Feiertagstanzverbot überholt?

Archiv des urbia-Forums Politik & Philosophie.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Politik & Philosophie

Hier ist der Platz, mit anderen Politik- und Philosophieinteressierten über Parteien, aktuelles politisches Geschehen, Sinnfragen etc. zu diskutieren. Wir bitten insbesondere in diesem Forum um einen sachlichen und konstruktiven Diskussionsstil!

Beitrag von purpur100 20.04.11 - 10:02 Uhr

http://de.news.yahoo.com/blogs/allgemein/tanzverbot-an-feiertagen-noch-zeitgem-p183070.html

Wieso ist der Karfreitag eigentlich ein "Feier"-Tag? Wäre "Gedenk"-Tag nicht angebrachter, sinnvoller?

Es wird ja auch keinem verboten, zuhause zu tanzen, wer das will, der (darf) kann ja.

Meine Meinung: Wenn das Tanzverbot abgeschafft wird, dann sollten auch nur Gläubige an diesem Tag einen bezahlten Urlaubstag haben.

Jemand meiner Meinung und wenn nicht, warum?
#winke

Beitrag von serdes 20.04.11 - 10:22 Uhr

"Wieso ist der Karfreitag eigentlich ein "Feier"-Tag? Wäre "Gedenk"-Tag nicht angebrachter, sinnvoller? "

Eine Feier muss nicht zwingend etwas Fröhliches sein, es gibt ja auch die sogenannte "Trauerfeier".

Ich sehe denn Sinn eines Tanzverbotes nicht, obwohl ich religiös bin. Tanz ist m.E. ein Ausdruck des Seelenlebens und bei den meisten Feiern empfinde ich es auch als angemessen. Natürlich ist der Karfreitag eher eine Trauerfeier, doch schliesslich gibt es den Ausblick auf die Auferstehung und zudem ist der Akt der Selbstopferung Jesu für die Sünden der Menschheit eine feier(tanz?)würdige Angelegenheit.


"Meine Meinung: Wenn das Tanzverbot abgeschafft wird, dann sollten auch nur Gläubige an diesem Tag einen bezahlten Urlaubstag haben. "

Eine interessante Vorstellung, aber nicht in der Realität umsetzbar.
1. Hätte dann jeder an anderen Tagen offiziell frei, dies ist für Arbeitgeber ziemlich mühselig. Für Konsumenten übrigens auch.
2. Muss man sich bei staatlichen Feiertagen überlegen, welche Religion für den Staat relevant ist. Ist es das Christentum, scheint es nur logisch, die christlichen Feiertage zu feiern und natürlich in der alten liebgewonnenen Tradition der Nächstenliebe, diese freien Tage auch mit Nicht-Christen zu teilen.

Beitrag von purpur100 20.04.11 - 10:43 Uhr

Danke für deine Antwort.

"1. Hätte dann jeder an anderen Tagen offiziell frei, dies ist für Arbeitgeber ziemlich mühselig."

Ob nun mühselig hin oder her, es dürfte wohl schon der Fall sein ;-)

"2. Muss man sich bei staatlichen Feiertagen überlegen, welche Religion für den Staat relevant ist"

Interessant, da ja eigentlich Staat und Religion voneinander getrennt sind. Also eigentlich.

Beitrag von serdes 20.04.11 - 11:34 Uhr

"Interessant, da ja eigentlich Staat und Religion voneinander getrennt sind. Also eigentlich. "

Ich bin kein Befürworter einer rigorosen, absoluten Trennung von Staat und Kirche. Aber genausowenig ein Befürworter der zu starken Einflussnahme des Einen auf das Andere. Es gibt sowohl angemessene Einflussnahme des Staates auf die Kirchen sowie auch der Kirchen auf den Staat.

Der springende Punkt ist das Wort "angemessen".

M.M. nach darf der Staat, bzw das Volk sich gerne auf seine religiösen Wurzeln und Traditionen berufen, solange die staatliche Verfassung und das staatliche Gesetz über dem Kirchenrecht stehen.

Beitrag von purpur100 20.04.11 - 11:48 Uhr

angemessen hat für mich was schwammiges, das ist keine feste Einheit, nix bestimmtes, irgendwie wischiwaschi

Beitrag von birti 20.04.11 - 10:38 Uhr

.... müsste die Frage doch lauten, oder? Dabei meine ich NICHT, dass das Christentum überholt ist. Im Gegenteil.

Aber der Mehrheit der Bevölkerung scheint nicht mehr klar zu sein, was es für christliche Feiertage gibt, und was dort gefeiert wird. Insofern ist es eigentlich nur konsequent, dass solche Forderungen w.o. kommen. Man nimmt die Feiertage als Möglichkeit des Kurzurlaubs und des weihnachtlichen Kirchgangs eben mit, und wenn das Leben bitter zuschlägt, wird auch mal gebetet. "Man glaubt ja an irgendetwas". Und wenn Kommunion und Konfirmation die Kasse des Sprößlings auffüllen und die Familie im Mittelpunkt steht, ist das ja auch ganz nett.

In meinen Augen: wer den Karfreitag als Trauertag ignorieren möchte, sollte bitte auch auf die damit verbundene Freizeit verzichten. Gleiches gilt für Himmelfahrt, Fronleichnam, Pfingsten, Allerheiligen und Weihnachten. Dies wäre dann eine Folge der Trennung von Kirche und Staat.

Da ich aber einige praktizierende Christen kenne (wie ich auch etliche praktizierende Moslems kenne) und unsere Kultur auch auf dem Christentum basiert, denke ich, man sollte die Feiertage erhalten, und zwar so, wie sie sind, mit den dazugehörigen Ge- und Verboten.

Dies schreibe ich nicht, weil ich christlich lebe - das tue ich sicherlich nicht. Mein Glaube ist nicht definiert. Seit 4 Jahren (nämlich seit ich bei einem kirchlichen Träger arbeite) denke ich immer wieder darüber nach und habe natürlich auch Kontakt mit "richtigen" Christen - darunter 2 Menschen, die ich hoch schätze, und manchmal auch wegen ihres Glaubens beneide... seufz...

Gruß,
b.

Beitrag von purpur100 20.04.11 - 10:47 Uhr

#danke

"In meinen Augen: wer den Karfreitag als Trauertag ignorieren möchte, sollte bitte auch auf die damit verbundene Freizeit verzichten. Gleiches gilt für Himmelfahrt, Fronleichnam, Pfingsten, Allerheiligen und Weihnachten. Dies wäre dann eine Folge der Trennung von Kirche und Staat.

Da ich aber einige praktizierende Christen kenne..........................denke ich, man sollte die Feiertage erhalten "

und wenn du nun keine praktizierenden Christen kennen würdest? ;-)

Beitrag von birti 20.04.11 - 10:56 Uhr

....dann würde es vielleicht gar keine Christen in der BRD geben, oder nur so wenige, dass man sie als Minderheit betrachten würde... und dann hätten wir die Feiertage sowieso nicht. Oder?

Dadurch, dass ich sie kenne, ist mir klarer geworden, wie wichtig die Tage für Christen sind. Das wollte ich ausdrücken.#winke

b.

Beitrag von umsche 21.04.11 - 20:51 Uhr

#pro

Beitrag von zeitblom 20.04.11 - 10:42 Uhr

Wenn die Alternative heisst: Konsum oder Besinnlichkeit dann tendiere ich als Unglaeubiger zum zweiten, zumal diese Tage an zwei Haenden abzaehlbar sind. Die Forderung, dass Staat und Kirche zu trennen sei, wird meiner Meinung nicht davon betroffen, denn nichts spricht dagegen, wenn mal Staat und Kirche gleicher Ansicht sind.

Im katholischem Italien ist der Karfreitag uebrigens ein normaler Arbeitstag.

Beitrag von purpur100 20.04.11 - 10:49 Uhr

"Im katholischem Italien ist der Karfreitag uebrigens ein normaler Arbeitstag. "

wußte ich nicht. Ostermontag gibts aber als Feiertag?

Beitrag von zeitblom 20.04.11 - 10:53 Uhr

Sicher...fuer die Katholiken ist ja die Auferstehung und das Leben feiernswerter als das Opfer und den Tod, den die Protestanten am Karfreitag, ihrem hoechstem Feiertag, gedenken. Meiner Meinung ist dieser Unterschied mentalitaetsbildend...hier die Lebenslust, dort die Griesgraemigkeit... ;-)

Beitrag von purpur100 20.04.11 - 10:56 Uhr

hee heeee ;-)

Oder, bedingt durch Lebenslust, die fehlende Anerkennung es gebrachten Opfers?

Beitrag von zeitblom 20.04.11 - 10:59 Uhr

der Glaube, dass erst das Opfer die Lebenslust ermoeglicht, bleibt ja unberuehrt.... waehrend ich den Eindruck habe, dass viele meinen, dass das Opfer keine Lebenslust mehr zulaesst...

Beitrag von purpur100 20.04.11 - 11:03 Uhr

ähnlich der Denke die einige haben, daß ein um einen geliebten Menschen Trauernder auch nicht ansatzweise - egal was der Auslöser dafür ist - mal kurz lachen darf?

Beitrag von zeitblom 20.04.11 - 11:15 Uhr

genau..

Beitrag von birti 20.04.11 - 10:59 Uhr

Der Wiener (Analysist) würde vielleicht sagen: In Italien die Verdrängung der Trauer!

Und die Griesgrämigkeit überholt sich ja gerade!#huepf

b.

Beitrag von zeitblom 20.04.11 - 11:01 Uhr

dann kennte er Italien nicht....die Trauer wird nicht verdraengt, sondern ueberwunden: der Blick nach vorne....

Beitrag von birti 20.04.11 - 11:05 Uhr

Ach ja.. Am lautesten und bis zur Schmerzgrenze habe ich mit einer Italienerin gelacht - aber die ist auch zur Hälfte Deutsche... Na, da hat ihr Vater sich wohl genetisch-kulturell-sozialpsychologisch durchgesetzt!

Muss jetzt weg, meine vom Christentum geschenkte Kurzreise über Ostern vorbereiten.

Gruß nach Italien und allen dort fröhlichen Menschen!

b.

Beitrag von birti 20.04.11 - 11:09 Uhr

...meine vom Christentum geschenkte - Freizeit in Form einer - Kurzreise

Beitrag von king.with.deckchair 20.04.11 - 17:39 Uhr

"den die Protestanten am Karfreitag, ihrem hoechstem Feiertag"

Das ist nicht richtig, auch wenn es viele bedingt durch Infos aus grauer Vorzeit noch immer denken. Der höchste Feiertag der Protestanten ist im Grunde der Ostermontag (die Auferstehung).

Beitrag von zeitblom 21.04.11 - 08:39 Uhr

aber es war in "grauer Vorzeit" immerhin lange anders, oder? Wann hat sich dies geaendert?

Beitrag von vam-pir-ella 21.04.11 - 21:15 Uhr

" ...hier die Lebenslust, dort die Griesgraemigkeit... "

Genau darauf gründet ja der bei uns (leider!) weit verbreitete Pietismus!
Was Karfreitag anbelangt, so darf man hier gerne seinem Herrn auch an diesem Tag dienen, und sei es im Schweiße seines Angesichts, aber feiern und lebenslustig sein ist eigentlich an keinem Tag im Jahr gern gesehen.
Viele Menschen hier fragen eher:"Händr´a Arrrbatt", bevor sie fragen:" Gadds dr guad?" Arbeit=Gutes Leben...
Schade eigentlich, oder?

Gruß und schöne Ostern,

v.

Beitrag von sarahg0709 20.04.11 - 11:04 Uhr

Natürlich, weil der Karfreitag eigentlich der höchste Feiertag bei den evangelischen Christen ist.


LG

Beitrag von zeitblom 20.04.11 - 11:16 Uhr

eben, und nicht nur "eigentlich"...