Ist es gesetzlich geregelt das man ein Frühabort beerdigen muss?

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von grinsgesicht 18.04.11 - 07:57 Uhr

Hallo
ich fange einfach mal an, da es mir recht schwer fällt.
Meine Schwester hat in der 9SSW einen Frühabort gehabt. Das Herz hat nie geschlagen und bei der Frauenärztin hat sie auf die 5 + 4 berechnet.
Es waren keine Embryonalen Anlagen zu sehen.
Das sind die Frakten jetzt meine Frage.
Sie sagt sie muss sie Beerdigen lassen. Entweder im Sammelgrab oder in einem einfachen Grab mit Grabstein und allen drum und dran. Sie spinnt sich jetzt auch zusammen das sie Zwillinge hatte und das sie schon in der 11SSW war. Sie sagt das es jetzt so vom Gesetz vorgeschrieben ist aber ich glaube sie lügt sich was zurecht.
Ich weiß es sind harte Worte aber ich machen mir Sorgen um sie, weil sie psychisch nicht stabil ist. Sie war schon mal zwei Jahre (insgesamt) in der Psychatrie.
Ich hoffe ihr versteht die Frage und seit nicht all so sauer.
Lg

Beitrag von louisa1978 18.04.11 - 08:19 Uhr

Nein ist es nicht.

So viele Frauen haben einen Frühabort, da wäre es heftig, wenn man jedes Kind beerdigen müsste.
Wenn man eine Ausschabung hatte, bieten manche Krankenhäuser Sammelbestattungen an, aber auch nicht alle und man muss dem auch nicht zustimmen.

Vielleicht sollte sich deine Schwester psychologische Hilfe holen.
Sie könnte sich zum Andenken ja daheim so etwas wie eine kleine Gedenkstätte machen, wenn es ihr bei der Verarbeitung hilft.

Wünsch euch viel Glück

Beitrag von grinsgesicht 18.04.11 - 08:46 Uhr

Sie ist schon in psychologischer Therapie. Aber momentan spinnt die sich sehr viel zusammen was nicht ist und ich muss damit umgehen. Wenn ich nicht weiß ob das stimmt kann ich dazu auch nichts sagen und die Psycholgin hat gemeint man muss sie immer wieder auf die Tatsachen zurückholen.
Danke für die Antwort.

Beitrag von almararore 18.04.11 - 09:00 Uhr

Hallo!

Das ist eine sehr gute Frage und zeigt, dass Du Dir Sorgen machst. Sicher begründet:

Wenn man vorher schon labil war ist das Nachher nochmal so schlimm... Hat sie schon Bilder bekommen oder gibt es für Deine Schwester überhaupt nichts was sie erinnert? Vielleicht ist es deshalb so schlimm. Man hat einen oder mehrere positive Tests und wartet Tage oder Wochenlang. Man spürt, dass sich der Körper verändert und dann muss man den Zwerg wieder ziehen lassen. MAn fühlt sie so allein in seiner Trauer, da in der Gesellschaft ist ein Kind erst anerkannt, wenn es entweder so groß ist in einem Sarg zu liegen oder wenn es in der Wiege schreit. Also muss Deine Schwester es größer machen, dass jemand anderer ihren Verlust begreifen kann... und es nicht einfach so verschwindet und ohne Spuren vergessen wird.
Wie wäre es wenn Du eine kleine Kiste basteln würdest (oder machst es mit ihr gemeinsam) und zu ihr fährst und mit ihr die Tests oder Bilder (wenn sie welche hatte) einpackst, dass sie weiß, dass ihr Verlust auch für jemanden anderen greifbar ist. Meine kleine Tochter wollte mit mir ein Bild zeichnen von ihrem Geschwisterchen. Sie wollte sehen und begreifen, wie groß es war und wie es schon ausgesehen haben könnte. Ich denke der einfache Zugang zur Trauer unserer kleinen Tochter Rebekka hat uns Großen auch sehr geholfen.

Ich würde es auf jeden Fall mal so versuchen. Für mich ist es eine Art des Trauervorganges, von denen es ja viele, viele verschiedene gibt. Ich würde sie jetzt also nicht einfach aus Hilflosigkeit und Unverständnis einfach wieder in die Psychiatrie bringen für einen Vorgang, der für die Betroffenen schlimm ist und Zeit braucht um verdaut zu werden. Man kann sich ja Tipps von den behandelnden Ärzten holen!

LG und auf jeden Fall viel Kraft für diese Situation wünscht
Alex

P.S.: Zum Thema: "Sich zusammenlügen" Der Bruder einer Schulkollegin (sehr religiöse Familie) hat sich vor sechs Jahren aus heiterem Himmel erschossen. Die Mutter hat den Beamten erzählt, dass irgendjemand ihren Buben niedergefahren und in die Werkstatt geschleift hat ... Die Frau hatte keine psychischen Probleme vorher, aber aufgrund ihrer Religiosität die Angst, was mit der Seele ihres Kindes jetzt nach dem Selbstmord passiert... da das ja als schwere Sünde gilt.

Beitrag von laila26 18.04.11 - 13:51 Uhr

Hallo,

ich hatte im Januar diesen Jahres auch einen Abort in der 9. SSW. Und mir wurde das gleiche gesagt wie deiner Schwester, wir haben uns für die Bestattung im Sammelgrab entscheiden, man hat einen Ort zum Trauern und auch jederzeit die Möglichkeit Blumen oder ähnliches hinzulegen. Auch an der Beerdigung haben mein Mann und ich teilgenommen und wir sind beide froh das wir uns so entschieden haben.
Bei uns in Regensburg wird die Sammelbstattung vom Hospitzverein organisiert.
Seit 2006 ist es Pflicht jede Fehlgeburt zu bestatten, jedenfalls bei uns in Bayern. Vielleicht solltest Du mal bei Eurem Hospitzverein anrufen und nachfragen, die können Dir bestimmt sagen ob es bei Euch Pflicht ist oder nicht.

Lg Laila

Beitrag von sterretjie 19.04.11 - 09:49 Uhr

Hallo Laila,

ich wohne auch in Bayern - München - und bei meinem 2. FG (14. SSW) mußte ich keine Bestattung machen. Es wurde vom Krankenhaus nicht gesagt und ich habe leider, in meinem Schmerz, vergessen zu fragen was mit meinem Baby passiert.


Lg Shani

Beitrag von singa07 18.04.11 - 15:14 Uhr

Hallo!

Danke, dass du dir so Sorgen um Deine Schwester machst - in dieser Zeit braucht sie dich.


Zu deiner Frage: das ist abhängig vom Bundesland. In BaWü gilt zB für Frühaborte bzw. Totgeburten unter 500g die Regel: Bestattungsrecht aber nicht Bestattungspflicht. Das heißt: man kann, muss aber nicht zu früh/ zu klein Geborene in einem Einzelgrab bestatten lassen (über 500gr schon).

Bei uns war das so, ich hatte eine AS in der 10.SSW. Acht Wochen später fand die Sammelbestattung statt (da wurden wir von unserem KH informiert). Näheres hier:
http://www.urbia.de/forum/index.html?area=complete&bid=55&id=3083920

GLG
Singa

Beitrag von almararore 18.04.11 - 16:41 Uhr

Hallo Mädls!

Die Antworten hier sind sehr interessant. Wir wurden vor zwei Wochen nicht mal ansatzweise gefragt, was wir tun möchten.
Habe aber schon bei den Schwangeren Voruntersuchungen gemerkt, dass Deutschland da die Nase um Längen vorn hat.
Ich werde immer mehr das Gefühl nicht los ich wohne im Felsental... :-(

LG
Alex

Beitrag von katrin1989nms 18.04.11 - 20:07 Uhr

Also ich glaube das nicht das es so ist.....was soll man denn beerdigen wenn man keine embryonale anlagen in der Fruchthöhle hatte?

Ich hatte auch eine FG in der 9.SSW
und keine embryonale Anlagen und es hat niemand von einer Beerdigung gesprochen weil es immerhin nichts zu beerdigen gab.

Und eine Pflicht gibt es nicht eine FG zu beerdigen die Eltern haben ein Recht darauf.

Beerdigung - Bestattungsrecht

Der Bereich Bestattungsrecht/Leichenwesen ist Ländersache, d.h. jedes Bundesland hat seine eigenen Bestattungsgesetze und -verordnungen, die z.T. erheblich voneinander abweichen.
Allen Bestattungsgesetzen gemeinsam ist die Bestattungspflicht für menschliche Leichen. Als menschliche Leichen gelten u.a. neben verstorbenen Kindern, die lebend geboren wurden (unabhängig vom Körpergewicht) auch Totgeburten, das sind totgeborene Kinder mit einem Gewicht von mindestens 500 g. Für Fehlgeburten (= totgeborene Babys unter 500 g) besteht zwar keine Bestattungspflicht, aber nach neuerer Auslegung durchaus ein Bestattungsanspruch der Eltern (s. St. Rixen "Die Bestattung fehlgeborener Kinder als Rechtsproblem", FmRZ 1994, H. 7, S. 417 - 425).


Beitrag von grinsgesicht 19.04.11 - 07:52 Uhr

Ich wollte mich sehr herzlich bei euch bedanken. Es gab sehr viele Informationen und ich habe ausführlich mich meiner Schwester geredet. Es war für sie doch ein Hilferuf, weil keiner sie verstanden hat. Es kamen halt vom Umfeld solche Sprüche wie, du hast ja schon 2Kinder und das ist doch schon mal was. Oder: Es war ja noch gar nichts zu sehen, da muss man sich nicht so anstellen. Für sie war es sehr schlimm das in der Gesellschaft mit so viel Unverständnis reagiert wird und sich somit ihren Kinder doch lebewohl sagen durfte.
LG

Beitrag von meandco 19.04.11 - 10:46 Uhr

also wenn sie im kh war zur fg, dann werden die überreste in einem sammelgrab bestattet und sie benachrichtigt.

auf ein eigenes grab hat sie erst ein recht, wenn das baby viel weiter war ... was glaubste wie viele gräber wir hätten, wenn alle fg's vor der 13. ssw ein eigenes grab bekommen würden #schock#schwitz

was den psychischen zustand deiner freundin anlangt:
der ist eindeutig bedenklich #schwitz denn sie reimt sich etwas zusammen was so nicht nachweißbar ist. sie lebt in einer traumwelt. vielleicht ist es aber auch leichter für sie zu wissen wo die reste begraben sind und dass es nicht ein baby allein ist (für sie war es eben schon ein baby, das ist durchaus legitim, auch wenn es so früh schon zu ende war ...).

unterstüze sie erst mal und beobachte sie. wenn du den verdacht hast, dass es schlimmer wird, oder aber irgendwie weiter ausartet, dann würde ich mal mit ihrem partner drüber reden, ob dem auch was auffällt und das vielleicht mal ne therapie angebracht wäre um mit der fg fertig zu werden #pro

lg
me