Psychosomatisches Turnen ???

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von juni78 10.05.11 - 20:54 Uhr

Hallo,

kennt jemand diese Art von Turnen ??

Unsere Erzieherin sprach mich im Eltergespräch heute darauf an, das dieses evtl. für unseren Sohn infrage käme.

Er ist fast 5 und super im Kiga integriert, kognitiv sehr weit und körperlich eigentlich unauffällig. (Fährt Fahrrad, schwimmt usw.) Aber immer etwas ungelenker als andere und häufig sehr zögerlich bei neuen Dingen.

Und er "stimuliert" sich wohl sehr häufig. Sei es auf den Fingern kauen, Haare drehen usw.
Sie meinte es könnte irgendwie seinen Körper schlecht spüren und dieses spezielle turnen könnte dabei helfen.
Sie hat eine Zusatzausbildung in der Richtung von daher vertraue ich ihrer Meinung und bin allem aufgeschlossen. Zumal sie einen Zusammenhang mit der Schule hergestellt hat bezüglich dem besseren Lernen.

Sie sucht mir noch Adressen raus, wo wir das machen können.
Muss das der Kia verschreiben ??

Danke für viele Antworten

Gruß
Tanja mit Niklas (*15.05.2006)

Beitrag von ina_bunny 10.05.11 - 20:56 Uhr

Wir machen psychomotorisches Turnen.

Aber das meinst du nicht, oder.

LG Ina

Beitrag von hannah696 10.05.11 - 21:01 Uhr

Du meinst sicherlich psychomotorisches Turnen, oder?

Dort werden Übungen zur Förderung der Wahrnehmung und der sensorischen Integration (Vernetzung der Sinne) spielerisch angeboten. Das Kind wird ganzheitlich (emotional, körperlich, kognitiv) angesprochen.

Ist ne gute Sache, vor allem, wenn die Erzieherin dir auch den Tipp gegeben hat. Ich hab da auch eine Fortbildung gemacht. Goggle doch mal, da findest du viel zu im Netz.

Liebe Grüße

Beitrag von juni78 10.05.11 - 21:07 Uhr

#klatsch natürlich psychomotorisch

Erst denken, dann schreiben

Danke

Beitrag von ina_bunny 10.05.11 - 21:57 Uhr

Also doch...

Ja, das läuft über Rezept vom Kinderarzt. Standard sind 50 mal bzw 18 Monate.

Einige Sportvereine bieten das aber auch ohne Rezept an. Da fällt dann eine zusätzliche Gebühr zum Mitgliedsbeitrag an, ca. 4 Euro pro Monat.

Meinem Sohn tut es gut und er geht gerne dorthin. Er hat aber keinerlei Einschränkungen in dem Sinne, er ist einfach nur unsportlich.
Bei der U-Untersuchung sollte er auf einem Bein hüpfen. Ansich kein Problem, aber er kann es nur von A nach B und nicht auf der Stelle. Somit hat der Kinderarzt beschlossen das wir das mal machen sollten. Naja, warum nicht.

LG Ina

Beitrag von cori0815 10.05.11 - 21:23 Uhr

hi Tanja,

meinst du nicht, es wäre Sache eines Kinderarztes oder anderer Fachleute, solch eine "Therapie" zu verschreiben/anzuraten?

Ich frage mich manchmal, was sich Erzieherinnen so alles rausnehmen... was hat sie denn für eine "Zusatzausbildung"???

Bevor du mit deinem Sohn dahin gehst, solltest du in meinen Augen Rücksprache halten.

LG
cori

Beitrag von belala 10.05.11 - 22:12 Uhr

Hallo cori,

die TE meinte psychomotorisches Turnen und das liegt nicht in der Kompetenz eines Kinderarztes.

LG,belala

Beitrag von cori0815 10.05.11 - 22:46 Uhr

... aber in der Kompetenz der Erzieherin???

Also wenn ich richtig informiert bin, geht es bei psychomotorischem Turnen um die Förderung der körperlichen und seelischen Entwicklung eines Kindes.

Klar ist Turnen in jedem Fall richtig für ein Kind und kann kaum falsch sein. Aber dass eine Kindergärtnerin eine "Diagnose" stellt bezüglich der körperlichen und seelischen Entwicklung eines Kindes und auch gleich eine passende Lösung parat hat, das - finde ich - übersteigt ihre Kompetenz.

Und natürlich kann der Arzt psychomotorisches Turnen nicht "verschreiben", aber er sollte einschätzen können, ob die Entwicklung deines Sohnes normal oder bedenklich ist und ob der Besuch dieser Turnstunde sinnvoll, nötig oder überflüssig wäre.

LG
cori

Beitrag von sparrow1967 11.05.11 - 10:12 Uhr

>>Aber dass eine Kindergärtnerin eine "Diagnose" stellt bezüglich der körperlichen und seelischen Entwicklung eines Kindes und auch gleich eine passende Lösung parat hat, das - finde ich - übersteigt ihre Kompetenz.
<<


Wenn nicht die Erzieherin, wer dann?
Der Kinderarzt, der das Kind ein paarmal im Jahr für ein paar Minuten sieht?
Wohl kaum oder?

Und nicht jeder Mama fällt auf, dass ihr Kind vielleicht eine kleine Förderung braucht. Eben DAFÜR sind auch Erziehrinnen da. Ich denke nicht, das sie ihre Kompetenzen überschreitet. Erzieher sind nichtnur dafür da, die Kinder zu beaufsichtigen- nein- sie sollen sie auch fördern!


Bei uns imKiga wird z.b. als Nachmittagsangebot Psychomotorik für ALLE angeboten. DIe Kinder UND die Eltern sind begeistert.


sparrow

Beitrag von cori0815 11.05.11 - 10:28 Uhr

hi sparrow,

ich finde das ja schön, wenn das angeboten wird. Und ich finde es auch schön, wenn sich Erzieherinnen eingehend um die Kinder kümmern und sie einschätzen können.

ABER: sie können und dürfen keine Diagnosen stellen. Sie sollten aber sehr wohl (und das würde ich von ihnen auch erwarten) den Eltern mitteilen, dass sie das Gefühl haben, dass ein gewisser Förderbedarf bestehe und dieses mal genauer abgecheckt werden solle. Bis hierher, aber nicht weiter, darf die Aussage einer Erzieherin gehen.

Ich diagnostiziere ja als Lehrerin auch keine Dyskalkulie oder Legasthenie, sondern gebe den (erwachsenen) Schülern oder aber den Eltern entsprechende Mitteilungen bzg. des Überprüfungsbedarfs.

LG
cori

Beitrag von sparrow1967 11.05.11 - 10:33 Uhr

Die Erziherin hat keine Diagnose gestellt, sondern ihre Beobachtungen weiter gegeben.

>>Aber immer etwas ungelenker als andere und häufig sehr zögerlich bei neuen Dingen.

Und er "stimuliert" sich wohl sehr häufig. Sei es auf den Fingern kauen, Haare drehen usw.
Sie meinte es könnte irgendwie seinen Körper schlecht spüren und dieses spezielle turnen könnte dabei helfen.
Sie hat eine Zusatzausbildung in der Richtung von daher vertraue ich ihrer Meinung und bin allem aufgeschlossen.<<

Wie zu lesen ist, hat die Erz. eine Zusatzausbildung und ich denke, dass sie schon den Eltern zur Psychomotorik RATEN kann, wenn sie denkt, es täte dem Kind gut.


sparrow

Beitrag von sparrow1967 11.05.11 - 10:13 Uhr

>>ob die Entwicklung deines Sohnes normal oder bedenklich ist und ob der Besuch dieser Turnstunde sinnvoll, nötig oder überflüssig wäre.
<<


Psyhomotorik ist NIE überflüssig. Aber um dies beurteilen zu können, muß man schon wissen, WAS Psychomotorik überhaupt ist #aha

Beitrag von cori0815 11.05.11 - 10:41 Uhr

Naja, da es früher kein psychomotorisches Turnen gab und Kinder deshalb trotzdem nicht schlechter (eher besser) entwickeln waren als heute, denke ich schon, dass psychomotorisches Turnen kein MUSS für Kinder ist.

Klar ist, dass es nicht schaden kann.

Aber nicht jedes Kind BRAUCHT psychomotorisches Turnen.

Denn wenn Kinder noch viel in der freien Natur ihre Entwicklung durchmachen können und vielfältige Bewegungs- und "Denkangebote" haben (z.B. wie baue ich eine Hütte im Wald, ohne dass sie zusammenkracht? oder wie komme ich von einem Turm zum anderen, wenn dazwischen ein Bach fließt?), also sozusagen wie wir früher aufwachsen, erübrigt sich u.U. das "künstlich konstruierte" psychomotorisches Turnen, denn sie machen genügend natürlich konstruierte psychomotische Erfahrungen.

Ich gebe zu, dass wir in einer Gegend wohnen, wo das Erleben von psychomotorischen Erfahrungen sehr einfach ist. Wir haben hier viel Platz, viel Wald und viele Möglichkeiten, dass sich die Kinder austoben können. Klar hat es nicht jedes Kind so gut und sicher ist für den einen oder anderen das psychomotorische Turnen eine gute Alternative.

Dass eine Erzieherin das aber nicht "verordnen" kann, meine ich vor allem in der Hinsicht, dass ja vielleicht für das Verhalten eines Kindes auch ein anderer Grund vorliegen kann (z.B. ein pathologischer). Und hier spätestens hört doch wohl die Kompetenz einer Erzieherin auf. Experimentieren Eltern dann womöglich Jahre mit psychomotorischem Turnen rum und es steckt letzlich was ganz anderes dahinter, was aber leider nie erkannt wurde, könnten Eltern sich schon mal Vorwürfe im Nachhinein machen, wenn so viel Zeit verschlafen wurde. Darum der Hinweis mit dem Kinderarzt...

LG
cori

PS: ich kann mit dem Begriff "psychomotorisch" durchaus was anfangen. Ich verstehe nur nicht, warum man hier immer als blöd abgestempelt wird, nur weil man eine andere Meinung vertritt. Ich finde solch ein Verhalten irgendwie billig.

Beitrag von sparrow1967 11.05.11 - 13:15 Uhr

Aus deiner ersten Antwort ging für mich hervor, dass du nicht weißt, was beim psychomotorischen Turnen gemacht wird. Sorry, wenn ich da falsch lag.

>>Denn wenn Kinder noch viel in der freien Natur ihre Entwicklung durchmachen können und vielfältige Bewegungs- und "Denkangebote" haben (z.B. wie baue ich eine Hütte im Wald, ohne dass sie zusammenkracht? oder wie komme ich von einem Turm zum anderen, wenn dazwischen ein Bach fließt?), also sozusagen wie wir früher aufwachsen, erübrigt sich u.U. das "künstlich konstruierte" psychomotorisches Turnen, denn sie machen genügend natürlich konstruierte psychomotische Erfahrungen.

Da stimme ich dir zu.

>>Naja, da es früher kein psychomotorisches Turnen gab und Kinder deshalb trotzdem nicht schlechter (eher besser) entwickeln waren als heute, denke ich schon, dass psychomotorisches Turnen kein MUSS für Kinder ist. <<
Und genau DA liegt der Hase ja im Pfeffer begraben. WIR haben früher den ganzen Tag draussen spielen können, auf Bäume klettern, am Bach spielen - alles was zum Kindsein dazu gehört.
Bitte WO ist das heute noch möglich- oder welche Eltern haben Zeit, ihren Kindern das zu ermöglichen? Schau dir die Kinder an: wie viele sind von morgens halb 8 bis nachmittags 17 Uhr in der Betreuung? Da ist nix mehr mit zuhause auf der Strasse/Feld/wald/Wiese spielen.... leider.

sparrow

Beitrag von cori0815 11.05.11 - 17:23 Uhr

Okay, ich gebe zu, es wirklich extrem gut getroffen zu haben (wird mir immer deutlicher bewusst): selbst wenn ich (auch arbeitend) die Kinder bis 17 Uhr in der Betreuung habe, ist der Kindergarten, in den sie gehen, mit einem großen (keinesfalls von allen Ecken einsehbarem) Waldgrundstück gesegnet, in dem es so viele Kletterbäume, gefällte Bäume, Zweige, Laub und dazwischen Spielgeräte gibt, dass es echt eine wahre Wonne ist. Und: sie gehen bei fast jedem Wetter raus, dürfen sich richtig einsauen und sind entsprechend sauglücklich. Jemand, der hier psychomotorisches Turnen anbieten würde, würde verhungern ;-)

Nichts desto trotz ist mir durchaus klar, dass es diesbezüglich Bedarf gibt - leider.

Nur bin ich eben nach wie vor der Meinung, dass man sich diesbezüglich nicht auf die Aussage einer Erzieherin verlassen sollte, um mögliche krankhafte Gründe für das Verhalten des Kindes auszuschließen.

Schön, dass wir das vernünftig diskutieren können (das ist ja hier leider nicht immer gegeben) #sonne

LG
cori

PS: Einen Nachtrag habe ich noch: Du schreibst "welche Eltern haben die Zeit, ihren Kindern das zu ermöglichen?" Eltern, die Zeit haben, Computerspiele zu spielen, zu chatten, zu chillen, zu rauchen und sich den Hintern plattzusitzen, haben wir hier in Deutschland eigentlich genug - die HÄTTEN die Zeit, aber nicht die Möge. DAS ist traurig, nicht dass es so wenige Möglichkeiten gibt. Denn bezeichnenderweise ist die Mehrzahl (Ausnahmen gibts immer) der Kinder, die wirklich Bedarf in der Richtung haben, aus solchen Verhältnissen und eben NICHT aus Familien, in denen die Eltern vor lauter Arbeit keine Zeit haben, mit ihren Kindern auch mal ins Grüne zu fahren/gehen. DIESE arbeitenden Eltern reißen sich nämlich auf gut Deutsch gern mal den A.. auf, um ihren Kindern solche Erfahrungen zu ermöglichen. So, nu hab ich mein Pulver verschossen ;-)

Beitrag von juni78 11.05.11 - 17:49 Uhr

Hallo,

wow meine Frage hat ja ne Menge Unruhe gestiftet.

1. werde ich natürlich mit dem Kia darüber sprechen und nicht einfach irgendwo mitmachen.

2. habe ich großes Vertrauen zu der Erzieherin, die mein Kind 5 Tage die Woche 5 Stunden sieht. Der Kia sieht ihn höchstens zu den U's und im akuten Krankheitsfall.
Sie ist auch keine Person die sofort irgendwelche Therapien "verordnet".
Aufgrund ihrer Weiterbildung hatte sie halt nur diesen Tipp für mich.

Ich wollte mich nur mal vorab bei euch informieren, wozu solch ein Forum ja da ist.

Mein Sohn ist bei diesem Wetter fast nur draussen, er ist halt nur etwas ungelenker als andere.
Wenn wir ihm mit dem Turnen etwas gutes tun können ist es doch in Ordnung.

LG
Tanja

Beitrag von sparrow1967 11.05.11 - 19:50 Uhr

Wenn "Krankheiten" bgzl. des Ungelenken ausgeschlossen sind, spricht nix- aber auch gar nix gegen Psychomotorik.

Wie schon erwähnt: bei uns wird das 1 mal die Woche für alle Kinder, die am Nachmittag noch da sind, angeboten.


sparrow

Beitrag von cori0815 11.05.11 - 20:30 Uhr

hi Tanja,

Unruhe würde ich das mal nicht nennen. So ein Forum ist ja nicht nur dazu da, Fragen zu stellen, sondern auch um zu diskutieren. Solange das in einem vernünftigen Rahmen stattfindet, finde ich das sogar sehr anregend. Denn was ist schlimm daran, auch mal die Meinungen anderer Leute intensiver kennen zu lernen.

Schlimm finde ich es nur, wenn manche dabei nicht die Achtung bewahren können. Aber hier lief's ja gut :-)

Ich wünsche dir und deinem Sohn alles Gute.

LG
cori

Beitrag von fascia 11.05.11 - 11:29 Uhr

Hallo Tanja,

ich denke, den Beobachtungen der Erzieherin kannst du wohl vertrauen.
Es stellt sich dabei dann noch die Frage der Gewichtung:
Ist das Ganze nur gering, kaum sichtbar - oder sehr deutlich und irgendwie hinderlich im Alltag.

Vorsicht immer beim Blick in eine ungewisse Zukunft! Ein Hinweis auf das Lernen, beschwört schnell die größten Gespenster...
Du schreibst, dass dein Sohn kognitiv weit ist. Er kann als Fünfjähriger Schwimmen und Radfahren. Das spricht nicht für einen Menschen, der für Lernschwierigkeiten prädestiniert sein könnte.
Nicht überbewerten also.

Solltest du gern eine "Serie" psychomot. Turnen wahrnehmen wollen für deinen Sohn, wäre es sicher sinnvoll, vorab diese Beobachtungen und Gedanken, sowie das Vorhaben deinem KA dar zu legen.

Der KA selbst hat bisher - gemäß seiner Untersuchungsrichtlinien - deinen Sohn als unauffällig eingeschätzt. Was die Erzieherin wahrnimmt, entzieht sich den Möglichkeiten des Arztes.
Es kann daher sein, dass er auch keine Verordnung für dieses Turnen ausschreiben kann.
Dann geht dein Sohn ohne ärztliche Anordnung bzw. Empfehlung.
Das macht ja nichts.

Am Ende werden deine und die Beobachtungen der Erzieherin an deinem Sohn zeigen, ob dieses Turnen die erhoffte Veränderung bewirkt hat.



(Aus eigener Erfahrung weiß ich: Wenn man in einem bestimmten Bereich oder Fach eine Fortbildung gemacht hat - dann schaut man anschließend mit anderer Aufmerksamkeit auf die Menschen. Und manchmal schaut (interpretiert) man auch ein bisschen zu viel in sie hinein...und das in aller Unschuld und mit bester Absicht...)

LG,
f.