BA-WÜ ohne Schulempfehlungen? Gesamtschule? Bitte Beispiele....

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Forum: Kids & Schule

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Beitrag von lana82 28.04.11 - 11:05 Uhr

Hallo,

also rot - grün möchte ja die Gesamtschulen in Ba-Wü. einführen? Wie läuft das in anderen Bundesländern?

"Gemeinsames lernen bis zur 10. Klasse", nach dem 4. Schuljahr KEINE Empfehlungen mehr für die weiterführenden Schulen....also irgendwie kann ich mir nicht vorstellen wie das alles funktionieren soll....

Könnt ihr mir mal auf die Sprünge helfen und mal erzählen wie das in den anderen Bundesländern läuft?

Vielen Dank schon mal...

Liebe Grüße

Beitrag von stineengel 28.04.11 - 11:33 Uhr

Hallo,

ich war in Meck-Pomm auf einer Gesamtschule (nur die 10. Klasse) und bei uns war es so, dass man die Fächer in verschiedenen Kursen hatte, so hatte ich Mathe, Deutsch und Englisch als Gymnasialkurs, Physik und Chemie und so als Realschulkurs. Es gab auch noch Kurs auf Hauptschulbasis. Wir waren zwar ein Klassenverband und hatten ein paar "unwichtige Fächer" wie Arbeit-Wirtschaft-Technik zusammen aber dann halt auch Kurse mit welchen aus anderen Klassen (so wie es am Gymnasium ab der 11. Klasse ist) Ich fand es eigentlich ganz praktisch, da so jeder gezielt gefördert/ gefordert wurde! Leider konnte man an unserer Schule kein Abitur machen, dafür hätte man nach der 10. Klasse auf ein normales Gymnasium wechseln müssen, aber auch da gibt es bei Gesamtschulen ja Unterschiede!
Hoffe, ich konnte Dir einen kleinen Einblick verschaffen!

Fragen???

LG Steffi

Beitrag von bambolina 28.04.11 - 12:02 Uhr

Hallo,

ansich finde ich es ja nicht schlecht, wenn die Grundschulempfehlung wegfällt (hab da so meine schlechten Erfahrungen gesammelt) allerdings habe ich auch die Befürchtung, dass viele Kids aufs Gym müssen, weil Mama und Papa es so wollen...

Komme auch auch Ba-Wü aber wir wohnen an der Grenze zur Rheinland-Pfalz und da gibt es dieses Prinzip schon ne Weile. Finde ich eigentlich ne feine Sache, man kann dort mit entsprechenden Noten sein Abi machen auch wenn man erst auf der "Hauptschule" angefangen hat.

lg bambolina

Beitrag von marathoni 28.04.11 - 12:32 Uhr

Über das Thema Gesamtschule kann ich nichts sagen. Wir wohnen auch in baWü.
Was ich aber total ablehne, aber leider wird es wohl so kommen, ist die Abschaffung der Grundschulempfehlung.
Es werden noch mehr Kinder als bisher auf Gymnasien gesteckt, die dort eigentlich gar nicht hingehören. Weil Mama und Papa es so wollen, weil Eltern ja so stolz auf ein Gymnasiumkind sind.
Für mich wäre es sinnvoller gewesen, man würde den Schnitt auf 2,0 senken, damit nur die Kinder aufs Gymn. gehen, die meiner Meinung auch dahin gehören. Alle aneren sollen auf real oder Werkrealschule gehen. Sie können später unter Umständen immer noch zu ihrem Abi gelangen.

Beitrag von bambolina 28.04.11 - 14:53 Uhr

Komme auch aus Ba-Wü...
Eigentlich kann ich die zustimmen mit >>>Weil Mama und Papa es so wollen, weil Eltern ja so stolz auf ein Gymnasiumkind sind<<<
Ebenso finde ich den Schnitt 2,5 für das Gym viel zu hoch - 2,0 wäre absolut ok?

Allerdings wurden in unserer Grundschule die Kids in der 4. so gedrückt, um ihre "Schäfchen" für die WKR zu behalten. In der Klasse haben es nur 2 aufs Gym geschafft und 5 Kinder auf die Real. In den beiden Parallelklassen sah es nicht besser aus.

Beitrag von marathoni 28.04.11 - 17:19 Uhr

Bei uns war es gerade umgekehrt. da ging fast die ganze Klasse aufs Gymnasium. Ich habe der lehrerin sogar ins Gesicht gesagt was ich davon halte......Mittlerweile hat sich meine damalige Vermutung bestätigt. Von den 15 Kindern sind bereits ( 7. Kl. ) 3 Kinder in die Realschule und 1 wiederholt.

Beitrag von bambolina 01.05.11 - 12:18 Uhr

War das bei euch eine "reine Grundschule" ?

Beitrag von velvetsnail 30.04.11 - 19:42 Uhr

Hallo, wohne auch in Ba-Wü. Mein Sohn kommt jetz in die 5. klasse. Von 47 4. Klässlern kommen 7 aufs Gymnasium, finde es auch wenig!
Finde auch, dass vieles im 1. Halbjahr der 4. Klasse schief lief und glaube auch das zu hart bewertet wurde.

Gruß Kristina

Beitrag von bambolina 01.05.11 - 12:23 Uhr

In unserer Klasse sind 2 Gym-Kinder, und 5 mit Real. Von den beiden Parallelklassen weiß ich nur von der einen, dass der Schnitt auch nicht viel besser ist.

14 Kinder waren bei dem Beratungsverfahren dabei, von einem Kind weiß ich, dass es das Verfahrung überspringt und direkt an der Aufnahmeprüfung teilnimmt.

Seit ihr eine reine Grundschule?

lg bambolina

Beitrag von velvetsnail 01.05.11 - 22:41 Uhr

Hallo bambolina,

nein, wir sind eine WERKREALSCHULE, viele Eltern meinen das die 5. Klasse dort auch voll werden müssen #kratz.

Alles Merkwürdig. Bei uns waren 4 Kinder beim Beratungsverfahren und alle haben es nicht geschafft. Und bei Euch? Wahrscheinlich hat es nur einer geschafft.

An unserer Schule wird es wahrscheinlich sogar zwei 5. Klassen geben.

Gruß Kristina

Beitrag von bambolina 02.05.11 - 22:57 Uhr

Also ich weiß nur von meinem Sohn und einem Nachbarskind, die haben es beide geschafft. Vier wo ich weiß wo durchgefallen sind (Freund meines Sohnes und zwei Freundinnen meines Patenkindes, und eines wo absichtilich durchgefallen ist, weil sie nicht wie ihre Eltern aufs Gym wollte) beim Rest habe ich leider keine Ahnung.

Genau, ihr seid eine Werkrealschule. Dacht ich mir doch :-)
Meine Freundin ihre Tochter geht auf eine reine Grundschule. Die hatten in der Klasse ca. 50/50 Real- und Gym-Kinder und nur zwei mit WKR.
Wir haben schon unsere Erfahrungen ausgetauscht, Arbeiten verglichen, der Unterschied beider Schulen ist enorm.
Was ich bisher erlebt habe, lässt auch vermuten, dass die Schule ihre Schäfchen behalten will. Und die Schule tut alles erdenklich Gute, dass man weiter daran glaubt.

Eine andere Geschichte, der Fußballkamerad von meinem Sohn war grenzwertig, hat es also knapp nicht geschafft. Die Mutter hat mir erzählt, dass sie in der Schule (nur Grundschule) vorgesprochen hat und erzählt hat, ihr Sohn würde gerne auf die Real gehen... und schwupps hatte er seine Realschulempfehlung.
Soviel zum Thema "reine Grundschule"

Ist schon krass, was auf machen Schulen abgeht :-(

lg bambolina

Beitrag von anja96 29.04.11 - 11:01 Uhr

Hallo,
bin auch aus Ba.-Wü. und kann das was Du sagst nicht bestätigen. Bei uns ist es eher so, dass die Kinder trotz Gymnasialempfehlung auf die Realschule geschickt werden, weil die Eltern den Kindern das G8 nicht zumuten möchten und weil die Realschule vor Ort ist.
Lg, Anja

Beitrag von frech1995 28.04.11 - 13:41 Uhr

Dank Jamaika im Saarland gibt es hier ja auch keine Empfehlungen mehr. Allerdings kam es nicht zu dem befürchten Run auf die Gymnasien.

Zumindest bei uns im Landkreis haben die Gymnasien mit sinkenden Schülerzahlen zu kämpfen, während die zwei Gesamtschulen im Kreis jedes Jahr aufs Neue ins Losverfahren müssen. Dort gibt es immer einiges an Anmeldungen mehr als Plätze zur Verfügung stehen.

Meine Zwei haben einen der begehrten Plätze an einer Gesamtschule bekommen.

Unterricht erfolgt so:

5. und 6. Schuljahr komplett im Klassenverband

7. Schuljahr Trennung in 1. Fremdsprache und MAthematik in E (Erweiterungs)- Kurse und G (Grund) - Kurse. Zusätzlich kann man wählen zwischen 2. FS (empfohlen für die, die Abitur machen wollen), Umwelt und Natur (empfohlen für die, die mittlere Reife machen wollen) und Arbeitslehre (empfohlen für die HAuptschüler).

8. Schuljahr Trennung in Deutsch in E- und G- Kurse.

Im 9. Schuljahr erfolgt eine weitere Trennung. Dies beinhaltet Einstufung in 1. FS, Mathe, Deutsch in A (Abitur) - Kurse und Naturwissenschaften (Bio, Physik und Chemie) in E- und G- Kurse, welche im 10. dann nochmals in A- Kurse geteilt werden.

Beitrag von lana82 28.04.11 - 14:30 Uhr

Vielen Dank euch allen...jetzt hab ich einen Durchblick.

Was denkt ihr, wann auf das neue Schulsystem umgestellt werden kann? Allzu schnell wird das doch nicht gehen. Oder? Mein Sohn kommt erst in 2 Jahren in die Schule und an der Grundschule ändert sich ja erstmal nichts..


Also, ich glaube ganz soooo schlecht, wie ich dachte, ist das alles im Prinzip ja nicht.

Wir haben hier eine private Schule für Real-und Gymi, solche Schulen werden dann wahrscheinlich als reines Gymnasium geführt.

Und die Haupt und Realschulen werden umgestellt als Gesamtschule...

Also da werden sicherlich noch einige Jährchen verstreichen bis es soweit ist??

Beitrag von bambolina 28.04.11 - 14:58 Uhr

Also ich habe letzt in der Zeitung (nicht Bild ;-)) einen Bericht gelesen, wo die Grundschulempfehlung zum Schuljahr Jahr 2012/13 abgeschafft werden "soll". Wie es real aussieht keine Ahnung.
Zu den Gesamtschulen stand nichts.

Die Gesamtschulen finde ich ansich echt klasse. Aber ich vermute dass es meine Kids (1. und 4. Klasse) nicht mehr schaffen, auf solch eine Schule zu kommen.

Wenn dein Kind erst in 2 Jahre eingeschult wird, plus 4 Jahre Grundschulzeit... ich denke in 6 Jahren ist das durch.

lg bambolina

Beitrag von luka22 28.04.11 - 17:51 Uhr

"wo die Grundschulempfehlung zum Schuljahr Jahr 2012/13 abgeschafft werden "soll"


....dein Wort in Gottes Ohr! ;-)

Beitrag von bambolina 01.05.11 - 11:21 Uhr

Nicht mein Wort, die Zeitung #freu

Die Kinder bei meinem Sohn wurden so gedrückt, dass die meisten (2/3) "nur" eine WKR-Empfehlung bekamne.

Allerdings habe ich die Befürchtung, dass viele Eltern irh Kidn aufs Gym schicken, obwohl es von den Noten her nicht unbedingt ratsam wäre.

Wir hatten ein Kind in der Parallelklasse, das Real bekam und unbedingt aufs Gym sollte. Das Mädchen musste die Aufnahmeprüfung machen. Sie hat von vorne rein gesagt, dass sie nicht will und den Test absichtlich versemmelt.
Und sie hat nicht bestanden.
Ohne Empfehlung wäre das Kind gegen ihren Willen auf dem Gym gelandet.

Beitrag von shorty23 28.04.11 - 17:27 Uhr

Soweit ich informiert bin, soll das mit der Gesamtschule erstmal so laufen, dass Schulen, die "neue Konzepte" einführen möchten, dies auch tun können, dh keine Schule wird zur Gesamtschule gezwungen, wenn sie es nicht selbst will. Anscheinend haben schon über 70 Schulen fertige Konzepte in der Schublade, die bisher immer abgelehnt wurden. Mal sehen wie das wird, bin sehr gespannt. Habe auch gelesen, dass die Hauptschule alle auf 10 Jahre umgestellt werden sollen, die Werkrealschulen findet die neue Regierung wohl nicht so toll, Gymnasien dürfen einen G8 und G9 Zug anbieten, wenn Eltern bzw. Lehrer das wollen ... Keine Gewähr, aber das habe ich vor ein paar Tagen bei SWR2 gehört.

LG

Beitrag von bambolina 01.05.11 - 12:28 Uhr

Bei uns in Ba-Wü wird es ab Sommer 2011 keine HS mehr geben. Nur noch WKR, Real und Gym - allerdings solltest du den WKR-Abschluss nciht schaffen, bzw. mit schlechten Noten hast du trotz deiner 10 Jahre zumindest den HS-Abschluss.
Eigentlich ist es wieder wie früher, als es noch keine WKR gab.
3 -Klassen-Ssystem.
Nur dass Werkreal eben besser klingt, als Hauptschule und dass es anstatt 9 eben 10 Jahre sind.

Beitrag von luka22 28.04.11 - 17:49 Uhr

Ich denke den Klassiker "Gymnasium" gab es immer und wird es immer geben. Ich könnte mir folgendes vorstellen:

Gemeinsames Lernen bis zur 6. und dann als Wahl: Gesamtschule oder direkt Gymnasium.

Ich bin selber auch supergespannt, was jetzt kommt. Viel schlechter als derzeit kann es nicht mehr werden. Die Grundschulempfehlungen sind eine absolute Katastrophe. Es ist absolute Willkür und hängt nicht selten vom Gutdünken der Lehrer ab. Dass die Grundschulempfehlung nichts anderes als soziale Auslese bedeutet, ist ja auch ein offenes Geheimnis. FÜR die Grundschulempfehlung sprechen sich auch nur die Leute aus, die ihr Kind jetzt schon auf dem Gymi oder WENIGSTENS auf der Realschule wissen. Die freuen sich, dass es auf "ihrer" Schule Kinder mit schwachem sozialen Hintergrund nicht gibt. Feine Sache.

Grüße
Luka

Beitrag von marathoni 28.04.11 - 23:59 Uhr

Das ist kompletter Quatsch was du da über die Grundschulempfehlung hier abläßt. Im Gegenteil! Keine soziale Auslese! Sondern vielmehr bin ich der Meinung, dass immer noch viel zu viele Kinder die Gymi-empfhlung bekommen. Sie sollten lieber den Schnitt senken. Meinetwegen nur die , die besser als 2,0 sind.

Beitrag von delfinchen 29.04.11 - 07:11 Uhr

Hallo,

sehe ich auch so.
Gymnasium sollte für die Besten im Jahrgang sein - bei uns ist es aber für die Mehrheit, wenn ich mir die Übertrittsquoten von 40% ansehe.

Ich warin meiner Funktion als Beratungslehrer Hauptschule auch beispielsweise mal bei einem Elternberatungsgespräch an der Realschule dabei. Kind hatte im Zeugnis in D/M eine 4 und 5, nahm am PU teil und hatte dort 4/4-weswegen ja der Elternwille zählt(e).
Ich versuchte dem Vater zu verdeutlichen, dass er es doch erstmal auf der HS versuchen solle, nach der 5. könne das Kind immer noch wechseln (ich hab mindestens 20 Schüler gehabt, die nach der 5./6. noch gewechselt sind). Der Vater überlegte diese Option dann tatsächlich, aber dann funkte mir der Rektor der Realschule dazwischen und meinte:
"Es ist nicht so, dass wir ihr Kind an unserer Schule nicht haben wollen."

Damit war klar, an welche Schule das Kind geht - mittlerweile ist es aber auf die HS zurück.

Wenn die Mehrheit eine Schule besucht, die eigentlich den Besten Leistungsstärksten vorbehalten sein sollte, dann ist es kein Wunder, dass es immer mehr gibt, die den Anforderungen eines (Fach-)Hochschulstudiums nicht mehr gewachsen sind.

Die Grundschullehrer überlegen sich sehr gut, wem sie welche Empfehlung geben, keiner schickt ein Kind auf die Hauptschule, wenn es dort unterfordert wäre. Daher möchte ich mich entschieden dagegen wehren, dass man ihnen Willkür unterstellt. Die Willkür liegt im gesamten System/ Gesellschaft. Klar sind Kinder aus bildungsfernen Schichten benachteiligt, das tut mir auch sehr leid, aber wie soll denn eine Schule das aufholen und ausgleichen, was in den ersten 6-7 Jahren zuhause nicht grundgelegt wurde, bzw. in den ersten 1 - 3 Jahren, die ja für eine Vielzahl von Fertigkeiten und Fähigkeiten entscheidend sind?
Dafür sind die Schulen personell nicht ausreichend ausgestattet. Wenn man ein individuelles Lernen und Fördern möglich machen will, reicht es nicht, 5 Förderstunden zu haben, wenn dann im Unterricht 30 Schüler sitzen, von denen der eine Teil sich schon langweilt, weil er schon alles verstanden hat, der andere Teil noch Verständnisprobleme hat und nachfragt und wieder ein anderer Teil noch gar nichts begriffen hat. Da helfen auch differenzierte Arbeitsblätter nicht, weil der Lernprozess, der bei jedem abläuft, trotz verschiedener Arbeitsblätter unterschiedlich läuft und man unterschiedlich auf die Schüler eingehen muss.
Wenn dem Staat Bildung nicht mehr Geld wert ist, dann kann das nie klappen, dass alle "gleich" sind - wobei für mich auch fraglich ist, ob das ein so erstrebenswertes Ziel ist.

LG,
delfinchen

Beitrag von luka22 30.04.11 - 09:26 Uhr

"Die Willkür liegt im gesamten System/ Gesellschaft. Klar sind Kinder aus bildungsfernen Schichten benachteiligt, das tut mir auch sehr leid, aber wie soll denn eine Schule das aufholen und ausgleichen, was in den ersten 6-7 Jahren zuhause nicht grundgelegt wurde, bzw. in den ersten 1 - 3 Jahren, die ja für eine Vielzahl von Fertigkeiten und Fähigkeiten entscheidend sind?"

Genau das ist das Problem! Und durch das Aufteilen der Schüler auf verschiedene Schularten wird diese Ungerechtigkeit weiter gefestigt. Und das stinkt mir gewaltig!
Und was ich mit Willkür meinte: Ich habe einen Sohn. Aus diesem könnte ich ohne Probleme eine Hauptschüler und ich behaupte mal kühn ohne Probleme einen Gymnasiasten machen. Hauptschüler wäre ja super einfach: da müsste ich gar nichts tun. Gymnasiast, da müsste ich mich schon etwas in Zeug legen, Potential wäre da, des Kindes Wille nicht, d.h. es fehlte nur noch die Gerte ;-). Vielleicht ist das etwas überspitzt, aber eigentlich auch nicht: dadurch, dass eine bestimmte Schicht, mit denen zu Hause gar nicht gearbeitet wird, komischerweise zum großen Teil auf der Hauptschule landet und andere Kinder, mit denen zu Hause sehr viel gearbeitet die Gymnasien bevölkern, ist es im Prinzip sehr wohl so. Natürlich kann da ein Grundschullehrer nichts dafür. Ein erster Schritt wäre für mich die Erkenntnis, dass das zum Himmel schreiende Ungerechtigkeiten sind und die Bildungsempfehlung nach der 4. Klasse (!) setzt hinter all das noch einen Punkt. Ich könnte hier Romane schreiben...allein schon die Tatsache, dass Noten für die Bildungsempfehlung ausschlagend sind. Ja klar, was denn sonst? Wir kennen ja nichts anderes außer Noten. Jeder von uns hat selber erlebt, wie leicht es bei machen Lehrern ist gute Noten zu bekommen und wie schwer bis unmöglich bei anderen. An unserer Schule zittern auch alle 3. Klass-Eltern, wenn man eine bestimmte Lehrerin bekommt, denn sie ist strenger als Fräulein Rottenmaier. Noten. Willkür lässt grüßen. Ich habe selber Kollegen, die ihre Noten so vergeben, dass der Durchschnitt immer bei 3 ist. Wenn es nicht passt, wird die Punkteverteilung ein wenig verändert. Fertig. Willkür lässt grüßen. Noten sind alles andere als eine objektive Größe. Es gibt keine objektiven Kriterien, wonach man Kinder auf Schularten aufteilen und in manchem Fall damit ihre Zukunft besiegeln kann. Wie sicher diese Orakel ist zeigt sich daran, wie viele Kinder schlussendlich doch wechsteln, weil sie an der falschen (?) Schule gelandet sind. Und da komm ich gleich zum nächsten Punkt, der mich extrem ärgert: Solange es eine Durchlässigkeit nach unten gibt, haben die Lehrer (von mir aus das System) keine dauerhaften Ambitionen an den Schwächen/ Defiziten der Schüler intensiv zu arbeiten. Schüler mit großen Schwierigkeiten in bestimmten Fächern (auch im Sozialen) werden einfach nach unten gereicht. Das kann es nicht sein!
Lösungen gibt es. Tolle Schulen mit super Konzepten zeigen, dass gemeinsames und erfolgreiches Lernen funktionieren kann! Die Frage ist, ob unsere Politiker erkennen, wie wichtig es wäre solche Konzepte auch im Großen zu finanzieren.
Bis dahin bleibt einem wohl nichts anderes zu tun, als das Beste aus der Situation zu machen und gespannt zu sein, was da kommen möge.... Du bist sicher eine engagierte Lehrerin und über die meisten Lehrer lasse ich nichts kommen ;-). Manchmal vermisse ich aber den kritischen Blick des ein oder anderen Kollegen auf das ganze System. Damit meine ich nicht dich! Bei uns an der REalschule wurden sogar Wahlempfehlungen ausgesprochen nur, damit sich ja nichts ändert...


Liebe Güße
Luka

Beitrag von luka22 29.04.11 - 08:47 Uhr

Hä? Kompletter Quatsch? Von welchem Land redest du? Bei uns zumindest kommen nach wie vor die guten ins Töpfchen und die Schlechten ins Kröpfchen! Mama sein Dank...

"Ein zentraler Befund der internationalen Schulleistungsstudien lautet, dass die deutsche Schule so wenig wie keine andere dazu beiträgt, Schülerinnen und Schülern mit schlechten Startchancen zu guten Leistungen zu verhelfen: In keinem anderen Land ist der Schulerfolg der Kinder in dem Maße abhängig von ihrer sozialen Herkunft wie im reichen Deutschland."

aus:
http://www.bpb.de/publikationen/3MYWHA,0,Soziale_Auslese_und_Bildungsreform.html


Luka

Beitrag von delfinchen 29.04.11 - 09:07 Uhr

"Ein zentraler Befund der internationalen Schulleistungsstudien lautet, dass die deutsche Schule so wenig wie keine andere dazu beiträgt, Schülerinnen und Schülern mit schlechten Startchancen zu guten Leistungen zu verhelfen: In keinem anderen Land ist der Schulerfolg der Kinder in dem Maße abhängig von ihrer sozialen Herkunft wie im reichen Deutschland."


Das stimmt und ist nach wie vor traurig, aber der großteil der anderen länder gibt auch mehr geld für bildung aus oder kann, wie beispielsweise in den skandinavischen ländern, bildungsreformen schneller durchsetzen, weil sie nur einen bruchteil der schülerzahlen haben, wie sie deutcshland hat.

solange bei uns politiker und schulamtdirektoren behaupten, die ganztagsschule brauche keine zusätzlichen lehrerstunden, solange alles zum nulltarif passieren muss, solange wird sich daran auch nichts ändern.

solange es in deutschland als zumutung und unverschämtheit empfunden wird - auch anders als beispielsweise in finnland - , wenn sich in einer sozial auffälligen familie das jugendamt umschaut (natürlich von der familie selbst, nicht von außenstehenden), solange wird es auch schwer sein, bildungsferne schichten so frühzeitig zu erreichen, dass man noch vor schulbeginn etwas erreichen kann.

solange erzieher, die wohl eine der wertvollsten arbeiten leisten, so unterbezahlt sind, dass es schon fast demotivierend ist - wären nicht so viele idealisten unter ihnen, die sich dennoch täglich ein beim ausreißen - solange erzieher und lehrer so wenig ansehen in der gesellschaft genießen, wird sich daran nichts ändern.

solange hysterische eltern die arztpraxen und förderpraxen überfallen, so dass die kinder, die wirklich bedarf haben, auf wartelisten geschoben werden, wird sich daran auch nichts ändern. ok, dieses beispiel mag jetzt krass sein, aber doch ist es auch hier so, dass eltern, die sich zumindest einbilden, dass sie ahnung haben, von hinz zu kunz rennen, bis sie endlich die diagnose kriegen, die sie hören wollten. für kinder, die wirklich was haben - die es ja ohne frage gibt - ist dann eben weniger zeit, was mehr als bedauerlich ist.

solange hier eltern und kindernmit migrationshintergrund in der zweiten und dritten generation leben und sich noch immer nicht so verständigen können, dass sie am sozialen leben teilhaben und dem unterricht folgen können, solange wird sich an dieser studie nichts ändern. hier sehe ich aber in erster linie die eltern in der pflicht, dass sie dafür sorge tragen, dass ihr kind nicht "ghettoisiert" aufwächst, aber auch die kindergarten- und schulpolitik, die an brennpunktkindergärten/ -schulen deutlich mehr sozialarbeiter und erzieher/ lehrer mit migrationshintergund und/ oder deutsch als zweitsprache einstellen. aber dafür ist kein geld da...

solange eltern meinen, sie könnten jede gut gemeinte unterstützung der lehrer torpedieren zu müssen und nichts besseres zu tun haben, als ihren kindern beizubringen, dass sie sich vomlehrer "nichts gefallen lassen müssen" und so lange es lehrer gibt, die meinen, nach 13 uhr nichts mehr tun zu müssen und arbeitsblätter von anno dazumal aus der tasche ziehen, solange wird sich daran nichts ändern.

lg,
delfinchen

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