Warum kann der eine besser, der andere schlechter verzeihen?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von so hart 20.04.11 - 12:59 Uhr

Hallo,

ich frage mich manchmal wirklich, wie Paare nach einem Seitensprung wieder eine harmonische Beziehung führen können ohne, dass Misstrauen aufkommt oder das Thema regelmäßig wieder auf den Tisch kommt.
Mir persönlich fällt es mehr als schwer damit umzugehen, dass ich betrogen wurde, obwohl die Beziehung seitdem viiel besser und schöner geworden ist.
Ich kriege das Thema einfach nicht aus meinem Kopf und schwimme manchmal in Selbstmitleid. Es nervt mich total und ich weiß, dass es mir nicht gut tut immer und immer wieder darüber nachzudenken was passiert ist, aber ich kann es nicht abstellen.

Wie geht ihr damit um? Mit dem Schmerz? Mit der Enttäuschung? Und vor allem, wie schafft ihr es nicht ständig daran zu denken?

Danke für eure Antworten!

Beitrag von keine ahnung 20.04.11 - 13:05 Uhr

Ich konnte verzeihen, aber aus meinem Kopf habe ich den Betrug nicht bekommen.

Nach einem anfänglichen Hoch nach dem Seitensprung meines Mannes, als unsere Beziehung rundherum besser wurde, ging es dann leider doch mit unserer Ehe zu Ende. Wir haben uns getrennt. Für mich war es auf jeden Fall besser so, denn die Stiche in meinem Herzen waren unerträglich auf Dauer.

Beitrag von so hart 20.04.11 - 13:15 Uhr

wie hast du es geschafft die Trennung durchzuziehen? Es waren ja trotzdem noch Gefühle für deinen Mann da oder?

Beitrag von keine Ahnung 20.04.11 - 14:53 Uhr

Wir haben gemeinsam beschlossen uns zu trennen, weil die Beziehung einfach "vergiftet" war. Irgendwann war es nicht mehr schön. Für mich war es sehr schmerzhaft aber letztendlich besser. Heute geht es mir wieder sehr gut.

Beitrag von so hart 20.04.11 - 15:11 Uhr

wie lange hast du das ganze denn mitgemacht? Also wie lange habt ihr es nochmal versucht?

Beitrag von weiseEule 20.04.11 - 15:55 Uhr

nicht "sie" hat das ganze mitgemacht. Beide haben etwas durchgemacht.

Mit deiner Einstellung wäre es das beste wenn du dich sofort trennen würdest.

Beitrag von weiseEule 20.04.11 - 13:07 Uhr

Du hast dich auf eine Versöhnung eingelassen, also musst du dich jetzt auch entsprechend verhalten, lernen, dass die Vergangenheit rum ist und etwas neues angefangen hat.
Wenn dir das nicht gelingt, dann wird das wohl oder übel irgendwann zum Crash kommen und dann bist du diejenige, die schuld daran ist, wenn die Beziehung endgültig den Bach runtergeht.
Stell dich vor den Spiegel, schau hinein und frage dich, was du willst. Und dann verhalte dich entsprechend.

Beitrag von seh ich anders 20.04.11 - 13:10 Uhr

Warum ist sie diejenige, die dann Schuld am Ende der Beziehung wäre? Gegen ihre Gefühle kann sie nicht an. Das kann man nicht erzwingen. Hier von Schuld zu sprechen ist unsinnig.

Beitrag von weiseEule 20.04.11 - 13:15 Uhr

Wenn jemand sagt, dass er eine Versöhnung möchte, dass er verzeiht und es mit dem Partner noch einmal versuchen möchte, dann fängt die Beziehung wieder bei Null an. Jedenfalls für meinen Begriff. Es ist ja nichts, wessen man sich schämen muss, wenn es einem dann nicht gelingt, die Vergangenheit zu begraben. Man ist dann an dem Versuch gescheitert. Es Schuld zu nennen war ein wenig heftig, geb ich zu.

Beitrag von so hart 20.04.11 - 13:19 Uhr

Bei "0" fängt man eben nicht an!
Es wäre schön, wenn man es so nennen kann, ist aber leider nicht so, weil es immernoch die gleiche Beziehung ist wie vor dem Seitensprung. Hätten wir eine Pause eingelegt, wäre es in meinen Augen sowas wie bei "0" anfangen.

Ich habe mich schon oft vor den Spiegel gestellt und mich gefragt was ich will und manchmal kann ich es mir selbst nicht beantworten

Ich hoffe immer noch auf den Tag, wo ich sagen kann "es tut nicht mehr weh, ich habe es geschafft", aber darauf warte ich nun schon länger und so langsam kommt die Angst, dass es diesen Tag nie geben wird und ein Leben lang mit diesem Schmerz zu leben, kann und will ich natürlich auch nicht. Es zerfisst mich!

Beitrag von weiseEule 20.04.11 - 13:34 Uhr

du solltest deine Einstellung ändern, denn sonst zerfrisst dich das ganze wirklich irgendwann.
Natürlich habt ihr bei der Versöhnung wieder bei Null angefangen. Du musst anfangen, das so zu sehen.
Mir ist schon klar, dass du dir eigentlich wünschst, das ganze wäre nie geschehen. Das wird aber ein ewiger Wunsch bleiben. Du bist jetzt diejenige, die den Hintern rumkriegen muss.

Beitrag von Zum Scheitern verurteilt 20.04.11 - 13:29 Uhr

Meiner Meinung nach scheitern Beziehungen, in denen fremdgegangen wird, meistens - früher oder später.

Das Vertrauen ist weg und es ist ein weiter Weg, dieses wieder aufzubauen.

Ich bin auch einmal betrogen worden und habe die Beziehung sofort beendet.

Beitrag von badguy 20.04.11 - 14:02 Uhr

Verzeihen hat m. E. viel mit verstehen und der Einsichtsfähigkeit in eigene Fehler zu tun. Quasi auch mit Kritikfähigkeit an einem selbst.

Meine Mutter z. B. verzeiht nicht. Macht sie nicht. Sie macht aber auch keine Fehler. Sie hat Freundschaften aufgrund von Nichtigkeiten beendet. Und meinem Vater hat sie seinen Kurschatten nie verziehen, ganz im Gegenteil, sie nutzt ihn bis heute für eine moralische Erpressung. Dabei ist ihr ganzes Leben auf Betrug ausgerichtet.

Ich bin auch mal betrogen worden. Damals hat mein bester Freund mich richtig wach gerüttelt und mir die Situation mal klar vor Augen gehalten, mir verstehen geholfen.

Hier bei urbia wird immer gerne so getan, als wäre ein Betrug, ein Fremdgehen, vom Himmel gefallen. Das aber genau tut er in 90% aller Fälle nicht, oft arbeitet der betrogene Partner aktiv am Betrug mit.

Meine Mutter z. B. kennt die Gründe für das Fremdgehen meines Vaters. Sie tut sie als nichtig ab. Der nächste Betrug am Partner, das Abqualifizieren von Bedürfnissen, Wünschen...

Beitrag von elofant 20.04.11 - 14:22 Uhr

Haben wir die gleiche Mutter?


Meine kann auch nicht verzeihen. Wenn sie mal nen Fehler gemacht hat, erwartet sie, dass sich andere bei hr entschuldigen. #kratz

Beitrag von badguy 20.04.11 - 14:46 Uhr

Wenn sie mal nen Fehler gemacht hat, erwartet sie, dass sich andere bei hr entschuldigen.

Es scheint so. Allerdings wärest du dann meine Schwester. Du aber bist ne Nette und meine Schwester nicht...

Beitrag von elofant 20.04.11 - 20:01 Uhr

Wer weiß, vielleicht haste ja noch ne Schwester. Irgendwo in diesem Land?







Schade, aber ich muss Dich leider enttäuschen. Ich bin Einzelkind. Zumindest glaube ich das. He he

Beitrag von weiseEule 20.04.11 - 14:29 Uhr

>>Verzeihen hat m. E. viel mit verstehen und der Einsichtsfähigkeit in eigene Fehler zu tun. Quasi auch mit Kritikfähigkeit an einem selbst.<<

Mit diesem Satz haust du nochmal richtig tief in die Wunde der TE rein. Aber vielleicht braucht sie das.

Beitrag von badguy 20.04.11 - 14:48 Uhr

Mein bester Freund hat mir auch nicht den Nacken gekrault... Und ich hab es scheinbar auch gebraucht. Wobei ich mir 1000%ig sicher bin, dass er mich nicht verletzen wollte, so wie ich die Absicht hier auch nicht habe.

Beitrag von josili0208 20.04.11 - 14:58 Uhr

Aber wo er Recht hat... #schein

Beitrag von mitti8 20.04.11 - 16:42 Uhr

Finde deine Antwort schon a bissl hart.

Wenn man ein Stinkstifel ist, braucht man sich nicht wundern, wenn man betrogen wird. Ich bin aber der Meinung, dass jeder Fehler macht und normalerweise akzeptiert man ja die Fehler des anderen bis zu einem gewissen Grad. Man betrügt doch deswegen nicht seinen Partner! Sowas passiert vielleicht einmal, man kommt drauf, dass es die Sache nicht wert war und macht es nie wieder!

Wenn nun jemand mit jemandem zusammen ist, der aufgrund seines Naturells niemals betrügen würde, wie soll dieser jemand dann einen Betrug verzeihen? Er wird es ja nicht verstehen können. Fehler machen hin oder her.

Beitrag von badguy 20.04.11 - 17:53 Uhr

Ich kann mit deinem ganzen Posting ziemlich wenig anfangen. Wer urteilt hier über die Schwere von Fehlern? Wer ist man? Wer sagt, dass es immer wieder passiert.

Wer von sich behauptet, dass egal was passiert, er nie fremdgehen wird, lügt, weil keiner von uns weiß, was morgen ist. Genau aber diese Einstellung, dass "NIE" ist so unehrlich, dass derjenige, der dieses Wort in den Mund nimmt, dringend nachdenken sollte.

Drei Wenns für einen konkreten Sachverhalt, das passt nicht.

Beitrag von mitti8 20.04.11 - 18:44 Uhr

Mir kommt es so vor, als würden wir aneinander vorbeireden.

Denke, es geht in einer Beziehung nicht um die Beurteilung der Schwere von Fehlern. Wie soll das funktionieren? Man ist ein unbestimmtes Pronomen. Es könnte durch jemand oder eine Person ersetzt werden. Außerdem habe ich nichts bezüglich "das es immer wieder passiert" geschrieben.

Auch habe ich nichts über Personen geschrieben, die behaupten, nie zu betrügen. Ich denke einfach, dass es Personen gibt, die sich das nicht vorstellen können und bis sie es nicht selbst erlebt haben, werden sie sich auch nicht vorstellen können, wie man in so eine Situation kommt.

Was du mit den 3 Wenns meinst, ist mir auch nicht klar.

Beitrag von badguy 20.04.11 - 19:39 Uhr

Du schreibst, dass wenn man ein Stinkstiefel ist, man sich nicht wundern braucht, wenn man betrogen wird.

Desweiteren schreibst du, wenn man ein Mensch ist, der aufgrund seines Naturells niemals betrügen würde, wie dieser Mensch verzeihen soll.

Dazwischen der Hinweis, dass Fehler bis zu einem bestimmten Grad akzeptiert werden.

D. h. für mich, dass die schwere von Fehlern bewertet wird, dahingehend, dass leichte zu akzeptieren sind und die von Stinkstiefeln entsprechend "geahndet werden.

Wenn ich nicht betrügen würde, ist das richtig, nicht mehr als eine Absicht. Wenn ich aufgrund dieses Naturells, wie du schreibst, so etwas nicht gewillt bin zu tun und trotzdem, als "Opfer" vor eine solche Situation gestellt werde, kann ich das nicht verzeihen, weil ich eben so nicht handeln würde? Das finde ich erschreckend intolerant.

Beitrag von mitti8 20.04.11 - 20:52 Uhr

Ah, verstehe!

Naja, wenn du es eng siehst, kannst du es als bewerten der Fehler auffassen, da hast du recht. War mir nicht so bewußt #hicks

Unter Stinkstifel verstehe ich wirklich ätzende Menschen, die nur nörgeln und sich ekelhaft benehmen und der Partner um des lieben Friedens willen trotzdem noch versucht alles zu tun, damit alles gut wird. Der Partner kommt da, denke ich, eher in die Situation den "Stinkstifel" zu betrügen. Damit meine ich, dass, wenn ich ständig über meinen Partner "drüber fahre" und ihn schlecht behandle, muss ich eigentlich damit rechnen, dass er sich früher oder später wo anders umsieht.

Bzgl. Fehler bis zu einem gewissen Grad zu akzeptieren, war das auch nicht wertend gemeint, sondern eher als Selbstverständlichkeit, dass in einer Partnerschaft "Fehler" des Partners akzeptiert werden (z.B. etwas Wichtiges vergessen, wie etwa den Hochzeitstag). Jeder macht ja Fehler. Bei deinem 1. Posting hörte es sich für mich so an, als wären Fehler eine Entschuldigung für Fremdgehen.

Über deinen letzten Absatz müsste ich nochmals nachdenken. Hmmm ... irgendwie hast du schon recht, aber .... naja, ich kann mir vorstellen, wenn diese Person nicht diese Absicht hegt und dann als "Opfer" in diese Situation kommt, dass sie durch die Verletzung das nicht verzeihen kann. Weil es gegen ihre innerst Überzeugung geht. Gibt es nicht Dinge, wo du sagst, nein, das kann ich nicht verstehen? Könnte mir vorstellen, dass es für das "Opfer" so etwas in der Art wäre.

Ich komme zu dem Schluss, dass es bei dir keine "stinkstifeligen" Fehler gibt sondern bei dir Fehler nun mal Fehler sind. Richtig?

Beitrag von badguy 21.04.11 - 16:18 Uhr

Ich komme zu dem Schluss, dass es bei dir keine "stinkstifeligen" Fehler gibt sondern bei dir Fehler nun mal Fehler sind. Richtig?

Nein, mir geht es darum, dass Fehler individuell sind und von jedem individuell empfunden werden. Was für den einen eine Nichtigkeit, ist für den anderen eine Welt.

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