Ich habe keine Idee mehr...

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von miss.sunshine01 21.04.11 - 11:30 Uhr

Mein Sohn, 5, war schon immer ein anstrengendes Kind.
Er hat von Anfang an seine Grenzen ausgelotet und sie auch gerne immer wieder überschritten.
Ich muss dazu sagen, dass ich in seinen fast kompletten ersten drei Lebensjahren krank war (möchte gerade nicht näher darauf eingehen) und ich viel auf Hilfe meiner Mutter angewiesen war.
Sie hat es nciht als Erziehungsaufgabe gesehen, sondern wollte einfach OMA sein, hat also sehr oft Fünfe gerade sein lassen, viel erlaubt usw.
Ich möchte ihr jetzt nicht irgendwelche Schuld zuschieben und seitdem ich mich wieder besser und fast ausschließlich alleine um die Erziehung kümmern kann (d.h. mit meinem Mann, den Erzieherinnen usw. natürlich), bin ich "dran" . Aber es ist so müüühsam!! Ich bin jeden Abend fertig.
und ich kann mich selbst nicht mehr hören.
IMMER, IMMER muss ich ermahnen, Konsequenzen androhen und durchziehen.. und ich habe das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen.

Eigentlich ist er ein ganz süßer, lieber Junge.
Aber dann hat er sowas wie Ausraster, hört nicht, macht was er will.
Das hört sich an wie bei vielen, ich weiß.
Aber ich bin nun auch schon von einer anderen Mutter angesprochen worden, weil er auf dem Kindergeburtstag ihres Sohnes so "ausgetickt" ist: Hat eine Wasserbahn umgeworfen, absichtlich auf ein anderes Kind, so dass das klatschnass wurde. Dann hat er sich eine Gießkanne geholt und über ein anderes Kind gegossen. Reaktion auf die Ermahungen der "fremden" Mutter war Grinsen und Weglaufen.
Ich schäme mich für das Verhalten meines Sohnes!!
Ich habe ihr gesagt, sie hätte anrufen sollen, dann hätte ich ihn geholt.
Bei uns muss er sofort raus aus der Situation, wenn sowas passiert.
Er ist oft auch so grenzenlos gegenüber seiner Schwester.
Wenn wir im Garten sind, schicke ich ihn dann gerne mal rein.
Aber das ist keine wirklcih gute Konsequenz, da er dort natürlich ne Alternative zum Spielen findet.
Ich habe das Gefühl, ich kann ihn mit nichts kriegen.

Wie oft sind wir schon wo abgehauen, weil ich gesagt habe (z.B.):
Wenn du jetzt noch einmal einem Kind etwas wegnimmst (macht er sehr gerne, will immer alles haben!), dann gehst du schonmal ins Auto und wenn ich zusammen gepackt habe, fahren wir nach Hause.
Das ist schon mehrmals passiert.
Er hat NICHTS daraus gelernt.

Ich bin total verzweifelt, weil ich das Gefühl habe, ich kann diese erste Zeit NIE wieder wett machen.Ich war nicht präsent und das hätte er gebraucht. Er braucht so sehr feste Strukturen, aber sein "Radius" ist von Anfang an zu groß gewesen und es ist so mühsam, ihn kleiner zu bauen, die Grenzen zu setzen (die ja nunmal auch sein müssen, er DARF einfach nicht anderen Kindern weh tun, ihnen etwas wegnehmen, sich wie wer-weiß-wer benehmen...).

Ich habe keine Ideen mehr und habe Angst, es nicht mehr in den Griff zu bekommen.
Mein Mann meint, er hätte dafür damals eine "geknallt" bekommen und ich weiß, dass er sich sehr oft zusammen reißt, weil er nur diese Lösung aus seiner eigenen Kindheit kennt. Stattdessen wird er dann mal richtig laut und ich habe das Gefühl, das ist etwas, war mehr wirkt als alles andere. Als ob er gerade vom Papa diese klare Ansage braucht.
Wenn ich "laut" werde, klingt das eher lächerlich...
Aber das ist ja auch keine Lösung.
Ich hatte mir nie vorgestellt, brüllende Eltern zu werden... Aber es ist echt schwer...

Beitrag von redrose123 21.04.11 - 12:25 Uhr

Zu dem Geburtstag, würde ich mit Ihm reden und sagen das er in Zukunft wohl nicht mehr so wohin kann oder keiner Ihn mehr einladen wird....

Ich denke du machst so wie du es machst richtig die Zeit die du verloren hast kannst du nicht in so kurzer zeit wieder wegmachen, denke das dauert seine Zeit, viel kraft euch....

Beitrag von hustinetten 21.04.11 - 12:37 Uhr

Such dir professionelle Hilfe. Brüllen und Schläge unterdrücken wird euch auf Dauer nicht helfen.

Noch habt ihr die Zeit etwas zu ändern.

lg

Beitrag von deoris 21.04.11 - 13:19 Uhr

Hallo
ich kann dich sehr gut verstehen .Unsere Situation war etwas ähnlich mit unserem jetzt 7 jährigen Sohn.Nur ,dass er durch eine Krankheit wahrscheinlich zu wenig Grenzen aufgezeit bekommen hat.Jetzt ist er gesund.Vor einiger Zeit ist alles ausser Kontrolle geraten und ich wusste nur einen eizigen weg ,wir sind zum Psychologen gegangen.Ich kann dir noch keine Ergebnisse liefern ,da wir noch am anfang sind und erstmal wurden viele Test und Gespräche durchgeführt ,anfang Mai haben die einen Auswertungsgespräch ,was dabei rauskommt ,da bin ich sehr gespannt.
Aber mir wurde schon im ersten Gespräch einiges klar und ich habe in vielen Dingen mein eigenes Verhalten geändert.Als erstes wurde mir auch klar ,dass zwischen meinen beiden "Großen" ein sehr starker Konkurrenzkampf herrscht. Ihr habt auch ein kleines Mädchen ,vielleicht denkst du darüber nach.Kinder die Aufmerksamkeit nur durch schlechte Dinge bekommen ,ziehen es auch vor nur durch schlechte Dinge aufzufallen.
Sucht euch Hilfe ,noch ist es nicht zu spät.

LG Ewa

Beitrag von kaffetante 21.04.11 - 13:26 Uhr

Hallo,

das hört sich ja schlimm an. Ich weiß natürlich nichts Näheres über Deine Situation in den ersten drei Jahren, aber ich würde daran auch nicht alles festmachen. Zunächst musst Du aufhören Dir ständig Vorwürfe zu machen. Du musst daran arbeiten, aber mit einem "Schuldgefühl" klappt das nicht.

Ich habe auch einen kleinen - wir nennen es immer - Grenzgänger zu Hause. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Wir haben z.B. eine Regel, die besagt, dass die Kinder im Wald hinter unserem Haus spielen dürfen, aber sie dürfen niemals eine bestimmte Grenze übertreten. Was machen Sie? Anstatt den Raum im Wald in Anspruch zu nehmen, treiben sie sich nur auf der Grenzlinie rum.

Ich muss auch immer wieder die Zügel ganz kurz nehmen, dann klappt es auch. Dabei möglichst ruhig bleiben. Mit logischen Konsequenzen ist es oft schwer, ich versuche ihn da zu treffen, wo es ihm wirklich "weh tut". Auch wenn es nicht logisch ist ;-). Er weiß ganz genau, was er zu erwarten hat und mittlerweile ist er direkt pflegeleicht. ABER er testet bei jedem. Überall gucken was geht und was nicht geht.

Alle Kinder sind verschieden und nicht auf jedes Kind passt ein Konzept. Das finde ich muss jeder für sich selbst finden. Ich lese aus Interesse viele Erziehungsbücher und beschäftige mich auch sonst viel mit Psychologie und es ist mir noch nie ein Buch untergekommen oder eine Erziehungsmeinung, die eins zu eins auf meine Kinder anzuwenden ist.

Bleib am Ball und Kopf hoch.

LG

Beitrag von lexa8102 03.05.11 - 21:20 Uhr

Hallo,

vielleicht könntest du die "Strafen" überdenken?

Wenn er sich so benimmt, weil er Aufmerksamkeit will, ist es aus meiner Sicht falsch ihn wegzuschicken (wie in deinem Beispiel vom Garten ins Haus). Vielmehr solltest du ihn von Anfang an mehr einbinden und dich um ihn kümmern, damit er keinen "Ausraster" bekommt.

Zu der Situtation auf dem Geburtstag: Wer weiß, was da der Auslöser war...

Ein Kind anzuschreien, hat eher den gegenteiligen Effekt - das kenne ich aus meiner eigenen Kindheit, ich wurde von meinem Vater sehr oft angebrüllt.

Du könntest die einzelnen Situation erst mal näher beleuchten. Vielleicht könnte dir ein Tagebuch helfen, dass du dann einfach ein paar Tage später noch mal durchblätterst, dann hast du etwas Abstand von der Situation. Du könntest dich dann fragen: Was war der Auslöser für die Reaktion? Warum hat mein Kind quasi so reagiert? Wie könnte ich das beim nächsten mal vorbeugen?

Mit dem Durchziehen der Konsquenzen liegst du ja schon richtig.

Viele Grüße,
Lexa

Beitrag von miss.sunshine01 03.05.11 - 21:27 Uhr

Vielen lieben Dank für deine Antwort!
Ich bleibe dran! :-D

Beitrag von salinchen77 06.05.11 - 23:12 Uhr

Hast Du schon mal etwas von Jesper Juul gehört? Ich bin durch Zufall auf ein Interview mit ihm in der "Zeit" gestoßen und habe gerade sein Buch "Dein kompententes Kind" gelesen und kann es nur empfehlen. Es ist kein Erziehungsratgeber, sondern eine Orientierungshilfe und macht es daher so wertvoll. Vielleicht hilft Dir das dabei, das Verhalten Deines Sohnes zu verstehen und für Euch Lösungen zu finden. Alles Gute und ganz viel Kraft!!!

Beitrag von miss.sunshine01 09.05.11 - 12:13 Uhr

Vielen Dank für den Tipp! Werde mal danach gucken!