesicht und ich genoß es sehr.
Wir wurden dann schließlich wieder in den Kreissaal gebracht und wir hatten genügend Zeit und uns zu beschnuppern. Alles war wunderschön.
Die Nacht danach habe ich in einem positiven Rauschzustand mit dem Kuscheln mit meiner Tochter verbracht. Das lag wahrscheinlich zum einen an den noch wirkenden Medikamenten und zum anderen an dem Hormoncocktail der mich voll erwischt hatte. Jedenfalls war es sehr schön.
Ich konnte am nächsten Tag schon wieder herumlaufen und habe mich relativ schnell von allen Strapazen erholt. Meiner Tochter ging es die ganze Zeit super.

Lilly Sophie wurde am 27.11.2009 um 18.20 Uhr geboren. Sie war 3490g schwer und 50 cm groß.

Es tat gut, dass alles mal los zu werden und ich hoffe, dass es nicht zu langweilig geworden ist.

LG
Michelle

Beitrag von steffiemaus 18.04.11 - 08:05 Uhr

Wow, lang ist der Bericht wirklich :-p

Aber schön zu lesen. Ich danke dir. Ich finde die Berichte von Mamis immer sehr interessant, weil es einfach hilft sich besser auf die Geburt vorzubereiten.

VLG Steffie mit Bauchmaus 35+0