Nein zur Sicherungsverwahrung

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Beitrag von frauke131 04.05.11 - 11:23 Uhr

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,760514,00.html


Hallo an alle,

Karlsruhe hat gerade die Regelung zur Sicherungsverwahrung gekippt und entschieden, dass nur noch Täter, von denen hochgradig Gefahr ausgeht, in Haft bleiben dürfen. Aber was bedeutet das? Wer entscheidet, ob jemand gefährlich ist oder nicht? Schon oft haben Psychologen geirrt und Täter freigelassen, die dann rückfällig wurden.
Ich denke nicht, dass man Sexualstraftäter heilen kann. Man kann nicht alle Taten verhindern, aber sollte man nicht wenigstens die Mölichkeiten haben, Täter dann für immer wegzuschließen?

Immer wird über die Rechte der Täter gesprochen, aber was ist mit den Opfern? Haben die denn kein Recht auf ein angstfreies Leben?

Bin irgendwie gerade unzufrieden damit, weil ich nicht weiß, was das jetzt bedeutet.



Gruß

frauke

Beitrag von yarists 04.05.11 - 12:13 Uhr

ich kann das alles einfach nicht mehr glauben! was ist nur los mit uns Menschen?

"Ich denke nicht, dass man Sexualstraftäter heilen kann"

das denke ich auch nicht,schon den gedanken daran das jemand so etwas tun will ist doch schon krank!wie soll das nur weiter gehen?
Man kann nicht in den Köpfen der Menschen sehen und sagen der wird das nie wieder tun.

Beitrag von echtjetzt 04.05.11 - 12:14 Uhr

Naja, da kommt ja noch was. Erstmal abwarten.

Man kann halt nicht einfach alle Sexualstraftäter lebenslang wegschließen, ist ja klar. Dadurch gehen leider auch Wiederholungstäter durch's Netz, das lässt sich wohl nicht zu 100% vermeiden.

Beitrag von manavgat 04.05.11 - 14:31 Uhr

Es geht nicht darum, was Du denkst, sondern darum, dass unser Rechtsstaat ein Rechtsstaat bleibt und Willkür keinen Platz hat.

Jetzt muss eben für besonders gefährliche Täter eine gesetzeskonforme Regelung gefunden werden. Gut finde ich, dass jetzt endlich mit Beginn der Strafe auch therapiert werden soll.

Gruß

Manavgat

Beitrag von white-blank-page 04.05.11 - 20:05 Uhr

#pro

genau. traurig nur, dass so etwas immer so lange dauern muss. dass nicht schon vor jahren genau dieses verfahren angestossen wurde.

Beitrag von paddelboot-neu 04.05.11 - 22:43 Uhr

Hallo!##


Es geht nicht um Willkür, sondern darum, wenn erst IN DER HAFT DEUTLICH WIRD, dass ein Täter weiterhin gefährlich sein wird.

Wenn man das weiß (und Therapeuten können das sicherlich auch feststellen), dann MUSS es doch eine Möglichkeit geben, einen Sexualstraftäter, der weiterhin als gefährlich gilt, auch festzusetzen, auch wenn er seine eigene Haftstrafe abgesessen hat!

Beitrag von seelenspiegel 05.05.11 - 17:46 Uhr

Das Problem liegt in der Therapie an sich.

Gewalttätige Menschen sind nicht auch zwangsläufig dumm. Oftmals ist genau das Gegenteil der Fall, und der zu therapierende ist cleverer als der Mensch mit dem weissen Kittel auf der anderen Seite des Tisches.

Und da Psychiater/Therapeuten etc. ebenfalls nur Menschen sind, ist die Chance mehr als nur gross, dass ihnen genau das erzählt wird, was sie hören wollen.

Auch damit würde wieder ein gewisser Anteil durchs "Raster" fallen. Es würde also nur eine Art von Lösung geben, die aber nunmal mit dem Gesetz nicht konform geht....nicht konform gehen kann.

Beitrag von renate63 06.05.11 - 12:07 Uhr

Wo sind wir bitte in Deutschland ein Rechtstaat. Wenn Politiker die Gesetzte verändern um ihre Macht zu sichern, oder jetzt die Grünen um ihre Umweltpolitik mit aller Gewalt durchzubringen. Dir würde es sicherlich nicht gefallen wenn sie dir eine 300000 KV Leitung übers Haus ziehen wollen. Und die Gesetze so hingebogen werden das Du keine Möglichkeit mehr hast dich zu weheren.

Oder der Fall Kachelmann wenn der Täter nicht so berühmt wäre, wäre der Prozess doch schon lange gelaufen. Im Grundgesetz steht das alle Menschen gleich sind. Wo bitte sind wir alle gleich.

Und wenn ein Sexualstraftäter zum zweiten Mal eine Tat verübt, gehört er auf Lebzeiten weggesperrt oder an die Wand gestellt. Die Opfer müssen auch ihr ganzes Leben mit dem erlebten Leben.

Beitrag von .neo 06.05.11 - 12:45 Uhr

Erster Abschnitt: Gerade weil man so viele Möglichkeiten hat, sich zu wehren ist es in Deutschland sehr schwer, irgendwo ein Kraftwerk oder Windparks hinzustellen.
Beispiele: Kraftwerk Datteln oder CO Pipeline NRW

Zweiter Abschnitt: Das wird dir so vorkommen, weil es ständig in den Medien ist. Andere Prozesse werden genauso lange verschleppt. Und das ist bestimmt auch nicht im Sinne Kachelmanns.

Dritter Abschnitt: Wenn das Deine Vorstellung von Rechtstaat ist, wärst Du in Russland oder in den VAE besser aufgehoben. Aber ich wette, da wirst Du dich auch nicht sicherer fühlen.

Beitrag von telefon-mann 06.05.11 - 13:53 Uhr

"Und wenn ein Sexualstraftäter zum zweiten Mal eine Tat verübt, gehört er auf Lebzeiten weggesperrt oder an die Wand gestellt."

Offener Aufruf zu Mord aus ganz primitiver Vergeltungssucht heraus, nenne ich einen solchen Beitrag!

Was ist bloß mit Menschen wie dir schiefgelaufen?

Beitrag von renate63 06.05.11 - 15:24 Uhr

Mit mir ist nichts schiefgelaufen! Aber für mich kommen als erstes die Opfer einer solchen Tat und dann ganz lange nichts. Ein groß teil der Opfer bekommen ihr Leben nie wieder richtig in Griff also leiden sie Lebenslänglich. Und ein Straftäter kommt nach 8 Jahren wieder frei und packt die Nächste! Deshalb soll denen ganz klar gemacht werden wenn ihr ein zweites Mal was anstellt seid ihr fällig.

Ich frage mich ständig was mit denen schiefgelaufen ist die für solche Täter noch Verständnis zeigen.

Kannst Du dir nur ansatzweise vorstellen was in solche Familien der Opfer vorgeht deren Kinder vergewaltigt werden und dann in irgendeinem Loch verschwinden?


Mein Bruder wurde vor 27 Jahren von einem Betrunkenen Autofahrer überfahren. Es hat fast 15 Jahren gedauert bis in unsere Familie einigermaßen wieder Normalität eingekehrt ist. Ich träume heute noch davon. Übrigens der Fahre ist wieder frei und fährt Auto als wäre alles nichts passiert.

Beitrag von telefon-mann 06.05.11 - 16:10 Uhr

"Deshalb soll denen ganz klar gemacht werden wenn ihr ein zweites Mal was anstellt seid ihr fällig. "

Und du bist tatsächlich der irrigen Meinung, dass sich ein psychisch kranker Mensch durch eine drakonischere Strafandrohung von irgendeiner seiner Taten abhalten lässt?!??

"Ich frage mich ständig was mit denen schiefgelaufen ist die für solche Täter noch Verständnis zeigen."

Tja und ich frage mich im Zuge dieses Threads, was für Menschen müssen die sein, die da einerseits so vehement für den Schutz von Menschen (Opfern) eintreten aber im gleichen Atemzug nach ultimativer Beseitigung anderer Menschen (Täter) schreien.

Hat das irgend etwas empathisches? Nein, es geht nur um die Befriedigung ganz arachaischer Rachegelüste!

Nicht sehr zivilisiert!

"Mein Bruder wurde vor 27 Jahren von einem Betrunkenen Autofahrer überfahren. Es hat fast 15 Jahren gedauert bis in unsere Familie einigermaßen wieder Normalität eingekehrt ist. Ich träume heute noch davon. Übrigens der Fahre ist wieder frei und fährt Auto als wäre alles nichts passiert. "

Schlimme Dinge passieren tagtäglich! Leider! Und sind tragischerweise auch nicht zu verhindern. Und für die Hinterbliebenden oft ein langer, mitunter aussichtsloser Kampf gegen das Erinnern.

Aber warum fühsrt du das jetzt bei dieser Diskussion ins Feld? Soll dich die Rolle des Opfers eines wie auch immer gearteten verantwortungslosen Menschen kompetenter machen in dieser Diskussion? Weil Du glaubhaft darstellen kannst, wie Opfer sich fühlen? Soll das die Maßgabe für unsere Rechstsprechung sein? Das gefühlte Leiden der Opfer und Hinterbliebenden in ein angemessenes Strafmaß ummünzen?

Dann hätten wir sicher bald wieder Fallbeil und Folterkammer ....und so eine Gesellschaft, bei allen Fragezeichen, die sich aus unserer Rechtssprechung mitutner auch ergeben mögen, möchte ICH NICHT erleben.

Beitrag von manavgat 07.05.11 - 16:32 Uhr

Wenn ich vor 27 Jahren einen Fehler gemacht habe, durch den ein Mensch ums Leben kam, was sollte ich anderes tun, als zu versuchen mit meinem Leben (wieder) zu Recht zu kommen?

Gruß

Manavgat

Beitrag von nijinsky 06.05.11 - 15:41 Uhr

>Wenn Politiker die Gesetzte verändern...<

Also genau genommen sind Politiker exakt diejenigen, die Gesetze verändern sollen, oder hab ich damals bei der Gewaltenteilung in der Schule nicht aufgepasst?

Beitrag von manavgat 07.05.11 - 16:29 Uhr

Vielleicht solltest Du mal nach Chile, Brasilien, Südafrika, Kongo oder so umziehen. Aber bitte mit allen Konsequenzen.

Und dann würde ich gerne mal sehen, wie es Dir ergeht, wenn das Todeskommando vor der Tür steht, weil Du den Regierenden im Weg warst. Leider sind solche Erfahrungen dergestalt, dass man keine Einsicht mehr gewinnen kann, weil man vermutlich ein bischen tot ist....

Gerade Dein "an die Wand stellen" ist doch sehr von der Frage abhängig, auf welcher Seite man steht.

Dann wüsstest Du, dass unserer Rechtsstaat einer ist. Auch wenn im Einzelfall Entscheidungen nicht Deine Billigung haben.

Gruß

Manavgat

Beitrag von marion2 07.05.11 - 14:02 Uhr

"Gut finde ich, dass jetzt endlich mit Beginn der Strafe auch therapiert werden soll."

Therapiert werden kann nur der, der therapiert werden will.

Viele Täter sehen keinen Therapiebedarf.

Gruß Marion

Beitrag von nijinsky 07.05.11 - 14:39 Uhr

... wenn außer Meinungen auch Fakten genannt würden, von daher:

>Therapiert werden kann nur der, der therapiert werden will. <

. Gibt es dazu klinische Studien?

>Viele Täter sehen keinen Therapiebedarf. <

. Gibt es dazu Statistiken?

Beitrag von marion2 07.05.11 - 15:47 Uhr

Hallo,

ich zitiere an dieser Stelle einen treffenden Satz aus Wikipedia:

"Ein wichtiger Teil der meisten Therapien ist die Kommunikation zwischen Therapeut und Patient."

Gruß Marion

Beitrag von nijinsky 07.05.11 - 17:36 Uhr

... hätte ich mir schon mindestens je eine Antwort auf beide Fragen gewünscht, aber ein Link zu wikipedia untermauert natürlich, dass du nichts Unbewiesenes behauptest.
#herzlich

Beitrag von marion2 09.05.11 - 08:48 Uhr

... das war kein Link sondern ein Zitat.

Beitrag von nijinsky 09.05.11 - 18:45 Uhr

Danke für die Korrektur, ich finde dein Zitat sehr schön.
Ein Link hätte es sicher auch getan, aber beiden ist gemein, dass nur auf eine Quelle hingewiesen wird.
Bewiesen oder wenigstens mit Fakten untermauert wird selbst in der Quelle deines Zitates nichts.

So what? Wird es dir jetzt zu brenzlig, oder könntest Du mir vielleicht doch noch klinische Studien und/oder Untersuchungen nennen, die das von Dir Behauptete untermauern?

Ich bin einigermaßen sprachlos, ob Deiner offensichtlichen Weigerung, in einem Diskussionsforum zu diskutieren, vor allem aber zu argumentieren.
Deinen Gedankengängen würde ich gerne folgen, ohne deine Argumente zu kennen, wird das allerdings schwierig.

"Früher was alles besser" (Zitat meiner Oma)
"I had no sex with that woman!" (Zitat Bill Clinton)
"Ich liebe — Ich liebe doch alle — alle Menschen — Na ich liebe doch — Ich setzte mich doch dafür ein" (Zitat)

Beliebig, oder?

Beitrag von marion2 09.05.11 - 19:55 Uhr

Für jemanden, der behauptet sprachlos zu sein, faselst du zu viel.

Vielleicht hilft dir dieser Link zu verstehen was ich meine: http://www.n-tv.de/politik/Sexualstraftaeter-sind-nicht-alle-gleich-article95626.html

Vielleicht muss die Frage anders herum gestellt werden:

Wie - glaubst du - wird jemand therapiert, der unter Zwang an einer Therapie teilnimmt und/oder deren Notwendigkeit nicht einsieht?

Zitat: "...sondern um den Umgang mit einer zumeist schwierigen Klientel, die ihre Taten in der Regel verleugnet,..."

"Quelle"
http://www.bewaehrungshilfe.de/site/index.php?/archives/42-Arbeit-mit-Sexualstraftaetern-in-der-Bewaehrungshilfe.html

"Früher war es nicht einfach, aber heute möchte ich auch nicht jung sein" Zitat meiner Oma

Beitrag von nijinsky 09.05.11 - 20:33 Uhr

Ich soll nicht so viel faseln, gut, ich werde mich bessern!

Wie dümmlich deine aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat oder vielleicht auch Links ohne Anspruch auf journalistische Qualität sind, wird sich Dir sicher nicht erschließen.

"Diskussion" geht anders, aber das hast du ja auch nicht in deiner Jugend lernen können, als die Heimat noch schön war, aber nicht nur durch die Tiere im Wald...

"Früher... " deine Oma hatte recht!

Beitrag von willow19 09.05.11 - 21:59 Uhr

Man braucht nicht für alles eine Statistik!
Es ist ja auch mehr als logisch, wenn jemand nicht therapiert werden will, dass es dann auch unter Zwang nicht klappen kann. Dazu benötigt man keine Studie, dazu ist nur ein wenig Verstand nötig.
Man muss erstmal einsehen, dass man ein Problem hat, dabei kann einem ein Therapeut sicherlich helfen, aber erkennt die betroffene Person die Situation nicht, schlägt auch keine Therapie an.
Einen Alkoholiker kann man auch in die Entzugsklinik stecken, ist aber der Wille nicht groß genug, um dem Alkohol abzuschwören, hätte er sich den Weg genauso gut sparen können.

LG

Beitrag von nijinsky 09.05.11 - 22:47 Uhr

Es ist "mehr als logisch" schwurbeltest du dahin, ach ich sollte ja nicht faseln!
Deutsche Steigerung: logisch, logischer, am logischsten - am alllerlogischsten- mehr als logisch, oder wie?

"ein wenig Verstand" sei "nötig", um ohne Studie oder ira oder studio, vielleicht schlicht ohne zu Denken, sagen zu können, unter welchen Umständen eine Therapie (ein Schelm, wer jetzt noch eine Spezifizierung der Therapie lesen wollte!) wen auch immer (kann man das nun auch noch steigern? "Wen auch immer" - "Mein Gott, wie ist der denn drauf?" - Superlativ wäre dann wohl: "Wie, du schreibst bei urbia?" -> Frau Amirpur verzeihe mir die Anspielung) zu beurteilen, oder sollte ich schreiben "ab zu urteilen"?

"Anschlagen" tut eine Therapie selten, Frage wäre ja, ob es eben möglich ist, eine Therapie (Heilbehandlung) so zu gestalten, dass durch Einwirkung des Therapeuten eine Änderung beim Therapierten (in welcher Form immer) ausgelöst wird.
Der Ansatz, "Wenn er nicht will geht's nicht!" klingt mir zu einfach.

Sei mir nicht böse, aber ich hätte gerne eine Statistik, die die Behauptung untermauern könnte, dass eine Therapie nicht funktionieren kann, wenn sie nicht vom ... Patienten? Therapieopfer? Straftäter? -- wie nennen wir das denn? initiiert ist.