Wer kennt sich mit Pflichtteil aus?

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Beitrag von 0987654 26.04.11 - 19:03 Uhr

Hallo!

Meine Oma ist vor kurzem gestorben. Sie hatte 2 Söhne. Sie hatte damals eine Land- und Gastwirtschaft und Grundstück. Der eine Sohn bekam die Gast- und Landwirtschaft, bei dem sie auch wohnte (Wohnrecht), der andere (mein Vater) hat ein Grundstück bekommen und ein Haus gebaut.

Diese Sachen wurden damals auch so notariell geregelt. Der eine Sohn, bei dem sie wohnte, bekam auch die Sterbeversicherung, denn meinte Oma wollte, dass niemand ihre Beerdigung zahlen muss.

Sie war die letzten Jahren leicht pflegebedürftig, d. h. 1 x in der Woche kam der Pflegedienst zum Baden etc.. Meine Oma bezahlte Kostgeld an die Schwiegertocher im Haus fürs Waschen und Kochen. Wie hoch das Kostgeld war, ist nicht bekannt. Hab irgendwo gelesen, dass es jetzt neue Regelungen bei der Erbschaft gibt und Pflegekosten mit im Erbrecht positiv berücksichtigt werden.

Nun bekam mein Vater vom Gericht ein Schreiben, dass sein Bruder Alleinerbe sei und mein Vater den Pflichtteil innerhalb 3 Jahren einfordern könne. Meine Oma hätte niemals so ein Testament geschrieben, ich denke, ihr Sohn im Haus hat sie dazu angeleitet.
Sicher soll er mehr bekommen als mein Vater, schließlich hat er sich ja auch all die Jahre um sie kümmern müssen. Aber auf den Pflichtteil verzichten?

Das Verhältnis zwischen meinem Vater und dem Bruder ist nicht besonders. Er weiß also auch nicht, ob evtl. Vermögen da ist oder nicht.

Würdet Ihr den Pflichtteil einfordern? Wenn ja, was würde das kosten, wenn mein Vater zum Anwalt gehen würde? Wie hoch wäre der Pflichtteil, wenn was da wäre?

Wer kann mir genauere Auskunft geben?

DANKE!

LG


Beitrag von puffie 26.04.11 - 20:32 Uhr

Zum einen wurde ja lange vor dem Tod Deiner Oma Land und Immobilie and Deinen Vater und Onkel überschrieben, somit gehört das wohl nicht zu Erbmasse. Geht doch mal zum Nachlassgeticht und lasst Euch Einblik ins Testament geben. Dann wisst Ihr zumindest, dass ein eins gibt. Da ich nicht Eure Familienverhältnisse nicht kenne, gehe ich mal davin aus, dass Dein Vater mit seinem Bruder keinen Streit hat, oder?? Wenn dem so ist, fragt ihn doch wie hoch die Erbmasse ist. Wenn nur Dein Vater und Dein Onkel Erben sind, beträgt der Pflichtteil 25 %. Wenn Ihr einen Anwalt einschalten müsst, dient die Erbmasse als Grundlage der Berechnung des Honorar gem. Gebühresatz. Da kann man aber auch einen Anwalt vorher fragen wie viel es sein wird.

Gruß
Torsten

Beitrag von parzifal 26.04.11 - 21:26 Uhr

Der Pflichteilsberechtigte kann vom Erben schriftliche Auskunft über die Erbmasse verlangen.

Warum sollte man auf den Pflichtteil verzichten?

Ist das Testament denn in der Handschrift der Oma geschrieben? Wie alt ist das Testament denn?

Beitrag von 0987654 27.04.11 - 06:12 Uhr

Mein Vater hat eine Kopie des Testaments vom Gericht erhalten. Es ist die Handschrift der Oma. Wurde vor ca. 5 Jahren verfasst.

Streit gab es nicht direkt, aber mein Onkel und dessen Frau sind ziemlich "giftig" und geben immer schnippische Antworten. Also das, was sie sagen werden, wie hoch die Erbmasse ist, glaube ich nicht unbedingt.

Steht die Rente, die meine Oma immer bekam automatisch meinem Onkel zu, da sie ja bei ihm gelebt hat und er sich um sie kümmerte?

Geht ja z. B. um ca. 20 Jahre Rente. Müsste ja vorhanden sein, denn meine Oma kaufte sich ja nie was. Was ist, wenn sie meinem Onkel die Rente z. B. schenkte?

Beitrag von cashmere0815 27.04.11 - 07:52 Uhr

Soweit ich weiß, ist es nach dem Tod mehr oder weniger egal, was mit der monatlichen Rente geschehen ist. Sie kann ja täglich im Restaurant essen gewesen sein oder sie hat irgendwo was gespendet oder was weiß ich. Deine Oma konnte mit ihrem Geld machen, was sie wollte. Und wenn sie es Deinen Onkel geschenkt hat, dann ist das Pech für Deinen Papa.
Was anderes ist es, wenn Deine Oma entmündigt gewesen ist oder Dein Onkel als gesetzlich bestellter Betreuer für sie tätig war. Dann müssen natürlich alle Ausgaben detailliert festgehalten werden, weil das Amtsgericht das ja prüft.

Beitrag von 0987654 27.04.11 - 07:59 Uhr

Onkel war Vormund.

Beitrag von 0987654 27.04.11 - 08:08 Uhr

Was passiert mit der Rente, die z. B. mein Onkel verwaltet? Müsste sich ja in den letzten Jahren viel angesammelt haben, denn meine Oma brauchte nix. Gehört die Rente dann automatisch meinem Onkel oder gibt es hier auch einen Pflichtteilsanspruch?

Beitrag von morgenstern66 27.04.11 - 10:10 Uhr

http://www.123recht.net/forum_default.asp

...anmelden und dort fragen könnte Sinn machen

Gruß

Beitrag von landmaus 27.04.11 - 12:55 Uhr

Die Antworten über dieses Portal sind Ihr Geld zumeist nicht wert.

Bei Fragen wendet man sich besser an einen Anwalt vor Ort. Die Kosten für eine erstberatung sind frei verhandelbar. Maximal beläuft die Summe sich auf 190,00 + USt.. Der örtliche Anwaltverein hilft dabei den richtigen Ansprechpartner zu finden.

Beitrag von morgenstern66 27.04.11 - 14:00 Uhr

Du kannst hier durchaus die Laien fragen, die sich oft sehr gut auskennen....besser als die meisten urbianer..und das kostet nullkommanichts

Beitrag von landmaus 27.04.11 - 15:29 Uhr

Ah, Verzeihung. Ich dachte Du hättest auf eines dieser "Frag einen Anwalt-Portale verlinkt. Darauf bezog sich meine Antwort.

Beitrag von morgenstern66 27.04.11 - 16:51 Uhr

Das gibt es dort gibt es sowohl als auch.

Beitrag von parzifal 28.04.11 - 05:07 Uhr

Meinst Du "Betreuer"?

Seit wann war er denn Betreuer? Bereits zum Zeitpunkt der Testamentserstellung (oder kurz danach)?

Dann stellt sich die Frage, ob das Testament überhaupt wirksam ist?

War die Oma geistig voll da oder war die geistige Verfassung Grund der Betreuung?

Warum fordert der Pflichtteilsberechtigte nicht die Vermögensaufstellung. Bei berechtigten Zweifeln kann man auch dessen eidesstattliche Versicherung verlangen.


Beitrag von 0987654 28.04.11 - 10:25 Uhr

Die Oma war 90. Das Testament hat sie mit 84 geschrieben.

Vormund war mein Onkel schon länger.

Sie war geistig voll da, aber eben schon alt und konnte nicht mehr gut laufen. Es wurde für sie gewaschen und gekocht etc..

Konnte keine Bankgeschäfte mehr erledigen etc., tat eben dann mein Onkel.

Beitrag von parzifal 28.04.11 - 14:42 Uhr

Ich hatte schon den Fall auf dem Tisch, da hat ein 40 Jahre jüngerer Pfleger sich von der Betreuten zum Alleinerben einsetzen lassen (testamentarisch).
Vorher hat er sogar versucht sie zu heiraten. Die Betreute stand aber wegen Alzheimer unter Betreuung. Da war aber natürlich Vermögen da.

Wenn Deine Oma geistig voll da war, dann sieht es leider nicht so aus, dass das Testament angefochten werden kann (bzw. nichtig ist).

Die Bankgeschäfte konnte sie ja dann rein körperlich und nicht wegen mangelnder Geistesfähigkeit nicht mehr vornehmen.

Dann sollte aber wie empfohlen das Vermögensverzeichnis eingefordert werden. Am besten gleich mitteilen, dass dies gegebenfalls eidesstattlich versichert werden muss und falsche Angaben dann strafbar sind.

Wie lautet ein Spruch zu Geschwister: "Ich höre, dass ihr euch noch gut versteht. Ihr habt noch nicht geerbt oder?"