Sohn 19 unmotiviert

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von cbelana 30.04.11 - 09:16 Uhr

Hallo, an alle.

Wir sind am Ende unserer Kräfte. Unser Sohn 19 Jahre geht seit Monaten nicht oder nur unregelmäßig zur Schule. Er möchte eine Ausbildung machen, tut aber nichts dafür. Auch EIN FREIWILLIGES SOLZIALES JAHR war schon angedacht. Er lässt sich von Kleinigkeiten ablenken und wenn etwas nicht so passt wie er denkt, lässt er sich hängen. Er leidet an leichten Depressionen, und das schiebt er auch ständig vor. Aber mit seinem besten Freund kann er Abends um die Häuser ziehen...wir geben ihm mittlerweile kein Geld mehr , doch sein Freund hält ihn mittlerweile noch aus. Er setzt ihm auch viele Flausen ins Ohr-alles was er hat , hat/will unserer dann auch.Das einzige was wir bezahlen sind seine benötigten Medikamente . Manchmal bewirbt er sich, doch wissen wir nicht, wie er bei Informationsveranstaltungen oder Gesprächen gibt. (Er hat jetzt schon zwei Böcke gerissen, wo wir ihm den Kopf aus der Schlinge gezogen haben. ) Alles reden hilft nicht , er ist total unmotiviert - Wer hat Tipps und Tricks wie wir ihm helfen können bzw. wie er sich selbst hilft? Psychologe ist auch schon involviert.

Beitrag von witch71 30.04.11 - 10:13 Uhr

Was muss er zuhause im Haushalt helfen?

Für mich wäre da ein ganz klarer Ansatz: Wer keine Arbeit hat, hat genug Zeit, sich daheim sehr massiv ein zu bringen. Das heisst ich würde es ihm so unbequem wie möglich machen, ihn mit Arbeit zuschmeissen wie es geht, damit er eine Ausbildung oder eine andere Tätigkeit ausser Haus als Urlaub empfinden würde. :-P

Beitrag von karin3 30.04.11 - 13:05 Uhr

Hallo,

setz dich bitte mit der Krankheit Depression auseinander. Das ist keine Laune sondern eine Stoffwechselstörung.
http://cms.gpm.de/depressionen-verstehen-de/angehoerige/

Gruß Karin

Beitrag von dominiksmami 30.04.11 - 14:15 Uhr

Ich nehme an sie meint eher das er an depressiven Verstimmungen leidet, denn wenn es eine tatsächliche Depression wäre, dann wäre der Psychologe da schon drauf gekommen.

Nicht jeder kennt zu allem immer den exakten Begriff und vieles wird auch sprachgebräuchlich einfach anders genannt.

Beitrag von dominiksmami 30.04.11 - 14:18 Uhr

und ganz abgesehen davon haben auch echte Depressionen nicht nur eine Neurobiologische Seite sondern können auch psychosoziale Gründe und Seiten haben.

Ich denke wirkliche Depressionen sind für einen lapidaren Satz wie...das ist eine Stoffwechselstörung, viel zu komplex.

Beitrag von karin3 30.04.11 - 20:21 Uhr

"und ganz abgesehen davon haben auch echte Depressionen nicht nur eine Neurobiologische Seite sondern können auch psychosoziale Gründe und Seiten haben."
Stimmt, das endet dann aber ebenfalls in einer Hirnstoffwechselstörung.

Wie schwierig eine Depression sein kann, weiß ich leider. Soweit man es als Angehörige wissen kann. Meine Zwillingsschwester ist gerade Medikamenten frei und mein Schwiegervater seit Jahren tot. Ich gehe nicht lapidar mit diesem Thema um.
Beim letzem Schub wurde meiner Schwester rausgehen regelrecht verordnet. Na gut die eigentliche Ansage des Arztes hies: tun sie alles von dem sie wissen, dass es ihnen gut tut. In ihrem Fall rausgehen.

"Nicht jeder kennt zu allem immer den exakten Begriff und vieles wird auch sprachgebräuchlich einfach anders genannt."
Stimmt ebenfalls, aus nicht selbstmordgefärdet wird schnell leichte Depression.

"Ich nehme an sie meint eher das er an depressiven Verstimmungen leidet, denn wenn es eine tatsächliche Depression wäre, dann wäre der Psychologe da schon drauf gekommen. "
Sie schrieb was von Medikamenten und Psychologen, beides zusammen spricht nicht gerade für eine Verstimmung. Die Frage ist aber auch ob sie die genaue Diagnose kennt.

Beitrag von dominiksmami 30.04.11 - 21:22 Uhr

Weißt du.... ich begleite meinen Vater jetzt seit 24 Jahren ( damals war ich 12) als Angehörige durch seine Depressionen, da sieht, hört, liest und erlebt man eine ganze Menge.

Mehrere Wochen geschlossene Station, monate lang dann die "Offene", 24 Jahre Medikamente und Therapie.

Mich selber erwischte es mit 21, aber ich hatte das große Glück nur 2 Jahre lang Medikamente nehmen zu müssen und seit dem bin ich größtenteils stabil. Also ist meine Erfahrung als selber Betroffene natürlich nur sehr oberflächlich.

Wichtig finde ich immer das die gesamte Palette der Möglichkeiten im Auge behalten wird.

Sicher muß man das Thema verdammt erstnehmen, aber noch lange nicht jeder halb erwachsene der sich hinter dem Wort verschanzt hat wirklich Depressionen.

Ob sie als Mutter die genaue Diagnose kennt ist allerdings des Pudels Kern ...denn das wäre sehr wichtig.

lg

Andrea

Beitrag von dominiksmami 30.04.11 - 14:29 Uhr

Hallo,


oh das ist anstrengend, ich weiß.

"Unsere" Große ging zwar zur Schule, hat es aber durch ähnliche Unmotiviertheit geschafft aus einer 3jährigen schulischen Ausbildung eine 5jährige zu machen.

Im Privatleben war sie vollkommen aus der Spur, naja ausser dem Abends weggehen, genau wie du es beschreibst.

Ach ja und ihren Samstagsjob, den hat sie auch ernst genommen...so das sie immer Geld zur Verfügung hatte.

Ansonsten war alles zuviel...Kommunikation Fehlanzeige, sagte man irgendetwas dann wollte man ihr gleich was schrecklich Böses!

Sie zog sich, angestachelt durch ihe Oma, auch hinter dem großen Wort "Depressionen" zurück, aber da hatte sie die Rechnung ohne uns gemacht.
Wir haben nämlich dafür gesorgt dass das tatsächlich abgeklärt wird.
Rauskam eine leicht depressive Verstimmung, die aber laut Jugenpsychologen ( sie war damals knapp 18) noch nichtmal etwas mit der 4 Jahre zurückliegenden Scheidung zu tun hatte sondern eher ins "normale" Pubertätsgeschehen einzuordnen war.

Wichtig finde ich das man versucht alles an Hilfe zu geben was möglich ist, also feststellen lassen ob tatsächlich eine ernsthafte Erkrankung vorliegt oder eben nicht etc.

Aber irgendwann reicht es dann auch, wenn tatsächlich nichts ernstes vorliegt, und man muß sich nicht länger veralbern lassen.

Ich weiß nicht wie das in Deutschland ist, hier in NL gibts es die Möglichkeit schon 16 jährige "vor die Tür zu setzen", nein natürlich meine ich nicht einfach rausschmeissen *lach* so ein Unhold bin ich nicht.

Es gibt hier Projekte, staatlich geleitet, bei denen man die Jugendlichen anmelden kann wenn es zu Hause absolut nicht mehr läuft.

Diese Projekte beinhalten zum einen nochmalige eingehende Untersuchungen hinsichtlich von Depressionen oder anderen psychologischen Problemen, zum anderen gibts es bei den jüngeren die Möglichkeit einer Erziehungshilfe.

Für die älteren gibt es dann so etwas wie betreutes Wohnen.

Die Jugendlichen/jungen Erwachsenen werden in WGs eingegliedert die von sozial Pädagogen betreut werden.

In diesen WG´s geht es darum auf die eigenen Füße zu kommen und das Leben richtig anzupacken. So werde Ausbildungsstellen vermittelt, aber eben auch dafür gesorgt das die Leute da auch hingehen etc.

Je besser man sich "führt" desto weniger wird kontrolliert und irgendwann bekommt man eine eigene Wohnung und wird nur noch hin und wieder kontrolliert bzw. hat eine Anlaufstelle bei Bedarf.

Das entlastet die Eltern und vor allem das Eltern/Kind Verhältniss, das in Situationen wie eurer ja oft bis zum zerreissen gespannt ist und die jungen Erwachsenen bekommen den richtigen Schubs ins Leben.


Vielleicht gibt es sowas bei euch ja auch?

lg

Andrea

Beitrag von fruehchenomi 30.04.11 - 17:08 Uhr

Auch wenn mich hier nun einige "Fachleute" zerhacken - wenn der junge Mann wirklich eine echte Depression hat, zieht er nicht fröhlich mit dem Kumpel um die Häuser.
Sein Psychologe würde dann wohl ebenfalls zu einer intensiveren, evtl. stationären, Behandlung raten.
Eine gute Bekannte hat einen Sohn, der immer dann äußert, "depressiv" zu sein, oder einen "burn out" zu haben, wenn er was tun soll. Bewerben um Studienplatz z.B oder ähnliches. Der Knabe hat nichts, gar nichts, er ist stinkend faul. Als sie ihm alle Unterstützung verweigert hat (Freie Kost und Logis hat er zuhause, sonst nichts) legte er plötzlich alle "Krankheiten" ab, suchte sich einen Abendjob, studiert , kurz, es funktioniert.
Er ist zwar volljährig, aber von euch abhängig. Also würde ich ihm schon auch sehr deutlich klarmachen, dass er Spielregeln einzuhalten hat. Ist ihm seine Zukunft vollkommen egal ?
Dem Freund würde ich eigentlich auch unmißverständlich klarmachen, dass er nicht glauben soll, dass ich irgendwann mal für die Auslagen aufkomme, die er da wohl leistet. Warum macht er das ? Keiner gibt doch freiwillig laufend Geld ?
Wenn alle Stricke reißen, leg ihm den Auszug nahe - dann soll er sich entweder endlich einen Job suchen, oder er erlebt, was passiert, wenn man nur herumgammelt. Du musst ihn nämlich auch als HartzIV Empfänger nicht bis 25 behalten, wenn ein Zusammenleben unzumutbar ist.
Und - hör auf, die Suppen auszulöffeln, die er sich einbrockt - lass sie ihn selber auslöffeln, er ist alt genug. Es klingt hart, aber könnte hilfreich sein. Wozu soll er sich denn anstrengen, wenn Mutti alles wieder regelt ?
LG Moni

Beitrag von claerchen81 01.05.11 - 08:18 Uhr

Hallo,

theoretisch hast du bestimmt Recht, das Problem mit "Depression" ist, dass sie sehr vielschichtig und komplex ist. Und man kann wohl abends um die Häuser ziehen, sich dem richtigen Leben jedoch nicht gewachsen fühlen.

Wenn er medikamentös gut eingestellt ist, ist er jedoch in der Lage, ein normales Leben zu führen. Dann greifen deine Argumente sehr wohl - denn mit 19 ist man ja noch mitten in der Pubertät, da kommt so ein Verhalte häufig vor.

Wenn das Zusammenleben nicht mehr klappt, würde ich ihn ebenfalls in eine betreute Jugend-WG bzw. ähnliche Maßnahme (am besten mit regelmäßiger Arbeit ;-)) geben (gibt es auch in D). In dem Alter ist man für die Eltern meist taub und sollte tunlichst auf eigene Beine kommen. Eine ordentliche Abgrenzung im Haushalt der Eltern ist häufig sehr schwierig (bspw. über das Chaos des Kindes hinweg zu steigen ist meist sehr schwierig).

Gruß, C.

Beitrag von fruehchenomi 01.05.11 - 09:58 Uhr

Ich weiß schon auch, dass Depressionen sehr vielschichtig sind. Habe meine beste Freundin einige Jahre da durch begleitet, mit Selbstmordversuch, totalem Chaos und allem.....heute gehts ihr gut - das ist so schön.
WEIL ich das so hautnah miterlebt habe, werde ich stinkwütend, wenn faule Jugendliche (wie bei meiner Bekannten) damit "spielen", dass sie ja ach so depri wären und einen burn out (woher der kommen soll, ist mir schleierhaft) vorschieben, nur weil sie stinkend faul sind und Null Bock auf ein geregeltes Leben haben.
Nicht falsch verstehen, der Junge KANN krank sein - aber dann wäre sein Therapeut wirklich in der Pflicht, ihm zu helfen !
Die Eltern sind damit schlicht überfordert.
LG Moni

Beitrag von imke1969 25.08.15 - 10:04 Uhr

Hallo,

der Eingangsbeitrag hat mir wieder Tränen in die Augen schießen lassen.

Mir geht es im Moment auch nicht anderes mit meinem 19-jährigen Sohn, dazu kommt noch Spielsucht.

Ich besuche Beratungsstellen und wir haben zudem schon einiges versucht, dass mein Sohn sich stationär behandeln lässt, damit er davon loskommt. Leider WILL er nicht. Aber nicht dies ist das eigentliche Problem.... sondern genau das, was die Moderatorin beschrieb,

Unlust,

Nichteinbringen in SChule , Beruf, Zuhause

Ihr schreibt alle viele gute Ansätze, aber was machen, wenn er nicht aus dem Haus geht?
Leute, ihr stellt euch das so einfach vor.

Wenn jemand nicht gehen will... geht er nicht!
Und ihr dürft nie vergessen, es ist das eigene Kind.

Das Sozialamt sagt klipp und klar, er kann erst mit 25 aus dem Haus geworfen werden.

Immer wieder hat er Einsicht, macht einen guten Ansatz und dann.....

Er steht zwar morgens mit mir auf, aber dann kommt statt... seine ihm am Abend genannten Pflichten ... es sind nicht viele (Bewerbungen schreiben für Arbeit oder Ausbildung) ... "ICH MUSS ERST MAL CHILLEN" - das setzt er dann auch in die TAT um.

Ich wäre sehr dankbar, wenn wir vielleicht diese Diskussion weiter führen könnten, um weitere Ansätze zu finden. und immer unter der Berücksichtigung: Theorie und Praxis.

Recht vielen Dank.