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Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von nopower 03.05.11 - 21:02 Uhr

Hallo,

ich weiß, das ist nicht das richtige Forum für dieses Thema, entschuldigt bitte. Wie viele andere möchte ich gerne anonym bleiben, deshalb schreibe ich hier.

Nun, wo fange ich an? Ich bin 34 Jahre und Mutter von zwei Kindern (2,5 und 4 Jahre alt). Mein Mann ist selbständig, ich arbeite als Krankenschwester Vollzeit in drei Schichten. Ich fing wieder an zu arbeiten, als mein jüngeres Kind 1 Jahr alt wurde.

Seit einiger Zeit merke ich, dass mir alles zu viel ist. Ich bin genervt von meiner Arbeit, von meinem Mann, von den Kindern und vom Haushalt sowieso.

Ich habe keinen Spaß an meinem Job. Mich nervt diese Arbeit immer mehr. Erst dachte ich, dass es am Arbeitgeber liegt oder am Fachgebiet... also habe ich gewechselt. Doch meine erhoffte Motivation blieb aus. Kurz vor Ende der Probezeit habe ich den einen Job gekündigt und einen anderen angefangen. Auch hier dachte ich erst: "WOW! Was für ein Glücksgriff. Und ausserdem viel besser bezahlt!" Jetzt mache ich den Job schon ein halbes Jahr lang und habe auch hier wieder die Nase gestrichen voll. In 1,5 Jahren habe ich drei Arbeitgeber und Fachgebiete gewechselt. Leider ohne dabei berufliche Zufriedenheit zu finden. Eigentlich übe ich diesen Beruf nur noch aus, weil ich eben "nichts anderes kann" und wir aus mein Gehalt angewiesen sind.

Womit wir beim zweiten Thema wären: mein Mann ist selbständig, seine Firma läuft sehr schlecht, vermutlich wird er sie nicht mehr lange halten können. Er hat zwar noch Hoffnung auf zwei große Aufträge und eine weiter Geschäftsidee im Kopf, aber ob die Aufträge tatsächlich kommen bzw. bis die neue Geschäftsidee Früchte trägt ist ungewiss. Also fällt für mich die Option beruflich kürzer zu treten oder mich umzuorientieren momentan weg. Wir brauchen mein Gehalt. Schließlich tragen wir auch Verantwortung für unsere Kinder.

Das ist das dritte Thema: die Kinder sind klein, sie sind eben wie Kinder sind, sie lieben und sie hassen sich. Meistens zoffen sie sich so heftig, dass ich dazwischen gehen muss. Wenn ich also nach dem Frühdienst gegen 15 Uhr meine Kinder aus dem Kindergarten abhole, braucht es nur einen kleinen Konflikt um mich fast zum Ausrasten zu bringen. Ich muss mich sehr beherrschen, meine Kinder nicht einfach anzuschnauzen, sondern im vernünftigen Ton mit ihnen zu sprechen, wie sie es verdienen. Mein Nervenkostüm ist sehr sehr dünn geworden :-(.

Mein Haushalt gibt mir den Rest. Es ist hauptsächlich meine Aufgabe, mich darum zu kümmern. Es fällt mir sehr schwer mich an meinem freien Tag meinem Haushalt zu widmen, obwohl ich von 9-15 Uhr alle Zeit dafür hätte. Mein Mann hilft wirklich viel mit, in dieser Hinsicht kann ich mich nicht beschweren. Unsere Partneschaft ist stabil und hält jede Menge aus. Trotzdem bin ich froh, wenn er abends länger unterwegs ist und ich einfach meine Ruhe habe.

Was mich auch noch fertig macht ist, dass ich scheinbar die einzige bin, die dieser mehrfachen Belastung nicht standhält. Ich habe den Eindruck, andere Frauen in der gleichen Situation wie ich leisten viel mehr und bessere Arbeit. Vor kurzem habe ich das Thema bei meinem Mann angeschnitten, aber irgendwie hat er nicht so wirklich verstanden, was ich von ihm wollte...

Wenn ich mir das alles durchlese, kann ich kaum glauben, dass ich das alles geschrieben habe. Bin ich so ein Weichei geworden? Und wie soll es in meinem Leben weitergehen?

Ich habe keine Ahnung.

Beitrag von kanische 03.05.11 - 21:11 Uhr

Hallo schau mal was du leistest, und das ist wirklich sehr viel. Ich glaube ich könnte das nicht. Selbständigkeit hin oder her, aber doch bitte nicht auf Kosten der Familie und vor allem des Partners. Ich würde deinem Mann ganz klar sagen, dass du es so nicht mehr schaffst. Setzt euch hin und macht eine realistische Frist aus. Bis dahin muss es laufen oder die Firma wird aufgegeben und er sucht sich einen festen Job als Angestellter. Du musst dir aber auch klar werden was du willst. Vielleicht brauchst du mal eine Auszeit um dies genau feststellen zu können. Besprich das mit deinem Mann. Anders geht es einfach nicht. Was haben deine Kinder und dein Mann von einer schlecht gelaunten Mutter/ Frau garnichts!

Lg

Beitrag von mami-maus 03.05.11 - 21:15 Uhr

Klingt für mich nach einem Burnout. Bei mir ging es damals auch so los. Und ehe du dich versiehst, liegst du flach und es geht gar nichts mehr.
Du bist völlig überlastet. Und wie andere das schaffen darf dich im Prinzip gar nicht interessieren, denn hier geht es um dich.
Lass es nicht erst so weit kommen. Such dir Hilfe (Psychologe, Hausarzt) und rede vor allem mit deinem Partner darüber.
Viel Glück und gute Besserung

Beitrag von dersonnenschein80 03.05.11 - 22:27 Uhr

Hallo.

Du sprichst mir aus der seele weil das habe ich im moment auch.

Ich arbeite im 3schichten mein Mann auch und haben einen fast 2jährigen sohn.
Ich bin nun an dem punkt angekommen wo ich sage, ich kann nicht mehr. Ich kann da nicht mehr arbeiten, mich nervt alles, mein kopf ist voll, mein sohn braucht mich und ich bin aber auch froh wenn ich meine ruhe hab usw.

Bin jetzt krankgeschrieben für 2wochen und weil ich leiharbeiter bin wurde ich heute auch gekündigt:-(.
Aber es geht auf dauer nicht mit den 3schichten weil es die Familie i.wo auch kaputt macht. Man hat kein richtiges WE...ach alles doof:-[.

Rede mit deinem Arzt und auch mit deinem Mann wie es weiter gehen soll.


Viel Glück#klee

Beitrag von seelenspiegel 04.05.11 - 10:02 Uhr

Mhh...ich glaube nicht dass das etwas mit "Weichei sein" zu tun hat. Jeder Mensch hat eine Belastungsgrenze, und ist die erreicht oder gar überschritten wird die Luft dünn. Da ist es auch nicht hilfreich, sich mit anderen Leuten zu vergleichen, die das angeblich besser "wuppen". Oftmals wirkt das auch nur auf den ersten Blick so, und die verstehen es einfach nur besser, die Probleme zu verstecken.

Gerade Pflegeberufte sind extrem fordernd und gehen an die Substanz, weil man dauerhaft Verantwortung tragen- und achtsam sein muss.

Ein Universalheilmittel für Dich habe ich leider nicht parat, aber es ist Fakt, dass jeder für sich Auszeiten braucht in denen man sich regenerieren kann. Auch hier ist es unterschiedlich in welcher Form das geschehen muss. Manche wollen dann einfach mal komplett ihre Ruhe (zu der Sorte gehöre ich auch) anderen reicht es, wenn sie was mit Familie und Partner zusammen machen.

Das ganze ist wie beim Domino.....fällt der erste "gute Laune Stein" um, halten auch die anderen das nicht aus und irgendwann liegt alles erst mal am Boden. Das wieder Aufstellen dauert dann um einiges länger als das umschubsen.

Versuch Dir kleine Freiräume zu schaffen in denen Du gar nichts um die Ohren hast....und wenn es nur mal ne halbe Stunde ist.

Zudem müsst ihr es irgendwie hinbekommen, dass Eure Partnerschaft nicht nur aus Job, Kids und Hausarbeit besteht. Ein bisserl´ gemeinsame Zeit nur für Euch wirkt wahrscheinlich auch Wunde. Kino- Konzertbesuch oder einfach mal zusammen ne Runde um den Block und über das quaken was am Tag passiert ist.

Lerne wieder über Träume und Wünsche zu reden, auch wenn der Partner vielleicht erst mal guckt wie ne Schnecke der man das Häuschen geklaut hat.....kleine Dinge eben.

Oder stell Dich vor den Spiegel und grins dich selbst an. Selbst wenn das am Anfang nur gespielt ist hilft es ein klein wenig. Albern sein tut nicht weh und hilft manchmal nicht abzustumpfen. :-)

Mehr an "Tips" habe ich leider nicht parat. Wünsche Dir alles Gute.

TJ