Was ist Glück?

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Beitrag von imageless thought 10.05.11 - 11:15 Uhr

Eigentlich ist meine Frage im Philosophieforum besser aufgehoben, aber weil es mit Partnerschaft zu tun hat, stelle ich sie hier.
Ich traf mich neulich mit einer Bekannten. Dabei habe ich festgestellt, dass sie ein sehr glücklicher Mensch ist. Ihre Rahmenbedingungen sind so. Sie hat sich vor einem Jahr nach langer Beziehung von ihrem Mann getrennt, und ist jetzt alleinerziehend mit zwei Kindern. Sie hat einen Vollzeitjob und steht nach der Trennung eigentlich im Dauerstress, auch hat sie finanzielle Einbußen. Vorher lebte sie im eigenen Haus, fuhr einen schicken Wagen und mehrmals pro Jahr in Urlaub, hatte ein eigenes Pferd und viel mehr Freizeit, die ihr jetzt fehlen würde. Trotzdem ist sie, wie gesagt, glücklich. Auf meine Frage, weshalb sie glücklicher ist als vorher, hat sie die Antwort gegeben, sie habe nach der Trennung zu sich gefunden.

Glück scheint also nicht die reine Abwesenheit von Unglück zu sein. Zumal sie in ihrer Ehe nicht wirklich unglücklich war. Die Liebe verschwand mit den Jahren, und irgendwann hat sie sich gefragt, ob das schon alles gewesen ist.

Die gleiche Frage stelle ich mir auch.

Es gab nur eine Phase in meinem Leben, in der ich glücklich war. Nach dem Treffen mit meiner Bekannten habe ich darauf mit ein wenig Bedauern und Sehnsucht zurückgeschaut. In dieser Phase herrschte ein Gefühl von Dankbarkeit vor, meine Möglichkeiten verwirklichen zu können. Ist das Glück?

Bin ich jetzt unzufrieden? Wenn Glück nicht das reine Fehlen von Unglück ist, dann ist nicht glücklich sein nicht Unzufriedenheit. Ich bin zufrieden, aber glücklich bin ich nicht. Vielleicht bin ich einfach satt? Ich habe meine Ziele verwirklicht. Neue gibt es nicht mehr. Ich bin angekommen. Müsste ich nicht glücklich sein?
Warum frage ich mich dann überhaupt, ob es noch andere Ziele zu erreichen gibt, wenn die Antwort darauf nein lautet?
Ich schreibe deshalb schwarz, weil mein Partner ab und zu hier liest. Ich möchte ihn mit diesen Gedanken nicht vor den Kopf stoßen. Es klingt, als würde ich meine Beziehung in Frage stellen, dabei stelle ich eher mein Leben in Frage.
Ich hoffe, jemand wird aus den wirren Gedanken schlau, und möchte selbst etwas darüber erzählen, was ihn glücklich macht.

Beitrag von ajl138 10.05.11 - 11:27 Uhr

Was ist Glück?

Meine Antwort:
Ansichtsache,nicht an bestimmten Dingen festmachbar.

Beitrag von lichtchen67 10.05.11 - 11:29 Uhr

Ich denke Glück kommt in erster Linie aus einem selber. Es gibt Menschen, die sind glücklich... egal was sie haben und wie sie leben. und Menschen die sind generell eher unglücklich, denen fehlt immer etwas, die sind permanent auf der Suche, weil sie das Gefühl haben, etwas noch nicht gefunden zu haben, etwas verpasst zu haben.

vielleicht überforderst Du Dich einfach nur? Du schreibst, du hast alle Ziele die Du hattest verwirklicht und nun keine neuen mehr. das ist ziellos, ja... das macht ruhelos, schafft den Gedanken "war das alles?".

Wozu große ziele und Erreichbarkeiten? Ich habe Wünsche, sicher. Ziele? Mein Ziel ist es eigentlich glücklich zu sein, die großen Lebensziele, nein die habe ich nicht, hatte ich auch nie.

Lichtchen

Beitrag von imageless thought 10.05.11 - 11:37 Uhr

Liebe Lichtchen, ich bin ja nicht unglücklich. Wie ich bereits schrieb. Nicht einmal unzufrieden bin ich, aber glücklich, das war ich nur einmal in meinem Leben. Das war sehr schön, gerne hätte ich diese Phase des Glücklichseins eingefangen und für immer konserviert, jetzt ist es nur noch eine Erinnerung, und nur durch diese Erinnerung weiß ich, dass mir das Glück fehlt. Ich habe versucht zu analysieren, worin das Glück in dieser Phase bestand, oder ob die Phase des Zielverwirklichens selbst das Glück gewesen ist, und ob ich jetzt deshalb nicht glücklich bin, weil ich keine Ziele mehr habe. Eine Antwort habe ich darauf immer noch nicht gefunden, weswegen ich diesen Beitrag schrieb. Ich gebe aber zu, ruhelos zu sein, wobei ich das schon immer war.

"Mein Ziel ist es eigentlich, glücklich zu sein...." nur weiß ich die Schritte dahin nicht.

Beitrag von lichtchen67 10.05.11 - 11:56 Uhr

Hm... weißt Du was mir auffällt? ich kanns eher umgekehrt sagen.. ich bin auch mal unzufrieden, sauer, mir gefällt mal was nicht, bin einfach scheiße drauf - aber ich bin trotzdem glücklich. Ich sag und empfinde es irgendwie umgekehrt wie Du....

Vielleicht ist es einfach nur die Denkweise? Was ist schon Glück? Für jeden doch was anderes? Welchen Gefühl aus der Vergangenheit hängst Du da hinterher? Dinge sind mit Ü40 vielleicht einfach anders als mit Ü20? Man hat mehr erlebt, mehr "Päckle" zu tragen, ist nicht mehr ganz so unbeschwert?

Die Schritte kann ich Dir auch nicht sagen.. ich denke ich empfinde grundsätzlich anders... ich habe auch nicht diese ruhelosigkeit in mir. Ich muss nicht immer was neues haben/entdecken.

Lichtchen

Beitrag von imageless thought 10.05.11 - 12:18 Uhr

Vielleicht hast du Recht, aber in anderer Hinsicht. Vielleicht war die Phase der Zielerreichung deshalb meine glücklichste, weil sie meinem ruhelosen Naturell am ehesten entsprochen hat.

Beitrag von lichtchen67 10.05.11 - 12:27 Uhr

Gut möglich. Sicherlich ist man am glücklichsten, wenn man seinem Naturell (wie Du es bezeichnest) entsprechend lebt. Da ist bestimmt was dran.

Tut man das nicht, verkümmert ja quasi immer ein Teil... hm.

lichtchen

Beitrag von umsche 10.05.11 - 12:04 Uhr

Wenn du nach dem großen Glück suchst verpasst du viele kleine Glücke. Du kannst jeden Tag glücklich sein, wenn du nur willst. Und am Ende des Lebens empfindet man dann die Summe der vielen, kleine Glücke als ein glückliches Leben.

Z.B. glaube ich, dass Zufriedenheit ein sehr großes Glück ist.

Ich fühle mich heute sehr glücklich, weil ich ohne Schmerzen mit dem Hund laufen konnte, das Wetter so toll ist, warm mit leichtem Wind, weil ich weiß, was ich koche und alles schon dafür vorbereitet ist, so dass ich nicht mehr viel Arbeit haben werde, weil ich mein Pensum an Schmutzwäsche für heute weggewaschen habe usw.usf.

Ich freue mich auf heute Abend, weil ich ein tolles Buch angefangen zu habe zu lesen und wenn die Kinder im Bett sind, werde ich auch ins Bett gehen und lesen. Die Ruhe habe ich heute, weil mein Mann heute Abend nicht da sein wird. Vielleicht mache ich mir eine Flasche guten Rotwein dazu auf. Ich werde in meinem Schlafzimmer die Dachfenster, unter denen ich schlafe, groß aufmachen, die kühle Abendbrise genießen und es mir mit meinem Buch und meinem Glas Rotwein gut gehen lassen. Das ist für mich wirklich Glück! :-)

Beitrag von .neo 10.05.11 - 12:07 Uhr

"Du kannst jeden Tag glücklich sein, wenn du nur willst."

Andere würden das Selbsttäuschung nennen.

Beitrag von umsche 10.05.11 - 12:11 Uhr

Und wieder andere würden das lebensklug nennen!

Beitrag von umsche 10.05.11 - 12:13 Uhr

Glück ist im Grunde deine innere Einstellung zu den Begebenheiten deines Lebens.

Beitrag von .neo 10.05.11 - 12:28 Uhr

Und so könnten wir aus diesem Gespräch eine Endlosschleife machen.

Beitrag von umsche 10.05.11 - 13:03 Uhr

Quatsch - du musst nur Einsehen, dass ich Recht habe. ;-)

Beitrag von imageless thought 10.05.11 - 12:13 Uhr

In Zusammenhang mit meiner früheren Glückserfahrung stellt sich mir dann nur die Frage, weshalb ich es nicht willentlich herbeiführte, glücklich zu sein beziehungsweise Glück zu empfinden, sondern es einfach nur war.
Ähnlich wie mit der Liebe, kann ich den Zustand des Liebens nicht willentlich beeinflussen. Ich liebe oder nicht, ich kann mich nicht willentlich entscheiden, das zu tun. Ich würde auch Freude und Vorfreude nicht mit Glück gleichsetzen. Was du ansprichst, sind für mich Aspekte von Zufriedenheit und weniger mit Glück.

Beitrag von hoher_Norden 10.05.11 - 11:44 Uhr

Hm, ich kanns nur so festmachen für mich:

Ich war 8 Jahre mit meinem Exmann zusammen - mir hat es an nichts gefehlt, finanziell war alles super, Auto, Haus, Urlaube, Klamotten - alles kein Problem. Er hat mich auch nicht schlecht behandelt in dem Sinn. Aber ich war viel alleine und hatte immer das Gefühl, dass ich hinter anderen Dingen komme - damit wollte und konnte ich nicht die nächsten xx Jahre leben. Manchmal habe ich mich ein bißchen gefühlt wie im "goldenen Käfig".

Nun habe ich: wenig Geld, oftmals ist es sehr sehr knapp, ich bräuchte dringend ein oder zwei neue Hosen und Blusen fürs Büro. Das ist im Moment nicht drin. Urlaub? Ab und zu geht mal ein Wochenende mit dem Wohnwagen. Unser Haus (zum Glück nur gemietet) ist eine riesen mega Baustelle und wir sind auf der Suche nach was neuem. ABER: Ich bin angekommen, fühle mich angenommen, bin gelandet und fühle mich zufrieden und glücklich.

Beitrag von schnee-weisschen 10.05.11 - 11:50 Uhr

Hey,

ich denke Glück ist gleich Zufriedenheit. Wobei ich glaube, dass ein gewisses Maß an Unzufriedenheit auch einen Antrieb darstellt.

Ich würde gar nicht alles haben wollen, weil das für mich Stagnation bedeuten würde.
Man müsste dann praktisch im "Glück" Dinge suchen, die davon ablenken, dass man auf der Stelle tritt.

Unterscheiden würde ich zwischen Dingen, die man selbst günstig beeinflussen kann und Dingen, die das Leben einem aus der Hand nimmt.
Völlig glücklich zu sein, ist also eigentlich praktisch unmöglich, es sei denn, man akzeptiert Dinge, wie sie sind.

Akzeptanz ist, glaube ich, das Wichtigste. Damit kann man die übelsten Schicksalsschläge, schwere Krankheit etc. ertragen.
Was nutzt es, zu fragen "warum", das raubt Kraft. Etwas, das man nicht ändern kann, ist eben so, und man muss es so gut hinkriegen, wie es eben nur geht und sich nicht entmutigen lassen.

Vielleicht ist Deine Bekannte gar nicht so glücklich, wie sie vorgibt?
Ich würde jedenfalls niemandem bei einem zufälligen Treffen von meiner persönlichen Unzufriedenheit erzählen.

Manchmal trifft man auch falsche Entscheidungen und schönt das Ganze vor sich selbst, weil der eigentliche Fehler schwer bis gar nicht rückgängig zu machen ist.
Auch aus einer schlecht erscheinenden Situation kann man aber für sich etwas Schönes schaffen. So eine Art persönliche Oase.
Viele erkennen das nur nicht.


LG

sw

Beitrag von .neo 10.05.11 - 11:56 Uhr

Ausschüttung von Dopamin. Und was man dafür tun muss. Mal mehr, mal weniger.

Beitrag von umsche 10.05.11 - 12:06 Uhr

Wie ernüchternd!

Beitrag von .neo 10.05.11 - 20:53 Uhr

Eher auf den Punkt gebracht, wenn man das mit dem Dopamin noch ergänzt.

Bezugnehmend auf Ockhams Rasiermesser.

Beitrag von imageless thought 10.05.11 - 12:10 Uhr

Was man dafür tun muss, ist für mich mehr von Interesse, als die Nennung eines Neurotransmitters, der im Übrigen nicht allein für den körperlichen Zustand von Glück verantwortlich ist.

Beitrag von .neo 10.05.11 - 12:26 Uhr

Was man dafür tun muss, ist vom jeweiligen Menschen abhängig. Ich möchte dir da keine Erfolgsberatung geben.

Aber was meinst Du denn, was für den körperlichen Zustand des Glücks verantwortlich ist, wenn kein Neurotransmitter?

Beitrag von imageless thought 10.05.11 - 12:45 Uhr

Neben Dopamin wird u.a. auch dem Serotonin unterstellt, ein Glückshormon zu sein. Bevor das zu weit führt, hier eine amüsante Geschichte,
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,760220,00.html
die aber zeigt, dass man vorsichtig sein muss, Gefühlszuständen nur eine Ursache zuzuschreiben.

Beitrag von .neo 10.05.11 - 14:24 Uhr

Ich konnte den Artikel jetzt nur überfliegen. Aber da geht es doch um die Aussagekraft und Interpretation von Messungen, bzw. deren Schwächen.

Aber wodurch sollen Reize im Nervensystem übertragen werden, wenn nicht über elektrische Reize im Gehirn, Neurotransmitter, etc?

Beitrag von imageless thought 10.05.11 - 14:38 Uhr

Wir schreiben aneinander vorbei. Ich habe deine erste Antwort so verstanden, dass du einzig und allein dem Dopamin die Ursache zuschreibst, körperliche Glückszustände hervorzurufen. Deshalb mein Einwand mit dem Serotonin und der verlinkte Artikel.

Beitrag von .neo 10.05.11 - 14:39 Uhr

Ah, jetzt habe ich verstanden. Nein, ich wollte es nicht nur dem Dopamin zuschreiben. Das war etwas schlampig von mir formuliert.