Am Scheideweg einer langen Beziehung..... ( Sry - viel Text )

Archiv des urbia-Forums Trennung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Trennung

Sorgerecht, Umgangsrecht, Unterhaltszahlung ... ? Wenn sich ein Paar zu einer Trennung entschließt, ergeben sich für jedes Elternteil ganz neue Fragen an die eigene Lebensplanung.

Beitrag von papito 08.05.11 - 14:56 Uhr

Hallo liebe urbia Gemeinde,

eigentlich weiß ich gar nicht, wie ich mit allem anfangen soll. Ich weiß auch gar nicht, ob ich hier schreiben werde um Rat zu bekommen oder ob es mir einfach nur hilft mich in meiner Situation jemandem mitzuteilen.

Vor zwölf Jahren habe ich meine heutige Frau kennen gelernt. Wir waren eine der ersten Internetlieben, die sich so gefunden haben. Was heute inzwischen normal war, war zur BTX und AOL Zeiten noch eher selten.

Nach einigen langen Chats haben wir miteinander telefoniert. Wir haben uns super verstanden und es war wunderbar die Stimme des anderen zu hören und sich ( zumindest am Telefon ) gut zu verstehen. Doch leider konnten wir uns nicht sehen, da uns 400 km trennten und ich als Angehöriger einer Sondereinheit der Bundeswehr Hals über Kopf nach Jugoslawien musste. Wir versprachen uns täglich zu schreiben und so kam es, dass wir 6 Monate damit verbracht haben uns wirklich jeden Tag einen Brief zu schicken. Einmal die Woche haben wir telefoniert und in dieser Zeit so viel voneinander erfahren, dass man meinen konnte, wir kennen uns schon ein Leben lang.

Als ich wieder nach Deutschland zurück kam, überraschte Sie mich indem sie bei mir zu hause vor der Tür stand um mich zu begrüßen. Es war ein toller Moment sie zu sehen. Und von diesem Tag an sind wir gemeinsam durchs Leben gegangen. Wir zogen zusammen und als wir beide beruflich Fuss gefasst hatten haben wir uns für ein Kind entschieden. Leider blieben viele Jahre des Übens ohne Erfolg. Immer noch verliebt über beide Ohren haben wir uns dann entschlossen zu heiraten. Doch im taumel der Liebe habe ich ( oder auch wir ) so viele Dinge übersehen, die uns signalisieren sollten, dass wir vielleicht doch nicht füreinander gemacht sind. Die Liebe war zwar immer noch da, doch wurde das Zusammenleben zunehmend schwieriger. Der Wunsch ein Kind zu bekommen war nach wie vor da, doch das ausbleibende Ergebnis schaffte es, jeden von uns innerlich zu zerfressen. Es war dann schon so, dass ich das Thema gar nicht mehr ansprechen durfte ohne damit den Hausfrieden schief hängen zu lassen. Ihr müsst wissen, dass meine Frau bedingt durch einen zu hohen Anteil an männlichen Hormonen auch ihre Regel mitunter nur sehr sehr unregelmäßig bis manchmal Monate gar nicht bekam. Doch die Tatsache, dass die Hormone nunmal da waren beschämte sie so sehr als Frau, dass sie sich keinem Arzt anvertrauen wollte. Unser Sex war gut, keine Frage. Aber ich glaube, das war zu diesem Zeitpunkt auch noch das einzige Gute. Streit und gegenseitige Vorwürfe begleiteten unseren Alltag. Leider war es uns nicht möglich, ein Gespräch zu führen oder externe Hilfe in Anspruch zu nehmen, da sie einfach nicht bereit dazu war. Als ich dann einen neuen Job in Spanien angeboten bekam, entschlossen wir uns unsere Zukunft im Ausland zu verbringen. Wir hofften, dass uns das Leben unter der südlichen Sonne wieder zueinander bringt, da der Alltag entfällt und wir uns einer neuen, gemeinsamen Herausforderung stellen mussten. So kam es, das ich im November 2007 für 3 Wochen nach Spanien ging um meinen Job anzutreten und alles für einen Umzug vorzubereiten. Das Weihnachtsfest wollten wir noch in Deutschland feiern und dann Ende Februar 2008 übersiedeln. Doch als ich nach 3 Wochen nach Hause kam, rief ein Mann an, der auch am Telefon nach meiner Frau verlangte. Sie riss mir den Telefonhörer aus der Hand und verschwand im Schlafzimmer, wo sie dann einige Zeit mit diesem Telefonierte. In diesem Moment fuhren meine Gefühle Achterbahn. Und noch viel mehr. Wer war das, was wollte er und vor allem, was hat sie so lange mit ihm zu sprechen... Als ich sie zur Rede stellte, da beichtete Sie mir, dass sie diesen Mann ( der ganze 15 Jahre älter war als sie ) während meiner Abwesenheit im Internet kennen gelernt hat. Er aber nicht wüsste, dass sie verheiratet ist und sie eigentlich auch gar nicht weiß, warum sie das gemacht hat und das ganze jetzt beenden wird. Wutentbrand rief ich diese Nummer zurück und offenbarte dieser Person am anderen Ende, dass seine Bekanntschaft zufällig mit mir verheiratet ist. Mein Gegenüber am Telefon schwieg, hörte sich meine Ausführung an und ich legte dann auf. Ich bekam mit, dass sie noch einige Zeit über SMS miteinander kommunizierten, doch dann war schluss...
Die sich in diesen Tagen entwickelnde Eifersucht vermittelte mir, dass ich meine Frau wirklich liebe. Und ich war bereit, das alles zu vergessen. Wir hielten an unseren Pläne fest und ich Flog Ende Februar nach Spanien um meine Arbeit zu beginnen und eine Wohnung zu suchen. Da sie noch hier in Deutschland fest angestellt war beschlossen wir, dass sie erst ihren Arbeitsplatz aufgibt, wenn ich vor Ort alles geregelt habe. In Spanien hatte ich viel Zeit zum Nachdenken und mir wurde bewusst, dass es keinen Besseren Zeitpunkt gibt diese Beziehung zu beenden. Ich buchte ihr einen Flug, damit ich ihr wenigstens persönlich sagen konnte, dass ich mir ein Leben mit Ihr nicht mehr vorstellen kann. So kam es, dass sie mich 4 Wochen später besuchte und noch bevor ich Ihr sagen konnte, dass es das Ende unserer Ehe ist erzählte sie mir, dass sie schwanger ist.

Ein jeder Leser mag jetzt 1 + 1 zusammenzählen, aber ich war so blind vor Freude, dass ich meinen Trennungsgedanken sofort augab ( und auch nicht einen Moment an diesen Typen vom November dachte ) und sogar ihre Angst, mit Kind in Spanien zu leben nachvollziehen konnte. So kam es, dass ich mich für eine Familie in Deutschland entschieden habe und Spanien Spanien sein ließ. Die Schwangerschaft war eine schöne Zeit und ich dachte wirklich, es schweißt uns wieder zusammen. Unsere Tochter kam zur Welt und ich war der glücklichste Mensch auf dieser Erde. Meine Frau ging wieder arbeiten und ich kümmerte mich fortan um die kleine. Doch irgendwie war es nicht mehr so wie früher. Ich muss sicherlich niemandem erzählen, wie Resourcenzehrend ein Kind sein kann. Aber auch in unserer Ehe kamen die ganzen Schwierigkeiten wieder, die von nun an auch durch Depressionen meiner Frau begleitet wurden. Ich hielt weiterhin zu ihr und dachte allen ernstes, dass wir es irgendwie schaffen. Doch jetzt ist die Kleine 2,5 Jahre und ich bin am Ende meiner Kräfte. Wir sitzen nur noch nebeneinander, machen nichts mehr zusammen und auch das, was mal guter Sex war ist nahezu gänzlich verschwunden. Vor vier Wochen dann habe ich ihr gesagt, dass ich glaube, dass getrennte Wege die besseren Wege für uns sind, bot aber eine Eheberatung an um evtl doch etwas zu retten.
Doch leider wurde dieses Angebot nicht angenommen und der Alltag nahm seinen Lauf. Heute habe ich mich entschlossen zu gehen und ihr dies auch mitgeteilt. Ich habe einfach nicht mehr die Kraft und den Mut mich dieser Herausforderung weiter zu stellen. Doch nun kommt die Angst. wie soll ich das alles schaffen. Wohin mit dem Kind. Schließlich will ich nicht, dass das Kind die Leidtragende ist. Wie finde ich eine neue Wohnung ohne Geld. Ich habe nur einen Teilzeitjob. Gerade überfallen mich so viele Gedanken und Ängste, dass ich schon jetzt vor meiner Entscheidung Angst habe und nicht mehr weiter weiß. Und ich frage mich sogar, ob es nicht besser ist diesen bisherigen Weg weiter zu gehen nur um diesen Ängsten aus dem Weg zu gehen.

Und nun sind wir hier. Im Heute und am Punkt, der von mir eine Entscheidung fordert. Und ich nicht weiß, ob ich bereit bin mein Kind zu verlieren nur um wieder ein eigenständiges Leben führen zu können.


Beitrag von milka700 08.05.11 - 16:31 Uhr

Ich glaube du verschweigst da was? Nämlich deinen Hintergedanken, das Kind ist nicht von dir?
Ich wundere mich echt sehr oft, wieviele Männer nur mit ihrer Frau zusammenbleiben, wenn es ab und an noch Sex gibt oder die Option darauf! Erst, wenn sie MERKEN, dass DIESER Zug abgefahren ist (in welchem Zusammenhang auch immer, z.B. Sex mit neuer Frau bei vielen), trennen sie sich.
Und wenn deine Frau zuviele männliche Hormone hat, wie hat sie das ohne Arzt herausbekommen?
Manche Leute stricken sich da ja ein Zeug zusammen - unglaublich... :D
Naja, ich an deiner Stelle würde einen Vaterschaftstest machen und wenn der negativ ist, zumindest den Unterhalt vom Erzeuger einklagen. Denn was DER getan hat, war skrupellos. Deine Frau war da auch skrupellos, wenn es wirklich nicht dein Kind ist - klingt dann nämlich nach "drauf angelegt haben".
Alles Gute!

VG, Ilka

Beitrag von papito 08.05.11 - 18:22 Uhr

hallo Ilka,

danke für deine Antwort. Nun, den Hintergedanken, dass das Kind nicht von mir ist, hatte ich sehrwohl. Und es sei dir versichert, dass ich mir in dieser Angelegenheit bereits Gewissheit verschafft habe. Es ist mein Kind.

Wenn es sich so dargestellt hat, dass ich nur wegen dem Sex bei meiner Frau geblieben bin, dann sei dir gesagt, dass dies nicht der Fall ist. Ich bin bei meiner Frau geblieben, weil ich sie liebe. Und dafür war ich bereit auch viele Tiefen durchzumachen. Und um dir die Gewissheit zu geben, NEIN, es gibt und gab keinen Sex mit einer anderen Frau. Denn es gibt auch Männer, denen Treue etwas bedeutet. Auch wenn es vielen Frauen nicht in´s Bild passt, weil sie vielleicht selbst andere Erfahrungen sammeln mussten. Sei es als betrogene Ehefrau oder als Geliebte, die ihn dann doch nicht haben konnte.

Ich kann mich auch nicht entsinnen geschrieben zu haben, dass in der Hormonangelegenheit kein Arzt im Spiel war. Ich schrieb lediglich, dass sie nicht bereit war sich helfen zu lassen, weil es ihr unangenehm ist / war. Die Feststellung erfolgte bereits in der Jugend und ist familiär belastet.

Mein eigentliches Problem ist, dass ich Angst davor habe mein Kind zu verlieren und ich nicht weiß ob ich ALLEIN DESWEGEN und nicht wegen irgendwelchen Sexoptionen von einer Trennung absehen soll. Denn ich bin, und auch das mag vielleicht fremd sein, ein Vater der sein Kind liebt und es nicht als Produkt einer geilen Nacht ansieht, welches nur hinderlich ist.

Sollte ich fälschlicherweise einige Sätze deines Posts fehlinterpretiert haben, so möchte ich mich dafür entschuldigen. Dies war keinesfalls meine Absicht.

LG

Beitrag von carpediem01 08.05.11 - 19:53 Uhr

Ciao papito,

als Mann ist es um einiges Schwieriger sein Kind bei sich zu behalten!! Und du kommst ohne Anwalt nicht weiter!!! Ich würde dir gerne Mut machen, aber es ist sehr schwer!!

Ich wünschte mein Ex hätte nur halb soviel Karakter wie du!!

LG

Beitrag von milka700 09.05.11 - 06:33 Uhr

Hallo Papito,

du nimmst zuviel persönlich! Ich meinte vieles eher allgemein, aber deine Einstellung ist löblich.
Du bist halt gerade sehr durch den Wind, aber so wie du dich kümmerst, sehe ich gute Chancen, dass es kein Problem mit dem Umgangsrecht gibt.
Ihr seid doch erwachsen, da werdet ihr sicher über alles reden können? (müssen)
Heutzutage ist es auch normal, dass ein Kind zum großen Teil beim Vater aufwächst, ab 6 Jahren hat es Mitspracherecht.
Also Sorge ums Kind hin oder her - aber mit fröhlichen Eltern würde es sicher besser aufwachsen, oder?

VG, Ilka

Beitrag von bruchetta 08.05.11 - 21:14 Uhr

Da Du Dich in der Elternzeit um Dein Kind gekümmert hast (und noch kümmerst) und Deine Frau, so wie ich es heraus lese, VZ arbeitet, macht es doch Sinn, dass Du Dich um Euer Kind kümmerst, Deinem TZ-Job nachgehst und zusätzlich Unterhalt und Kindergeld bekommst.
Wenn das Geld trotzdem nicht reicht, gibt es viele Kanäle, aus denen noch Zuschüsse bezogen werden können, das sollte nicht das Problem sein.

Wäre ich Du, würde ich mir eine kleine Wohnung für Dich und Deine Tochter in der Nähe Deiner Frau suchen, so dass sie beide Elternteile problemlos auf Wunsch komplikationslos sehen kann.

Ich denke nicht, dass es aus Angst vor der Zukunft, aus Bequemlichkeit oder wegen des Kindes Sinn macht, an einer kaputten Ehe festzuhalten.
Krisen sollten natürlich überwunden werden, es sollte auch so einiges probiert werden, um die Beziehung zu erhalten. Aber irgendwann ist auch gut.
Vor allem, wenn die Liebe definitiv weg ist, macht es wirklich keinen Sinn mehr!

Beitrag von mindgames 09.05.11 - 00:34 Uhr

Hallo Papito

Leider kann ich Dir bezueglich weiteres Vogehen keinen Tipp geben. Ich will Dir lediglich mitteilen, dass mich Eure Kennenlerngeschichte sehr beruehrt hat. Ich kenne meinen Mann auch ca. so lang wir Ihr Euch kennt und habe mit ihm anfangs eine langjaehrige Fernbeziehung gefuehrt. Da lernt man sich auf andere Weise sehr intensiv kennen und die Liebe waechst sehr stark.

Nun bist Du (seid Ihr) an diesem Punkt und ich hoffe, dass Ihr - wenn Ihr Euch noch liebt - Eure Ehe retten koennt. Vielleicht musst Du auch einmal herausfinden, ob Du Deine Frau wirklich noch liebst oder einfach nur an ihr haengst, wegen Eurer langjaehrigen Geschichte zusammen und wegen Eurem Kind.

Ich wuerde selber einmal an eine Paar-/Eheberatung gehen und schauen, wie sich das entwickelt oder was das bringt. Vielleicht zieht Deine Frau ja irgendwann mal auch mit, wenn sie merkt, dass es Dir ernst ist.

Alles Gute und LG.
Mindgames

Beitrag von starshine 09.05.11 - 12:42 Uhr

Danke für den Rückblick! Habe meinen Ex und Vater meiner Kinder auch vor ca. 14 Jahren so im Chat kennen gelernt. Allerdings ist unsere älteste Tochter mittlerweile 13 und vielleicht das 1. "Internet-Kind" überhaupt :-))

Du hast Dich bis jetzt hauptsächlich um Euer Kind gekümmert und ich verstehe überhaupt nicht, warum Du sie durch eine Trennung verlieren solltest. Wenn Du allerdings wirklich Zweifel an Deiner Vaterschaft hast (ich lese das zwischen den Zeilen) und einen Test anstrebst, dann musst Du auch für Dich sicher sein, dass Du mit dem Ergebnis leben kannst! Wenn sie nicht Deine Tochter ist, stellst Du die Gefühle dann einfach ab? Wenn sie nicht Deine Tochter ist, hast Du auch kein Sorgerecht etc. pp.....

Beitrag von witch71 09.05.11 - 13:47 Uhr

Meine Tochter ist 15 und ich habe meinen Ex im Internet kennen gelernt. Nur so nebenbei. ;-)