Sohn ist extrem trotzig, was mach ich falsch...

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von tippsili 25.04.11 - 17:31 Uhr

Hallihallo,
mein Sohn ist 18 Monate alt. Er ist momentan megaschlimm drauf. Er brüllt schon morgens und es nimmt kein Ende. Ich bin langsam am Ende mit den Nerven. Ich bin nun auch schwanger (30SS) und es macht derzeit einfach keinen Spaß mit ihm. So süße momente sind einfach so selten geworden, es ist einfach nur traurig. Momentan weiß ich nicht weiter. Er ist mit allem unzufrieden, es fängt schon beim Frühstück an, er will nicht essen, dann will nur nur Joghurts (was er natürlich nicht bekommt). Ich bin der Meinung, dass ich schon sehr konsequent bin. Er steht dann oft da und fängt an zu brüllen, er schmeißt sich manchmal auf den Boden und ich weiß gar nicht wieso. Er will auch nichts spielen.. man kann ihm nichts recht machen. Wenn er eine schlimme Bockphase hat, versuch ich ihn einfach zu ignorieren. Das schlimmste für mich ist, dass er bei seiner Oma und Opa ganz anders ist. Mein Mann fuhr die Tage öfters alleine zu ihnen mit unserem Kleinen und da wurde mir berichtet, dass er die ganze Zeit gelacht hat. Selbst wenn sie hier sind, lacht er oft und ist ganz anders, total fröhlich. Ich versuche ja nun auch alles, langsam nehm ich mir das echt zu Herzen, dass er bei mir so rumbrüllt. Dabei ist er aber auch total auf mich fixiert und ist ein absolutes Mama-Kind..

Wie soll ich das nur überstehen?

Beitrag von altehippe 25.04.11 - 17:58 Uhr

In ca 22 Monaten hast du das ganze gleich nochmal...

Beitrag von tauchmaus01 25.04.11 - 22:31 Uhr

Kann ich nur bestätigen.

Mona

Beitrag von zahnweh 25.04.11 - 18:31 Uhr

Hallo,

warum er brüllt, kann ich nicht sagen. Mir fallen viele Möglichkeiten ein:

- er spürt, dass du (durch die Schwangerschaft und weil er momentan viel brüllt), selbst vermutlich angespannt bist.

Meine ist wie ein Stress-Seismograph. Sie spürt MEINE Stimmung und SIE lebt sie in einem vielfachen aus, wo ich mich zusammenreiße, weil sich solche Gefühls-Ausbrüche für Erwachsene nicht schicken ;-)

- mit dem Joghurt:
warum bekommt er denn keines mehr? (sofern es Naturjoghurt ist)

meine isst sehr gerne Naturjoghurt. Immer so viel, wie sie grade möchte und wohl auch braucht? Jedenfalls kann das mal 400g morgens sein. Dann verweigert sie es wieder tagelang.

Ok, bei zuckerhaltigen hätte ich das nicht mitgemacht. Aber bei Naturjoghurt...

Vor allem als sie Zähne bekam, tat ihr das sehr gut. Kühlte, musste nicht gebissen werden.

Bekommt er dann gesunden Ersatz?

Wenn ich meiner nichts Süßes mehrgeben möchte, darf sie noch ein Brot oder Obst essen. Lehnt sie das ab, hat sie keinen Hunger. Isst sie es, hat sie noch Hunger.

- wie sehen die anderen Situationen aus?
Denkst du mit Erwachsenem Kopf? Und er in seiner Kinderwelt? Das kann zu Missverständnissen führen...

wie ist es, wenn du aus Kindersicht schaust, denkst und fühlst? Was würdest du an seiner Stelle anders haben wollen?
Damit kann man nicht alle Brüllanfälle verhindern... aber viele a) verstehen und b) manchmal Kompromisse anbieten, die aus erwachsener Sicht gar nicht gehen.



- will er nichts spielen, wenn er grade "bockt"?
oder will er generell gerade nichts spielen?

Wenn du so richtig wütend bist, (für andere Kleinigkeiten, für dich total kurz vor dem Platzen), was würdest du dann gerne machen? Spielen? Abgelenkt werden? Brüllen? die Wut rauslassen? Wut runterschlucken? Platzen?

Allerdings hast du ein paar Vorteile, wenn du wütend bist:
+ du weißt, jede Wut geht vorbei
- dein Kind, weiß das nicht. Er lebt in dem Moment in der Wut. Er weiß nicht, dass sie irgendwann enden wird. Er lebt nur in dem Moment
+ du kannst oft spüren, wann du langsam wütend wirst, wie sich das Gefühl in dir ausbreitet, wann du besser die Notbremse ziehst oder gegensteuerst...
- dein Kind wird davon überrollt. Von einem Moment zum anderen (und kann dann auch nicht raus)
+ du hast für dich einen Weg gefunden mit der Wut umzugehen. Kannst sie als Wut/Enttäuschung/Angst/Frustration/Müdigkeit/Schmerzen/Stress ... identifizieren und benennen
- dein Kind wird überrollt, steckt fest und hat keine Ahnung wie ihm geschieht, was das für ein Gefühl ist und noch viel weniger, was er tun kann, damit das schreckliche Gefühl weggeht!

Meiner hat geholfen, wenn ich dabei geblieben bin. Offene Arme hatte, wenn sie sich beruhigt, dann trösten und einfach dabei stehen und waaaaaaaaaaarten.

Wenn ich wütend bin, sollte man besser die Flucht ergreifen :-p Ansprechen oder versuchen mich zu besänftigen oder abzulenken, macht es nur schlimmer. Mich nimmt man am Besten ernst, wenn ich sage, warum ich wütend bin (kann meine mit fast 4 im Ansatz bevor die Wut sie komplett ergriffen hat).

Konsequenz ist bei meiner auch sehr wichtig im Sinne von VERLÄSSLICH reagieren (auch dann, wenn sie es jetzt gar nicht will), aber auch so, dass ICH keine Machtkämpfe starte. Also selbst auch mal nachgeben und nicht wegen Kleinigkeiten Kosequent bleiben

Bsp. sie hatte schon genug Schokolade. Dann bleibe ich konsequent, biete aber was gegen Hunger an.

Im Straßenverkehr an der Hand laufen. Sehr konsequent, keine Diskussion.

Sie möchte nicht den gelben Becher, sondern lieber den grünen. Was soll's. Für sie hängt ihre Kinderwelt daran, für mich ist es kurz lästig zu wechseln, aber kein Weltuntergang.


Ansonsten selbst entspannen. Je entspannter und ruhiger ich an den Tag rangehe, desto eher ist es auch mein Kind.
Sobald ich auch nur einen Stressgedanken morgens habe ... oder beim Schlafen gehen dran denke "hoffentlich wird es morgen nicht so anstrengend" ... dann sich zu 95% meine Befürchtung erfüllen. Mein Kind spürt das sofort. Wie ein Stressseismograph ;-)

Beitrag von zahnweh 25.04.11 - 18:41 Uhr

eines meiner liebsten Bücher, das mir schon einige Male weitergeholfen hat:

"http://www.weltbild.de/3/16119448-1/buch/die-ersten-fuenf-jahre-im-leben-eines-kindes.html"

Es gibt keine Pauschal"lösungen" (Pauschal-Verschlimmbesserungen) vor. Sondern beschreibt die Welt aus Kindersicht.

Wie sie fühlen, denken, handeln. Warum sie so fühlen, denken, handeln?

Es ist eher ein sachliches Eintauchen in die Welt mit Kinderaugen. Damit kann man zwar nicht alles verhindern.

aber
1. vorbeugen, weil ich weiß wie mein Kind denkt, was sie aus ihrer Sicht vor hat (aus ihrer Sicht, wenn man es verstanden hat durchaus sehr logisch!)
sowohl durch Sicherungen, Handlungen oder Aufforderungen

Bsp. mein Kind saß im Buggy und entdeckte ein anderes Kind auf der anderen Straßenseite:
aus erwachsener Sicht war klar, zu winken reicht, die Straße ist gefährlich, überqueren nur an der Ampel, Kind hat gefälligst im Buggy sitzen zu bleiben

mein Kind: sieht Kind, schält sich aus den Gurten, klettert raus, rennt rüber, will mit dem Kind spielen.

Da ich ihren Gedanken erahnen konnte, reichte es ihr meine Hand auf die Schulter zu legen. Ggf. noch ein kurzes "dableiben".
Jetzt mit 3 Jahren hab ich sie an der Hand, hindere sie schon VOR dem Versuch sich loszureißen daran, dass wir über die Ampel gehen werden...

2. dadurch, dass ich vieles aus ihrer Sicht besser verstehe, fällt es mir leichter, mich in ihre Gedanken einzufühlen, Kompromisse vorzuschlagen, auf die ich aus Erwachsenensicht nie gekommen wäre.

Denn eines ist klar: ich kann versuchen zu denken wie mein Kind. Mein Kind wird aber erst in 20 Jahren so denken können, wie ich :-p

Da hilft mir das Buch sehr gut weiter. Auch jetzt mit fast 4 Jahren hab ich es öfter mal griffbereit. Denn im Moment hat sie wieder eine Autonomiephase mit auf dem Boden werfen (hat sie früher nicht gemacht) und sehr viel mehr sprachlicher Ausdrucksfähigkeit. Macht es nicht unbedingt leichter ;-)

Beitrag von kanojak2011 25.04.11 - 19:42 Uhr

Hi, ich hatte Tochter, da war sie 2 Jahre als ich schwanger wurde. Ich habe sie nur verzerrt wahrgenommen, weil ich starek gesundheitliche PRobleme hatte, trotzdem habe ich immer gelernt.

Wenn ich gestresst bin, ist das Kind auch. Es spiegelt oft unsere Seele. Du bist ja hochchswanger, da merkst du es nicht mal, wenn du so reagierst. Den Teufelskreis unterbrichst du, indem du dich veranderst..in Klenigkeiten..das Kind muss dich nicht nur als die Konsequente erleben eher als die liebende, die Spass mit dem Kind macht, nur so wird es dich auch sonst akzeptieren..

Ich bin tolle Padagogin aber diesem Satz habe ich von meinem Ehemann und immer wenn sie nicht hort, weiss ich ja, was ich wieder falsch gemacht habe..Eine Bocphase mit 18 Monaten ist nichts gegen die, die noch spater kommen und das Kind dann willentlich ,,trotz´´ macht..

Wenn du noch Kraft hast ,schafff dir doch ein Buxch zu dem Thema..Es kann genauso helfen..

Meine Tochter ist seit einem Monat meine Freundin, nachdem ich mich verandert habe. Es wird nicht immer rose sein, ich verfalle oft in alte Muster und oft geht es einfach nicht..in der Grundeinstellung habe ich mich verandert und ich habe seit 4 Wochen jetzt ein wikrlich tolles Kind..

meine Schwiegermutter war da und sagte innerhalb von 15 Minuten 2 mal:
Ich lasse mich von dir nicht terorisieren..

MEine Schwiegermutter will ihr ihre Welt vorschreiben und so ticken die Kinder oft nicht..

Kopf hoch, du entbindest, Buch weg, Sorgen weg..Hormone weg...und dann wird es besser sein..#winke

Beitrag von binnurich 26.04.11 - 14:25 Uhr

bist du sicher, das es nur an deinem Sohn liegt? du bist schwanger, da sinkt auch deine Tolleranzschwelle sicher auch erheblich.

er will zum Frühstück nur Joghurt und bekommt ihn NATÜRLICH nicht? Weshalb? Ist du nicht auch das, was du magst?

Ich kenne das von mir auch... überall ist sie nett und fröhlich, aber wir haben phasenweise nur stress - wenn ich aber ehrlich bin und reflektiere, liegt das ganze mindestens so sehr an mir wie an ihr: ich bin genervt, hab nicht ausgeschlafen, Sreß im Büro, will fertig werden, hab mir was in den Kopf gesetzt, wie es gehen soll, nehme mir nicht die Zeit auf sie einzugehen......

Wie du das überstehtst?
Entspanne dich, werde ruhige und sag um himmels willen nicht, dass du manches nicht kannst wegen dem Baby

Beitrag von plaume81 27.04.11 - 12:13 Uhr

Hallo,

ich kann dir zwar nicht sagen warum DEIN kind brüllt aber ich kann dir sagen wie ich bei meinem mache:

ER ist mit allem unzufrieden, es fängt schon beim Frühstück an, er will nicht essen, dann will nur nur Joghurts (was er natürlich nicht bekommt).

--> wenn er nix essen mag, dann nicht, mache ich kein Drama draus, und Joghurt finde ich auch nicht schlimm (aber Zwergi mag auch Naturjoghurt mal auch mit etwas obstmus drinnen)

Er steht dann oft da und fängt an zu brüllen, er schmeißt sich manchmal auf den Boden und ich weiß gar nicht wieso. Er will auch nichts spielen..
--> vermutlich weiß er auch in der Situation irgendwann nicht mehr wieso er brüllt, ich knie mich dann immer runter zu Zwegi und nehme ihn in den arm und versuche ihn mit ruhiger Stimme etwas runter zu holen, dauer auch mal ein paar Minuten. aber klappt zu 99%. Und wenn er sich dann beruhigt hat, können wir drüber reden (gut bei 18 Mon. vielleicht etwas schwierig)

Wenn er eine schlimme Bockphase hat, versuch ich ihn einfach zu ignorieren
--> finde ich persönlich nicht richitg, siehe oben.


Das schlimmste für mich ist, dass er bei seiner Oma und Opa ganz anders ist.
--> klar Oma und Opa haben auch NUR für deinen Sohn Zeit und sind sofort zur Stelle und ausserdem sinds einfach Oma und Opa ;-). Nicht perönlich nehmen.

Wie soll ich das nur überstehen?
--> verusuche viel mit ihm rauszugehen, damit er beschäftigt ist. Das wird für dich sicher auch einfacher sein. Wenn er auf dem Spielplatz ist und du etwas "Ruhe" hat, und wenn du etwas "runterkommst und entspannter" wirst wird sich das sich auch auf dienen SOhn übertragen.

LG


Beitrag von lexa8102 03.05.11 - 21:11 Uhr

Hallo,

vielleicht solltest du mal deine Regeln überdenken? Was ist so schlimm daran, dass er mal nur Joghurt zum Frühstück isst? Er wird schon nicht gleich vom Fleisch fallen. Du isst doch sicher auch das, worauf du Appetit hast, oder?

Frag dich doch mal, warum er so ist? Spürt er, dass eine Veränderung auf ihn zukommt? Hat sich dein Verhalten ihm gegenüber verändert? Gönnst du dir öfter mal eine Auszeit als früher?

Vielleicht könntest du auch mal deine Rituale überdenken? Warum brüllt er schon früh morgens? Weckst du ihn zärtlich und kuschelt ihr vielleicht noch? Oder muss er gleich aufstehen, anziehen, frühstücken?

Reißt du ihn vielleicht manchmal aus einer Beschäftigung? Das passiert mir auch manchmal und hat dann einen Trotzanfall zur Folge.

Freiwilligkeit ist immer am besten.

In welchen Situationen verhält er sich denn so? Am Beispiel kann man das ja immer besser beantworten als so allgemein.

Viele Grüße,
Lexa

Beitrag von tippsili 03.05.11 - 21:36 Uhr

Hallo,
erstmal vielen Dank an alle für eure Antworten. Ich finde eure Anregungen echt gut und hab mir viele Gedanken gemacht. Nun muss ich sagen, dass er seit 3 Tagen besser drauf ist *zumGlück*. Er ist irgendwie ausgeglichener und hoffe, dass das wirklich nur eine Phase von ihm war.

@Lexa, das Thema Joghurt zum Frühstück war ja nur ein Beispiel von vielen. Aber ich bin der Meinung, dass er nicht eben alles haben kann. Ich finde es nicht gut Joghurt zum Frühstück zu essen, weil er dann gleich wieder Hunger hat und es sollten doch schon Kohlenhydrate dabei sein, die satt machen. Wenn man ihm keine Grenzen setzt, dann wird es doch immer so weiter gehen, vom Joghurt angefangen bis zum ABendessen.. nur ein Beispiel. Er hat zu Ostern viel Schokolade bekommen. Er zeigt nun den ganzen Tag auf den Osterkorb und will schon zum Frühstück SChokolade essen. Klar esse ich auch mal worauf ich Appetit habe, aber auch ich esse keine Schokolade zum Frühstück. Und eben ein Joghurt ist ja okay, aber er sollte dann schon eine halbe Scheibe Toast oder so gegessen haben.
Auszeiten gönne ich mir eigentlich kaum. Ich muss sagen, dass er extrem Mama-bezogen ist. Ich weiß auch nicht genau wieso. Aber er hängt total an meinem Rockzipfel. Kann sein, dass er Veränderungen spürt.. das kann ich aber nicht sagen.
Morgens mach ich ihn klar erstmal fertig, aber ohne Stress. Kuscheln tun wir morgens nicht, weil er ja in seinem Gitterbett schläft. Aber natürlich kuscheln wir tagsüber - wenn er denn will - auf der Couch.
Wie gesagt, es ist momentan echt besser geworden. Es waren auch keine spezielle Situationen, es war so eine allgmeine Trotzigkeit und unzufriedenheit. Ich hatte das Gefühl, ich konnte ihm nichts recht machen. Er ist wirklcih auch belanglosigkeiten trotzig geworden. Ich hoffe, dass es nur eien Phase war...

Beitrag von lexa8102 04.05.11 - 19:52 Uhr

Hallo,

ok, das ist dann wohl Ansichtssache. Also ich lasse meinen eigentlich immer gewähren - solange er über den Tag verteilt dann auch mal was anderes isst. Und ich finde es nicht schlimm, wenn er dann gegen 9 oder 10 Uhr wieder Hunger hat und noch ne Kleinigkeit isst. Ich möchte es vermeiden, dass Thema Essen zum Zwang zu machen und für das Kind mit schlechten Erfahrungen zu verbinden.

Die allgemeine Unzufriedenheit kenne ich auch. Da kann er dann manchmal selbst nicht genau sagen, was er eigentlich will.

Viele Grüße,
Lexa