Guten Morgen - Opa wird von uns gehen. Frage!

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von sohnemann_max 18.04.11 - 06:10 Uhr

Guten Morgen,

bin gerade etwas durch den Wind.

Mein Vater ist heute Nacht gegen 2 Uhr in die Klinik gerufen worden. Mein Opa hatte vergangenes Jahr einen blutigen Schlaganfall mit Lähmung und allem drum und dran. Seit dem liegt er im Pflegeheim, immer mal wieder im KH. Für ihn sind die kommenden Stunden sicherlich eine Erlösung.

Unerwartet plötzlich ging es ihm heute Nacht schlecht, sodass ein Notarzt gerufen werden musste. Leider haben sie ihn in die Klinik gezerrt, obwohl feststand, dass keine lebenserhaltenden Massnahmen eingeleitet werden sollen. Nun ist es so, dass er eine Sauerstoffsonde hat, mehr nicht.

Gerne würde ich meinen Papa unterstützen, der in der Klinik bei Opa ist. Ich bin aber gehemmt. Auf der anderen Seite möchte ich meinen Opa so in Erinnerung haben, wie ich ihn vor ein paar Tagen noch gesehen habe. Ich weiss nicht, wie ich es verkrafte, jemanden beim Sterben zu begleiten. Bin völlig hin und hergerissen. Mein Verstand sagt ja, mein Herz nein - normalerweise sollte es ja umgekehrt sein, ich weiss. Normalerweise bin ich immer so hart - so unerschrocken, nichts kann mich umhauen. Und nun, nun bin ich eine Memme und will / kann nicht.

Bitte, wenn jemand Erfahrung damit gemacht hat bzw. mir auch mitteilen will, wie lange so ein Prozess dauert - teilt es mir mit!!

Danke Euch!

Carolin

Beitrag von melle_20 18.04.11 - 06:44 Uhr

Hallo...

also ich hab 2007 meinen Opa beim sterben begleitet, und ich kam zu dem entschluss, ich mach sowas nieeeeeeeeeeeeeee wieder....

Der Mann der da in dem Bett lag, es war einfach nicht mehr mein Opa...Nicht der Mann den ich immer kannte...Er war immer ein kräftig gebauter Mann, nicht dick aber für eine grösser gut gebaut....Das letzte mal als ich ihn sah war am 1.Mai....Am 16.Mai rief mich früh morgends meine Mutter an und sagte komm ins KH , Opa wird heute sterben....Es war schrecklich...
Du sitz da am Bett und dnekst eigentlich du machst was gutes...Aber du wartest wirklich auf den moment wo die Abstände grösser werden...

Mein Opa hatte Krebs, der nach und nahc leider alles zerrfressen hat da half auch keine Chemo mehr :-( Wir waren so gegen 9h bei ihm im KH da wir ca 100km hatten zum fahren...Und punkt 15:10h schlief er für immer ein..Also etwas über 6 stunden dauerte der "kampf" wo ich dabei war...Der Arzt in der Klinik meinte morgends um hlab 8 jedeoch schon zu meinen Eltern und zu meiner Opa dass er es wohl bis ca 15h geschafft hätte...

Auch heute noch seh ich ihn wie er da lag...Es war eben einfach nicht mehr so wie es zuvor war...

Bei meinem Vater 2008 habe ich es abgelehnt und wollte auch nicht angerufen werden wenn er im sterben liegt sondern erst wenn er gestorben ist, vll für manche nicht zu verstehn, aber ich habe ihn über 6 wochen leiden sehen, wie es ihm tag täglich schlechter ging, und da wollte ich dann nicht nich bei diesem Kampf dabei sein....Ich war 1 Tag zuvor bei ihm und er sah sehr schlecht aus, dass er natürlich gerade in dieser Nacht sirbt hätte keiner gedacht...


Es ist alleine deine entscheidung was du machst, es kann sher schnell gehen es kann aber auch Tage dauern bis er in ruhe einschläft...Ich versth dich vollkommen...Du brauchst dich da nicht als Memme o.ä. fühlen, warum auch?
Rede doch mal mit deinem vater und dann kannst du vll deinen Opa noch kurz sehen wenn du das möchtest...
Und dein Vater wird dich sicherlich n icht zwingen bei ihm zu bleiben...Du alleine entscheidest es

Beitrag von ich-habe-zwei-davon 18.04.11 - 09:23 Uhr

hallo carolin,

als erstes fühle dich gedrückt und auch verstanden von mir, und denke daran, du bist keine memme, weil du gerade den mut/ die kraft nicht dazu hast deinen vater bei zu stehen, um noch einmal zu deinem opa zu gehen.

ich weiß gerade nicht wie weit euer prozess gerade ist, aber vll. hilft es dir deinem vater mit zu teilen, das du opa so in erinnerung behalten magst wie es gerade ist, und du hoffst das er es verstehen kann das du nicht am krankenbett stehst.



zum anderen:

ich habe einige jahre im bereich der medizin gearbeitet, und habe den ein oder anderen auch gehen sehen.
sicher ist es anders wenn es nicht die eigene familie ist, aber auch bei derer saß ich schon am bett und hielt stillschweigend die hand.

es ist ein komisches gefühl, kein schlimmes. es ist schmerzhaft und im ersten moment stand ich wie versteinert da. ich wusste nicht was mein erster gedanke sein soll, meine erste handlung, wann meine ersten tränen wirklich flossen. vorher hatte ich die ganze zeit am bett einen kloss im hals, ich wollte nicht weinen, denn ich denke so macht man es dem jenigen der gehen mag nicht einfacher im abschied.

meine meinung ist jedoch auch, das die menschen von uns, die sich auf die reise machen wollen (nein, ich bin nicht gläubig) nicht alleine sein möchten. auch wenn sie kaum noch ansprechbar sind, oder gar nicht mehr - sie spüren das da noch jemand ist. sie spüren das jemand bei ihnen ist, das sie nicht alleine von dieser welt gehen müssen.


atme ruhig durch, nur du allein weißt was zu tun ist. wenn du es schaffst, so fahre hin, schaue durch den türspalt und dann wäge ab ob du rein gehst, draußen bleibst oder doch wieder heim fährst.

rufe eine freundin an, sprich über deine gefühle, deine gedanken, deine ängste und sorgen.

auch wenn man immer voller tatendrang ist, voller energie steckt, immer stark gegenüber anderen zu sein scheint - man sagt doch nicht umsonst "harte schale, weicher kern".


abschließende worte findet man sehr schwer, wenn überhaupt.

eurer familie von mir, unbekannter weise, viel karft für die kommende zeit.


vg n. die sich immer wieder dazu entschließen würde "dabei" zu sein #herzlich

Beitrag von espace 18.04.11 - 09:50 Uhr

Liebe Carolin,

jeder wird dich verstehen können.
Ich habe meinen Bruder beim Sterben begleitet, er starb an Krebs, war viel zu jung und zum Schluß sah er auch nicht mehr wie mein Bruder aus.

Auch wenn es unendlich schwer war, so bereue ich es nicht. Es war der letzte Dienst, den ich meinem Bruder erwiesen habe, es war das letzte, was ihc für ihn tun konnte, und ich glaube schon, dass es ihm dadurch leichter fiel zu gehen. Wir haben ihm den Weg geebnet und ihn gehen lassen. Er war nicht allein. Interessanter weise, hat er gewartet, bis wir alle da waren.

Bei meiner Oma war es genauso, sie starb auf der ITS, wo man nicht die ganze Zeit bleiben konnte. Sie war die nacht alleine und am morgen sind wir gekommen und keine halbe Stunde später ist sie gestorben. Sie wollte nicht alleine sterben!!!

Auch wenn es eine sehr schwere Entscheidung ist, ich hätte es bereut, sie nicht begleitet zu haben. Mein Bruder und meine Oma haben mir soviel im Leben gegeben, das war eine Möglichkeit ihnen etwas zurück zu geben.
Überwinde deine Angst!!!

Und auch wenn die Bilder natürlich im Kopf bleiben, überwiegen doch die anderen, schönen Erinnerungen und es sind so kleine Episoden im täglichen Leben, die mich an sie denken lassen, wie so déja-vus, und ich muss lächeln!!!

Sei ganz fest gedrückt!!!

Beitrag von arkti 18.04.11 - 11:33 Uhr

Ich habe es fast so ähnlich im februar erlebt.

Meine Oma kam auch noch ins Krankenhaus obwohl sie das nicht wollte, dafür könnte ich meinen Onkel heute noch....
Dienstags wurde alles eingestellt (essen, Tropf) und sie hatte auch nur noch Sauerstoff.
Ich war jeden Tag bei ihr und bereue keine Minute.
Ja man merkte wie es bergab ging
Am freitag...hmmm....darauf möchte ich hier öffentlich nicht näher eingehen.
Samstags war sie wie ausgewechselt und ich bin froh das ich das als einzigste erlebt habe.
Sonntags war sie total verwirrt, da möchte ich öffentlich auch nicht näher drauf eingehen.
Montags ist sie dann gestorben.

Alles in allem hat es also 6 Tage gedauert.
Es war wirklich nicht schlimm, denn man hatte irgendwo immer im Hinterkopf das sie ihr Leben lange Leben konnte und das es ihre Entscheidung war es jetzt zu beenden (Patientenverfügung).

Man wusste das es die letzten Tage sind die man mit ihr verbringen kann da rückte das Aussehen in den Hintergrund.
Ein Mensch der im Sterben liegt freut sich sicher wenn er alle nochmal sehen kann.

Beitrag von derhimmelmusswarten 18.04.11 - 12:30 Uhr

Mein Opa ist letztes Jahr verstorben. Er hatte erst einen Oberschenkelbruch (zuvor schon eine Art Altersschwäche, die sehr plötzlich kam) mit anschließender OP. Nachdem er 5 Tage zu Hause war, mussten wir ihn wieder ins Krankenhaus bringen. Nach 3 Wochen auf der Intensivstation ist er unter ganz schlimmen Umständen gestorben. Die letzten beiden Tage durfte er auf einem normalen Zimmer liegen. Er hat halt geröchelt, weil er Wasser in der Lunge hatte und nicht mehr reagiert. Wir waren jeden Tag da. Sogar meine kleine Tochter (damals 9 Monate alt) war nochmal dabei. Natürlich war es schlimm, ihn so zu sehen. Aber wenn dein Opa nur an einem Sauerstoffgerät liegt, kannst du wahrscheinlich davon ausgehen, dass der Anblick nicht sonderlich schlimm ist. Schlimm war bei meinem Opa der Anblick, der sich uns bot als er auf der Intensivstation lag. Sowas kann man kaum verkraften. Die ganzen Geräte, aufgedunsen bis zur Unkenntlichkeit etc.

Im Vergleich zu meinem Opa darf ich jetzt meine Oma, die ebenfalls in einem sehr schlechten Zustand auf einer INtensivstation liegt, nicht besuchen, da ich hochschwanger bin. Ich habe mehrmals darum gebeten, dass sie mich zu ihr lassen, aber sie lassen mich nicht rein, weil es dort ansteckende Krankheiten gibt. Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich jederzeit hingehen. Ich habe es nicht bereut, dass ich bis zuletzt bei meinem Opa war.

Beitrag von bernja1985 18.04.11 - 14:18 Uhr

Hallo
auch wenn meine Situation eine ganz andere war, würde ich mich bei einem Erwachsenen auch nicht anders entscheiden gerade wenn er/sie mir sehr nahe steht!
Ich konnte leider bei meiner Mama nicht dabei sein #heul weil alles so schnell ging und wenn ich heute darüber nachdenke, das sie in ihrem Kampf ganz alleine war, zerreist es mir das Herz #schmoll
Es ist jedem seine Entscheideung wie er das ganze angeht, es ist nicht leicht wenn man einen geliebten Menschen beim sterben begleitet aber ich glaube man kann besser abschied nehmen und der sterbende ist nicht allein! Und wenn man dann vlt noch zu zweit dabei ist, kann man sich gegenseitig unterstützen #liebdrueck
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für die kommende Zeit!!
#liebdrueck Sina deren kleine Mathilda in ihren Armen zu den Sternen reisten!

Beitrag von stoltze-mami83 18.04.11 - 16:06 Uhr

Hallo

sorry wenn ich Dir nun hier den Link schicken muss aber das alles hier aufzuschreiben wie es war es würde zulange dauern und ich fürchte das das nicht sinn und zweck wäre deshalb kannst du es nachlesen auf dieser Homepage.

unter in Gedenken an meinen Opi.

hier der Link:http://lovedandunforgotten.npage.de/

ich sag nur soviel es war eine der sclimmsten aber auch wichtigsten mom in meinen Leben und ich bereue nicht das ich bei Ihm war ich fürchte eher wenn ich nicht bei Ihm gewesen wäre dann würde ich mir noch heute vorwürfe machen.Er war immer für mich da und nun als er meine Hilfe bzw meinen Beistand brauchte da sollte ich kneiffen nein keine chance für mich stand fest ich bleib bei ihm und das war gut so.

glg madi

Beitrag von kumetat 18.04.11 - 18:31 Uhr

Hallo Carolin,

ich habe am 12.04.2011 (letzte Woche) meinen Vater verloren.
Er kam am 01.04.2011 mit einer "kleinen" Hirnblutung in KH. Dann ging Alles sehr schnell. Uns traf die Situation völlig unvorbereitet da er bis zum Schluß super fit war und wir das Thema weit von uns geschoben hatten.
Ich war jeden morgen vor der Arbeit im KH. Er hatte auch im Koma liegend seine Familie um sich. Uns hat das bei der Verarbeitung er Situation sehr geholfen und ich bin der festen Überzeugung das mein Vater die ihm entgegengebrachte Liebe gespürt hat. Ich würde es mit nie verzeihen wenn ich nicht jeden Tage bei ihm gewesen wäre. Du wirst es nicht bereuen deinen Opa noch einmal zu besuchen. Wenn er gegangen ist kannst Du ihm nicht mehr sagen wie viel er dir bedeutet. Behalte die schönen Momente in Erinnerung und deinen Opa in Ehren.
Lieben Gruß und viel Kraft
Andreas

Beitrag von karna.dalilah 18.04.11 - 21:03 Uhr

ich persönlich meine dass Menschen im Kreis der Familie und liebenden Menschen in die Welt geboren werden und so auch sterben können sollten.
Es sei denn der Sterbende äußert einen anderen Wunsch.

Ich finde es sehr schade dass Geburt und Sterben so ausgelagert wird aus dem Alltag- wobei ersteres ja in den letzten Jahren korrigiert wurde.

Beitrag von asimbonanga 18.04.11 - 23:28 Uhr

Dieser Meinung bin ich auch.

Beitrag von golm1512 20.04.11 - 15:00 Uhr

Danke!
Ich las mich jetzt nach ein paar urbia-freien Tagen durch diesen Beitrag und dachte schon, ich wäre ein Alien, weil ich anscheinend so ganz anders denke als der Rest.
Ich finde es sehr traurig, dass die Frage nach der Sterbebegleitung überhaupt eine ist.
Gruß
Susanne