Umgang nach der frischen Trennung

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von horizon 12.05.11 - 15:23 Uhr

Hallo allerseits,

mein Mann hat sich vor 1,5 Wochen Bedenkzeit auserbeten und wir haben uns vor zwei Tagen getrennt. Wir waren über 12 Jahre verheiratet und haben schon seit Jahren gemeinsam um unsere Ehe gekämpft. Wir waren auch seit über einem Jahr in Paartherapie.

Ich war schon lange kreuzunglücklich und habe auch immer wieder über Trennung nachgedacht. Mein Mann ist irgendwann aus unserer Beziehung verschwunden. Er ist in unserer Beziehung vor ein paar Jahren zu einer schleichenden Veränderung gekommen, am Ende war mein Mann mehr Kind als Mann und ich ausgelaugt, erfroren und vom Betteln um Liebe vollständig erniedrigt. Mein Mann hat sich direkt nach unserer Trennung auch einer neuen Frau zugewandt. Rückblickend hat er sich über Monate unterbewusst auf die Trennung vorbereitet und ist dadurch einfach schon viel weiter als ich.

Mir geht es im Moment schubweise beschissen. Ich weiss nicht, ob ich noch Gefühle für ihn habe. Alles in mir drin ist so verschüttet und von diesen unglaublichen Veränderungen überschattet. Eigentlich gehe ich aber davon aus, dass auch meine Liebe unter den letzten Jahren so gelitten hat, dass kaum etwas noch da ist. Zudem bin ich mir auch relativ sicher, dass ich ihn so wie es war nicht zurück will. Das seltsame ist, dass er jetzt wieder erwachsen, freundlich und verlässlich ist. Er setzt sich mit mir auseinander und ist für mich da. In einem offenen Gespräch über diesen Punkt hat er jedoch gesagt, dass er denkt, dass er in einer Beziehung mit mir diese Selbständigkeit im Moment auf keinen Fall aufrecht erhalten könnte. Auch wenn es weh tut, aber wenn ich ehrlich bin, denke ich das auch. Er ist einfach noch gar nicht gefestigt, so würde ich ihn niemals zurück wollen.

Meine eigentliche Frage ist, wie Ihr vor diesem Hintergrund folgendes beurteilt: Er ist für mich zurzeit wie ein Freund da. Mein Eindruck ist, dass mir das gut tut. Z.B. war ich sehr wütend auf ihn, weil ich das Gefühl hatte, dass er jetzt mit seiner neuen Freundin einen Teil unserer Träume leben wird, was einfach faktisch so ist. Er hat sich meine Wut und meine Trauer angehört, sich mit mir darüber unterhalten, auch gesagt, was er dazu fühlt und mir hat das wirklich geholfen. Ich brauch so nicht rumraten und habe das Gefühl die Trennung besser verarbeiten zu können. Wir haben zwei kleine Kinder und arbeiten beruflich eng zusammen, was auch wahrscheinlich so bleiben wird. Ist es überhaupt denkbar, dass wir durch diese Art des miteinander Umgehenszu einer sauberen Trennung kommen oder mache ich mir einfach nur was vor. Wir waren auch in unserer Beziehung immer sehr enge Freunde, haben uns immer vertraut und sind beide überhaupt nie nachtragend. Wir haben beide immer das Beste versucht und sind schlicht trotzdem gescheitert.

Ich bitte um Meinungen und vielleicht auch Erfahrungsberichte.

Vielen Dank,
H.

Beitrag von juliane69 12.05.11 - 16:06 Uhr

ach, das ist echt schwierig einzuschätzen. bei uns wars erst auch ganz angenehm, von der stimmung her. wohl auch weil jeder doch gelitten hat und schuldgefühle hatte etc. inzwischen ist viel mehr anspannung da, auch durch neue partner, die - irgendwie auch mit recht/ und irgendwie auch nicht - ihre rechte fordern und nicht mit halbabgeschlossenen beziehungen kämpfen wollen.
ich denke da musst du abwarten. aber wenn es dir guttut, mit ihm zu reden, warum nicht?
ganz viel glück und kraft!!!!

Beitrag von horizon 13.05.11 - 19:59 Uhr

Danke Dir.

Beitrag von juju0980 12.05.11 - 16:18 Uhr

Bei uns funktionierts... Er erzählt mir zwar nun auch manchmal Dinge, wo ich dann denke: "Hat er nu vom Baum der Erkenntnis genascht?" - aber wir habens geschafft Freunde zu werden und auch wir arbeiten noch zusammen - und ziehen uns damit das Kopfschütteln von ganz schön vielen Menschen auf uns - wir findens gut. Und das trotz neuer Partner auf beiden Seiten...

Eine Garantie gibts nicht - aber ich glaube ihr seid auf einem guten Weg. Dass es weh tut ist klar - es war ja auch ein großteil Gewohnheit dabei und der Mensch ist nun mal ein Gewohnheitstier.

Ich wünsch Dir viel Kraft! #liebdrueck

Beitrag von horizon 13.05.11 - 19:57 Uhr

Danke

Beitrag von lichtchen67 12.05.11 - 17:54 Uhr

Bei uns lief es ähnlich... mein Mann war - auch aus schlechtem Gewissen heraus - immer für mich ansprechbar, und dafür bin ich ihm immernoch sehr dankbar. Anfangs haben wir nochmal zusammen was gemacht, essen gegangen, frühstücken oder sowas. Wir hatten auch noch jahrelang die Finanzen gemeinsam geregelt bzw. ich regelte sie.

17 Jahre Ehe mussten sich quasi langsam ausschleichen, neue Partner waren auf keiner Seite im Spiel, lange nicht. Irgendwann wurde es natürlich weniger, jeder hatte sich sein eigenes Leben so langsam zurückerobert. Erst hatte mein dann Ex-Mann eine neue feste Partnerin.... da knabberte ich noch leicht dran, wie Du sagst, mit ihr macht er nun, was bei uns Thema war. Als ich dann jedoch selber einen neuen Partner hatte war ich dann völlig relaxt - und konnte ihm gönnen. und gönnte mir auch mein neues Glück.

Heute ist der Umgang selten, wir wohnen in verschiedenen Städten, das Kind ist erwachsen, dennoch, ab und an mailen wir oder sehen uns oder telefonieren. Aber inzwischen ohne Gram und Groll - jeder weiß und erlebt nun, es ist gut so wie es ist, besser als vorher.

Lichtchen

Beitrag von horizon 13.05.11 - 19:55 Uhr

Danke, ausschleichen ist ein schönes Wort im Zusammenhang mit dem Ende einer langen Ehe. Ich knacke an der neuen Partnerin noch sehr, denke aber, dass meine Schmerzen hierdurch nur komprimierter auftreten. Dadurch, dass es sie gibt, ist einfach alle Hoffnung weg und die Realität schon sehr schmerzhaft.

Ich hab auch so große Probleme, mich wieder glücklich zu sehen. Irgendwie denke ich mein Ex hat es da viel leichter. Keine Ahnung, warum.

Beitrag von babylona 12.05.11 - 21:09 Uhr

Ich hätte mir gewünscht, dass mein Ex-Mann auf diese Art für mich ansprechbar ist. Er war einfach von heute auf morgen weg und das schlimmste für mich war, damit gleichzeitig meinen vermeintlich besten Freund verloren zu haben. Es hat mich echt so eiskalt erwischt, dass er mir nicht da raus geholfen hat, obwohl er mich reingeritten hat. Ein paar klärende Gespräche zum besseren Verständnis hätten mir so vieles einfacher gemacht.
Insofern: Ich wüsste nicht, was schlechtes an eurer verbliebenen Verbindung sein soll, sofern du das Gefühl hast, es täte dir gut. Euer Verhältnis wird sich sicher noch in die eine oder andere Richtung verwandeln, aber auch ich finde, dass ein etwas langsameres "auseinander Gleiten" doch die weitaus bessere Variante ist.

Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft! Es wird irgendwann besser und tut auch irgendwann nicht mehr so weh, versprochen! ;-)

LG

Beitrag von horizon 13.05.11 - 19:57 Uhr

Danke, ich kann mir kaum vorstellen, dass da eine Zukunft für mich sein soll. Mein ganzes Leben war so sehr auf diesen Mann getaktet. Ich hab mich da schon total verloren.

Beitrag von babylona 13.05.11 - 23:10 Uhr

Aber du wirst dich wiederfinden. Und natürlich ist da eine Zukunft für dich! Du bist noch jung!
Ich verstehe aber, dass du das im Moment alles (noch) nicht sehen kannst. Bei mir hat es auch recht lange gedauert, bis ich es konnte. Bis dahin habe ich viele Täler durchschritten, habe jedes Stadium von Verzweiflung mitgenommen und hätte niemals geglaubt, dass es eines Tages wieder anders sein würde. Aber: Das ist es! Ich bin heute wieder glücklich, trotz und gerade weil ich ohne Partner bin und in dieser Zeit viel gelernt habe. Es tut oft noch weh, aber ganz anders und in "vernünftigem" Maße.
Setz dir erstmal kleine Ziele, mach dir kleine Freuden, tue etwas für dich und versuche, kleine Schritte zu dir selbst zurück zu tun. Das wäre mein Rat.
Wenn du glaubst, du kommst allein nicht klar, hol dir professionelle Hilfe hinzu.

Die Sonne geht immer wieder auf, auch wenn man es manchmal nicht glauben kann.
Alles Gute!

Beitrag von susal112 13.05.11 - 12:08 Uhr

Hallo!

Ich sehe das folgendermaßen:

Dein Mann hat schon vor langer Zeit die Beziehung innerlich gekündigt, obwohl er dich mag.

Du hast deinen Mann an eine andere verloren, soviel steht fest.

Ich versetzt mich grad mal in deinen Mann hinein (übrigends bin ich nicht die Susi sondern Ihr Freund).

Er hat sich in eine andere verliebt zu einem Zeitpunkt wo er dich noch geliebt hat. Er muss demnach ziemlich hin und her gerissen gewesen sein und wusste lange nicht was er will und hat sich vermutlich auch gar nicht damit erstmal auseinandersetzen wollen, weils ja ein unangenehmes Thema ist. Alleine von seinen Gefühlen getrieben hat er sich zu der anderen hinorientiert, weil das Leben mit ihr und bei ihr am einfachsten war, und dich zunehmend vernachlässigt.

Er musste irgendwann Farbe bekennen, das wusste er, zumal sich bei dir ja auch eine Unzufriedenheit eingestellt hat. Ohne genau zu wissen wo er in der Zukunft stehen will. Ging er auf alle Eherettungsmaßnahmen ein mit Hintergrund diese scheitern zu lassen. Warum dieser Prozess so lange gedauert hat und warum die Beziehung genau jetzt getrennt wurde kann mehrere Gründe haben, wir kennen ja nicht das Verhältnis zu seiner jetzigen Freundin.

...ohje jetzt beim Durchlesen war ich doch am überlegen ob ich das so stehen lassen kann. Hab eine ziemlich blühende Fantasie und hab hier mal wieder knackige Hypothese aufgestellt.

Vielleicht erkennst du manche Elemente wieder!

LG Ben

Beitrag von horizon 13.05.11 - 19:52 Uhr

Danke, für Deine offenen Worte. Ich denke, da ist sehr viel treffendes dabei. Und auch, wenn es weh tut es so zu lesen, denke ich, dass es mir hilft, den Schmerz zu überwinden.