Einer meiner Studenten wird sterben

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von miaumio 22.04.11 - 00:23 Uhr

Ich weiß nicht, ob das hierher gehört, bitte entschuldigt, falls nicht. Aber mir liegt das so schwer auf der Seele und ich weiß nicht wie ich mich verhalten soll.

Ich bin Dozentin an einer kleinen Privatuni und ich kenne alle meine Studenten persönlich und sehr gut. Heute hat mir einer meiner nettesten Studenten erzählt, dass er sterben wird. Er sagt, man hat ihm ungefähr noch ein gutes, relativ schmerzfreies Jahr prognostiziert.
Wir haben beide furchtbar geweint und lange geredet. Ich hatte das Gefühl es hat ihm gut getan, mir sein Herz auszuschütten.

Ich bin so unglaublich traurig, ich weiß gar nicht wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll. Ich würde ihm so gern irgendwie helfen, aber ich weiß, das kann ich natürlich nicht wirklich. Natürlich will er auch keine Sonderbehandlung im Unterricht, aber...ach ich weiß einfach nicht. Ich möchte so sehr, dass er das eine Jahr noch so intensiv lebt und genießt wie er nur kann, aber natürlich kann ich mich nicht in seine Entscheidungen einmischen.

Irgendetwas will ich einfach für ihn tun. Außer ihn natürlich so normal wie möglich zu behandeln. Ich bin unglaublich traurig und überfordert mit der Situation.

Ich weiß auch gar nicht, ob ich jetzt wirklich eine Frage an euch habe, aber ich wollte mir das ganze einfach von der Seele schreiben. Vielleicht hat ja jemand einen weisen Rat für mich...

Beitrag von sabienchen22 22.04.11 - 01:43 Uhr

HI!

oh man #heul
ich möcht dich nur mal ganz fest #liebdrueck aber Rat hab ich leider keinen für dich, außer dass du für ihn da bist, wenn er es will #blume

Alles Gute,
Sabine

Beitrag von heson 22.04.11 - 11:19 Uhr

Hallo!

Einfach schrecklich, mit welchen Schicksalen Menschen konfrontiert werden. Ich habe vor einigen Wochen auch eine ganz schmerzliche Erfahrung gemacht. Ich habe auch kein Patentrezept für dich. Aber ich spüre es in eigener Sache, dass es schön ist, mit dem Verlust so ... offen umzugehen. Und mir tut es gut, dass meine Freunde fast schon etwas neugierig (sie haben auch keine derartigen Erfahrungen) auch Fragen stellen. Fragen wie "wie fühlt es sich an? Wie ist es? "
Es ist schön zu wissen, da ist jemand, der weiß Bescheid. Der hat Verständnis, dass es mir heute gut und morgen total schlecht (seelisch) geht. Und wenn ich nicht kann, hakt man sich bei mir unter und stützt mich eine Weile.
Ich weiß auch nicht, ob dir das jetzt hilft. Aber ... sei da und hab Verständnis. Rede offen und nicht drum herum. Das Leben hält für jeden sein Schicksal bereit... Und wir sollten es annehmen und lernen, damit umzugehen. Und es nicht als Strafe ansehen!

Trotz allem wünsche ich dir schöne Ostern!

Beitrag von pechawa 22.04.11 - 20:14 Uhr

Hallo,

leider habe ich keinen weisen Rat für dich, aber ich glaube, indem du ihm einfach zuhörst und mit ihm weinst, hilfst du ihm sehr! Ich kann mir vorstellen, dass man als Betroffener seine Familie nicht zu sehr beanspruchen möchte, man ist emotional zu nah dran, man möchte denen nicht weh tun, die man liebt. Natürlich wollen Eltern ihrem Kind helfen, wenn sie erfahren, es hat eine unheilbare Krankheit, aber in Wirklichkeit begreift man das alles nicht. Als Mutter oder Vater könnte man nur noch schreien, aber man muss doch stark sein und seinem Kind Mut machen. Vielleicht versucht man zu trösten und Hoffnung zu machen, was wichtig ist, aber im Prinzip braucht ein Kranker auch jemanden, der die Situation realistisch sieht und der wirklich stark ist. Eltern sind in so einer Situation nicht wirklich stark, sie halten einfach nur aus ......
Sei einfach weiter der Seelentröster, ich wünsche dir viel Kraft!

LG Pechawa

Beitrag von miaumio 24.04.11 - 01:19 Uhr

danke euch allen für eure Ratschläge und lieben Worte. Ich werde in der Tat versuchen, einfach immer für ihn da zu sein, wenn er jemanden außerhalb seiner Familie und seines Freundeskreises zum reden oder weinen braucht. Es stimmt, manchmal kann man einem Außenstehenden ja wirklich besser die brutale Wahrheit sagen und sich gehen lassen. Etwas, das man der Familie oft nicht antun will.

Danke!

Beitrag von myimmortal1977 25.04.11 - 23:41 Uhr

Genau hinhören und feinfülig raushören, was er will. Manche Betroffenen wollen ganz normal behandelt werden, manche wollen als das, was sie sind behandelt werden, schwer krank.

Dir alles Gute, Janette

Beitrag von starshine 28.04.11 - 13:51 Uhr

Das tut mir sehr leid.

Weisst Du, die Dinge (intensiv leben, die Welt sehen etc.) werden meistens total unwichtig, wenn jemand erfährt, dass er/sie sein Leben verlieren wird, auch wenn uns die Filmindustrie und einige Schriftsteller gerne etwas anders weismachen wollen.

Verhalte Dich ganz normal, denn das hilft den Menschen am meisten. Sage aber auch, wenn Du manchmal nicht weisst, ob Du etwas sagen sollst oder nicht, denn im Angesicht des Todes erscheinen uns Alltäglichkeiten "unpassend". Aber genau diese Alltäglichkeiten sind es, die Menschen so sehr vermissen. Sie möchten nicht, dass sich etwas ändert, also ändere nichts.

Ich denke an Euch