Ein Fall fürs Jugendamt?

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von leonie1984 27.04.11 - 21:28 Uhr

Guten Abend zusammen,

mich würde eure Meinung zu folgender Sache interessieren.

Heute Nachmittag war meine Tochter bei ihrer besten Freundin und als ich sie abgeholt habe, bin ich noch eine Weile dort geblieben und habe mich mit deren Mutter unterhalten. Die Freundin hat noch einen Bruder, der heute ebenfalls zwei Freunde zu Besuch hatte.
Die Mutter erzählte mir dann, dass die beiden Jungs (4 und 7 Jahre alt) schon zum dritten Mal innerhalb der letzten Woche fast den ganzen Tag bei ihnen waren. Die Eltern sind beide arbeitslos, Frühstück gibt es laut dem älteren Jungen nur Sonntags, den Rest der Woche bekommen sie wohl erst mittags etwas zu essen. #schock
Außerdem sehen die beiden sehr ungepflegt bzw. vernachlässigt aus. Der Jüngere war wohl fast am ganzen Körper mit Kugelschreiber-Kritzeleien angemalt, hatte einen Verband um einen Finger und Schürfwunden am Bauch (hat mir die Mutter erzählt, hab es selbst nicht gesehen). Beide haben schlechte Zähne und sprechen auch sehr schlecht. Außerdem wurden ihnen wohl die Fußnägel nicht geschnitten und rollen sich schon nach oben.
Dann hat die Mutter der Jungs wohl zu dem Kleinen gesagt, als er die Jacke angezogen hat, er solle sich beeilen, sonst gibt es eins in die Fresse! #schock Wortwörtlich muss die das gesagt haben!!!
Als es heute Mittag anfing zu regnen, meinte der Kleine wohl, jetzt pisst es schon wieder...
Nun, jedenfalls überlegt die Mutter der Freundin von meiner Tochter jetzt, ob sie mal die Erzieherin im Kindergarten auf die Vorfälle ansprechen soll.
Was würdet ihr machen? Das ist doch eindeutig ein Fall von Vernachlässigung?! Oder lieber gleich das Jugendamt einschalten?

LG Leonie

Beitrag von silbermond65 27.04.11 - 21:32 Uhr

Nun, jedenfalls überlegt die Mutter der Freundin von meiner Tochter jetzt, ob sie mal die Erzieherin im Kindergarten auf die Vorfälle ansprechen soll.


Wieso fällt sowas den Erziehern im Kindergarten nicht selbst auf?

Beitrag von leonie1984 27.04.11 - 21:37 Uhr

Hm, gute Frage. Die Jungs sind in einem anderen Kiga als meine Tochter, also kann ich dazu nichts sagen. Aber ich denke eigentlich auch, dass das den Erziehern auffallen müsste. Vielleicht haben sie ja auch schon mit den Eltern gesprochen, aber ob es etwas bringt ist eine andere Sache.

Beitrag von yamie 27.04.11 - 21:37 Uhr

hallo,


was sollen die erzieher im kindergarten groß machen? ich würde gleich das jugendamt anrufen.


gruß
yamie


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dies ist KEINE signatur!

Beitrag von kleine1102 27.04.11 - 22:01 Uhr

Hallo Leonie,

wenn alles, was die Jungen selbst geäußert haben und was Ihr bzw. Deine Freundin wahr nehmt/nimmt (ungepflegtes, verwahrlostes Erscheinungsbild, sprachliche Defizite, Verletzungen, die unklarer Herkunft sind und/oder nicht versorgt werden, mangelnde Aufsichtspflicht, ...) tatsächlich so ist, wäre das ein Fall von Kindeswohlgefährdung durch Vernachlässigung (ggf. auch Misshandlung, das kann man als Laie bzw. aus der Ferne nicht beurteilen). Dann macht eine Meldung ans JA im Interesse der Kinder auf jeden Fall Sinn. Das geht auch anonym. Vorher wäre es allerdings sinnvoll, wenn Deine Freundin die Eltern der beiden Jungen mal direkt anspricht auf die Gesamt-Situation. Nicht vorwurfsvoll, sondern, um Infos zu bekommen- was ist da los und warum? Wie könnte man ggf. helfen? Vielleicht sehen die Eltern dadurch selbst ein, dass sie offensichtlich Hilfe benötigen. Oder sie wissen dies bereits, haben aber Hemmungen, sich selbst ans JA zu wenden. Möglichkeit "drei" ist, dass sie alles dementieren und sagen, "Ist doch alles total okay bei uns!"- dann sollte Deine Freundin selbst sich ans JA wenden.

Der Erzieherin im Kindergarten kann Deine Freundin zwar eine Rückmeldung/Info bezüglich der Situation der Jungen geben mit der Bitte, das Gespräch mit den Eltern zu suchen und bei Bedarf eine Meldung ans JA zu geben. "Umgekehrt" unterliegt die Erzieherin jedoch der Schweigepflicht und darf das Ganze überhaupt nicht kommentieren/thematisieren gegenüber Dritten.

Wichtig ist es aber, DASS etwas unternommen wird- auf welchem Weg ist erstmal sekundär.

Viele Grüße,

Kathrin

Beitrag von hoeppy 28.04.11 - 09:45 Uhr

Na dann schaltet mal das Jugendamt bei meinen Kindern ein.

Meine Kinder malen sich auch oft von Kopf bis Fuß voll. Sie duschen zwar jeden zweiten Tag, doch oft geht das dann gar nicht gleich weg. Oder sie sind frisch gebadet und bemalen sich gleich wieder.

Die Zähne meiner Kinder sind in Ordnung, aber in unserem Kindergarten sind auch Kinder, die trotz bester Pflege schlechte Zähne haben. Von einem dieser Kinder ist die Mutter sogar Zahnarzthelferin...

Wenn meine Kinder zum Spielen irgendwo hin gehen oder auf dem Spielplatz sind haben sie auch die ältesten Klamotten an.

Was Sätze wie" es Pisst schon wieder" betrifft- meine große Tochter hängt im Kindergarten oft mit den 4. Klässlern zusammen, die dort zur Nachmittagsbetreuung sind. Vor wenigen Tagen meinte meine Tochter zu ihrer kleinen Schwester:"Glotz mich nicht so an sonst hau ich Dir auf die Fresse".

Solche Sachen hören sie nicht bei uns Zuhause sondern von diesen Kindern.

Fußnägel werden bei uns einmal die Woche gekürzt. Aber ich hab es auch schon mal vergessen. Kommt vor, ist menschlich und die Kinder haben dadurch keinen Schaden erlitten.

Frühstück: Wir frühstücken am Wochenende zusammen. Unter der Woche WOLLEN meine Kinder hier Zuhause kein Frühstück. Da kann ich ihnen hinstellen was ich will-sie spielen lieber. Sie Frühstücken dann zusammen mit den anderen Kindern um 8.30 Uhr im Kindergarten. Am Wochenende frühstücken wir auch ungefähr zu dieser Zeit Zuhause. Es ist also klar, dass sie um 7 Uhr noch keinen Hunger haben.

Schürfwunden finde ich normal in dem Alter. Ein Kind, das altersgemäß spielt fällt immer wieder mal hin oder schürft sich irgendwo auf.

Es gibt in den Besten Familien Kinder, die nicht gut sprechen können. Meine haben damit keine Probleme, aber das ist in fast jedem Kindergarten ein gängiges Phänomen...

Ich würde erst mal die Mutter der Kinder auf einen Kaffee einladen und meine Beobachtungen besprechen...

LG Mona

Beitrag von leonie1984 28.04.11 - 11:13 Uhr

Hallo,

es geht hier nicht um alte Klamotten oder ein paar Schürfwunden am Knie.
Aber wenn eine Mutter zu ihrem Kind sagt "sonst gibts eins auf die Fresse" finde ich das sehr bedenklich. Ich möchte gar nicht wissen, was diese Frau dann zuhause zu ihren Kindern sagt.

Und die Kinder hatten Hunger, das heißt es gibt wohl kein Frühstück obwohl sie gerne etwas essen würden.

Aber in einem Punkt gebe ich dir Recht: Meine Bekannte sollte tatsächlich erstmal mit der Mutter der beiden Kinder reden, bevor man das JA einschaltet.

LG Leonie

Beitrag von kleine1102 28.04.11 - 14:43 Uhr

Hallo Mona,

man sollte tatsächlich nichts überdramatisieren- aber es ist ein sehr großer Unterschied, ob ein Kind regelmäßig Nahrung angeboten bekommt und nicht essen MAG oder ob es nicht regelmäßig damit versorgt wird und anderswo entsprechend nach Essen verlangt oder unverhältnismäßig viel davon zu sich nimmt, wenn es sie angeboten bekommt. Ebenso verhält es sich mit der (sprachlichen) Entwicklung- hier gibt es sehr unterschiedliche Arten von Defiziten, nicht alle, jedoch einige sind auf mangelhafte Förderung bzw. Vernachlässigung des Kindes zurück zu führen. Ob Kinder die Art von Sprache/Ausdrücken, die sie wählen, nur irgendwo "aufgeschnappt" haben oder zu Hause permanent hören, kann man eigentlich auch sehr gut einschätzen. Ebenso die Kleidung: auch unsere Kinder haben ältere Hosen für Garten und Spielplatz. Diese werden jedoch nach Gebrauch regelmäßig gewaschen und sehen auch nicht völlig furchtbar aus. Ein Loch vor'm Knie ist eine Sache- wenn die Kleidung vor Dreck "starrt", nicht dem Wetter angemessen, viel zu groß oder zu klein ist, ist auch dies ein deutliches Zeichen für Vernachlässigung. Des Weiteren die (Schürf-)Wunden- auch da gibt's natürlich "solche und solche". Aber wenn man selbst Kinder hat, sollte man doch recht gut in der Lage sein, ein durch einen Sturz beim Spielen aufgeschrammtes Knie von anderen, untypischen Verletzungen (z.B. Schürfwunden am Bauch!) zu unterscheiden. Die Kuli-Kritzeleien mal außer Acht gelassen- diese haben das Bild sicher nur "abgerundet", sind aber natürlich nicht relevant (unsere jüngere Tochter bemalt sich zurzeit auch ständig, vorzugsweise Hände und Arme mit Filzstiften #huepf #augen).

Ich habe ja bereits geschrieben- und stimme Dir entsprechend zu- dass die Freundin der TE zunächst selbst das Gespräch mit den Kindeseltern suchen und Unterstützung (beim Gang zum JA z.B.) anbieten sollte. Trotzdem sollte man das Ganze nicht bagatellisieren- Kindeswohlgefährdung fängt oft "ganz klein" an und wenn Niemand reagiert, nimmt sie leider viel zu oft extreme Ausmaße an. Ich find's gut und richtig, dass die TE und ihre Freundin so aufmerksam sind und nicht weg sehen #pro!

Viele Grüße #blume,

Kathrin

Beitrag von qayw 28.04.11 - 12:50 Uhr

Hallo,

ich sage mal so, Jugendämter machen es sich gerne einfach. Das heißt, sich darum zu kümmern, Familien bei Problemen zu helfen, bedeutet Arbeit. Die Kinder aus der Familie rauszureißen und in alle paar Jahre wechselnden Kinderheimen und Pflegefamilien aufwachsen zu lassen, wo auch häufig genug schlechte Zustände herrschen, ist einfacher. Oft genug werden dabei die Geschwister auch noch getrennt, so daß sie nicht einmal mehr einander haben.
Das Kindeswohl interessiert dabei keinen, sondern lediglich die Kosten und daß das Jugendamt nicht schlecht in der Presse steht. Leider habe ich da mittlerweile mehr Einblick als mir lieb ist, und das Internet ist ebenfalls voll von solchen Fällen.

Um es ganz klar zu formulieren, ich würde mir selbst bei einer solchen Familie, wo es den Kindern wirklich nicht besonders gut geht, ernsthaft überlegen, ihr das Jugendamt auf den Hals zu hetzen.

Ich würde entweder selbst mit der Familie sprechen, mit der Erzieherin sprechen oder eine andere Organisation einschalten (Caritas, Kinderschutzbund etc.) und fragen, was man da machen könnte.

LG
Heike

Beitrag von kleine1102 28.04.11 - 21:15 Uhr

Hallo Heike,

woher hast Du denn "all' diese "Einblicke", die Dir nicht lieb sind" #kratz? Das Internet ist ja SEHR authentisch in solchen Belangen- und bietet natürlich absolut sachlich eine Menge Fakten zu allen Themen #pro! #sorry, aber: #rofl #rofl #gruebel #klatsch...

... Dein Beitrag klingt weder fachlich noch reflektiert, sondern sehr "schwarz-weiß". Dein Fazit: lieber betroffene Kinder ihrem Schicksal überlassen, als ihnen das JA "auf den Hals zu hetzen" (welch' niveaulose Ausdrucksweise #augen!). Es gibt in allen beruflichen Bereichen so genannte "schwarze Schafe", deshalb das gesamte Kinder- und Jugendhilfe-System dermaßen negativ dar zu stellen, ist jedoch maßlos übertrieben und grundlegend FALSCH!

Klingt sehr danach, als hättest Du selbst negative Erfahrungen gemacht?!

Im Übrigen ist ein Gespräch über Dritte weder mit dem Personal im Kindergarten noch der Caritas o.a. Institutionen rechtlich zulässig. Erstens hilft man den betroffenen Kindern damit nicht weiter- und zweitens bekommt man selbst ggf. immense rechtliche Probleme.

Manchmal ist weniger bekanntlich mehr- und wenn man keine Ahnung von einer bestimmten Sache/einem bestimmten Thema hat, macht es manchmal Sinn, einfach weniger- oder gar nichts- dazu zu schreiben #aha!

Viele Grüße,

Kathrin

Beitrag von nickymaus30 28.04.11 - 15:09 Uhr

hallo leonie,

deine freundin soll die jungs eins zwei monate beobachten ,und erst wenn es ein dauerzustand ist - meldung ans JA .

lg nicky