er kann nicht trauern

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von traurig-und-allein 20.04.11 - 13:26 Uhr

Hallo

Mein Mann und ich haben vor 2 Wochen unser lang erwartetes Wunschkind verloren. Er hat sich die ganze Zeit, wärend ich im KH war, rührend um alles gekümmert. Aber seit ich wieder daheim bin, streiten wir uns schrecklich.

Er sagt, es sei für ihn so schon schlimm genug, das alles. Und wenn ich dauernd weine und im Forum "rumhänge", dann erinnere ich ihn jedesmal daran, dass wir unser kind verloren haben. Und da kann (und will) er sich jetzt nicht mit auseinandersetzen. Das müsse er jetzt einfach verdrängen, sagt er. Er wird wütend, wenn ich mich mit unserem Kind und dem, was passiert ist, beschäftige. Oder wenn ich weine und trauere.

Als der FA uns wieder grünes Licht für einen neuen Versuch gab, war er sofort Feuer und Flamme, wollte am liebsten sofort wieder loslegen. Aber ich kann das noch nicht. Ich bin noch so eingenommen von dem, was passiert ist. Er verstehts nicht.

sorry fürs #bla

Beitrag von thyme 20.04.11 - 13:46 Uhr

Er verstehts nicht, und du kannst ihn nicht verstehen. Er trauert auch, aber auf seine Art. Trauer ist etwas sehr persönliches und nicht unbedingt kompatibel mit derjenigen des andern. Hier hilft nur Geduld und Respekt dem anderen gegenüber.

Noch etwas: Ich verstehe zwar, dass eine Fehlgeburt eine schmerzhafte Erfahrung ist. Aber - und ohne persönlich werden zu wollen - ich habe Mühe, mit der geradezu obsessiven Auseinandersetzung damit, die man in anderen Foren nachlesen kann.
Eine Fehlgeburt ist halt leider ebenso ein natürlicher Vorgang wie eine Geburt. Ob all der Hightech-Medizin ist uns wohl irgendwann das Bewusstsein dafür verloren gegangen. Dabei kenne zumindest ich keine einzige Mutter, mit der ich je über das Thema gesprochen habe, die diese Erfahrung nicht auch machen musste.

Lg thyme

Beitrag von juju0980 20.04.11 - 14:03 Uhr

Danke!

Beitrag von asimbonanga 20.04.11 - 14:34 Uhr

Sehe ich auch so.

Beitrag von badguy 20.04.11 - 14:11 Uhr

Zunächst einmal tut mir das sehr leid für euch.

Trauer ist etwas sehr Persönliches. Jeder trauert anders und Trauer muss von jedem zugelassen werden. So, wie ich dich verstehe, gehst du hin und versuchst deinen Schmerz dadurch zu verarbeiten, dass du ihn teilst, dich anderen gegenüber mitteilst und auch offen zeigst, dass es dir nicht gut geht.

Er versucht das Erlebte zu verdrängen, es mit sich selbst auszumachen.

Ich habe gestern beim Frisör den Stern von letzter Woche gelesen. Dort ging es um die Kriegsgeneration, die jetzt ins Senioren und Pflegealter gekommen ist. Man geht von min. 30% schwerst traumatisierten Menschen aus, die in dieser Generation leben. Mitscherlich spricht davon, dass es fünf Generationen dauert, bis sich solche Erlebnisse aus der Denke, der Erziehung und dem Verhalten gelöscht haben.

Oft geht die Pädagogik hin und versucht aus Jungs harte Männer zu machen, die auf emotionaler Ebene massivst benachteiligt sind. Dein Mann wirkt auf mich, so wie du das schilderst, hilflos, er möchte am liebsten vergessen. Mit einem neuen Versuch, einer neuen Schwangerschaft den schwarzen Fleck auf der Seele vergessen machen. Ich persönlich bin da skeptisch, ob das funktioniert.

Beitrag von elofant 20.04.11 - 14:17 Uhr

Es tut mir leid, was Euch passiert ist.

Aber es trauert jeder anders. Der ein spricht drüber, der andere frisst es lieber in sich hinein...

Euer Leben geht weiter. Auch wenn das jetzt hart klingt. Wenn Du tagein tagaus nur da sitzt und heulst und drüber grübelst, wieso weshalb warum, bringt das Euer Kind auch nicht wieder.

Ok, 2 Wochen ist jetzt noch nicht sooo ewig eher. Aber versuche los zulassen. Dann gehts Dir und auch Deinem Mann besser.

Alles Gute!

Beitrag von hsi 20.04.11 - 15:01 Uhr

Hallo,

ist zwar kein guter vergleich, aber wir hatten anfang März eine Frühgeburt gehabt. Ich habe viele Tage geheult und unterstützung gebraucht um damit "fertig" zu werden, das mein Kind ein Extrem-Frühchen ist, das er soo klein und mit den ganzen Kabeln und Maschinen im Inkubator vor mir lag. Das hat mir das Herz gebrochen, genau so das ich ihn dort lassen muss.
Mein Mann hat das irgendwie besser weg gesteckt und er kommt mit der Situation auch besser klar. Er sagte auch, das ich das Kind im Bauch hatte und das ich es viel intensiver erlebe als er, dann durch die Hormonumstellung. Mein Mann redet auch nicht viel darüber, ganz selten das wir über die Geburt und die erste Zeit nach der Geburt reden. Aber ich weiss das es meinen Mann auch nicht leicht viel und das er den Kleinen lieber bei sich hätte, aber so ist es nun mal. Man muss einen Weg finden damit klar zu kommen.

Lg,
Hsiuying

Beitrag von babylona 20.04.11 - 15:20 Uhr

Verallgemeinernde Phrasen helfen dir jetzt wahrscheinlich nicht, aber mir hat mal jemand in einer anders traurigen Situation gesagt:

Frauen trauern sofort und sehr intensiv, Männer später und langsam.

Es mag ein Stereotyp sein, aber auf viele Fälle, die ich miterlebt habe, trifft das sehr deutlich zu.

Gib deinem Mann die Möglichkeit, so zu trauern, wie es für ihn am besten ist. Umgekehrt versuche mit ihm zu "verhandeln", dies bei dir ebenso zu akzeptieren. Vielleicht kannst du das Verhalten deines Mannes auch in positiver Weise nutzten, nach und nach in den Alltag zurückzukehren.

Alles Gute! #klee

Beitrag von mirja 20.04.11 - 18:10 Uhr

Hallo!

Erstmal mein Beileid, es ist sehr schlimm, was ihr durchmachen müsst.

Ich war zufällig die letzten 2 Tage auf einer Trauer - Fortbildung, welche ich für meine Arbeit machen musste/durfte. Es war sehr interessant und ich kann dir sagen, es gibt vier "Trauer - Typen":

Der Fühler, der Vermeider, der Verdränger und der Macher.

Jede Form ist für sich richtig, es gibt kein falsches Trauern. Wichtig ist nur, dass jeder dem anderen seine Trauerform zugesteht. Das ist gerade bei Paaren, welche ein Kind verloren haben, schwierig. Eigentlich erwartet jeder vom anderen, dass er ihn unterstützt, aber da jeder in seiner Trauer so gefangen ist, geht das nicht. Es wäre eine Möglichkeit, euch evtl. Hilfe von außen zu holen, z.B. in Form einer Trauerbegleitung ( sowas gibt es kostenlos bei jeder Kirchengemeinde).

Wenn ihr das im Moment noch nicht könnt oder wollt, so überlegt für euch, was euch gut tut, wie ihr mit eurer Trauer umgehen könnt. Es hilft zum Beispiel vielen, sich kreativ zu beschäftigen, z.B. Holzskulpturen zu machen, andere hören gerne Musik.....

Wichtig ist nur, dass jeder von euch seinen Weg gehen darf, darüber solltet ihr reden. Du scheinst der "Fühler" zu sein und das ist auch völlig in Ordnung, genau so, wie es in Ordnung ist, dass dein Mann der "Verdränger" zu sein scheint. Er trauert genau so, wie du, aber halt komplett anders.

Wenn du noch nicht bereit für ein "neues" Kind bist, dann sag ihm das, wenn er dich nicht verstehen kann, dann wäre wirklich Hilfe von außen gut, denn du solltest dich jetzt nicht auch noch für deine Trauer verteidigen müssen. Jemand der neutral und erfahren ist, könnte zwischen euch vermitteln und ich denke, das wäre ein gute Sache.

Ich wünsche euch von Herzen alles Gute!