Karma......Schicksal.....?

Archiv des urbia-Forums Politik & Philosophie.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Politik & Philosophie

Hier ist der Platz, mit anderen Politik- und Philosophieinteressierten über Parteien, aktuelles politisches Geschehen, Sinnfragen etc. zu diskutieren. Wir bitten insbesondere in diesem Forum um einen sachlichen und konstruktiven Diskussionsstil!

Beitrag von seelenspiegel 28.04.11 - 11:20 Uhr

Angeregt durch eine Antwort auf einen anderen Beitrag bei dem das Schlagwort "Karma" genannt wurde, würde es mich mal interessieren wer an so etwas glaubt.

Ist das Leben vom Schicksal vorherbestimmt? Gibt es Karma und kommt alles in irgendeiner Form auf uns zurück...nicht nur als "Ursache-Wirkung" Prinzip?

Ziehen manche Leute die Schei.... wirklich "magisch" an, oder sind sie selbst daran Schuld?

Sind wir unseres "eigenen Glückes Schmied", oder folgen wir nur einer festgelegten Route, auf der wir im besten Fall ab und an mal an den Rand hüpfen- und verschnaufen können?

Ich muss gestehen dass das bei mir Tagesformabhängig ist. Mal ist das Gefühl da, dass alles möglich ist was ich will....ein Tag zum Berge versetzen, Welt verändern und mit den Göttern Poker zu spielen.......und dann gibt es wieder Tage, an denen ich ab und an verstohlen nach oben schaue, ob ich irgendwo Fäden erkennen kann, an denen irgendein pervers geartetes Wesen bei mir den Marionettenspieler miemt.

Wie schaut das bei Euch aus?

Beitrag von punisher 28.04.11 - 13:19 Uhr

für mich ist der gedanke, daß es weiter geht bis wir eine bestimmte sache komplett erledigt haben recht angenehm. er lässt uns spielraum für fehler, und raum um zu lernen.

ganz anderes als das christentum, in dem von der kirche ein grausamer gott präsentiert wird, der tötet und rache nimmt und all so etwas. das ist ein von menschen gemachter gott der angst, und nicht eine von gott gemachte menschheit die hier präsentiert wird.

mit der klassischen lehre des "karma" kann ich aber nicht vollständig etwas anfangen. der gedanke an eine hierarchie unter irgendwelchen "hohen wesen" missfällt mir und erscheint mir unpassend.

auch der gedanke, menschen die wir in diesem leben zu lieben gelernt haben wiederzusehen, gefällt mir gut und ich will daran glauben und muss auch manchmal daran glauben können, nur damit es an manchen tagen weitergehen kann.

was das schicksal selbst angeht glaube ich dass die großen dinge vorherbestimmt sind, und man nur durch kleine bewusste und unbewusste entscheidungen lenkend eingreifen kann, aber nur bis zu einem gewissen grad.

Beitrag von sneakypie 28.04.11 - 15:27 Uhr

>>ganz anderes als das christentum, in dem von der kirche ein grausamer gott präsentiert wird, der tötet und rache nimmt und all so etwas. das ist ein von menschen gemachter gott der angst<<

Nicht, dass es nicht Religionen gäbe, in denen ein derartiges Gottesbild vermittelt wird, aber das Christentum finde ich als Beispiel nicht gelungen.
Gerade da werden doch Gnade und Nächstenliebe betont, und ein Unterschied zu anderen Religionen ist halt genau, dass man sich das Himmelreich nicht "erarbeiten" muss, sondern dass es einem geschenkt wird.
Die zehn Gebote sind zudem ein recht knapper Katalog, gemessen an über sechshundert Ge- und Verboten in Judentum und Islam.
Die Sache mit der Rache relativiert sich durch die Bergpredigt ganz schön.
Über die Hölle gibt's selbst innerhalb der katholischen Kirche unterschiedliche Ansichten - ihre Interpretation als "Abwesenheit von Gott" ist auch bei den Protestanten sehr in Mode - und in ebenjenem Zustand leben Milliarden Atheisten eigenen Aussagen nach glücklich und zufrieden.
Gechillte Aussichten also für Nichtchristen - die dürfen quasi direkt vor'm Erlöser selbst nochmal ihre Antwort überdenken, da gibt's in anderen Religionen deutlich höhere Zulassungsbeschränkungen.

Gruß
Sneak

Beitrag von seelenspiegel 28.04.11 - 17:41 Uhr

*schmunzelt* Schön formuliert.

Ich will jetzt keine Diskussion über Religion provozieren, denn das hätte nicht viel mit dem eigentlichen Beitrag zu tun, und das gab es hier auch schon bis zum umfallen, und da werden nie alle auf einen Nenner kommen.

Darum soll es hier auch nicht gehen.

Aber das Christentum ist ursprünglich ganz und gar keine Religion der Nächstenliebe.....da hat Punisher schon recht.

Es ist eine Religion die durch Kriege versucht hat, anderen ihre Anschauung aufzudrängen. Eine Religion, die durch Lügen und Unterdrückung groß geworden ist, die ihre Anhänger bewusst klein gehalten hat, damit einige wenige um so größer dastehen konnten.

Das von Dir gewählte positive Beispiel dass Christen das "Himmelreich" quasi geschenkt bekommen lässt sich durchaus ohne Probleme negieren, da dies mit bestimmten Bedingungen verknüpft ist. Hält man sich nicht an die Regeln wartet die ewige Verdammnis im Fegefeuer.

Zudem ist alles eine Sache des Blickwinkels und der Interpretation. Göttliches, ausgelegt von Menschen und über die Jahrhunderte verfälscht und je nach aktueller politischer Situation verdreht. Und daran soll man glauben? Na ich weiss nicht...........

Desshalb will ich bewusst nicht auf "aber die Ansichten sind besser als die da..." hinaus. Jeder wie er will und was ihn glücklich macht. Hunduismus, Buddhismus, Christentum, Islam, Schamanismus, Satanismus......alles Wuppe.

In meinen Augen alles nur verschiedene Auslegungen eines großen Ganzen in dem alle gleich viel "recht haben" und alle genauso "daneben liegen" wie die anderen....nicht besser und nicht schlechter.

Wie beim Spiel "stille Post".....ein Ursprung und an jeder Haltestelle kommt was neues dazu oder fällt etwas weg. :-)

Beitrag von zeitblom 29.04.11 - 09:13 Uhr

" das Christentum ist ursprünglich ganz und gar keine Religion der Nächstenliebe"

Fein, wir brauchen jetzt hier nicht ueber Religion zu diskutieren, aber diese Aussage ist sachlich falsch. Wenn Du den Ursprung des Christentums auch auf die ersten zweihundert Jahren n.Chr. ausweitest, kann von Krieg als Missionsmittel keine Rede sein! Es war eine Variation des Judentums fuer die untere Schicht (polemisch gesagt, fuer die bequeme Schicht, denen die zahlreichen juedischen Gebote zu viel und zu komplex waren, und vorallem, fuer die Nichtjuden, die sich nicht beschneiden lassen wollten aber sich mir einer Art "Reader's Digest" der juedischen Religion zufrieden gaben). Die Macht, Kriege zu fuehren, hatten Christen erst spaeter...ob sie dies dann vornehmlich taten, um zu missionieren, ist auch zweifelhaft...

Beitrag von .neo 29.04.11 - 10:02 Uhr

Kriege, durch Religion ausgelöst.

Mich würde in dem Zusammenhang interessieren, wieviele Konflikte durch Religion verhindert wurden. Und wie eine Gegenüberstellung aussehen würde.

Beitrag von umsche 29.04.11 - 13:55 Uhr

Ja, das fände ich auch mal interessant! #pro

Beitrag von seelenspiegel 29.04.11 - 14:19 Uhr

Fällt Dir auch nur ein einziges Beispiel ein? Mir ehrlich gessagt nicht.

Beitrag von .neo 29.04.11 - 20:26 Uhr

Nein, mir auch nicht. Aber das war auch keine rhetorische Frage von mir.

Aber das wäre ja auch die Dokumentation eines Ereignisses, das nicht stattgefunden hat. Wird sich in Geschichtsbüchern nicht so oft finden.

Beitrag von sneakypie 29.04.11 - 13:46 Uhr

Naja, mE ist das Christentum durchaus eine im Kern friedliche Religion; die Sache mit den Kriegen kam ja erst ein paar Jahrhunderte später, als die Christen nicht mehr Gefahr liefen, selbst in der Löwengrube zu landen. Ab da diente die Religion wohl eher als Vehikel für Machtpolitik, Missbrauch vorausgesetzt.

Und weil's mir auf den Nägeln brennt, ohne eine Diskussion über Religion anfangen zu wollen (#schwitz): Die grundlegende Bedingung für Christen, das Himmelreich zu bekommen, lässt sich reduzieren auf "Glaub an Gott". Alles andere ergibt sich daraus: glaubste an Gott, dann tuts dir leid, wenn du Mist baust. Wenn es dir ehrlich leid tut, dass du Mist baust, wird dir vergeben. Ergo: Glaubste an Gott, wird dir vergeben. Genauso mit den zehn Geboten: wenn du an Gott glaubst, wirst du dich bemühen, sie nicht zu brechen. Wenn du sie brichst, s.o. Der Satz "Du sollst nicht... [lästern, fremdgehen etc.]" lässt sich aus dem Original wohl auch mit "Du wirst nicht" übersetzen, und das ist als Versprechen gemeint: wenn du an Gott glaubst, wirst du diese Dinge einfach nicht mehr tun (wollen).
Das meine ich mit "niedrige Zulassungsbeschränkungen", typisch für 'ne Heilsreligion: Jeder darf an jedem Punkt seines Lebens einsteigen, und braucht vor Fehlern keine Angst haben. Shit happens, Gott verzeiht ja und will dir helfen, es besser zu machen. Da sind andere Religionen reichlich rigider am Start. Verglichen damit, gibt's das Himmelreich bei den Christen wirklich für lau.

Ansonsten seh ich das ähnlich - jede Religion ist eine Brücke über einen Fluss, dessen Existenz noch nicht bewiesen ist.. oder so ähnlich. ;-)

Gruß
Sneak

Beitrag von zeitblom 29.04.11 - 15:11 Uhr

"Die grundlegende Bedingung für Christen, das Himmelreich zu bekommen, lässt sich reduzieren auf "Glaub an Gott"."

Naja, wenn es dem Christengott gefaellt, wird er auch einen Atheisten in sein Himmelreich lassen, frei wie er ist....

Beitrag von sneakypie 29.04.11 - 16:33 Uhr

Vermutlich. :-)

Beitrag von ciocia 02.05.11 - 10:31 Uhr

Ich gebe dir recht. Ich komme aus Polen und dort hat die Kirche noch großen Einfluss auf die Menschen. Ich habe mir einige Predigten auf Youtube angeschaut und ich muss sagen-lieber Gott, sprichst du wirklich durch diese MÜnder? Wie können Menschen im 21 Jahrhundert eine solche Meinung ernst nehmen und umsetzen? Ich nenne nur als Beispiel: Harry Potter, Tätowierungen, Rockmusik, religiöse Symbole anderer Kulturen- all das soll durch Satan hervorgerufen sein!

Die Kirche bekommt es vielleicht mit der Angst zu tun und fürchtet um ihre Position. Die Kirche in POlen sieht wie der Westen "entchristianisiert" wird und die Priester versuchen ihren Gläubigen eine Gehirnwäsche zu verpassen und mit Gotteswut zu drohen (ähnlich wie im muslimischen Glauben)

Neulich war meine Mutter hier in einer polnischen Messe und da hat der Pfarrer ein Buch zerissen. Was das für ein Buch war, keine Ahnung- jedenfalls hat er die Katholiken ermahnt, die keine Sakramente mehr annehmen wie kirchliche Trauung, Kommunion oder Beichte. Ehrlich gesagt ist mir meine Zeit zu kostbar um so einen Unfung zu hören. Aber die Polen gehen noch massenweise in die Kirche und hören sich das an.Von mir aus, amen...

Beitrag von zeitblom 28.04.11 - 13:51 Uhr

"vom Schicksal vorherbestimmt"

es wird zwar so oft gesagt, ist aber Unsinn, denn "bestimmen" oder planen kann nur ein Subjekt und nicht eine personifizierte "Biographie". Da ich nicht an die Existenz solch eines Subjekts glaube, glaube ich auch nicht an Determination, sondern nur an Zufall ohne Sinn und Ursache. D.h. aber eben auch, dass wir dennoch nicht unseres "eigenen Glückes Schmied" sind, sondern, dass die Zukunft nicht berechenbar ist und unser eigener Wille nicht unter unserer (wessen?) Kontrolle und nicht vorhersehbar ist....

Beitrag von .neo 28.04.11 - 14:45 Uhr

Ich glaube nicht an Schicksal. Spätestens seit Heisenberg und Schrödinger.

Beitrag von espirino 28.04.11 - 15:03 Uhr

Hallo,

ich glaube nur an Ursache und Wirkung, denn können wir einen Blick in die Zukunft riskieren, wüßten wir, was als nächstes kommt.

LG Jana

Beitrag von juniorette 28.04.11 - 15:59 Uhr

Hallo,

interessante Diskussion :-)

Ich glaube verschiedene Dinge (die nicht unbedingt logisch zusammenpassen #schein):

1) jeder bekommt das, was er verdient - irgendwann

die blöde Kuh von Kindergartenmutter, der ich gestern die Tür aufgehalten habe, und die weder gelächelt geschweige denn sich dafür bedankt hat, hat heute vielleicht ihren Restmüll rausgebracht und dabei ist ihre Mülltüte geplatzt (oder was ähnlich Ärgerliches) - Schicksal eben

2) ich glaube daran, dass die meisten Menschen gleich viel Gutes und Schlechtes im Leben erfahren (nur, dass nicht jeder Gutes als gut und Schlechtes als schlecht wahr nimmt) - das ist irgendwie vorbestimmt.

Allerdings kann 2) nicht so ganz stimmen, da es sicher viele Menschen mit einer schlimmen Kindheit gibt und die deswegen bösartige Erwachsene geworden sind, die wiederum dann das bekommen, was sie verdienen (siehe 1)) - die werden dann nie Glück im Leben haben.

Ich glaube nicht daran, dass das ganze Leben eines Menschen vorbestimmt ist, ohne dass man da was ändern kann.

Ich glaube aber auch nicht daran, dass ALLES, was mir passiert, Schicksal/Zufall ist.

Und ich glaube auch nicht daran, dass ich durch gute Taten auf jeden Fall Gutes zurückbekomme und durch schlechte Taten auf jeden Fall Schlechtes zurück bekomme, es erhöht in meinen Augen aber die Wahrscheinlichkeit dafür ;-)

Klingt jetzt etwas wirr geschrieben, aber besser kann ich es nicht ausdrücken #schwitz

LG,
J.

Beitrag von nijinsky 28.04.11 - 18:27 Uhr

Ja, ich glaube daran, dass es Karma gibt und ich glaube daran, dass es einen Gott gibt.

Allerdings ein bisschen anders, als man sich das nun vorstellen mag :-)
Einerseits sind wir als Menschen zutiefst deterministisch, was nur zu verständlich ist, da uns die physische Welt sehr deutlich lehrt, dass das Kausalitätsprinzip gültig ist.
Andererseits gibt es im menschlichen Geist eben auch die Fähigkeit, Grenzen zu überschreiten und nicht existente Zustände, die noch nicht einmal in irgendeiner Form "möglich" sein müssen, gedanklich vorweg zu nehmen bzw zu imaginieren.

Ohne letzteres wäre die Entwicklung des Menschen und seiner Fähigkeiten nicht so denkbar, wie sie verlaufen ist.
Alle großen Erfindungen haben damit begonnen, dass sich jemand über bestimmte Grenzen des Denkens hinweggesetzt hat.
Aus seiner Natur heraus ist dieser Prozess aber eben nicht beschränkt und so ist es eben auch möglich, einen Gott oder ein Schicksal oder ein Alleins oder was auch immer zu denken, woraus bisweilen ja auch ganz brauchbare Ansätze für das Leben gewonnen wurden und werden :-)

Gäbe es also Karma oder einen Gott nicht, so würde er zweifelsohne irgendwann, gedacht und mithin erfunden werden.
Im übrigen wäre es ohne diese Fähigkeit des "vorwegnehmens" eines upotischen Zustands in Ägypten und Tunesien und Libyen sicher nicht zu einer Situation gekommen, wie sie jetzt voliegt.
Ist also manchmal schon ganz praktisch, wenn es eben auch manchmal zu eher negativen Folgen dieser Fähigkeit kommt.

Beitrag von .neo 28.04.11 - 20:21 Uhr

##
Einerseits sind wir als Menschen zutiefst deterministisch, was nur zu verständlich ist, da uns die physische Welt sehr deutlich lehrt, dass das Kausalitätsprinzip gültig ist.
Andererseits gibt es im menschlichen Geist eben auch die Fähigkeit, Grenzen zu überschreiten und nicht existente Zustände, die noch nicht einmal in irgendeiner Form "möglich" sein müssen, gedanklich vorweg zu nehmen bzw zu imaginieren.
##

Wenn ich bei letzterem wieder bei der Physik bleibe, ist zu beobachten dass solche gedanklichen Vorwegnahmen oft jahrzehnte später verifiziert werden.
Wenn diese Gedanken schlüssig sind.

Die Frage wäre, ob die Physik da irgendwann mal ein Ende findet, sich erschöpft. Oder ob man da bei einer vereinheitlichenden Theorie ankommt. Deren Ausblick für viele ja ein zukünftiger Gottesersatz zu sein scheint.

Beitrag von nijinsky 28.04.11 - 20:53 Uhr

Ich werde mich dann mal in den Forenbereich "intern" begeben und beantragen, dass der Name dieser Kategorie in "Politik, Philosophie, Physik und Metaphysik" umbenannt wird, was meiner Meinung nach ohnehin viel besser zu manchen Inhalten passen würde ;-)

Aber Spaß beiseite!
Zu deinem ersten Absatz, "verifiziert" ist ein großes Wort und ich glaube zum Thema "Wahrheit" gab es hier schon eine doch recht intensive Diskussion.
Natürlich hast du im Prinzip recht, aber was denn tatsächlich "verifiziert" bedeutet, wäre ja wiederum in einer erkenntnistheoretischen Betrachtung zu klären.
Man kommt mit manchen Denkmodellen zu Aussagen, die sich durch Messungen "verifizieren" lassen, ob allerdings nicht schon die Messung den Erfolg derselben garantiert, ist nicht in allen Fällen zu klären.
Als Beispiel seien optische Beobachtungen von Quasaren in der Nähe von Galaxien genannt, die nicht in das Standardmodell passen, aber qua Entzug von Beobachtungszeit für die Entdecker und kategorischer Ablehnung bzw. dogmatischer Erklärung als Beobachtungsfehler eben als "falsche" Beobachtungen abgetan werden.
Hier ist Physik eben manchmal, und mithin in einer Zeit, in der Messungen nicht eben billig sind, dann doch ein wenig träge und stellt ein vorgeblich ja schon erfolgreiches Modell vor neue Denkansätze (und mitunter sogar vor Beobachtungen und Messungen, die das Modell "in Gefahr" bringen könnten).

Ob nun Physik ein Ende findet... Ist das nicht wieder eine echte Glaubensfrage?
Ein Ende, eine vereinheitlichende Theorie, würde damit nicht ein System aus sich selbst heraus erklärt?
Und würde das dann dazu führen, dass wir unsere Fähigkeit verlören, über die Grenzen des Systems zu imaginieren?
Lustigerweise erkennt die Mathematik, die ja nun auch eine nicht unerhebliche Rolle bei manchen physikalischen Modellen spielt, die Existenz von Singularitäten an.
Ändert man das mathematische System, erweitert dessen Grenzen, kann man durchaus Aussagen darüber machen, wie aus dem übergeordneten System die Singularität aus der Sicht des untergeordneten Systems zustande kommt.
An dieser Stelle würde aber jede physikalische Messung aus unserem eigenen System heraus versagen, weil wir eben an dieser Singularität begrenzt systemimmanent begrenzt sind.

Wird das den Menschen davon abhalten, gedanklich diese Grenze zu überschreiten? Wird es vielleicht doch eine Möglichkeit geben, quasi an der Singularität vorbei, Auswirkungen des übergeordneten zu erkennen und in ein größeres Modell einzuordnen?

Fragen über Fragen :-)

Beitrag von .neo 29.04.11 - 10:20 Uhr

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Physik ein Ende haben wird, wenn es eine vereinheitlichende Theorie geben wird. Weil es daneben noch viele andere Themenfelder gibt, die man unabhängig betrachten kann bzw. die nicht von dieser vereinheitlichenden Theorie abgedeckt werden.

##
Wird das den Menschen davon abhalten, gedanklich diese Grenze zu überschreiten? Wird es vielleicht doch eine Möglichkeit geben, quasi an der Singularität vorbei, Auswirkungen des übergeordneten zu erkennen und in ein größeres Modell einzuordnen?
##

Es wurden ja schon oft mit theoritischen Modellen und Mathematik Vorhersagen getroffen, die später im Experiment nachvollzogen wurden. Aktuell z.B. das Higgs Boson, welches man nachweisen möchte.
Diese Gedankenexperimente könnten in Teilbereichen der Physik bestimmt weitergehen.

Aber um auf die ursprüngliche Frage des Threads zurückzukommen: Auch mit einer solchen Theorie werden keine Vorhersagen über zukünftige Vorhersagen möglich sein.

Beitrag von -sylvi- 28.04.11 - 23:23 Uhr

Alles kommt irgendwann zu uns zurück. Weil unser Handeln immer Folgen hat... für uns... für andere...
Ob man das "Karma" oder "Schicksal" nennen mag, sei dahingestellt...

Die Frage ist vielmehr, ob man das, was zurückkommt auch annehmen kann. Ob man versteht, dass eigene Fehler Konsequenzen haben, dass Unbedarftheit... oder gar Arroganz dem bisherigen Leben gegenüber... einem irgendwann aufzeigen müssen, dass etwas nicht so verlaufen ist, wie es hätte sein sollen...

Der Gedanke, dass es in dieser - unserer - Welt immer zu einem Ausgleich, zu einer Gerechtigkeit kommt, der hält uns auf dem "rechten" Weg. Mit diesem Gedanken betrügen wir uns regelrecht - so glaube ich - auch ein wenig selbst. Denn wofür lohnte es sich, sich anständig zu verhalten, wenn wir erleben müssten, dass frevliches Verhalten ungesühnt und vorbildliches Verhalten unbelohnt bliebe. Ich denke, diese Gedanken... Wunsch(?)gedanken... sind Motivation. Vielleicht sogar notwendig.

Manche Philosophen(?)...Humanwissenschaftler(?)...meinen, dass sich in der Welt immer ein Gleichgewicht hält. Dass das Schlechte durch das Gute aufgewogen wird. Und umgekehrt. Wo Schatten ist, ist auch Licht. Und können wir das Licht schätzen, wenn wir nie Schatten kennengelernt hätten?

Manchmal ist es nötig, dass uns "das Leben" Demut und Dankbarkeit lehrt. Auch damit wir das (kleine) Glück (wieder) schätzen lernen.

Das Geschehen alleine auf "Schicksal" zu schieben, ist einfach und entbehrt jeglicher Verantwortung unsererseits. Es ist in Ansätzen vielleicht vergleichbar mit Religion. Zu sagen, dieses oder jenes sei von Gott (oder Allah...oder wem auch immer) gewollt, macht uns letztlich zu unmündigen Marionetten. Wobei dieses Thema viel komplexer ist, als dass man es in wenigen Zeilen abhandeln könnte.

Am Ende ist es an uns selbst, das Leben - mit seinen guten und seinen schlechten Seiten - anzunehmen und für uns die möglichst optimale Konsequenz daraus zu ziehen. In Verantwortung für uns UND andere.


LG, Sylvi

Beitrag von .neo 29.04.11 - 05:31 Uhr

Was wäre für dich der Grund, dass alles irgendwann wieder zu einem zurückkehrt? Wo ist da der kausale Zusammenhang?

Es liegt auf der Hand, dass das Handeln immer Folgen hat. Aber nicht, in welche Richtung diese Folgen zielen. Ich sehe Dein Gedankenkonstrukt, aber ich verstehe nicht, wie das eigene Handeln unbedingt Auswirkungen für einen selbst haben kann.

Beitrag von purpur100 29.04.11 - 08:19 Uhr

"aber ich verstehe nicht, wie das eigene Handeln unbedingt Auswirkungen für einen selbst haben kann. "

spontaner Einfall: Wenn ich mich anderen gegenüber immer wie n Ar*** verhalte, dann hat das für mich die Auswirkung, daß sich andere mir gegenüber genau so verhalten.

Verhalte ich mich hingegen freundlich und hilfsbereit, dann sieht das "Echo" ebenso aus.

Oder hab ich da jetzt was falsch verstanden?

Beitrag von .neo 29.04.11 - 09:07 Uhr

Nein, das meine ich nicht, denn das wäre ja ein kausaler Zusammenhang.

Es ging mir um die ausgleichende Gerechtigkeit, diese Dinge. Wenn ich mein Leben lang Menschen schlecht behandle, dann sind diese natürlich sauer auf mich. Dem könnte ich aber entgehen, in dem ich einfach in die nächste Stadt ziehe. Und ich glaube nicht, dass da mich das Schicksal wegen meiner schlechten Taten einholt und bestraft.