Fühl mich eigentlich sehr schlecht - muss aber konsequent bleiben

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von maximama22 28.04.11 - 10:44 Uhr

Hallo ihr lieben,

ich habe 2 Kinder. Der große ist 5 und die kleine 2. Seit einiger Zeit ist er sehr "schwierig" . Er hört absolut nicht wenn ich etwas sage. Haut und schubst im KiGa und ist sonst auch sehr frech. Das hauen und schubsen hat sich im KiGa gebessert sagten die Erzieherinnen. Dacht echt es wird jetzt wieder besser und es war nur eine Phase. Diese Woche sind Kigaferien und beide Kids zu Hause. Wir haben eine ein eigenes Haus und einen großen Garten. Also wirklich viel Spiel- und Tobfläche.
Heute morgen haben sie in ihren Zimmern gespielt bis ich meine Kleine schreien hörte. Ich bin hoc ohne was zu sagen und was sehe ich? Er sitzt auf ihrem Rücken und verdreht ihr den Arm. Ich dacht echt er kugelt ihr den Arm aus. Hab ihn erstmal geschimpft. Bei uns gibt es keine Gewalt und das weiß er eigentlich. Hab grad mal mit gesprochen warum er das gemacht hat und er sagt mit einem Grinsen im Gesicht: "Weil ich das wollte".
Er soll jetzt erstmal in seinem Zimmer bleiben und nachdenken was er da gemacht hat.

Ich muss da jetzt konsequent sein obwohl ich jetzt gerne zu ihm hochgehen würde um zu sagen "komm her, ist wieder gut.

Das war jetzt das erstmal dass er seiner Schwester wehgetan hat.

Sorry für lange bla bla aber das musste jetzt mal raus.

Liebe Grüße
Maximama

Beitrag von anira 28.04.11 - 10:52 Uhr

das du da noch so ruhig bliebst respekt
aber such dir denoch ne andere bestrafung
vieleicht stuhl sitzen oder so
es ist keine bestrafung in einem zimmer zusitzen mit vielen spielsachen

Beitrag von bine3002 28.04.11 - 11:09 Uhr

Meiner Meinung nach ist "im Zimmer sitzen" immer die ungünstigste aller "Konsequenzen".

Geh zu ihm und erkläre ihm nochmal, dass das großer Mist war und er seine Schwester wirklich ernsthaft hätte verletzen können. Frag ihn mal, wie er sich wohl fühlen würde, wenn Du dich so auf ihn kniest und ihm den Arm verdrehst. Versuch dich dabei kurz zu fassen und keine Moralpredigt zu halten.

Als Konsequenz für einen neuen "Angriff" würde ich ihm androhen, dass er erstmal nur noch unter Aufsicht spielen darf wie wie Kleinkind, während sich seine Schwester frei bewegen kann. Also exakt das Gegenteil von der Konsequenz, die Du gerade gezogen hast. Der Grund ist einfach: 1. wäre das eine wirkliche Konsequenz im Sinne von Ursache und Wirkung (Unbeaufsichtigt macht er Blödsinn, also muss er eben beaufsichtigt werden) und 2. bleibt er mit seiner Wut, die er im Moment zweifelsohne verspürt, nicht alleine.

Beitrag von ma-lu 28.04.11 - 11:33 Uhr

Naja, unter Aufsicht spielen wie ein Kleinkind ist in diesem Fall wahrscheinlich eher eine Belohnung denn eine Androhung....
Geschwister derartig anzugehen ist meistens ein Ausdruck von Eifersucht und Streben nach Aufmerksamkeit - dass die dann negativ ist, ist in dem Moment egal. Wenn ich das traktierende Kind dann auch noch in meinem Beisein spielen lasse, findet es das eher toll. Denn es hat ja die Mama für sich, während das blöde Geschwisterchen alleine spielen "muss". So jedenfalls die Interpretation der Kinder.

Wenn meine Tochter ihren kleinen Bruder haut, was natürlich vorkommt, schimpfe ich sie kurz, aber heftig, nehme dann den Kleinen auf den Schoß, tröste ihn ausgiebig und spiele mit ihm. Denn er als Opfer hat die Aufmerksamkeit verdient, nicht sie als "Täterin". Im ersten Augenblick wird meine Tochter dann richtig wütend und haut in ihr "Wutkissen". Das dauert höchstens zwei Minuten. Und Du glaubst gar nicht, wie lieb sie dann plötzlich einige Minuten später wieder ist.... ;-).

LG
Ma-Lu


LG
Ma-Lu

Beitrag von bine3002 28.04.11 - 11:42 Uhr

Es ist mir schon klar, dass es bei Geschwistern oft um Aufmerksamkeit geht. Aber gerade dann ist es doch kontraproduktiv, sie zur Strafe in ihr Zimmer zu verfrachten und dort allein zu lassen. Oder wird man dabei das Problem lösen? Wird das Kind sich dort wirklich mit seiner "Tat" auseinandersetzen? Das tut vielleicht ein Straftäter im Knast, er ist aber auch erwachsen und die Kriminalstatistik beweist, dass das auch nur mäßig funktioniert. Wird man nicht eher durch ein Mehr an Aufmerksamkeit weiteren Übergriffen vorbeugen bzw. im Gespräch herausfinden, was die eigentliche Ursache ist.

Und natürlich verdient zunächst das Opfer Trost. Darum geht es aber ja gar nicht.

Beitrag von ma-lu 28.04.11 - 21:02 Uhr

Hi,

ich hab' ja auch gar nicht geschrieben, dass man das arme Kind in sein Zimmer zum Nachdenken schicken soll. Nein, schön in seiner Anwesenheit das andere Kind trösten. Dann sieht man sehr, sehr schnell, wie sich das Verhalten ändert. Denn beim Kind kommt an: Mama kümmert sich um den anderen NOCH mehr, wenn ich böse bin. Und wird dann ganz schnell nicht mehr böse sein, sondern sich auf positive Art und Weise seine Aufmerksamkeit holen. Als ich das zum ersten mal in einer Kita so angewendet habe, hatte ich Bedenken, dass der "Täter" noch mehr Hass gegen das andere Kind entwickelt, weil dieses ja noch mehr Aufmerksamkeit bekommt. Aber es war genau das Gegenteil der Fall. Die Kinder haben ziemlich schnell kapiert, dass die positive Aufmerksamkeit viel besser ist als die negative und haben sich im Folgenden zum Teil sogar ganz liebevoll um das andere Kind, welches sie gehauen/gebissen/geschubst hatten gekümmert.
Bisher hat diese Strategie übrigens immer funktioniert, egal ob bei meinen eigenen Kindern, bei Kita-Kindern oder jetzt sogar bei den Grundschulkindern, mit denen ich arbeite.

Gruß
ma-lu

Beitrag von jollymax 28.04.11 - 13:16 Uhr

Hallo Maximama,

was soll denn dabei heraus kommen, wenn er überlegen soll, was er da gemacht hat. Offensichtlich ist er sich über die Folgen seines Tuns nicht klar. Anstatt ihn weg zu schicken, würde ich ihm lieber erklären, warum du wütend und ärgerlich ihm gegenüber geworden bist und welche Sorgen du dir machst. Dann hat er eine Chance zu verstehen, was du unter "nachdenken, was er da gemacht hat" verstehst.

Viele Grüße
Jollymax

Beitrag von maximama22 28.04.11 - 14:47 Uhr

Hallo Jollymax,

klar hab ich ihm erstmal erklärt warum das einfach nicht geht seiner Schwester oder eingentlich egal wem weh zu tun. Ich hab ihm auch erklärt dass ich jetzt deswegen sauer bin.
Zum Mittagessen kam er dann runter und hat sich ohne dass ich nochmal was dazu sagte bei seiner Schwester entschuldigt und hat von sichaus das Gespräch mit mir gesucht. Er hat mir erzählt er hätte mit Papa Winnitou angeschaut und das hätten sie nachgespielt. Hab ihm dann erklärt das man nicht alles was im Fernseher kommt nacvhspielen kann und wenn jemand "aua" schreit dann ist sowieso schluss.
Wir haben nochmal ausgiebig darüber gesprochen und ich glaube er hat sich wirklich ein bisschen Gedanken darüber gemacht. Soweit man das von einem 5-jährigen sagen kann.

Danke trotzdem für die Antwort.

Liebe Grüße
Marina