Schuleingangsunterschung: Wie wird emotionale Schulfähigkeit getestet

Archiv des urbia-Forums Kids & Schule.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von bine3002 28.04.11 - 12:56 Uhr

Meine Frage steht schon in der Überschrift: Wie testet man die emotionale Schulfähigkeit bei Kindern?

Kognitive und motorische Fähigkeiten kann man in den gängigen Tests ja relativ gut beurteilen, wenn auch die Testsituation als solche sicherlich unterschiedliche Ergebnisse liefert (Umgebung, testende Person, Tagesverfassung des Kindes usw.). Aber mal angenommen, in diesen Tests läuft alles "glatt", wie kann ein Arzt oder Lehrer in einem solchen Test herausfinden, ob das Kind emotional so weit ist, eine Schule zu besuchen? Immerhin kennt er das Kind ja nur wenige Minuten und so weit ich weiß, wird in dieser Gegend auch keine Rücksprache mit den Erzieherinnen gehalten. Werden wir als Eltern auch befragt? Spielt unser Urteil dann eine Rolle?

Wir haben noch Zeit, aber es interessiert mich.

Beitrag von luka22 28.04.11 - 13:22 Uhr

Ich denke es ist in diesen Standardtests nicht möglich die emotionale Schulfähigkeit zu testen. Höchstens das Kind würde sich bei sämtlichen Tests komplett verschließen oder nur weinen oder bocken... In deinem Beispiel würde das Kind ja alles Tests super machen!
Ich denke die emotionale Reife kann am besten die Erzieherin beurteilen.

Grüße
Luka

Beitrag von mckiki 28.04.11 - 13:50 Uhr

Hallo,

bei uns werden die Kinder im Gesundheitsamt von der Amtsärztin untersucht.
Die Ärztin, welche Julia untersucht hat, kannte Julia aufgrund der Frühförderung bereits. Sie hatte bereits beim allerersten Treffen Julia sehr gut einschätzen können, auch emotional.
Meine Erfahrung ist auch, dass sie es besser kann als die Erzieherinnen im Kindergarten, obwohl diese die Kinder länger und öfter sehen. Liegt vielleicht auch daran, dass die uns betreuende Ärztin diverse Fortbildungen besucht hat.

Was ich dir damit sagen möchte ist, dass viele Ärzte die Kinder schulärztlich untersuchen durch ihre langjährige Erfahrung sehr gut auch die emotionalen Fähigkeiten der Kinder einschätzen können.

Liebe Grüße
Heike

Beitrag von luka22 28.04.11 - 14:21 Uhr

Wenn das so gut einschätzen könnten, gäbe es nicht so viele Kinder, die eindeutig zu früh eingeschult werden. Bei meiner Tochter hatte die Amtsärztin gar nichts zu bemängeln. Auch nicht bei der Freundin meiner Tochter. Sie haben die Tests super gemacht. In der Schule haben sich beide (September/ Augustkind) im ersten halben Jahr sehr schwer getan. Sie haben viel geweint. Meine Tochter war völlig in sich gekehrt. Ihre Freundin hat plötzlich ständig Bauchweh... ich für meinen Teil würde meine Tochter mit dem Wissen von heute zurückstellen lassen oder es zumindest probieren.
Meiner Erfahrung nach, kann man sich was Schulreife betrifft, auf die Tests nicht verlassen, vor allem wenn sie einwandfrei absolviert werden.
Vielleicht gibt es auch Unterschiede bei den Amtsärzten? Bei uns ist es auch so, dass die Eltern da gar nicht dabei sind, sondern lediglich einen Bogen bekommen, wo eventuelle Defizite angekreuzt sind.


Grüße
Luka

Beitrag von mckiki 28.04.11 - 14:28 Uhr

Und was hat das mit zu früh eingeschult zu tun?!?

Es gibt auch genug Kinder die mit 6, fast 7 bzw. mit 7 eingeschult werden und die von dir beschriebenen Probleme haben.

Auch habe ich nie behauptet, dass alle Ärzte gleich arbeiten. Und ich finde es auch nicht verkehrt, wenn die Eltern bei der Testung nicht dabei sind, denn dann verhalten sich Kinder in den meisten Fällen anders, als wenn Mama oder Papa anwesend sind.

So, und nun her mit den Steinen.

Heike

Beitrag von bambolina 28.04.11 - 15:05 Uhr

ich muss mich da mal einmischen, auch wenn wir gerade vom Thema abweichen ;-)

Erfahrungsgemäß ist es so, dass der Stichtag viel zu früh ist. Diese Probleme haben überwiegend die jüngeren Kinder, die gerade mal 6 wurden. Was ich von Müttern der "älteren" Kinder höre, da könnte ich nur neidisch werden und die Mütter der jüngeren "weinen" mit mir.

Oh nein, Steine werfe ich keine, die kann ich vielleicht noch gebrauchen #freu

lg bambolina
deren Kids wenige Tage nach dem 6. Geburtstag eingeschult wurden

Beitrag von luka22 28.04.11 - 17:28 Uhr

Ich gebe dir absolut REcht!
Der alte Stichtag im Juni war mehr als ausreichend! Die meisten Mütter, die ich kenne, sind mit ihren Kurz-vor-Stichtag eingeschulten Kindern nicht glücklich. Und da geht es nicht einmal um die Leistung, sondern ums "Dranbleiben", Hausaufgaben sind oft ein Problem, weil das Kind mittags einfach nicht mehr kann oder will. Die Verspieltheit und dem Bewegungsdrang der jungen Kinder - vor allem der Buben -, der in der Schule keinerlei REchnung getragen wird! Bei uns gab es überhaupt keine Eingewöhnungsphase. Ab Tag 1 galt der volle Stundenplan. Meine Tochter war einfach nur fertig mit der Welt, dabei hat sie sich so auf die Schule gefreut...aber leider sollen sich die Kinder der Schule anpassen, nicht umgekehrt. :-(
Der Stichtag wird immer weiter verschoben, aber die Schule ändert ihr Konzept deswegen nicht. Dann kommt noch erschwerend dazu, dass einige Eltern so klug sind und ihre Stichtagskinder zurückstellen lassen. Das macht die Sache für die "normal" eingeschulten fast-6jährigen nicht einfacher. Plötzlich sind da nämlich einige Kinder die ein ganzes Jahr älter sind und die Unterschiede werden im Unterricht noch deutlicher.

Grüße
Luka

Beitrag von bambolina 29.04.11 - 13:46 Uhr

Bei uns ging es genauso.
zuerst die Riesenfreude auf die Schule, das war nach spätestens 2 Wochen vorbei.

Meine Tochter (6) 1.Klasse - noch heute bekomme ich ständig Rückmeldungen von der KL, dass sie nicht sitzen bleiben kann, schludert, unkonzentriert und sehr langsam arbeitet.
Sie hinkt extrem mit ihrem Schulstoff nach, was wir in den Ferien versuchen aufzuholen. Dazu sollten die Ferien allerdings nicht da sein...
Sie blockt bei den Hausaufgaben ab - all das hab ich auch schon mit meinem Sohn durchgemacht (9) 4. Klasse

Du hast es richtig gesagt, der Stichtag wird immer weiter nach hinten verschoben, aber am Schulkonzept ändert sich nichts... Weiterhin habe wir einige Kinder die mit 7 oder fast 7 eingeschult wurden. Die Unterschiede sind enorm.

lg bambolina

Beitrag von luka22 28.04.11 - 17:34 Uhr

Ich habe mich schon häufiger aufgeregt, weil es keine "Stein"-urbinis gibt. Wird ja oft danach geschrieen! ;-)
Wozu Steine? ISt doch eine ganz normale Diskussion. Ich wollte nur zu bedenken geben, dass Amtsärzte in der Kürze der Zeit nicht immer die sozialen Fähigkeiten eines Kindes einschätzen können. Eher wenn es um "Hyperaktivität" geht, aber ein stilles Kind fällt da u.U. nicht besonders auf.
D.h. eigene Bedenken durchaus weiterhin Ernst nehmen, trotz des grünen Lichts vom Amtsarzt.


Grüße
Luka

Beitrag von celia791 28.04.11 - 14:40 Uhr

Hallo,

ich denke, dass sieht der untersuchende Arzt/Ärztin anhand der Reaktionen des Kindes auf die fremde Situation und die fremden Personen. Ein Kind, was emotional noch nicht reif ist, verhält sich wahrscheinlich schüchterner oder macht evtl. viel falsch vor Aufregung oder macht gar nicht mit. So stelle ich mir das vor.
Ansonsten wird es hier bei uns in NRW so gemacht, dass die Kindergartenmappe vorgelegt wird. Da stehen ja alle Entwicklungsschritte vom Kindergartenbeginn an drin. Also von der Motorik über das soziale bishin zum emotionalen Verhalten.
Der Sohn einer Freundin hat alles nur wider Willen mitgemacht, war sehr bockig. Nichtsdestotrotz ist er als schulreif eingestuft worden, weil er die Aufgaben gelöst hat und weil in seiner Kindergartenmappe dieses Verhalten von Anfang an beschrieben wurde, wenn er etwas neues oder ungewohntes tun muss.

Lg Celia.

Beitrag von schuki2005 28.04.11 - 14:54 Uhr


"Ansonsten wird es hier bei uns in NRW so gemacht, dass die Kindergartenmappe vorgelegt wird. Da stehen ja alle Entwicklungsschritte vom Kindergartenbeginn an drin. Also von der Motorik über das soziale bishin zum emotionalen Verhalten. "

Kommen auch aus NRW, die Kindergartenmappe hat hier niemanden interessiert. :-(

Die Kinder sind schulpflichtig. Ob reif oder nicht, sie müssen eingeschult werden.
Die Frage ist dann wohl nur noch, welche Schule es werden soll!

Zurückstellung in NRW ist sehr, sehr schwierig.


In Bayern und Baden Württemberg dagegen total easy!;-)

Beitrag von bambolina 28.04.11 - 15:07 Uhr

ist es eigentlich rechtlich, dass ein Kind gegen dem Willen der Eltern eingeschult wird, bzw nicht zurück gestellt???
Komme aus Ba-Wü und bei uns gibt es tatsächlich keine Probleme mit der Zurückstellung

lg bambolina

Beitrag von lena10 28.04.11 - 15:32 Uhr

Natürlich ist das rechtens!

Es besteht eine SchulPFLICHT ab dem jeweiligen Stichtag.

Beitrag von celia791 28.04.11 - 17:42 Uhr

Hallo,

bei uns ist jetzt ein Mädel zurückgestellt worden (wird im August 6, ist also schulpflichtig). Die Eltern haben schon vor der Einschulungsuntersuchung gesagt, dass sie noch nicht soweit ist. Der Kindergarten und auch viele andere sagten den Eltern, dass es nicht so einfach geht mit dem zurückstellen. Sie müssten da zuerst mal verschiedene Stellen durchlaufen und dann würde darüber entschieden. Ausserdem müssten sie einen trifftigen Grund vorweisen, wie z.B. Hörgeräte oder sprachlichen Defizit.
Die Einschulungsuntersuchung hat sie gerade so bestanden, wurde aber als schulreif angesehen.
Nun haben die Eltern mit dem Rektor der Grundschule gesprochen, das Kind vorgestellt und es war gar kein Problem. Das Kind wurde nun zurückgestellt.

Lg Celia.

Beitrag von lena10 28.04.11 - 17:45 Uhr

Natürlich geht das auf Antrag der Eltern - kommt halt auf den Schulleiter und die Amtsärzte an.

Aber die Frage war ja, ob es rechtens ist, wenn ein Kind gegen den Willen der Eltern eingeschult wird. Und das ist es!

LG Lena

Beitrag von sway110283 28.04.11 - 19:21 Uhr

Hallo,
also bei uns war die Rückstellung sehr einfach.
Wir kommen aus NRW.
Habe hier schon öfters gelesen das es sehr schwer sein soll, sein Kind zurückzustellen.
Unser Sohn *31.08.05, dieses Jahr eigentlich Schulpflichtig, war ganz normal beim Schultest und hatte diesen auch bestanden. ABER dadurch das wir, die Eltern, dagegen waren ihn einzuschulen, stellte sie ihn zurück.

Sie sprach auch mit der Erzieherin unseres Sohnes, die ebenfalls der Meinung war, das ihm ein Jahr Kiga besser tun würde als so früh eingeschult zu werden. Und das wars auch schon fast. Zum Schluß wurde unser Sohn selbst dazu befragt und dieser meinte 'er wolle lieber noch spielen und toben, anstatt die ganze Zeit in der Schule zu sitzen, still sein und lernen zu müssen.'

Laut der Ärztin wüßten Eltern und Erzieherinnen am besten was gut für das jeweilige Kind sei. Denn Sie würde die Kinder ja nur wenige Minuten kennenlernen.

LG Daniela #winke

Beitrag von lena10 28.04.11 - 14:50 Uhr

Nun ja, Kinder die vor dem jeweiligen Stichtag geboren wurden, gelten ja prinzipiell erstmal als schulfähig. Da bedarf es schon großer Defizite, damit eine Rückstellung durchgeführt wird.

Dann handhabt jedes Bundesland auch diese Schuleingangsuntersuchung anders. Ich wohne an der Grenze zwischen NRW und RLP.
In NRW dauert diese Untersuchung ziemlich lange und die Kinder werden (ähnlich wie bei einer U-Untersuchung) recht ausführlich getestet. Während dieser Zeit merkt man als Amtsarzt mit Erfahrung durchaus, ob ein Kind "normal" ist oder ob es größere Defizite gibt.
In RLP ist die Untersuchung dagegen ein Witz. Mein Sohn musste (obwohl sehr junges Kann-Kind) lediglich auf einer Linie spazieren gehen, mit den Fingern an die Zehen kommen, ein paar Fragen beantworten, zwei Figuren ergänzen und das war's. Ach ja, es gab noch Seh-, Hörtest, Gewichts- und Größenkontrolle. Allerdings schauen sich hier die jeweiligen Schulleiter die Kinder bei der Anmeldung recht ausführlich an und können ganz gut beurteilen, ob die Kinder Schwierigkeiten haben.

Gruß, Lena

Beitrag von erstes-huhn 30.04.11 - 14:59 Uhr

Bei uns gab es in der Schule ein sog. Schulspiel.

Da gab es einen Part, den das Kind alleine, ohne Mama oder Papa, erledigen mußte.

Ich habe keine Ahnung was da passierte, aber da ging es auch um die emotinale Fähigkeiten, so sagte man mir. Über das WIE wurde aber geschwiegen. Und mein Sohn auch nur gesagt, das war gut.