Lieber 1 Sportart intensiv oder 2 Sportarten"light"?

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von ratpanat75 23.04.11 - 12:34 Uhr

Hallo,

mein Sohn geht zur Zeit 2x Woche in den Sportverein, 1mal zum Fußball und 1mal zum Schwimmen bei der DLRG, zusätzlich gehen wir noch jedes WE mit ihm schwimmen.
Beides macht ihm Spaß, aber beim Fußball ist es so, dass er der Kleinste ist, alle anderen sind 1-2 Jahre älter und spielen viel besser, deshalb langweilt er sich oft, wenn die Trainingsspiele länger als 10 min dauern und er fängt dann z.B. an mit dem Gras zu spielen #schock.
Die Übungen macht er dagegen begeistert mit und mit den anderen Kindern versteht er sich prima.
Auch in der Freizeit spielt er fast jeden Tag begeistert mit seinem Papa oder mit Nachbarskindern Fußball.

Beim Schwimmen dagegen ist er wirklich sehr gut für sein Alter, er schwimmt, seit er sehr klein ist und liebt das Wasser einfach.
In seiner Schwimmgruppe bei der DLRG ist er mit Abstand der Kleinste, aber da kommt er ohne Probleme mit.
Jetzt sind wir vom Trainer des Schwimmvereins (trainieren zur gleichen Zeit) angesprochen worden, ob er nicht in den Verein überwechseln will, um dort "leistungsorientierter" zu trainieren, d.h. er müsste dann 2x die Woche trainieren und die Anforderungen dort sind höher, später käme dann auch noch "Trockentrainig" dazu. Der Trainer meint, er sollte sein Potenzial nutzen und so früh wie möglich wechseln.

Das erste Problem ist, dass ich nicht weiß, was ich von einem "leistungsorientierten" Training bei einem 5-Jährigen halten soll, eigentlich finde ich das viel zu früh und ich will ihn nicht unter Druck setzen.

Er war jetzt aber total begeistert vom Probetrainig und möchte gerne wechseln. Beim Schwimmen ist er, im Gegensatz zum Fußball, ziemlich ehrgeizig (vielleicht schon zu ehrgeizig). Wenn wir am WE mit ihm ins Schwimmbad gehen, besteht er z.B. darauf, erst eine bestimmte Anzahl von Bahnen zu schwimmen, bevor wir spielen gehen. Manchmal muss ich ihn regelrecht dazu überreden, endlich zur Rutsche oder ins Spielbecken zu gehen.

Ein weiteres Problem ist, dass er bei einem Wechsel in den Schwimmverein den Fußballverein aufgeben müsste, denn erstens haben wir noch andere Termine in der Woche und ich möchte, dass er noch genug Zeit hat, sich mit Kindergartenfreunden zu treffen, mit den Nachbarskindern draußen Fahrrad zu fahren oder einfach zu Hause mit seinen Sachen zu spelen, denn das braucht er auf jeden Fall noch.
Außerdem ist mein eigenes zeitliches Limit auch erreicht, denn ich muss ihn ja hinfahren, dort auf ihn warten, etc.
Den Fußballverein möchte er aber auch auf keinen Fall aufgeben und eigentlich finde ich es auch gut, dass er einen Mannschaftssport macht.
Außerdem denke ich, er hat noch genug Zeit, sich dafür zu entscheiden, das Schwimmen intensiver zu betreiben.

Wie würdet ihr entscheiden?

LG





Beitrag von fine2000 23.04.11 - 12:41 Uhr

Ich würde ihn das selbst entscheiden lassen. 2x pro Woche Schwimmtraining in der neuen Gruppe oder weiterhin Schwimmen und Fußball 1x pro Woche.

Ich bin eigentlich auch gegen zu frühes Leistungstraining. Aber wenn er solchen Spaß dran hat - warum nicht? Wenn es ihm nicht gefällt, wechselt er nach einem Jahr eben wieder...

Lg,
fine

Beitrag von ratpanat75 23.04.11 - 14:12 Uhr

#danke für deine Antwort.
Das Problem ist, dass er beides machen möchte, aber dass ist mir eben für ihn und für mich zu viel.
Er kann sich nicht entscheiden, deshalb werden wir das übernehmen müssen.

LG

Beitrag von zahnweh 23.04.11 - 12:54 Uhr

Hallo,

gute Frage. Wenn er Fußball auf keinen Fall aufgeben möchte, würde ich ihn beim Fußball lassen und ihm erklären, dass er Schwimmen später immer noch intensiver nutzen kann.

Es ist zwar schön, wenn man sein Potential nutzen kann. Allerdings sehe ich hierin auch eine gewisse Gefahr auf Dauer. Er geht ja schon sehr leistungsorientiert vor. Wenn er das noch intensiver macht, kann er zwar ein hervorragender Schwimmer werden oder aber auch irgendwann keine Lust mehr haben und sich ärgern, dass er so viel Zeit investiert hat (viele Möglichkeiten in der Mitte natürlich auch).

So gesehen würde ich beides machen. Er kann ja weiterhin schwimmen gehen. Mit euch und im Training. D.h. er trainiert ja weiter und kann seine Leistung halten. Später kann er immer noch noch zielorientierter werden.
Zumal die Frage auch ist: bleibt sein Interesse dauerhaft, wenn das Training noch zielorientierter wird? (aus den meisten Sportarten bin ich selbst wieder raus, weil es nur noch um Leistung ging. Ich wollte nie Weltmeister werden, nur Spaß an etwas haben. Und der Spaß galt oft nicht, nur Leistung. ... die Frage ist auch, ob er das nach EINEM Probetraining einschätzen kann!)

Meine geht beispielsweise ins Mini-Judo. Noch sehr spielerisch und kurze Kurseinheiten. Schnuppern 3 x. Dann erst entscheiden.
Bevor man in den Verein wechselt und mich richtigem Judo beginnt, gibt es einen Kurs, der 10 Mal dauert. Denn erst dann kann man einschätzen, ob es den Kindern (inklusive härterem Ton) auch wirklich gefällt. Jedenfalls haben die Trainier hier damit eine gute Erfahrung gemacht.

Einige, die beim ersten Schnuppern begeistert waren (oder Mama nicht zeigen wollten nach wochenlangem Betteln, dass sie doch keinen Spaß dran haben), blieben beim zweiten mal auf der Bank sitzen. Manche kamen ein drittes mal wieder oder gar nicht mehr.

Von daher: Probetraining ist gut und toll, dass es ihm gefällt! Aber kann er dem Leistungsdruck auch wirklich dauerhaft standhalten? Behält er seine Freude am Schwimmen, wenn es fast nur noch um Leistung geht? Ehrgeiz in allen Ehren, den lebt er bereits im privaten aus... wie wird es sein, wenn er auch im Training nur noch Ehrgeiz braucht? Wie verkraftet er es, wenn er im Verein (wo es um Leistung geht) mal nicht vorne mit dabei ist, weil er einen schlechten Tag hatte?
(wir hatten in der Schulklasse einige, die Verein sehr wettkampforientiert gemacht haben. Freiwillig! Aber: es gab diejenigen, die zwar ehrgeizig waren, es aber emotional weggesteckt hatten, wenn sie mal "nur" zweite oder dritter waren... die dann auch dem Trainer stand hielten, der fauchte. Und jene, die in Tränen ausbrachen, weil sie selbst schon mit sich nicht zufrieden waren und dann noch das Anfauchen des Trainers - nicht heftig, aber zu viel für die emotionale Stimmung des Kindes).

Wie würde er damit umgehen?

Beitrag von ratpanat75 23.04.11 - 14:22 Uhr

#danke für deine Antwort.

"Probetraining ist gut und toll, dass es ihm gefällt! Aber kann er dem Leistungsdruck auch wirklich dauerhaft standhalten? Behält er seine Freude am Schwimmen, wenn es fast nur noch um Leistung geht? Ehrgeiz in allen Ehren, den lebt er bereits im privaten aus... wie wird es sein, wenn er auch im Training nur noch Ehrgeiz braucht? Wie verkraftet er es, wenn er im Verein (wo es um Leistung geht) mal nicht vorne mit dabei ist, weil er einen schlechten Tag hatte? "

Du sprichst mir aus der Seele, genau das sind auch meine Bedenken.
Ich bin auch mit dem Thema etwas "vorbelastet", weil ich 2 Leistungsschwimmer in der Familie habe und die jetzt als Erwachsene freiwillig nicht mehr ins Schwimmbad gehen, weil sie eine richtige Abneigung dagegen entwickelt haben.
Mein Mann und ich schwimmen auch gerne und regelmäßig, aber nur zum Spaß.

LG

Beitrag von bine3002 23.04.11 - 13:41 Uhr

Da Ihr beide im Monent ja noch gar nicht wisst, was "leistungorientiert" bei einem 5jährigen konkret bedeutet, würde ich mir das erstmal ansehen wollen und ein Probetraining vereinbahren.

Meine Tochter macht Rollkunstlauf. Das ist an sich schon eine leistungsorientierte Sportart. Aber es gibt klare Unterschiede, wie die Vereine das umsetzen. Während unser alter Verein das Training der Großen 1:1 auf die Kleinen übertragen hat, ist das Training im neuen Verein wesentlich lockerer, dafür aber strukturiert. Da geht die Qualität eindeutig vor Quantität.

Mir selbst ist Leistungssport auch nicht so recht, aber wir sollten versuchen, unsere Kinder als Individuen zu betrachten und ICH bin einfach nicht meine Tochter. Sie ist ein anderer Mensch als ich und braucht andere Herausforderungen und vor allem braucht sie auch recht viel Bewegung, um sich auszupowern.

Sie geht jetzt 1 bis 2 mal in der Woche zum Rollkunstlauf und 1 mal in der Woche zum Ballett. Ob sie für das ein oder andere ein besonderes Talent hat, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass sie Spaß daran hat und das ist in dem Alter das Wichtigste. Ohne Spaß wird einem nämlich auch das größte Talent nicht nutzen. Deswegen ist behutsame Training sehr sehr wichtig. Also anschauen, überlegen, dann entscheiden!

Beitrag von ratpanat75 23.04.11 - 14:31 Uhr

#danke für deine Antwort.


"Da Ihr beide im Monent ja noch gar nicht wisst, was "leistungorientiert" bei einem 5jährigen konkret bedeutet, würde ich mir das erstmal ansehen wollen und ein Probetraining vereinbahren. "

Am Probetraining hat er wie gesagt schon teilgenommen und war begestert davon.
Und ich sehe das Training vom Schwimmverein ja wöchentlich, weil es zeitgleich mit dem DLRG schwimmen von meinem Sohn stattfindet, deshalb habe ich schon einen ganz guten Einblick davon bekommen (ich bin ja immer als Zuschauer dabei).
Bei dem Verein geht es im Training darum, seine Zeiten zu verbessern, seine Leistung zu steigern und es herrscht schon ein gewisses Konkurrenzdenken, es herrscht ein ganz anderer Umgangston, während sie bei der DLRG "nur" an ihrer Technik und Ausdauer arbeiten.
Es ist eben nicht nur einfach ein Training für 5-Jährige, die anderen Kinder sind mit Abstand älter.

LG





Beitrag von bine3002 23.04.11 - 23:07 Uhr

Also Leistung zu steigern und seine Fähigkeiten miteinander zu messen würde ich nicht grundsätzlich ablehnen. Auch Ehrgeiz ist nichts Schlimmes, wenn es nicht "krankhaft" wird. Aber genau da liegt das Problem, denn die Grundlagen für solche Zwänge werden in der Kindheit gelegt. Ich finde es sehr wichtig, dass die Trainer sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Dabei spielt es nicht unbedingt eine Rolle, ob der Ton ein wenig strenger erscheint, sondern ob die Trainer dabei respektvoll bleiben. Aber das muss dein Bauchgefühl entscheiden.

Beitrag von winny14 23.04.11 - 15:46 Uhr

Hallo, mein Sohn ist fast 6 .
Er trainiert auch " leistungsorientiert " , und zwar Karate , er ist da in der Wettkampfgruppe in 2 Vereinen , bis zu 5 x pro Woche , und am Wochenende ist dann ab und an noch ein Turnier .

Es macht ihm so viel Spaß , vor allem seit er vor kurzem seine 1. Silbermedaille gewonnen hat , ist er hochmotiviert .
An anderen Sportarten hat er zurzeit null Interesse .

Laß deinen Sohn entscheiden was ihm am meisten Spaß macht , alles andere wird sich zeigen ....

VLG Winny

Beitrag von ratpanat75 23.04.11 - 15:49 Uhr

#danke für deine Antwort.
Das Problem ist, dass er beides machen möchte und das ist mir einfach zu viel.

LG