Schwindel vom Rücken?

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Beitrag von swordy 02.05.11 - 23:41 Uhr

Hallo ihr Lieben,

hab mal wieder eine Frage.
Ich renn ja jetzt schon seit Jahren mit Schwindel und solchen blödsinnigen Mist rum, den kein Mensch haben möchte.
Nachdem eigentlich alles untersucht wurde, (auch schon vor Jahren) und ich grad mal wieder ne extreme Phase habe, ist mir plötzlich folgendes aufgefallen.

Es ist eigentlich so, dass ich meine Schulter immer weit oben habe, weil es sich irgendwie besser anfühlt. Ich habe ständig das Gefühl, meine Schultern und der ganze Bereich da in dieser Rückengegend würde mich nach unten ziehen. Das ist damit eigentlich auch das Gefühl, das ich mit Schwindel meine. Während dem Essen, alleine die Haltung der Arme, macht mir einen derartigen Schwindel, bzw. einen Druck nach unten, dass ich wirklich schlinge um schnell fertig zu werden.
Trage ich aber etwas, z.B. mein Kind oder schwere Einkaufstüten oder habe beim Essen mein Kind auf dem Schoss, also irgendwie Gewicht, dass ich halten kann, tritt der Schwindel und dieses ziehen auch nicht auf. Das heißt, am liebsten würde ich den ganzen Tag irgendwelche schweren Sachen tragen, weils mir dann im Rücken nicht so komisch zieht/drückt und ich mich irgendwie entspannt im Rücken fühle.

Ich bin vor ca. 6 Jahren beim Orthopäden schon einmal in der Armstellung geröntgt worden und prompt während der Aufnahme umgefallen. Er stellte damals wohl fest, dass ich Nerven in der HWS eingeklemmt hätte und ich kam mit meinem Kopf in so eine Schlinge und wurde gezogen.
Ich habe auch extreme Probleme mit der HWS. Knacken, Sandgeräusche, Ohrenpfeifen, ziemlich unbeweglich, alles seit einer Behandlung vor 1,5 Jahren bei der Physio.

Jetzt mal noch eine Frage. Gibt es denn tatsächlich soetwas, dass sich Muskeln sozusagen entspannt fühlen, wenn ich Gewicht trage? Es ist irgendwie ein gutes Gefühl, weil so die Schultern nach unten gezogen werden. Wenn ich das ohne probiere, fühlt sich mein Rücken irgendwie, wie fremd an und zieht mich irgendwie in alle möglichen Richtungen - vom Gefühl her.

Aber vielleicht ist das auch alles nur Blödsinn und ich rede mir wieder etwas ein, damit ich einen Strohhalm habe um mit dem Schwindel nicht durchzudrehen.

Könnte allerdings auch am Schlaf liegen. Der extrem wenig und selten ist. Aber auch aufgrund meiner Rückenprobleme. Mein Orthopäde weigert sich ein MRT zu machen, weil er sagt: Sie sind zu jung um Probleme zu haben.
Ich habe schon immer Rückenprobleme. Wurde jede Woche zweimal von ihm eingerenkt und bekam Spritzen. Aber so kanns doch nicht weitergehen.

Wisst ihr Rat?

Danke und VG
Sarah

Beitrag von fascia 03.05.11 - 10:12 Uhr

Liebe Sarah,

mit der Zeit, mit den Jahren ist es ganz natürlich, dass du denkst, du bildest dir da was ein. Du lauschst und fühlst nach innen, um irgendwie die Zusammenhänge zu begreifen - findest aber keine Lösung, keine sinnvolle Erklärung.
Was du fühlst, ist aber kein Blödsinn.
Und natürlich bist du auch nicht "zu jung" für Beschwerden.
Ein MRT bringt dich allerdings (vermutlich) auch nicht wirklich weiter. Denn es ist gar nicht klar, welche Ebene des Körpers ursächlich verantwortlich für deine Beschwerden ist. Das wäre der Bereich, den man per MRT genau würde betrachten wollen. Es liegt nahe, das die HWS sich nicht optimal zeigt. Man könnte sie also mal darstellen. Mir scheint aber, dass man der Lösung dadurch gar nicht wirklich näher kommt.

Es klingt so, als gebe es auf einer anderen tieferen Ebene ein oder mehrere Probleme, mit denen deine HWS/obere BWS/Schultergürtel nicht zurechtkommt.
(Probleme z.B., die im Bereich der unteren BWS und abwärts liegen und ihrerseits vielleicht Symptome verursachen. Gibt es dergleichen? Beschwerden im Oberbauch, Beschwerden im Beckenbereich?)

Die Sache mit den Schultern und dem Schwindel...:
Doch, das kann gut sein - auch da "spinnst" du nicht.
Ich versuch mal zu erklären:
Das Eine ist die Position - das Andere die Aktion. Diese beiden Aspekte spielen die Hauptrollen.
Du und deine HWS habt wohl zwei Bedürfnisse:
Einerseits: Raum und Entlastung von Druck/Kompression, Bewegungsspielraum.
Andererseits und gleichzeitig: Stabilität.

Schultern tief gibt diesen Raum anteilig. Darum suchst du diese Position.

Jetzt die Aktion:
1. Trägst du Gewicht, spannen die Muskeln des Schultergürtels und des Halses an. Sie ziehen sich aber nicht zusammen und heben die Schultern, denn diese lässt du ja unten. Das bedeutet, dass ihre Anspannung stattdessen den Hals fixiert, stabilisiert. Sie übernehmen anscheinend eine Aufgabe, die deine tiefe WS-nahe Muskulatur nicht ausreichend leistet. Mit Gewicht schaffst du dir also Platz und Stabilität von "außen".
2. Ohne Gewicht entfällt diese Anspannung, die deine HWS stützen hilft. Es passiert sogar (bei dir) das Gegenteil von Stütze. Indem du die Schultern über die Muskulatur senkst, werden die Schulter"heber" (die den Hals "mit Gewicht" stützen) quasi "heruntergefahren" in ihrer Spannung. Das hängt mit unserer neurologischen Verschaltung zusammen. Es gelingt dir so zwar, "einen langen Hals" (Position) zu erreichen, aber du beraubst dich selbst der nötigen Stabilität über diese Hilfsmuskulatur von außen.
Ausserdem spannt beim Schulternsenken eine Menge Muskulatur der BWS (u.a.) und sogar das Zwerchfell mit an. (Besonders beim Sitzen entsteht eine paradoxe situation dabei in dir). Damit verändert sich wieder die Basis, auf der deine HWS so mühsam balanciert: Es entsteht eine Festigkeit in der BWS und sogar im gesamten Brustinnenraum, der sich auf die WS-nahen Muskeln auswirkt. Und zwar in einer Position, die der BWS (v.a. der unteren) eigentlich gar nicht zusagt. Sie "sucht" eine bessere, natürlichere, "sicherere" Stellung, während du sie aber via Schultern dort behältst. Deswegen kommt es zu diesem blöden Gefühl mit dem Herumeiern und dem zusätzlichen Druck. (Es passt nix zusammen dann - schon gar nicht beim Essen.)
Auch im Brustinneren ändern sich die Druck- und Zugverhältnisse. Das wirkt sich auf Atmung, Blutfluss und auf das vegetative Nervensystem aus. (Das genau zu erklären, erfordert aber sehr viel - zu viel - Zeit...). Jedenfalls begünstigt auch das, dass es dir insgesamt dann so komisch mies ist.

Bei diesem Schultersenken ohne Gewicht geht dir jede Stabilität für den Hals verloren. Die Stabilität, die du erreichst ist eine, die das Gefüge aber "nicht will".
Da die Halsstütze von außen wegfällt, entsteht in den Muskeln dicht an der HWS eine hohe Spannung. Das sind die, die ohnehin eigentlich mit ihrem Job nicht richtig klarkommen. Jetzt aber versuchen sie, den Job zu erledigen unter zusätzlich erschwerten (sogar widersinnigen) Bedingungen: Der HWS ist jetzt ja die richtige Basis in der BWS und im Brustkorb genommen worden. Diese Anspannung bringt Druck auf alle Anteile, die nahe der HWS verlaufen, die dementsprechende Symptome mitbringen. Es sind Gefäße, Nerven und auch wieder Teile des vegetativen Nervensystems....
(Auch für das Essen stimmen die Voraussetzungen überhaupt nicht. Bei dieser "Arbeit" schaltet das Regulationssystem für Nahrungsaufnahme auf "Einfuhrstopp". Du isst dann gegen den Willen des Körpers. Er lässt es dich wissen, wie du merkst.)

Das waren viele Worte.
Ich hoffe, du kannst es etwas nachvollziehen.
Wichtig ist mir bei alledem:
Denke nicht, dass du spinnst!
Die Dinge sind eben oft nicht einfach.
Das liegt daran, das wir Menschen komplex sind und komplex funktionieren.
Und wenn wir nicht gut funktionieren - dann auch: komplex. Oft jedenfalls.
Wir sind eben keine Regenwürmer...


Deine Beschwerden wirst du nach so vielen Jahren nicht im Handumdrehen wieder los. Aber du hast recht, wenn du meinst, dass es so nicht weitergehen kann.
Das Spritzen und Manipulieren rettet dich immer nur vorübergehend.
Längerfristige Linderung erreichst du wohl nur, wenn:
1. viel genauer untersucht wird, wie du unterhalb deiner HWS funktionierst.
2. du nicht nur oberflächlich gelockert, gedehnt und bewegt usw. wirst. (Das alleine, wirkt sich u.U. sogar kontraproduktiv aus.)
3. sondern unbedingt zusätzlich in der Tiefe, also im Inneren.
und 4. Stabilität ganz nahe der WS in "Feintuning" aufgebaut wird.


Der Orthopäde kann dir nur bedingt helfen.
Du brauchst einen verflixt guten Physiotherapeuten.
Den musst du finden.

Viel Glück dir!
f.