17 Jahre schon

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von chickhicks 10.05.11 - 11:39 Uhr

Hallo,

Mein Vater ist heute 17 jahre tot. Mir erscheint das fast ein Unding. Irgendwie scheint es wie gestern, dass wir zusammenwaren und doch erscheint es mir alles wie eine Ewigkeit. Klingt unverständlich, aber genau so ist es.
Er war noch sehr jung, gerade mal 36 Jahre alt. Und in wenigen Jahren habe ich auch dieses Alterer reicht und merke erst jetzt, wie jung er wirklich war.
Ich vermisse ihn noch viel, aber nicht mehr mit dieser allumfassenden Trauer. Man lernt die Trauer in sein Leben einzugliedern. Ich war ja noch ein Kind, als er starb, weshalb es auch sehr schwer war für mich.

Ich wünschte, ich könnte noch einmal mit ihm reden.
Ich wünschte, wir könnten uns verabschieden.
Ich wünschte, er könnte sienen Enkel kennenlernen und dieser ihn.
Ich wünschte, er könnte mich als Erwachsene kennenlernen und ich ihn als Opa.
Ich wünschte, er hätte die für ihn so faszinierenden Veränderungen nach der Wende weiter miterleben dürfen.
In den letzten 17 Jahren habe ich jede neue Baustelle mit seinen Augen betrachtet.
Ich wünschte er hätte die neugewonnene Freiheit, nach der er sich so gesehnt hatte, auch ausleben können.
Jede Reise die ich unternehme, unternehme ich auch für ihn, bin glücklich und wehmütig zugleich.
Ich wünschte, er hätte meine Schwester zu einer so jungen hübschen Frau heranwachsen sehen können. Er wäre so stolz.
Ich wünschte ich könnte mir ad hoc vorstellen, wie er neben mir sitzt und erzählt. Leider ist das nicht mehr so mühelos.
Ich freue mich auf jeden noch so traurigen Traum, in dem er vorkommt, da höre ich seine Stimme und sein Lachen. Mit den Jahren sind sie weniger geworden, was auch gut ist.
Ich wünschte für meine Schwester, dass sie ihren Vater nicht nur als junges Kind wahrgenommen hätte, sondern ihn zumindest wie ich als Jugendliche erlebt hätte.
Für uns beide wünschte ich zu erfahren, wie es wäre, ihn als Erwachsene zum Vater zu haben.

Es gab eine Zeit danach, da gab es für mich keinen Unterschied im Leben und Sterben. Es war mir gleichgültig.
Diese Zeit war voll überwältigender Trauer und Wut.
Ich bin froh, dass diese Zeit lange vorbei ist.
Ich bin froh, an ihn denken zu können und zu lachen.
Ich bin froh überhaupt einen so tollen Vater gehabt zu haben.

Es tat gut, dass aufzuschreiben.

lg,

chick

Beitrag von juju0980 10.05.11 - 12:03 Uhr

Ich kann Dir gut nachempfinden. Bei meinem Vater sinds dieses 18 Jahre... unglaublich. Und auch bei mir: Je älter ich werde, desto bewusster werde ich mir, wie jung er tatsächlich noch war.

Mein Freund wird dieses Jahr 41. Mein Papa starb mit 43 - das kann einem schon mal Angst machen.

#liebdrueck#liebdrueck#liebdrueck#kerze

Beitrag von chickhicks 10.05.11 - 21:53 Uhr

Danke, ja es ist sehr merkwürdig diesem Alter entgegenzustreben.
ich fand es zudem sehr befremdlich, als er vor wenigen jahren genauso lange tot war, wie ich jahre mit ihm hatte. Das war damals ein sehr merkwürdiger Todestag. Generell setzt mir der Todestag aber eher wenig zu. Vielleicht wäre es anders, hätte ich alles aktiv miterlebt. was wohl zum einen gut ist, zum anderen aber auch wieder traurig, weil ich so traurig bin, dass er allein war, als er starb. Bzw. in einer fremden Stadt in einem anonymen krankenhaus unter lauten Fremden.

lg

Beitrag von maxundjan 10.05.11 - 19:18 Uhr

#liebdrueck

Beitrag von chickhicks 10.05.11 - 21:54 Uhr

Danke:-)

Beitrag von derhimmelmusswarten 10.05.11 - 19:30 Uhr

Wie traurig. Ich kann es nachvollziehen. Nächste Woche ist mein Opa ein Jahr tot. 27 Jahre haben wir zusammen gelebt. Nächste Woche erwarten wir unser 2. Kind. Wie sehr hätte ich mir gewünscht, dass mein Opa sie sieht. Er hätte sich so gefreut. Und wie sehr hätte ich mich gefreut, hätte meine Oma sie richtig kennenlernen dürfen. Das ist alles so ungerecht. Meine Tochter hat in einem Jahr ihre Uroma und ihren Uropa verloren und die andere Uroma quasi auch, da sie nun ein Schwerstpflegefall ist.

Beitrag von chickhicks 10.05.11 - 21:55 Uhr

Ja leider geht es im Leben selten gerecht zu. Aber gerade das macht es auch so sinnvoll, oder?
Wenn alles vorherbestimmt und vorhersehbar wäre, was würde dann der einzelne Tag zählen?

lg

Beitrag von mausimaus1281 10.05.11 - 20:24 Uhr

Hallo Chick,


fühl dich #liebdrueck

Ich kann deine Gefühle und Gedanken gut nachempfinden... Meine Mama ist vor 22 Jahren gestorben. Sie war auch erst 32 Jahre alt :-(


LG, Mausimaus

Beitrag von chickhicks 10.05.11 - 21:55 Uhr

Oh, erst 32. Das tut mir leid. Da warst du sicherlich noch sehr jung. Kannst du dich noch gut an sie erinnern?

lg

Beitrag von mausimaus1281 11.05.11 - 09:52 Uhr

Tja, einige Erinnerungen habe ich noch an sie. Aber nicht viele.

Der Abschied wird mir wohl immer in Erinnerung bleiben, wie sie zu mir (gerade 7 J. geworden) und meinem Bruder (gerade 8 J. geworden) sagte: "Tschüß, bis später!" Nur leider gab es kein später mehr. Etwa 3 Stunden nachdem sie vom Rettungswagen abgeholt wurde, kam unser Papa vorzeitig von der Arbeit, weinend, mit seiner Mutter und sagte, dass Mama gestorben ist. Die Ärzte konnten sie nicht mehr retten. Mir war in dem Moment bewusst, was das heißt. Auch wenn viele Leute sagten, dass wir noch zu klein waren um das zu verstehen.

Meine Mutter hatte eine Lungenentzündung. Sie war diverse Male bei ihrem Hausarzt und er hat es nicht erkannt und nicht behandelt. Mein Vater hat den Arzt auch darauf hingewiesen, dass der Husten meiner Mutter so klang, wie der Husten meines Opas kurz bevor er an Lungenkrebs starb. Aber der Arzt meinte, die Lunge sei frei. Unsere Geburtstage, Weihnachten und Silvester hat sie noch erlebt. Am 5. Januar 1989 ist sie dann gestorben. Sie hatte keine Kraft mehr. Morgens sagte sie meinem Bruder er soll zum Telefon gehen, 112 wählen und Hilfe anfordern. Sie konnte nicht mehr aufstehen. Das Rettungsteam kam, trug meine Mutter aus dem Haus und brachte sie ins KH. Es war zu spät!!!

Es tut fürchterlich weh, sie fehlt mir sehr. Ich wünsche mir oft, dass sie hier ist und mit ihren beiden (bald drei) Enkeln spielen könnte und wir uns unterhalten können. Sie war sehr liebevoll und lebenslustig.


Es lässt sich nicht ändern. Ich werde damit leben müssen, wie du und viele andere Menschen auch :-(


Ich wünsche dir alles Gute! Du hast so toll über deinen Vater geschrieben, er muss wirklich ein ganz besonderer Mensch gewesen sein #liebdrueck


LG, Mausimaus

Beitrag von taenscher 10.05.11 - 20:58 Uhr

ich finde es sehr schön, wie du von deinem vater schreibst. er muss ein toller mensch gewesen sein. ich wünsche dir von herzen, dass dir die erinnerungen an ihn bleiben. ein leben lang.

Beitrag von chickhicks 10.05.11 - 21:57 Uhr

Danke schön.
Die Erinnerungen sidn eingebrannt. Schade ist, dass sie nicht mehr so lebendig sind. Deshalb freue ich mich ja so über Träume.
Er war ein toller Mensch und Vater und ich hätte so wahnsinnig gern mehr Zeit mit ihm gehabt.

lg

Beitrag von malouis 10.05.11 - 21:59 Uhr

Was du schreibst, treibt mir die Tränen in die Augen.

Am 30.01. diesen Jahres war es genau 20 Jahre her, dass mein Vater starb, er war erst 37.

Wenn ich mir meine Kinder anschaue und daran denke, dass sie ihren "richtigen" Opa nie kennenlernen dürfen, könnte ich heulen.
Louis, mein "Großer" sieht aus wie mein Papa in seinem Alter, das tröstet mich zwar ein wenig, aber macht mich auch traurig...

Ich habe einen superlieben Stiefvater, der auch der Opa meiner Kinder ist und dies ist er zum Glück auch wirklich gerne, aber mein eigener Papa ist er halt nicht.

Als Papa starb, war ich gerade 8 Jahre alt und begriffen habe ich es lange nicht, was es heißt, Papa ist tot. Ich wollte doch noch so viel mit ihm erleben..

Den Abend vor seinem Tod werde ich jedoch nie vergessen. Meine Mutter hatte mir damals nach dem Baden ganz viele Zöpfchen geflochten, weil ich Locken haben wollte und Papa freute sich auch schon auf den Morgen und mich als "Lockenkopf". Als ich ins Bett ging sagte er zu mir: Ich freu mich auf morgen früh mein Engelchen! Dieser Satz hat sich in mein Hirn eingebrannt, den nächsten Morgen hat Papa nämlich nicht mehr erlebt...

Dieses Jahr ist für mich auch nicht ganz einfach, mein Mann ist 37 und wird im September 38, so wie Papa damals... Eine gewisse Angst ist da.

#liebdrueck dich ganz fest!

#kerze für deinen Papa und eine #kerze für meinen

Sabine

Beitrag von chickhicks 10.05.11 - 22:15 Uhr

Hallo,

"Ich habe einen superlieben Stiefvater, der auch der Opa meiner Kinder ist und dies ist er zum Glück auch wirklich gerne, aber mein eigener Papa ist er halt nicht. "

Das habe ich auch. Er ist ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben geworden. eine Art vaterfreund. Obwohl ich schon 18 war, als er in unser Leben trat. Er ist wie dein Stiefvater ein toller Opa. Mir geht immer das Herz auf, wenn ich die beiden miteinander sehe.

In meinen Träumen, wenn sie denn kommen, herrscht seit jahren ein Thema vor: Mein Vater kommt zurück, aber es gibt ein Problem: mein Stiefvater, der ja ebenfalls wichtig ist udn geliebt wird. Manchmal muss ich schon über mich selber schmunzeln, so sehr scheint mich das innerlich doch manchmal zu beschäftigen.

Meine Schwester war nur ein Jahr älter als du damals. Sie war gsd noch so sehr Kind, dass sie auch noch Lebensbereiche ausserhalb der Trauer hatte. So konnte sie teils ganz unbeschwert spielen und frühlich sein. Das konnte ich mit 14 natürlich gar nicht. Dafür hat sie aber einfach viel weniger Zeit mit ihm gehabt als ich.

Die letzte Erinnerung an deinen vater klingt wirklich wunderschön.
Darf ich fragen, was ihm passiert ist?

Unsere letzte 'Begegnung' fand an einem Sonntag Abend statt. Wir verabschiedeten uns für die Woche, mein Vater sollte außerhalb arbeiten. Ich stand auf der Treppe ein wenig über ihm udn wir haben usn umarmt. das werde ich auch nie vergessen.
Letztens habe ich ein altes Video angeschaut, dass mir ein Freund nahc Jahren digitalisiert hat udn ich war ganz gefangen von seiner Stimme, seinem Lachen und Blick.

lg,

chick

Beitrag von malouis 12.05.11 - 13:26 Uhr

Entschuldige, dass ich mich erst heute melde, war etwas stressig mit den Zwergen, da mein Mann auf Ferntour mit dem Lkw war...

Mein Vater ist an Herzversagen verstorben als er nachts auf der Toilette war. Meine Mutter fand ihn dort, nachdem sein Wecker nicht aufhörte zu klingeln, weil er eigentlich für die Arbeit hätte aufstehen müssen. Mein Bruder und ich sind dann von Mamas Geschreie wachgeworden :-( und haben ihn im Bad liegen sehen.

Alles Liebe

Beitrag von chickhicks 12.05.11 - 21:07 Uhr

oh, das war sicher schrecklich und traumatisch.
ich hoffe deine mutter ist danach irgendwann wieder glücklich geworden.
ich habe mir das damals sehnlichst gewünscht. die trauer meine mutter war nach meiner eigenen mit das schlimmste für mich.

lg,

chick

Beitrag von malouis 13.05.11 - 23:11 Uhr

Ja, sie hat einen sehr lieben Mann kennengelernt und wieder geheiratet.
Aber die erste Zeit dieser neuen Beziehung war natürlich auch nicht leicht für sie, weil mein Bruder und ich den neuen "Papa" total abgelehnt haben. Er ist nie mein Vater geworden, aber mittlerweile ist unser Verhältnis freundschaftlich und für meine Kinder ist er der beste Opa...

Ich bin auch froh, dass meine Mutter wieder glücklich geworden ist und nicht alleine durchs Leben gehen muss, sie war und ist schließlich auch noch sehr jung, als Papa starb war sie gerade 35 geworden.

lg
malouis, die dringend Schlaf nachholen müsste und dies jetzt mal versucht