Das zieht einem die Schuhe aus!

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von flying-phoenix 30.04.11 - 11:55 Uhr

Leute,

ich schüttle ungläubig den Kopf und muss doch lachen.

Vorhin war ich auf einem Berufsinformationsseminar mit anschließendem Bewerbungsgespräch. Zu letztem kam ich nicht, weil der Chef der Versicherungsdirektion mich in der Pause gebeten hat zu gehen mit der Aussage, er hatte in der letzten Woche bereits einen Spion und einen weiteren möchte er nicht in seinen Reihen haben.

Zuvor fragte er mich, wo ich ursprünglich her sei (ich hatte im Vorfeld in den einzelnen Vorstellungen gesagt, ich wohne erst seit 2 Jahren in der Gegend) und als ich sagte, ich sei ursprünglich aus der Hauptstadt, sagte er, aus Unternehmen X und Y hätten sie regelmäßig eingeschleuste Spione und ich würde nicht den Eindruck einer normalen Azubisuchenden machen.

(Info: Hedda.Gabbler hatte mir Tipps gegeben, wie ich mich am besten bei einer Bank bewerbe und die Hose und Bluse hatte ich dann zum Perlenschmuck an. Ohne arrogant sein zu wollen -gestern wurde ich in einem Gespräch für meine Professionalität gelobt.)

Ich denke, dass meine unternehmenskritischen Fragen ihn dazu verleitet haben, auch wenn er es abstritt. Der intern gezeigte Film sprach von weit größeren Zahlen, als die HP der Versicherung es versprach. Da ich mich gern vorbereite und solche Fragen vorarbeite, fiel mir ein 10-fach höherer Wert natürlich auf. Als er fragte, wer Fragen zum Film habe, habe ich natürlich gefragt, woher die Diskrepanz der Zahlen von Film und HP komme. Da wurde er schon ungehalten und faselte etwas von "Sie müssen halt richtig zuhören!" und ich antwortete: "Ich habe sehr wohl zugehört und Ihre Zahl mit der HP-Zahl verglichen."

Wir müssen dazu sagen, dass ich mich erst gestern über das Konzept informiert habe, den Job eigentlich gar nicht wollte und nur das Ganze als Bewerbungstraining gesehen habe.

Natürlich fiel ich mit meiner Art (ich bin doch sehr selbstbewusst und kann gut reden) auf, die meisten Mitbewerber waren eher unsicher und sogen die Werbefilmaussagen förmlich auf. (Zumindest hatte ich den Eindruck.) Dazu kam, dass ich als Einzige Bewerberin keine Jeans trug, 3 Bewerber waren in Hemd und Anzug da, hatten laut Vorstellung aber doch einen anderen Bildungshintergrund als ich.

Zwischenzeitig hatten die vorstellenden Mitarbeiter sich dann so ausgedrückt, dass andere Versicherungen die Kunden nicht beraten, sondern eben nur vorgefertigte Formulare vorlegten und nicht einmal wissen wollten, was der Kunde benötige. Er fragte dann in die Runde: "Stimmt das, das haben Sie doch auch so erlebt." Und ich konnte den Mund nicht halten und sagte: "Nein, mein Versicherungsvertreter berät mich." Und dann wollte er das Vorgehen wissen (nicht ohne vorzuschlagen, wie meiner es doch falsch machen könnte -> genau das machte er aber nie falsch.) Mich ärgerte das Vorgehen, die Mitbewerber dermaßen als Dilettanten zu verunglimpfen, dass ich eigentlich nur sagten wollte, dass Sie eben nicht die Einzigen seien, die es richtig machten. Das habe ich aber auch nur getan, weil ich dem Ganzen in der ganzen Präsentation nichts abgewinnen konnte.

Wenn all das ausreicht, mich als Spionin zu vermuten, so weiß ich nicht, was für einen Bewerber sie erwartet haben.

Jedenfalls wollte ich mir Luft machen, habe eben meinem Mann und seinem besten Freund erzählt, der selbst Versicherungskaufmann gelernt hat und die haben bei dem Vorgehen nur den Kopf geschüttelt.

Ich war in der Vergangenheit mit nem Freund immer mal auf solchen "Seminaren", wo verschiedene Versicherungen Mitarbeiter suchten oder andere Konzepte an den Mann gebracht werden sollten, möglichst in Form willenloser Marionetten. Auch das Vorhalten von "Wenn Sie gut arbeiten, können Sie reich werden."

Ich fand das sehr unseriös, habe auch im Vorfeld gefragt, ob das Ganze tatsächlich Zukunft habe und es wurde immer wieder darauf verwiesen, dass in DEM Unternehmen keiner allein gelassen werde. Genau das habe ich gestern schon gehört (wo ich übrigens eine Zusage hatte, die ich aber abgelehnt habe).

Mir zog das echt die Schuhe aus, zumindest geht es mir jetzt besser.
Ich glaube, die Versicherungsbranche ist nichts für mich...

Beitrag von mirakulix 30.04.11 - 12:03 Uhr

sorry, aber ich kann Deinen potentiellen AG verstehen.

Wenn ich mir jetzt meine beiden Chefs so vorstell...... und eine angehende Auszubildende, die die Zahlen der Firma vor versammelter Mannschaft in Frage stellt....................... was erwartest Du da`?

Du bewirbst Dich als Auszubildende !!!

Beitrag von flying-phoenix 30.04.11 - 12:17 Uhr

wenn ich in einem 3 jahre alten film zahlen höre, die mit der eigenen präsentation nicht überein stimmen, dann werde ich die frage als gut vorbereitete aufwerfen dürfen.

ich wollte zeigen, dass ich nicht alles schlucke und mich im vorfeld informiert habe.

ein arbeitgeber, der nicht sachlich auf solche nachfragen reagiert, scheint mir recht unseriös.

Beitrag von hedda.gabler 30.04.11 - 12:14 Uhr

Hallo.

Das klingt aber alles mehr nach Finanzdienstleister, denn nach einer normalen Versicherung ...

... im Strukturvertrieb sind kritische Fragen immer unerwünscht ... hat was von ner Sekte.

Gruß von der Hedda.

Beitrag von flying-phoenix 30.04.11 - 12:23 Uhr

Ja, du hast sogar Recht.

Der Chef sagte selbst, sie würden von Zweiflern oft als Sekte verschrien, und tatsächlich hatte das ganze etwas von dem Vorgehen, was ich im Scientologie-Film "Bis nichts mehr bleibt" gesehen habe.

Aber mir wurde von dem Freund meines Mannes ohnehin von dem Unternehmen abgeraten, wenngleich er sagte, ich könne durchaus mein eigenes Bild formen.

Mir stieß immer wieder sauer auf, dass die Selbstständigkeit gleichgesetzt wurde mit Erfolg.

Beitrag von hedda.gabler 30.04.11 - 12:28 Uhr

Hallo.

Alles klar ... da habe ich jetzt auch durchaus Ideen, wer das sein könnte.

Ich frage mich nur, warum Du Dich da überhaupt beworben hast?
A. macht man um Finanzdienstleister einen Bogen und B. dachte ich, dass Du einen Ausbildungsplatz suchst und nicht selbstständiger Strukturvertriebler werden willst.

Gruß von der Hedda.

Beitrag von flying-phoenix 30.04.11 - 12:42 Uhr

Ich habe mich auf verschiedene Berufe beworben, sogar einfach überall, was interessant klang, weil ich keine Chancen verstreichen lassen wollte.

Als ich vor 3 Wochen erfuhr, dass ich mein Studium um mindestens 1 Jahr verlängern müsste, weil es keine Plätze gab, hab ich mich einfach querbeet im kaufmännischen Bereich beworben, weil ich Erfahrungen im Bewerbungsgespräch gewinnen wollte.

Das war eine rechte hoppla-di-hopp-Aktion mit dem Ziel, Praxis zu sammeln. Ich selbst hab momentan zwar 2 Bewerbungsgespräche für Banken, aber um dort nicht als Nervenwrack aufzutauchen (weil ich in meinem Leben erst das Gespräch gestern und das heute geführt habe), wollte ich Gespräche absolvieren.

Dass Finanzdienstleister so unseriös seien, wusste ich bis dato nicht, weil ich von Anfang an nicht vorhatte, dort anzufangen.

Zumal ich von vornherein gesagt habe, dass ich keinen selbstständigen Posten bekleiden will, sondern definitiv angestellt werden möchte.

Da mich diese Bewerbung (per Mail) kein Geld gekostet hat und ich nun um eine Erfahrung reicher bin, bin ich nicht böse darum, mich dort beworben zu haben. Aber das Vorgehen entsetzt mich noch immer...

Beitrag von binnurich 30.04.11 - 12:30 Uhr

du hast den Grundsatz: Lehrjahre sind keine Herrenjahre mißachtet ;-)

außerdem:
- Vorgesetzte weißt man nicht auf diese Art auf Fehler hin
- man diskutiert auch nicht mit Vorgesetzten vor versammelter Manschaft

du zählt damit als nicht führbar, nicht teamfähig.....

im Ernst, ich denke in größeren Verwaltungen, Unternehmen etc. ist ein solches nicht unterordenes Verhalten tatsächlich unerwünscht, egal wie gut oder solide das Unternehmen ist.

Wobei grundsätzlich die Versicherungsbranche auch für mich nichts wäre. Ich bin froh in einem kleinen unternehmen zu arbeiten, wo man sich gegenseitig auch die Fehlr vorhalten kann, ohne dass es gleich als Mobbing ausgelegt wird und wo einem der Kollege was bedeutet und der Chef rücksicht auf mich nicht, weil ich auf Grund von Problemen in der Familie mal gerade nicht gut drauf bin.
Und ich kann zu dem stehen, was ich dem Kunde anbiete

Beitrag von flying-phoenix 30.04.11 - 12:37 Uhr

Grundsätzlich weiß ich, dass das keine feine Art war. Aber dort saßen junge Menschen, die verdammt unglücklich mit dem waren, was sie momentan machen (wenn sie denn etwas machen) und in einem Partnerunternehmen hat besagter Freund auch sein Glück versucht - der Erfolg, wenn man denn so will, war marginal.

Das Vorgehen des Unternehmens hat in mir derartige Abneigung für dieses Unternehmen hervorgerufen, dass ich nicht an mich halten konnte.

In der Regel kann ich meinen Mund durchaus halten, was ich wahrscheinlich sogar täte, wenn ich den Job wollte.

Du arbeitest in einem Unternehmen, das dich auch bezahlt. Die Umstände sind doch toll. Hier hätte ich schon in der Ausbildung selbstständig sein müssen und danach selbstständig bleiben müssen im Unternehmen. Und für mich ist das keine Basis.

Beitrag von binnurich 30.04.11 - 13:52 Uhr

ich habe mal für einen Studijob in einem durchaus seriöen unternehmen gesessen und mit einem Haufen andere Bewerber so einen "ach sind wir toll"-Film über das Unternehmen gesehen, danach haben die Standortleiter darüber berichtet wie toll das Betriebsklima ist und was an Leistungsbereitschaft erwartet wird....

das schlimme daran war - grunsätzlich mochte das da auch stimmen, aber das wirkte so aufgesetz dass es echt keinen Spaß gemacht hat. Es war, als würden sie einen für doof verkaufen wollen

Beitrag von flying-phoenix 30.04.11 - 14:02 Uhr

Vor einem Jahr habe ich in einem großen Verbrauchermarkt gearbeitet (halt neben dem Studium), da war Selbstlob aufs Unternehmen vom Chef aus an der Tagesordnung. Recht bald hatte ich gemerkt, dass die Sichtweise des Chefs sich stark von der Sichtweise der Mitarbeiter unterschied.

Du hast angesprochen, dass es schien, als wollten dort Menschen für doof verkauft werden.

Hier fand ich, dass gezielt nach nicht so gut ausgebildeten Menschen gesucht wurde. Die haben einem Bewerber doch tatsächlich geraten, einen Job mit Übernahmegarantie und gutem Gehalt abzuschlagen, um bei ihnen anzufangen.

Ich gebe zu, ich hatte nie gedacht, dass es so unseriöse Firmen gibt - zumindest dachte ich, die dürften nicht bei der BAfA werben.

Auf alle Fälle weiß ich nun nicht nur vom Hörensagen über diese Machenschaften Bescheid, sondern durfte einen Einblick gewinnen.

Beitrag von vwpassat 30.04.11 - 13:26 Uhr

Seh ich nicht so.

Eigentlich hätte sie da gar nicht hingehen sollen. Es tut aber solchen Drückern auch mal gut, wenn einer Negatives und Merkwürdiges sofort anspricht und in Frage stellt.

Es ist halt nunmal nicht seriös.

Beitrag von binnurich 30.04.11 - 13:48 Uhr

ja klar... ich meine auch nicht, dass sie falsch gehandelt hat..... ich habe das eher aus der Draufsicht geschrieben


ich habe aber ähnliche Tendenzen auch schon aus öffentlichen Behörden und großen Unternehmen im mittleren Management von Bekannten gehört.

Beitrag von woodgo 30.04.11 - 13:34 Uhr

Du hast für einen Ausbildungsplatz den Mund viel zu weit aufgerissen!
Das wirkte sicher nur arrogant und besserwisserisch auf den Chef, was man Ihm nicht verübeln kann#aha

Beitrag von vwpassat 30.04.11 - 13:41 Uhr

Ich fand es angemessen.

Beitrag von grafzahl 30.04.11 - 13:59 Uhr

Wenn du das Ziel hattest, unbedingt bei denen einen Ausbildungsplatz zu bekommen, hast du natürlich alles falsch gemacht.

Aber ich gehe davon aus, dass du dich von dem Gedanken irgendwann verabschiedet hast. Und dann hast du einfach ´ne Menge Spass gehabt und die Jungs mal so richtig vorgeführt.

Klar, dass man dich dann schnellstmöglich hinauskomplementiert hat.

Die haben Nachwuchs für ihre Drückerkolonnen gesucht. Keinen informierten Azubi bzw. Mitarbeiter.

Wenn ich nicht schon so alt wäre, würde ich mich auch mal dort als Azubi bewerben. Mal sehen, wie lange es dauern würde, bis die mich als "Spion" identifizieren.

Beitrag von flying-phoenix 30.04.11 - 14:09 Uhr

*lach*

Ich habe sogar überlegt, ob ich überhaupt hingehen sollte. So habe ich mich einfach darauf eingelassen und wurde eben als "Spion" entlarvt.

Spaß - ja, den hatte ich irgendwo. Wenn ich über die Unterlagen nachdenke, die auf dem Tisch lagen und die ich als Einzige mal durchgeschaut habe - ich weiß mehr, als ich wissen wollte.

Auf alle Fälle weiß ich nun, mit welchem Unternehmen ich niemals zusammenarbeiten will.

Hin und wieder machen solche Unternehmen in großen Hotels "Seminare". (Ich hab keine Ahnung, wie manche immer an die Termine kommen.) Die sind super voll und dort wird auch beinahe Gehirnwäsche betrieben. Die kosten nichts, solltest du mal zum Spaß mitmachen! Wenn du den Mund aufmachst, wirst du aber auch freundlich hinausbegleitet. (Nein, das war nicht ich, ein anderer übte Kritik und wurde herausgebeten.)

Sobald jemand sagt: "Du kannst durch deinen Fleiß selbst entscheiden, wie viel Geld du verdienst", klingeln bei mir die Alarmglocken.

Beitrag von grafzahl 30.04.11 - 15:01 Uhr

Wenn mich früher so ein Drücker angerufen hat, um mich über die neuesten Möglichkeiten zur Steueroptimierung zu informieren, habe ich den nicht gleich abgewürgt sondern einen interessierten Eindruck vermittelt.

Wenn er dann bei mir war, habe ich ihn normalerweise beim Lesen seiner Versicherungstabellen gecoacht.

War ´ne Zeitlang eine schöne Freizeitbeschäftigung von mir und nutzt irgendwann aber mal ab.


> Sobald jemand sagt: "Du kannst durch deinen Fleiß selbst entscheiden, wie viel Geld du verdienst", klingeln bei mir die Alarmglocken.

Eine der immer wieder verbreiteten Legenden. Und ziemlich falsch.

Wenn ich nämlich 24 Stunden 7 Tage die Woche Steine rundklopfe, müsste ich demnach sehr viel Geld verdienen. Kollegen, die so denken, fangen morgens vor dem Chef an und gehen abends nach dem Chef wieder nach Hause. Und wundern sich, wenn die Karriere nicht vorankommt.

Deshalb lautet meine Devise:
"Du kannst durch Effizienz selbst entscheiden, wie viel Geld du verdienst."

Wenn ich in 8 Stunden mehr leiste, als mein Kollege in 12 Stunden, nützen ihm seine ganzen tollen Überstunden nix.

Aber das ist jetzt wohl OT.