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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von liebeshungrig 12.05.11 - 12:34 Uhr

Hallo Ihr Lieben,

aus meiner Ehe droht gerade das letzte bisschen an Romantik zu weichen.
Weil ICH nicht mehr imstande bin, sie herauf zu beschwören, die "magischen Momente".
Es gab sie durchaus, ab und zu. Bis kurz nach der Geburt unseres Sohnes vor 15 Monaten.
Ich habe mir nichts sehnlicher gewünscht, als den Mann zu finden, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen möchte und der der Vater meiner Kinder wird.
Nun habe ich diesen Mann, den ich nie mehr hergeben möchte und den wunderbarsten Sohn der Welt...
... und der Alltag frisst die Beziehung.

Verlässlichkeit, Fürsorge, Vertrauen, ..., all das ist noch immer da und eher gewachsen.
Aber es gibt keinen Platz mehr für Zweisamkeit.
Die gestaltet sich in Form von gemeinsamem Abendessen oder gleichzeitig verrichteter Hausarbeit.
Am Wochenende sind wir viel unterwegs, z.B. unsere Eltern besuchen, die jeweils über 2h entfernt wohnen.
Hier, wo wir leben, haben wir (außer einer Babysittermöglichkeit für € 8,- die Stunde) niemanden, dem wir unseren Sohn mal "abgeben" könnten.

Unsere Beziehung ist nur noch in Form einer Verwaltungseinheit und gemeinsamer Fürsorge für unseren Sohn und die Familie als Ganzes vorhanden.

Unser Sohn hat durchgehend schlechte Nächte, was am Zahnen und den immer wieder kehrenden Problemen mit seinen Ohren liegt (wird ärztlich betreut, das "Thema"). So sind wir natürlich auch dauer-müde und abends einfach platt.

Nichtsdestotrotz habe ich das ganze letzte Jahr mit allen Mitteln versucht, uns Momente der Zweisamkeit zu schaffen, habe immer wieder thematisiert, dass ich ein bisschen kuscheln und auch Sex brauche. Zeitweise hatte ich das Gefühl, mein Mann sieht vor lauter Alltag gar nicht mehr, was für eine attraktive Frau er an seiner Seite hat, er hat mich noch nicht einmal mehr angeschaut, wenn ich nackt vor ihm stand. Ich habe irgendwann aufgehört, um Sex zu betteln (findet höchstens alle 3 Wochen statt), auch wenn ich so fast ohne einfach nicht glücklich bin. Ich habe aufgehört, ihn anzuschmachten, wenn er nackt vor mir stand, weil ich dieses unerträgliche Verlangen nach ihm nicht mehr aushielt.
Nach jedem Gespräch mit ihm hat er sich eine Weile lang bemüht und seit einigen Monaten habe ich das Gefühl, wieder sehr von ihm verehrt zu werden, auch körperlich. Er macht mir wieder Komplimente und berührt mich ab und zu.
Und das Schlimme ist: ich fühle nicht mehr viel dabei. Es ist irgendwie so viel kaputt gegangen, auf "stand by". Ich kann den Schalter einfach nicht wieder umlegen.
Zu Weihnachten habe ich ihm den zweiten Teil meines sehr langen Liebesbriefs geschenkt, in dem all mein Herzblut lag. Den ersten hatte er zur Hochzeit erhalten.
Er hat ihn erst 2,5 Monate später gelesen.
Obwohl er meine Briefe liebt.

Es gibt keine andere Frau bei ihm, das weiß ich. Ich bin die erste und einzige Frau in seinem Leben, und glaubt mir, das wird sicher so bleiben, er hatte vor mir noch nie eine Beziehung, weil er auf die "Richtige" gewartet hat. Die hat er in mir gefunden.
Er ist auch der Richtige für mich.
Das weiß ich aus tiefstem Herzen.

Obwohl er so gar nicht romantisch ist. Obwohl der Sex "nur normal" ist.
Trotzdem liebe ich ihn von ganzem Herzen.
Und bin zutiefst unglücklich.
Wir hatten früher (sind seit 3,75 Jahren zusammen) guten Sex und oft. Wir waren spontan und viel zusammen aus. Wir hatten richtig viel Spaß.

Seit 15 Monaten haben wir nichts mehr zu zweit unternommen.
Zu meinem Geburtstag im Januar wollten wir gemeinsam essen gehen, das hat bisher nicht statt gefunden.
Ich habe mir soviel einfallen lassen, es viel alles ins Wasser.
Er hat uns einen Gutschein für mehrere Besuche im Wellnessbad zu Weihnachten geschenkt - wegen der Ohrengeschichte unseres Sohnes konnten wir noch nicht mal zu dritt hin bisher.

Im Moment sind wir ziemlich pleite, da ich momantan nicht arbeite und er in Eltern-Teilzeit war. Das war für uns als Familie schön und unabdinglich für die Beziehung zwischen ihm und dem Kleinen, aber es riss eben ein Loch in die Kasse.
Schlage ich nun etwas vor, für das wir die Babysitterin bräuchten, sagt er, wir müssten sparen. Zu Recht. Er überdenkt eben alles fast nur von der logischen Seite.

Nur haben wir so nach und nach bald unsere Beziehung abgeschafft.
Ich bin völlig frustriert, traurig, blockiert.
Es hat mir alles zu sehr zugesetzt. Das mit dem Liebesbrief hat mich zutiefst verletzt.
Ich bin momentan nicht mehr in der Lage, mich ihm hin zu geben.
Und habe beim Sex das erschreckende Gefühl von "Pflicht erfüllen". Klar schafft er es, dass ich kurz meinen Spaß habe, manchmal zumindest, ein bisschen.
Aber ich bin eine temperamentvolle Frau, ich liebe guten Sex und möchte darauf nicht verzichten.
Und auch nicht auf die Romantik. Klar kann ich aus einem Naturwissenschaftler keinen Heißblüter machen.
Aber es war mal besser.
Es war mal schön.
Es gab mal einen Zeitraum (mindestens zwei Jahre), da habe ich keinen (!) anderen Mann angeschaut und nichts vermisst. Wirklich!

Beitrag von juju0980 12.05.11 - 12:49 Uhr

Sei mir nicht böse, ich musste gerade ein bißchen schmunzeln: Am Anfang des Textes dachte ich, ihr wärt schon echt sehr sehr sehr lange zusammen.

Was ich lese: Du liebst Deinen Mann von ganzem Herzen.

Ein Kind ändert eine Beziehung - und soooo alt war Eure Beziehung ja dann auch noch nicht als der Lütte sich auf den Weg gemacht hat. Was ihr meiner Meinung nach durchgemacht habt ist gleichzeitig der Weg von der Rosa Wolke in den Alltag und dann der vom Paar zu Eltern. Das ist echt ne Herausforderung.

Das mit dem Brief find ich nicht so schlimm ehrlich gesagt. Um einen solchen Brief zu lesen braucht man Ruhe, Muße und Zeit und auch den richtigen Zeitpunkt. Was bringt es, wenn man einen Liebesbrief, zwischen Tür und Angel liest, wenn man eigentlich grad keinen Kopf dafür hat?

Männer können manchmal schrecklich rational sein (was ja auch nicht immer so schlecht ist) - aber verabredet doch, dass ihr 1 x im Monat einen Babysitter organisiert und was zu Zweit macht - versteif Dich nicht auf den Sex, der kommt von ganz allein dann wieder ;-)

Und nehmt Euch Zeit. Was bringt es, wenn ihr jedes Wochenende zu den Eltern fahrt? Und wenn ihr schon fahrt, können die nicht dann wenigstens mal aufs Kind aufpassen und ihr was unternehmen... VErplant mal die Zeit am Wochenende nicht so - geht raus, in den Zoo, in den Park und und und.

Ich hab das Gefühl, ihr macht Euch selber Freizeitstress - versucht mal ein bißchen zu entschleunigen!

Beitrag von liebeshungrig 12.05.11 - 13:08 Uhr

... das mit dem Entschleunigen hatten wir. Wir waren zwei Monate kaum weg (auch nicht am WE). Lag hauptsächlich daran, dass wir dem Kleinen Ruhe und Routine gönnen wollten, weil er krank war.
Es gibt auch übrigens durchaus immer wieder Möglichkeiten für Zweisamkeit. Ich habe mir nur abgewöhnt, ihn daran zu erinnern. Wir schauen kein Fernsehen, und selbst die von Freunden ausgeliehenen DVDs sind größtenteils ungesehen. Ich schlage immer wieder vor: lass uns doch einen gemütlichen DVD-Abend machen, aber es gibt meist Gründe dagegen. Organisatorischer Art. Was noch alles erledigt werden muss.

Ich möchte mir keine Körbe mehr einfangen.
So viel habe ich schon versucht und geredet.
Ich möchte nicht mehr alleine für das Fortbestehen unserer Beziehung verantwortlich sein!
Mir gehen die Vorschläge aus. Und die Kraft und der Mut.
Und so langsam sogar die Aufnahmefähigkeit, etwas, das von ihm kommt, entgegen zu nehmen und mich darüber zu freuen.
Er tut zu wenig! Und das macht mich gefühlskalt. Aus Resignation.

Und das mit dem Brief finde ich sehr wohl sehr schlimm. Immerhin war er z.B. 5 Tage weg in der Zeit. Auf Konferenz. Allein im Hotel abends etc.
Innerhalb von 2,5 Monaten muss es doch mehr als eine Möglichkeit geben!

Stell Dir mal vor, Du machst Deinem Partner sagen wir mal einen Heiratsantrag. Und er sagt nichts. 2,5 Monate lang. Du erinnerst ihn, und er sagt: oh, da war noch keine Zeit zum Nachdenken... hab ich vergessen... oder so ähnlich...
So hat sich das angefühlt, auch wenn der Vergleich vielleicht übertrieben ist.

Beitrag von .neo 12.05.11 - 13:28 Uhr

Willkommen im Alltag. Hört sich doof an, ist aber so.

Es ist ja nicht nur die erste Begeisterung, die langsam verfliegt. Es kommt dann das Kind, dass den größten Teil des Alltags einnimmt. Oft auch noch die Nächte.
Wenn man sich dann noch ein Haus kauft, beide arbeiten (und das nicht nur in einem 9to5 Job), dann verschieben sich die Prioritäten. Auch wenn Du nicht arbeitest, für ihn scheint es gerade zuviel zu sein. Kann ich auch nachvollziehen.

Aber lass Dir mal von den anderen Tipps geben. Die schaffen es anscheinend trotz Kindern, Haus, Vollzeitjobs und Freizeitaktivitäten dreimal täglich Sex zu haben.

Beitrag von falsch 12.05.11 - 13:55 Uhr

Es ist doch so: Wir haben alle gar keine Häuser, schon gar keine Vollzeitjobs, und erst recht keine funktionierenden Ehen. Nur eine grosse Klappe und nix dahinter.
Was denkst denn du?

Beitrag von .Suppenkasper. 12.05.11 - 14:06 Uhr

du klingst reichlich depri

Beitrag von .neo 12.05.11 - 14:41 Uhr

wenn das depressiv sein soll, wären die anderen manisch

Beitrag von .Suppenkasper. 12.05.11 - 14:50 Uhr

welche anderen? Die, die 3x am Tag Sex haben?

Beitrag von lichtchen67 12.05.11 - 13:49 Uhr

Wieso frisst euch der Alltag so dermaßen auf? Wie sieht der denn aus? Du bist zu Hause seit der Kleine da ist, Dein Mann war in Eltern-Teilzeit..... ein Kind. Der kleine schläft doch am Abend, da hat man doch den ganzen Abend für sich. Der schläft doch auch tagsüber, mittags. Was habt ihr denn da in den Abendstunden groß zu erledigen, dass ihr keine Zeit habt für DVD oder einfach gemeinsame Zeit?

und die Wochenende bei den Großeltern.. prima. da sind dann unbezahlte Babysitter, schlaft alle dort und ihr zwei lasst den Kleinen da und macht euch einen netten gemeinsamen Abend.

möglichkeiten sind doch da.... Vielleicht erwartest Du zuviel? Lange Liebesbriefe mit viel Herzblut.... vielleicht überforderst Du ihn? Viele Männer gruselt es eher bei sowas.. vor allem, wenn er eh nicht so ein "Romantiker" ist wie Du schreibst.

Du schreibst, Du bist die erste Frau, Beziehung für ihn. Woher soll er wissen, wie es geht?

Lichtchen

Beitrag von luka22 12.05.11 - 14:12 Uhr

Du bist eine junge und intelligente Frau und hast aber Vorstellungen vom Leben, die eine 16jährige hat: wie man jeden Tag schmachtend neben seinem Liebsten sitzt und sich Liebesbekundungen ins Ohr haucht. Das ist nicht das Leben. Das ist vielleicht das Sahnehäubchen. Torte, gibt es aber nunmal nicht jeden Tag. So viele Menschen machen sich künstlich unglücklich. Sie haben alles, wirklich alles um glücklich zu sein und wühlen aber solange darin, bis aus Glück Unglück wird. Wenn man es dann geschafft hat und eine funktionierende und glückliche Beziehung zerstört wurde, weiß man, was man verloren. Was erwartest du denn von deinem Partner? Es ist doch normal, dass man seinen Partner nach einiger Zeit nicht mehr anschmachtet wie ein pubertierender Bubi. In einer langjährigen Partnerschaft zählen doch andere WErte: Treue, Verlässlichkeit, Toleranz, Freundschaft. Sexualität ist auch wichtig - keine Frage. Aber meine Güte! Das Leben ist doch so lang. Es ist doch ganz normal, dass es in allen Lebensbereichen ein Auf und Ab gibt. Ich verstehe es nicht, wenn man nach einer Flaute gleich seine ganze Beziehung, ja sein ganzes Leben in Frage stellt. Bei euch hört sich alles gut und gesund an. Du liebst deinen Mann und er dich. Auch wenn es momentan nicht nach deiner Superwunschvorstellung läuft heißt es nicht, dass es nie wieder so wird. Das wird es ganz sicher. Ich habe noch nie eine andere Erfahrung gemacht, als dass alles ein ewiges Auf und Ab ist. Und das macht doch das ganze auch spannend! Es ermöglicht einem nach einem Tief, den anderen wieder mit ganz neuen und anderen Augen zu sehen. Natürlich nur, wenn man zusammenbleibt. Ich kenne da einen schönen Spruch: Niemand hätte jemals den Ozean überquert, wenn er die Möglichkeit gehabt hätte, bei Sturm das Schiff zu verlassen. Die beste Entscheidung, die ich in meinem Leben getroffen habe war, damit aufzuhören ständig meine Beziehung in Frage zu stellen und darüber zu grübeln, was alles besser laufen könnte. Ich liebe meinen Mann und er mich, der REst ist und bleibt spannend...

Liebe Grüße
Luka