mental am Ende

Archiv des urbia-Forums Frühes Ende.

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von anne2010 08.05.11 - 08:02 Uhr

Guten Morgen!
Herzlichen Dank für´s Zuhören.

Ich hatte am Do 5.5. eine Fehlgeburt mit natürlichen Abgang. Ich wusste bereits ca. fast 2 Wochen zuvor, dass ich vor einer Fehlgeburt stand, da unser Mausi nicht richtig gewachsen ist. Meine Ärztin machte mir deshalb am Mo, den 2.5 keine Hoffnung mehr und deshalb bekam ich einen Termin zur Ausschabung am 5.5., gott sein Dank meinte es aber mein Mausi gut mit mir und ging von alleine an diesem Tag ab. Hoffe jetzt natürlich, dass auch alles ordnungsgemäß rauskommt, damit ich nicht doch noch eine Ausschabung benötige. Heute geht es mir körperlich wieder besser, die letzten Tage war schon etwas hart, aber mental bin ich wirklich am Ende.

Mein Mann nimmt nicht Anteil und redet immer von einem Zellhaufen und dass es gut so ist. Natürlich kümmert er sich um unseren Sohn, damit ich Ruhe habe, aber er redet nicht mit mir wie ich es mir erhoffe und dann streiten wir nur. Es war ja unser Wunschkind, ich bin einfach so unsagbar traurig. Natürlich weiß ich, wir können es wieder versuchen und beim nächsten Mal wird es oder kann es wieder klappen, wir haben ja bereits einen Sohn, doch ändert dies meine Situation: Es ist weg! Ich fühle mich leer. Auch meint er der Begriff Sternenkind ist fürchterlich, es ist ja noch kein Kind. Ja, aber meine Vorstellung war schon da.

Wird es irgendwann besser, trotz neuer Schwangerschaft oder Baby? Vergisst man diesen Schmerz irgendwann?

Eine #kerze für alle #stern kinder!

Danke nochmals für´s zuhören.
lg Anne

Beitrag von almararore 08.05.11 - 08:33 Uhr

Ich bin sprachlos.

Lass ihn mal lesen, wenn er es nicht verstehen kann.

Wir fühlen die Kinder teilweise schon kurz nach dem Eisprung oder wir ahnen was passiert noch bevor wir schwanger sind. Wir werden von Anfang an von Hormonen überflutet und fühlen uns wie gefressen und wieder ausgekotzt. Dabei versuchen wir unser Tagespensum mit Arbeit und Kindern trotzdem zu schaffen. Manchmael geht es schief und wir werden entweder nach langem Hoffen und Bangen oder von hier auf jetzt einfach ausgebremst. Ja, ja dann wäre es halt schön, wenn wir einfach so pfeifend weitermachen könnten. Wir würden das auch gerne, da so eine Fehlgeburt nämlich ganz schön belastend ist und wir diesen "Zirkus" ja nicht genießen. Leider sind, wenn die Kinder weg sind die Hormone noch da und die Bindung zum Kind, die schon recht früh beginnt...
Aussagen wie:
"Das war ja noch kein Kind."
" Du hast ja schon Eins."
"Du kannst ja noch Eines kriegen, bist ja noch jung."
"Es ist besser so."
usw... helfen da nicht, denn es war DIESES eine Kind, dass einen Geburtstermin hatte, dieses Kind dass seine Spuren im Körper und im Herzen hinterlassen hat.
Ein bisschen Interesse für die Abläufe im Körper der Frau darf man in unserer aufgeklärten Zeit schon zeigen, wenn man mit einer zusammenlebt und mit ihr Kinder möchte...

Liebe Anne lass Dich drücken #liebdrueck
Ich wünsch Dir Alles Gute
Alex

Beitrag von singa07 08.05.11 - 14:38 Uhr

Liebe Anne,,,


es tut so unendlich weh. Der Verlust an sich - und die Reaktion des Umfeldes. Es war bei uns ähnlich, zumal wir nie den Herzschlag sehen durften. Für meinen Mann "war da noch nichts". Wir haben auch gestritten, ich habe ihm dann irgendwann einfach mal in Ruhe erklärt, dass ich eben ss war, dass da die Vorstellung eines Kindes, der Traum von kleinen Händchen, das Gefühl des weichen Köpfchens unter meinen Lippen, das weiche, warme Gewicht eines schlafenden Babykörpers, die Wünsche und HOffnungen für dieses Kind waren. Und die waren so real, wie bei meinem Sohn auch.

Ich habe das Buch "Leise wie ein Schmetterling" gelesen und meinem Mann einige Passagen daraus vorgelesen, bzw. ihn lesen lassen, was ich selbst nicht formulieren konnte. Ein Satz ist hängen geblieben: Sagen Sie niemals einer Mutter, die ein Kind verloren hat, dass das ein Zellhaufen war!

Erst konnte mein Mann mein Leid nicht ganz verstehen, dann fing er aber an, sich damit zu beschäftigen. Lange nachdem meine Trauer schon zu heilen begann, holte ihn die seine dann ein - bei der Beerdigung. Das ist jetzt schon einige Wochen her, und so langsam können wir ganz normal damit umgehen - das Grauen, ein Kind (und sei es noch so klein) zu Grabe zu tragen, hat uns sehr verändert.

Ich wünsche dir, dass du deinem Mann begreiflich machen kannst, wie sehr du in deinen Grundfesten - als Frau, als Mutter, als Mensch, erschüttert bist.

Ich drück dich.
Singa