61 Jährige, die kranken Mann pflegt soll zur Arbeit????

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von novembersonne2010 29.04.11 - 00:25 Uhr

Hallo

meine Mutter pflegt meinen schwer Krebskranken Vater (Pflegestufe II) und hat Hartz 4 -Grundsicherung beantragt...lt. Vermittlerin soll sie eine Schulung machen und drohte ihr gleich mit 1 Eur Job...das ist absolute Frechheit, wohin soll sie denn mit 61?? Wer nimmt sie da noch..es gibt doch genug junge Leute die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Grundsicherung hat sie nicht beantragt, da sie ja noch nicht 65 ist.

Wie kann sie hier dagegen vorgehen??

lg

Beitrag von weltenbuergerin2 29.04.11 - 03:21 Uhr

Mit solchen Sätzen wie "das ist absolute Frechheit" solltest du dich zurück halten.
Jemand, der ALGII beantragt, signalisiert, dass er dem Arbeitsmarkt noch zur Verfügung stehen kann.
"wohin soll sie denn mit 61??"
Das entscheidet die Arge.
Ich verstehe dich ja, deine Mutter pflegt deinen Vater, der Gedanke an einen 1-Euro-Job für deine Mutter ist Horror für dich, aber da sollte sich deine Mutter anderweitig informieren, wenn sie nicht genug Geld zum Leben hat.

Beitrag von king.with.deckchair 29.04.11 - 15:53 Uhr

"Jemand, der ALGII beantragt, signalisiert, dass er dem Arbeitsmarkt noch zur Verfügung stehen kann."

Unfug.

Der signalisiert erst mal nur, dass das Einkommen nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu sichern.

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal...

Beitrag von brianna123 29.04.11 - 05:52 Uhr

Guten Morgen!

Vielleicht tut es deiner Mutter ganz gut, wenn sie mal etwas anderes sieht!

Ich kann ja verstehen, dass man sich da nicht so gut fühlt, aber eine absolute Frechheit finde ich es nicht. Meine Mutter ist Vollzeit arbeiten gegangen trotz des schwerkranken Partners. Was hätte sie denn tun sollen? Man muss doch über die Runden kommen!

Mit 61 Jahren ist man doch noch jung genug zum Arbeiten. Einige meiner Arbeitskollegen sind älter...

LG und alles Gute für deinen Vater

Sabrina

Beitrag von derhimmelmusswarten 29.04.11 - 06:37 Uhr

Und wer soll sich dann um den Vater kümmern in der Zeit? Wisst ihr überhaupt, was Pflegedienste oder Pflegeheime kosten? Das kann sich Otto-Normalverbraucher ohne dickes Bankkonto gar nicht leisten! Es handelt sich hier um Pflegestufe 2! Die Kosten für einen Pflegebedürftigen in dieser Stufe deckt man nicht eben mal mit dem Pflegegeld ab.

Beitrag von derhimmelmusswarten 29.04.11 - 06:35 Uhr

Da hast du ja tolle Antworten bekommen. Ich glaube, sowas kann nur jemand schreiben, der nicht weiß, was es bedeutet, einen schwer kranken Angehörigen zu pflegen. Ich würde deiner Mutter raten, einen Anwalt aufzusuchen und sich entsprechend zu erkundigen. Vielleicht gibt es Mittel und Wege, in diesem Fall nicht arbeiten gehen zu müssen und dennoch Leistungen zu beziehen. Leute, die hier so daher schreiben, sollten mal überdenken, was so eine schwere Krankheit nach sich ziehen kann! Nicht jeder hat die finanziellen Mittel, einen Angehörigen in ein Pflegeheim zu geben und dann weiter arbeiten zu gehen! Da kann unter Umständen ganz schnell das Wohnhaus weg sein, wenn das Geld für die Zuzahlung nicht ausreicht.

Beitrag von arienne41 29.04.11 - 06:39 Uhr

Hallo

Sie bezieht Leistungen oder will sie beziehen und dafür wird von ihr was verlangt was doch legitim ist.

Wieso sollte sie dagegen vorgehen können?

Beitrag von derhimmelmusswarten 29.04.11 - 06:44 Uhr

Vielleicht gibt es in solchen Fällen Ausnahmeregelungen! Andersrum: Wenn die Frau jetzt ganztags arbeiten gehen würde, müsste der Mann vielleicht in ein Heim. Das wiederum der Staat wahrscheinlich komplett bezahlen müsste (bei ALG II-Bezug wird ja kein Vermögen vorhanden sein). Und da kann man sich wirklich aufregen angesichts der Tatsache, wer in diesem Land ansonsten so Leistungen in den Allerwertesten geschoben bekommt. Es war doch auch mal dieser "Pflegeurlaub" angedacht. Ich weiß nicht, ob das Gesetz schon durch ist. Also dass Angehörige eine gewisse Zeit daheim bleiben können wegen der Pflege.

Beitrag von windsbraut69 29.04.11 - 08:39 Uhr

Den Pflegeurlaub muß man aber auch selbst finanzieren.

Gruß,

W

Beitrag von king.with.deckchair 29.04.11 - 16:16 Uhr

#augen

Beitrag von ninnifee2000 29.04.11 - 07:02 Uhr

Kann sie nicht versuchen, Rente zu beantragen?

Meine Mutter wir dieses Jahr 60 und bekommt dann Rente. Sie ist aber auch fast ihr ganzes Leben arbeiten gegangen. Ich weiß ja nicht wie es bei deiner Mutter ist?

Beitrag von novembersonne2010 30.04.11 - 01:09 Uhr

das Problem ist, meine Mutter war jahrelang Hausfrau...hat also nie gearbeitet....*aus Gründen die ich hier nicht vertiefen will, aber bestimmt nicht weil sie faul wäre!

Beitrag von pfirsichbluete81 29.04.11 - 07:40 Uhr

Hallo,

sorry für das #bla, aber das wird lang.
Deine Mutter könnte mal nachfragen ob sie nicht aufgrund der Pflege deines Vaters von der Vermittlung freigestellt werden kann.
Die Zumutbarkeit zur Aufnahme einer Arbeit regelt der § 10 des SGB II.
§ 10 Abs.1 S.4 würde meiner Meinung da zutreffen:

§ 10 SGB II Zumutbarkeit
(1) Einer erwerbsfähigen leistungsberechtigten Person ist jede Arbeit zumutbar, es sei denn, dass
4. die Ausübung der Arbeit mit der Pflege einer oder eines Angehörigen nicht vereinbar wäre und die Pflege nicht auf andere Weise sichergestellt werden kann.

Hat deine Mutter denn mit ihrer Vermittlerin überhaupt schon darüber gesprochen, dass sie deinen Vater pflegt?
Wenn nicht oder wenn die Vermittlerin nicht über die Intensität der Pflege Bescheid weiß, dann ist es vollkommen verständlich das sie versucht deine Mutter in eine Beschäftigung zu bekommen, sei es durch eine Arbeitsgelegenheit (1-Euro-Job) oder Schulung.

Deine Mutter fragt am besten nochmal nach und nimmt auch die Unterlagen zu der Pflegestufe deines Vaters mit, notfalls lässt sie sich noch was vom behandelnden Arzt ausfüllen und am besten wäre noch ein Kostenvergleich, wenn sie einen Pfleger für die Dauer ihrer Arbeitszeit einstellen muss.

Ich weiß allerdings nicht ob sich inzwischen was geändert hat an der Unterteilung der Pflegestufen hinsichtlich der Zumutbarkeit zur Aufnahme einer Arbeit. Es könnte also durchaus sein das die Vermittlerin deiner Mutter sagt, dass sie mit Pflegestufe II noch ein paar Stunden am Tag arbeiten könnte (hier wieder Vergleich mit den Kosten für einen Pfleger für die Zeit).
Erst bei Stufe III haben wir damals Leute direkt ausgeschlossen, bei Stufe II meist nur nach genauer Überprüfung, bzw. Vorlage von Nachweisen und dann halt auch je nach Arbeitslage (also wieviele zumutbare offene Stellen da waren).

Aber als allererstes würde ich mit den entsprechenden Unterlagen und dem Hinweis auf
§ 10 Abs. 1 Nr. 4 SGB II die Vermittlerin mal ansprechen.
Sollte sie direkt ablehnen würde ich an Stelle deiner Mutter ein Gespräch mit dem Vorgesetzten der Vermittlerin verlangen, ob dieser das genauso sieht. Und dann evtl. versuchen die Pflegestufe III für deinen Vater zu bekommen.

Alles Gute und viel #klee

Beitrag von king.with.deckchair 29.04.11 - 16:19 Uhr

Hallelujah! Eine Antwort mit Fachverstand! #ole


"Ich weiß allerdings nicht ob sich inzwischen was geändert hat an der Unterteilung der Pflegestufen hinsichtlich der Zumutbarkeit zur Aufnahme einer Arbeit. Es könnte also durchaus sein das die Vermittlerin deiner Mutter sagt, dass sie mit Pflegestufe II noch ein paar Stunden am Tag arbeiten könnte (hier wieder Vergleich mit den Kosten für einen Pfleger für die Zeit)."

Ja, ist so. Bei Pflegestufe II sind noch bis zu sechs Stunden am Tag zumutbar. Allerdings muss das immer im Einzelfall entschieden werden.

Beitrag von cocoskatze 29.04.11 - 09:12 Uhr

Mit der Pflege eines schwerkranken Menschen hat deine Mutter sich viel aufgebürdet.

Ein Ausgleich dazu wäre vielleicht wirklich nicht schlecht. Allerdings sollte deine Mutter dann mal ins Auge fassen, deinen Vater vielleicht doch in ein Pflegeheim zu geben?

Klar ist das teuer, aber wenn deine Mutter arbeiten soll, hat sie keine andere Wahl.
Die Heimunterbringung wird im Gegenzug zu einem sehr großen Teil finanziert. Und zwar über die Pflegekasse ( bei Heimunterbringung gibt es für die jeweilige Pflegestufe einen höheren Anteil, als bei der Pglege zuhause)

Hat deine Mutter/ deine Eltern zu wenig Einkommen, und können nachweislich den fehlenden Betrag nicht bestreiten, bekommen sie ihn vom Sozialamt finanziert/ teilfinanziert- je nach verfügbarem Einkommen.

Ich würde mich da mal genau informieren, gegebenenfalls durch einen Anwalt beraten lassen.

Ich wünsche deiner Familie alles Gute, und dass sich bald der richtige Weg findet.

LG
Simone

Beitrag von king.with.deckchair 29.04.11 - 15:55 Uhr

"Klar ist das teuer, aber wenn deine Mutter arbeiten soll, hat sie keine andere Wahl."

Das stimmt nicht.

Beitrag von becca78 29.04.11 - 10:18 Uhr

Hallo!

Anspruch auf Alg 2 besteht nur, wenn in der BG eine erwerbsfähige Person lebt (also die Mutter). Alg 2 wird jedoch auch nur gewährt, wenn derjenige auch vermittelbar ist, d.h. theoretisch in der Lage, arbeiten zu gehen.

Wird also ein Antrag gestellt, wird geprüft, ob ein Arbeitseinsatz möglich ist. Mein Schwiegervater pflegt meine Schwiegermutter - ebenfalls PflSt. II - und kann vom Zeitaufwand her noch stundenweise arbeiten gehen (mittlerweile ist allerdings seine Rente durch). Er kann auch hin und wieder während der Woche etwas für sich tun (Fitness-Studio, laufen, Schwimmbad...) Wäre der Pflegezeitaufwand noch höher, wäre auch die PflSt höher!

Wie die Arbeitsmöglichkeit deiner Mutter sich gestalten kann, hängt ja auch von der möglichen Stelle bzw. dem möglichen 1-Euro-Job ab. Das Prinzip des Alg2 ist fördern und fordern. Danach wird also auch von den Leistungsempfängern verlangt, etwas dafür zu tun...

Auch wenn es menschlich nachvollziehbar ist (für mich), dass es schwierig ist, mit einer zu pflegenden Person im Haushalt arbeiten zu gehen, kann es - stundenweise - jedoch ggf. möglich sein.

Und außerdem tut die Vermittlerin auch nur ihren Job (sie hat sich das Gesetz schließlich nicht selbst ausgedacht). Deine Aussage 'es sei eine absolute Frechheit' empfinde ich daher z.B. eher als "Frechheit"...

Lasst es auf euch zukommen. Es ist schließlich in dieser Richtung noch nix entschieden und es gibt sicherlich dafür Lösungen!

LG,
Becca

Beitrag von king.with.deckchair 29.04.11 - 16:17 Uhr

"Alg 2 wird jedoch auch nur gewährt, wenn derjenige auch vermittelbar ist, d.h. theoretisch in der Lage, arbeiten zu gehen. "

UNFUG!

Beitrag von becca78 29.04.11 - 18:18 Uhr

...wenn er nicht in der Lage wäre einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (z.B. nur unter 3 Stunden) hätte er wohl keinen Anspruch auf Leistungen nach dem SGB II...

Ob andere Gründe einer (momentanen) Vermittelbarkeit entgegenstehen, ist eine andere Sache (wie hier ggf. die Pflege). Wird bei uns auch nicht umgesetzt, jemanden zu vermitteln, wenn er jemanden mit PflSt. II zu Hause hat, da es lächerlich wäre...

Beitrag von montana82 29.04.11 - 23:15 Uhr

da schließe ich mich an, UNFUG!!!!!

was ist mit alleinerzihenden Müttern die wg der Kindern nicht arbeiten gehen können?????

Beitrag von becca78 30.04.11 - 08:18 Uhr

Hi,
nehme an, du meintest mich...

und in dem Satz steht "theoretisch in der Lage zu arbeiten"

Das sind auch alleinerziehende Mütter. Wenn keine Kinderbetreuung möglich ist, ist eine Arbeitsaufnahme praktisch (für einen bestimmten Zeitraum) nicht möglich und das schließt die Gewährung von Leistungen auch nicht aus.

Erstmal lesen!!!

Becca

Beitrag von king.with.deckchair 30.04.11 - 10:55 Uhr

Nun - und allein erziehende Mütter oder pflegende Angehörige, ein und das selbe, nur aus unterschiedlichen Gründen.

Insofern war deine Info an die TE schlicht: Falsch.

Beitrag von oma.2009 29.04.11 - 10:21 Uhr

Hallo,

die Pflege von ihrem Mann ist "ein Privatvergnügen" deiner Mutter. Wenn sie Geld von der Arge beantragt hat, dann muß sie dem Arbeitsmarkt eben auch zur Verfügung stehen. ich habe meinen Mann auch bis zu seinem Tod in der letzten Woche gepflegt. Ich bin aber aufgrund von Depressionen EU-verrentet worden, war allerdings vorher auch bei der Arge gemeldet. Ich bin dann erkrankt und wurde von der Arge aus zu einer Rehamaßnahme geschickt, für 6 Wochen und von dort aus kam der Bericht: arbeitsfähig für unter 3 Std. pro Tag, also NICHT mehr vermittelbar. Daraufhin habe ich den Antrag auf EU-Rente gestellt und bin seit diesem Jahr unbefristet EU-Rentner. Ansonsten hätte ich dem Arbeitsmarkt noch zur Verfügung stehen müssen bzw. mich bei der Arge abmelden müssen.
Es wäre wohl auch gegangen, mit Hilfe von ambulanten Pflegediensten, aber so war es mir natürlich lieber.

LG

Beitrag von nisivogel2604 29.04.11 - 14:06 Uhr

www.tacheles-sozialhilfe.de

und dann zu einem Anwalt. Die Antworten hier sind ein Schlag ins Gesicht.

Privatvergnügen. Ja; Mensch. Bring ihn doch ins Heim. Hauptsache sie geht arbeiten.

Zum Kotzen

Ich hoffe es findet sich ein guter Weg für euh

Beitrag von oma.2009 29.04.11 - 15:46 Uhr

Hallo Nisivogel,

ja, es IST reines Privatvergnügen.......so sieht es jedenfalls die Arge, leider. Entweder, man kommt mit dem Geld des Mannes und dem Pflegegeld aus und muß eben nichts beantragen oder man muß dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Ansonsten gibt es eben die Möglichkeiten die Pflegeperson in ein Pflegeheim zu geben oder tägl. in eine Betreuungseinrichtung von morgens bis abends, dann ist derjenige am Abend zu Hause und wird am Morgen wieder abgeholt. Dafür geht aber das Pflegegeld drauf UND es muß noch dazubezahlt werden, da dann das GEld aus der Pflegekasse nicht ausreicht. Ich habe alles durch gehabt mit meinem Mann, glaube mir, es war kein leichte Aufgabe für mich. Aber wenn ich Gelder beantrage bei der Arge dann muß ich eben auch der Arge zur Verfügung stehen...und wenn es sein muß für eine Fortbildungsmaßnahme.

LG

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