oh man (ganz lang)

Archiv des urbia-Forums Kindergartenalter.

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von jaywalk 13.05.11 - 10:43 Uhr

Hallo,
gestern, als ich meine Tochter aus dem Kindergarten abholte, sprach mich eine Erzieherin an, ob bei uns zu Hause alles in Ordnung wäre. Ich fragte "weshalb" und die Erzieherin sagte, dass Leonie so oft "grundlos" und streckenweise untröstlich im Kindergarten weinen würde. Und sie den Eindruck hat, dass sich Leonie bei bspw. Bastelarbeiten so sehr unter Druck setzt. Ich konnte mir das gar nicht vorstellen, weil sie schon so lange schneidet und das auch so toll macht... Ich war total geschockt. Leonie hat auf die "Wie-war-es-im-Kindergarten-Frage" immer mit "schön" geantwortet. Leonie ging "aus meiner Sicht" immer gern in den Kindergarten und ist bei den Kindern auch beliebt, hat einen besten Freund, der auch oft zum Spielen kommt, auf vielen KIndergeburtstagen eingeladen etc. , ich dachte also, es ist alles in Ordnung. Aber ist es wohl nicht... Gersten Abend fragte ich sie, weshalb sie im Kindergarten weinen muss. Sie sagte, sie wisse es nicht es "hopst" einfach so aus ihr heraus. Als ich sie dann fragte, ob sie nicht gern basteln würde, sagte sie, dass ihr das so langweilig ist, sie das doch schon kann und nicht verstehen kann, dass sie immer wieder schneiden müssen, dann aber ihr "Werke" nicht einmal selbst zusammen kleben dürfen und so das schneiden einfach keinen Sinn macht, sie will in der Zeit lieber schreiben. Zur Erklärung: unsere Nichte, die sie über alles kiebt, ist letztes Jahr in die Schule gekommen. Und hat das eine oder andere Mal gesagt, dass Leonie noch nicht lesen und schreiben kann, weil sie einfach noch zu klein ist. Und da haben die Buchstaben für Leonie so eine Faszination entwickelt, dass sie sich an manchen Tagen ausschließlich damit beschäftigt hat. Wir konnten gar kein Buch mehr "normal" vorlesen, weil sie bei jedem Wort die Buchstaben einzeln ausgesprochen haben wollte. Als sie dann alle Buchstaben erkannt hatte, fing sie an, sie zu "malen". Im Kindergarten sahen sie das nicht gern, weil sie der Meinung sind, dass sowas in der Schule beigebracht werden soll und die Kinder, die vorher bereits alle Buchstaben usw. kennen, in der Schule das "Nichtstun und Faulsein" lernen aber keinesfalls das Lernen lernen. Davon habe ich mich überzeugen lassen und wollte Leonie`s Interesse eben auf etwas anderes lenken und habe ganz oft gesagt, sie solle doch anstelle von Buchstaben mir lieber ein schönes Bild malen , "darüber würde ich mich freuen"... Gestern dann (sie hat zu ihrem 4ten Geburtstag im April eine Tafel geschenkt bekommen) rief sie mich und sagte: " Ich weiß Mama, dass du dich nicht freust, dass ich schreibe, aber guck` mal, ich habe WAL und OLE geschrieben..... Ich hätte heulen können.... Ist sie deshalb im Kindergarten so, weil die Erzieherinnen das "Lesen und Schreiben lernen" auch um alles in der Welt vor Schuleintritt verhindern wollen??? Und wir zu Hause ihr einfach nicht das Gefühl gegeben haben, dass sie auf das, was sie mit gerade mal 4 Jahren kann, auch stolz sein kann???? Sie sagte mir gestern Abend, dass sie nicht in den Kindergarten will, weil sie einfach nicht weiß, ob es schön und lustig wird oder traurig.... Ich bin total verzweifelt. Ich will, dass sie ein glückliches Kind ist und nicht jeden Tag (nach 1-2 Stunden) im Kindergarten weint... Was soll ich denn jetzt machen? (Das wir "ihr lernen" auch unterdrücken wollte, kann ich ja (leider!) nicht mehr ungeschehen machen #schmoll) Wie wird sie nur wieder glücklich und fröhlich?

Beitrag von mdmfilou 13.05.11 - 10:54 Uhr

Mh wirklich helfen kann ich Dir nicht, aber ich finde es ganz furchtbar, wenn Kinder das was sie selber machen wollen, nicht ausleben dürfen. Wenn sie es selber will würde ich es weiter unterstützen. In der Montessori-Pädagogik spricht man von sensiblen Phasen, in denen lernen sie Kinder sehr leicht und wollen das auch. Was sie in der Phase lernen behalten sie auch. Nicht immer kann man solche Phasen so eindeutig merken, wie bei Deiner Tochter #klee.
Ich persönlich würde sie darin weiter unterstützen und auch ein Gespräch mit der Erzieherin suchen, wie man Deine Leonie unterstützen kann. Es gibt ja auch andere Möglichkeiten sie zu fördern, wenn sie das schreiben und Lesen partout nicht unterstützen wollen. Jedes Kind lernt anders und in seinem Tempo, darauf sollte man auch schon im Kindergarten rücksichtnehmen.

Das alles gilt nur, wenn die Kinder es wollen. Zwingen etwas zu tun, was sie nicht wollen würde ich ein Kind nicht.

Ich wünsche Euch alles Gute #klee
Sina

Beitrag von jaywalk 13.05.11 - 11:03 Uhr

Auch wenn ich nach Deiner Anwort gleich noch mehr heulen könnte, weil sie mir vor Augen hält, wie absurd und wie belastend das für Leonie sein muss, hast Du damit natürlich absolut recht. Ich hoffe ganz sehr, dass wir das "In-den-Brunnen-gefallene-Kind" wieder heraus holen können. Ich habe gestern Nacht auch schon mal darüber nachgedacht, ob sie in einem "offenem Kindergartenkonzept" vielleicht besser aufgehoben wäre (als in einem ziemlich streng katholischem)... Natürlich nur, wenn Leonie das auch will... Aber in jedem Falle werde ich nie wieder den Versuch unternehmen, sie in irgendetwas zu bremsen...

Vielen Dank für Deine ehrliche Anwort

Beitrag von mdmfilou 13.05.11 - 11:19 Uhr

Ihr schafft, das. Höre auf Dein Mutterherz, das sagt Dir meistens das richtige ;-). Und scheue Dich nicht nochmal ein Gespräch mit dem Kindergarten zu suchen, vielleicht findet man ja doch eine Lösung. Wechseln würde ich immer nur im Notfall, weil das die Kinder glaube ich auch ganz schön durcheinander bringt. #liebdrueck

Beitrag von lenesiegel 13.05.11 - 11:25 Uhr

Man kann richtig lesen, wie stark Du Dir selbst Vorwürfe machst - aber Du hast eine "Fachfrau" gefragt und Dich überzeugen lassen, alles um das Beste für Deine Tochter zu erreichen. Menschen ziehen manchmal "falsche" Schlüsse. Deshalb geht die Welt nicht unter und Deine Tochter ist "noch zu retten" - ganz sicher. Also erstmal schüttle Deine Selbstvorwürfe ab und konzentrier Dich auf die Zukunft.

Ich denke durchaus, daß es sinnvoll ist, sie in einem anderen Kindergarten unterzubringen, wenn mit dem Personal im jetztigen keine auf Dein Kind passende Lösung gefunden werden kann.

Such nochmal das Gespräch und schilder Deine Erkenntnis. Vielleicht gehen sie dann ja doch auf die Bedürfnisse Deiner Leonie ein. Ein Verscuh ist es wert.

Warum dürfen sie nicht selber kleben - das muß doch möglich sein !

Liebe Grüße und freu Dich, daß Deine Maus sich Dir so klar mitgeteilt hat, daß heißt Du geniest ihr Vertrauen.

Und warum sagst Du ihr nicht, daß Du einen Fehler gemacht hast, als Du meintest Du würdest Dich nicht freuen, wenn sie schreibt. Das wird ihrer Seele gut tun :-) (nur Mut #pro)

Du bist sehr liebevoll und wirst ihre Traurigkeit vertreiben können :-)

Alles Liebe #winke

Beitrag von familyportrait 13.05.11 - 11:38 Uhr

Hallo,

ich würde das Thema genau so mit der Erzieherin besprechen. Sie macht sich ja offensichtlich GEdanken, daß mit Leonie irgendwas nicht stimmt, bzw daß dem Kind etwas im Magen liegt. Insofern kann ich mir durchaus vorstellen, daß es ihr ein Anliegen ist, daß es Leonie wieder besser gefällt und sie dann vielleicht auch ihre Überlegungen bezügl. Schreiben usw überdenkt.

Gleich den Kindergarten zu wechseln halte ich für vorschnell. Falls die Erzieherin sich querstellt, dann mach Deiner Tochter doch den Vorschlag, daß sie im KiGa bastelt und zuhause schreibt?

LG Kathrin

Beitrag von sunflower.1976 13.05.11 - 12:51 Uhr

Hallo!

Oh je...#liebdrueck

Wenn Deine Tochter von sich aus Interesse an Buchstaben zeigt, dann geh darauf ein! Gerade dann, wenn Kinder von innen heraus motiverit sind, lernen sie am schnellsten und emfpinden es nicht als lernen/üben sondern als Spaß.
Mein großer Sohn zeigte auch recht früh Interesse an Buchstaben und hat ständig gefragt, wie die Buchstaben heißen. Seine Logopädin (zu der er wegen einer massiven Sprachentwicklungsverzögerung ging) hat dieses Intersse sogar aufgegriffen und über das Lesen der Buchstaben hat er eine Laute neu bzw. richtig sprechen gelernt.

Freu Sich an dem, was Deine Tochter macht, auch wenn die Erzieherinnen das anders sehen! Zeig ihr, dass Du hinter ihr stehst und sie unterstützt. Du zwingts ihr ja nichts auf.
Besprich vielleicht mit ihr, dass sie im KiGa vielleicht erstmal andere Sachen spielt und malen/basteln erstmal außen vor lassen kann, wenn sie das möchte. Abgesehen natürlich bei Bastelarbeiten, die alle Kinder machen.

Und sprich v.a. nochmal mit der Erzieherin über die Problematik und lege ihr Deinen Standpunkt ganz deutlich dar, aber ohne Vorwürfe.
Denn wie soll ein Kind Spaß und Interesse am Lernen von neuen Dingen bekommen, wenn es derart gehemmt wird?!? Es ist doch viel wichtiger, dass sie fröhlich in den KiGa geht und sich dort wohlfühlt, als wenn sie dort so zurückgehalten wird. Zuaml sie ja auch deutlich sagt, was los ist.

LG Silvia