Sich selbst erfüllende Prophezeihungen...

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Forum: Politik & Philosophie

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Beitrag von schullek 13.05.11 - 18:42 Uhr

Hsllo,

ich beschäftige mich gerade mit diesem Thema und wollte mal hören, was der eine oder andere interessantes dazu zu sagen hat.
Ich bevorzuge selber den englischen Ausdruck: self fulfilling prophecy.

Im Grunde geht es darum, dass der Mensch sich oft selber im wege steht und durch eine bestimmte Art des Denken und Handelns einiges beeinflussen kann.

Ein Beispiel: Wenn ich davon ausgehe, dass mir etwas nicht gelingt, dann stehen die Chancen dafür auch relativ schlecht.

Das Ganze ist durchaus sehr realistisch meines Erachtens. Denn: wenn ich davon überzeugt bin, dass mir etwas gelingt, dann werde ich von vorneherein viel mehr Kräfte zum Erreichen mobilisieren, als ich dies im gegenteilligen Fall tun würde. Dementsprechend steigen meine Chancen durch meine eigene aktive Mithilfe sozusagen.

Was haltet ihr davon, hat noch jemand Anregungen oder sogar Literatur zum Thema?
Mein Hauptaugenmerk liegt auf William James "The will to believe", falls das jemanden interessiert.

lg

Beitrag von adalgisa 13.05.11 - 19:31 Uhr

http://www.thesecret.tv/

Und zur Einstimmung gleich das hier: http://www.youtube.com/watch?v=VWjZHE2TqvQ

THE BEST EVER! ;-)

Beitrag von echtjetzt 15.05.11 - 21:07 Uhr

Und nicht mehr als Suggestion ist "THE SECRET".

Ich finde das Buch dermaßen lächerlich, mit dem ganzen Blödsinn von wegen "sende Frequenzen an das Universum" und diesem Mysterium, das da aufgebaut wird und welche großen Denker nicht alle schon um "das Geheimnis" wussten. Die würden sich vermutlich im Grab rumdrehen, wenn sie das lesen würden.

Aber manchen Leuten scheint es ja tatsächlich zu helfen..

Beitrag von adalgisa 15.05.11 - 21:26 Uhr

Das Buch ist wirklich Schrott, da gebe ich Dir Recht.
Hast Du mal die DVD angesehen?

Bei mir hat es bislang immer funktioniert - positiv wie negativ.

Beitrag von echtjetzt 15.05.11 - 22:41 Uhr

Nein, hab ich nicht.. Aber wenn die besser ist, werde ich das vielleicht mal tun. :-)

Beitrag von danat 13.05.11 - 21:00 Uhr

Hallo,

ich bin davon ausgegangen eine wunderschöne und "leichte" Geburt zu haben ... war auch so. Wir hatten eine ganz wunderbare Hausgeburt - obwohl die garnicht so geplant war. Hab viele Imaginationstechnicken im Vorfeld benutzt.

Liebe Grüße, Dana.

Beitrag von schullek 13.05.11 - 21:38 Uhr

Interessant, was genau hast du denn gemacht zur vorbereitung? gibts da z.b. links?
da wäre ich sehr interessiert dran, f+rs nächste irgendwann#schein

lg

Beitrag von danat 17.05.11 - 12:40 Uhr

Hallo,

was meinst du mit "f+rs"?

Zu Imaginationstechniken wirst du wahrs. jede Menge bei Google finden. Ich habe keinen speziellen Link dazu.

Ich habe mir den Geburtsschmerz als Wärme vorgestellt, Wehen als Wellen, die mich jeweils weit voran tragen werden. Und das mein Gewebe sich mühelos dehnen wird und weich und weit ist.

Ich bin generell so ein "Kopfkino"-Typ. Klappt auch bei anderen Sachen.

Liebe Grüße, Dana.

Beitrag von schullek 17.05.11 - 12:56 Uhr

= fürs :-)

+ liegt neben ü und ich hab mich mal wieder vertippt.

klingt sehr interessant, hat dir das jm. beigebracht, hast du nen kurs belegt oder dir das ganze selber erarbeitet?

lg

Beitrag von danat 17.05.11 - 13:17 Uhr

#klatsch "fürs" ... ja, alles klar.

Bin Psychologin ... von daher etwas vertraut mit solchen Techniken. Es entspricht aber auch einfach meinem Naturell, positiv zu denken.

Man könnte alternativ auch grübeln wie heftig die Entbindung wohl wird. Aber nö, #nanana. Ich male mir lieber alles in den tollsten Farben aus. Dass deckt sich schon ganz gut mit dem Konzept der sich selbst erfüllenden Phrophezeihung. Könnte man quasi als eine Art der praktischen Umsetzung ansehen.

LG, Dana.

Beitrag von schullek 17.05.11 - 13:30 Uhr

wirlklich interessant. der fakt, dass du psychologin bist und was du schreibst;-)
nutzt du dieses prinzip auch bei patienten, sofern du behandlest?
ich denke, diese art des denkens und dann anwendens würde zu mir passen bei einer weiteren geburt. aber generell finde ich das thema hat einen sehr praktischen bezug. ich will versuchen es mehr in mein leben udn denken zu integrieren. mal sehen, ob es mir gelingt.

lg

Beitrag von danat 17.05.11 - 14:03 Uhr

Ich bin keine Therapeutin. Von daher nur beraten - nicht behandeln.
Aber manchmal kann man das mit einbauen, grad wenn die Klienten visuelle Typen sind.

Lass einfach deiner Phantasie freien Lauf. Wenn man mal grübelt, kann man versuchen diese Gedanken durch Positivere zu ersetzen. Also zB nicht denken "Oh Gott, ich falle bestimmt durch die Prüfung", sondern sich vorstellen wie stolz man auf sich ist, wenn man es schafft etc. Lernen müsste man natürlich trotzdem noch ;-).

LG.

Beitrag von ashwini 13.05.11 - 21:45 Uhr

hallo Schulek,
ich stimme völlig mit Dir überein. Gedanken haben eine grosse Kraft, nicht umsonst heisst es "Wir sind was unsere Gedanken aus uns gemacht haben, wie Du denkst, so bist Du". Daher ist eine self fulfilling prophecy - im positiven wie negativen Sinn - nichts anderes als das Resultat aus der Art und Weise, wie wir denken.
Die gute Nachricht ist dass wir unser Denken selbst steuern und damit auch ändern können.

Mir fällt ein Gedicht ein:
Wie ein Mensch in seinem Herzen denkt, so ist er
Das "ist" bezieht sich auf seinen Charakter
Sein Charakter ist die Summe seiner Gewohnheiten
Seine Gewohnheiten sind seine bewussten Taten geworden wie sie sind;
aber jeder bewussten Tat geht ein Gedanke vorraus.
So haben wir eine Kette: an einem Ende den Gedanken,
am anderen den Charakter, das Leben, das Schicksal
- Ralph Waldo Trine -

Beitrag von lisasimpson 13.05.11 - 22:21 Uhr

nun ja, den Gedanken weitergeführt führt es dich ja unweigerlich zur idee des Konstruktivismus.

Ich bin überzeugt davon, daß wir uns unsere Welt, unsere Wahrheit konstruieren. Daher ist die selbst erfüllende Prophezeiung natürlich zweierlei:
zum einen hängt das, was ich sehe und wie ich es interpretiere von meinem Konstrukt über die Welt ab. also werde ich mir eher etwas prophezeien (oder eine Prophezeiung wahrnehmen), die in diese bild paßt.
bei der Analyse und Auswertung der Ergebnisse lege ich wiederum meinen Maßstab an, der eben meiner konstruierten Wirklichkeit entspricht- also wird auch das Ergebnis der Prophezeiung davon gekennzeichnet sein.
was davon also "wirklich" passiert, was einfach nur ausgeblendet wird, was extra herbeigeführt, priorisiert ausgewertet oder wie auch immer in den fokus gerät ist dabei eher nebensächlich.

Wunderbar kann man das hier in diesem forum jeden tag erleben.
Besonders erfreuen mich da zum beispiel die Deutungen/ Prophezeiungen/ Konstruktionen im Erziehungsforum.
Also das kind x macht dies und jedes.
dann kommt die eine fraktion und sagt: "das ist normal/ das ist ne phase, das geht vorbei"
die nächste sagt: "das ist super, fördere das, mach es so und unterstütze sie dabei"
und die nächste sagt: "das macht sie mit absicht, Boshaftigkeit, will dir "auf der Nase rumtrampeln" und du mußt ganz vehement gegenschießen".

so- die TE wird sich in aller regel die Deutung raussuchen, die ihr liegt (öfter gehört, stimmt mit bisherigen deutungen des lebens überein, kommt einem gelegen, schmeichelt ..) und wird dies nun ausprobieren.
in aller regel wird es sich bewahrheiten: ds kind wird irgendwann mal 27 sein und sicher nicht dies und jenes tun, worum es in der Frage ging und es wird klar sein: ja, genau so wie es prophezeit wurde, so hat es sich ergeben (das widerliche kind wollte mich nur provozieren, ich habe mit strenge und Konsequenz durchgegriffen und mir nicht auf der nase rumtanzen lassen und siehe da aus dem kerl ist doch was geworden)

ich finde es unheimlich spannend, hinter den antworten nach den wirklichkeitskonstruktionen zu schauen. bei vielen usern, die man öfter liest kann man irgendwann mal einschätzen, welchen blick auf die welt sie haben ("die welt ist schlecht und ungerecht und man muß die ellenbogen gescheit ausfahren" z.B.) und ich bin mir sicher- jeden tag werden sie in ihrer Überzeugung bestätigt.

Ich für mich habe entschieden, ich mach es wie Pipi Langstrumpf und "mache mir die welt, wie sie mir gefällt"

lisasimpson

P.s. selbstverständlich bin ich mir bewußt, welche Probleme das in Bereichen von Themen wie Menschenrechten und ethischen Fragen aufwirft. Als grundsätzliche Idee- immer mitzubedenken wenn wir über "die wahrheit" oder "das beste für.." reden finde ich es aber auch in diesen Bereichen unerlässlich



Beitrag von schullek 13.05.11 - 22:47 Uhr

ich bin mir sicher, dass sehr viel dran ist an dem, was du sagst. person x wird das in seiner gedanklichen vorstellung favorisieren, was zum lebenskonstruk passt, von der vorstellung vom leben.

was aber, wenn sich person x aktiv gegen eine gänzlich andere richtung entscheidet. person x hat sich sehr viel mit sich selbst beschäftigt, kann sich in gewissem maßen gut selbst reflektieren, hat erkannt, warum bestimmte dinge in ihrem leben so liefen, wie sie liefen und möchte nun etwas anders/besser was auch immer machen.
sie kehrt ihrer bisherigen denkweise den rücken und entschließt sich zu einer neuen. das wäre dann meines erachtens eine tatsächliche wandlung.

oder ein ganz anders geartetes beispiel: ein schiff am untergehen, der kapitän sieht keine rettung mehr und gibt auf. das schiff sinkt...
oder aber der kapitän glaubt daran, dass rettung möglich ist und tut alles dafür, ausgang offen. denn: er wird auf grund seines glaubens daran weitaus mehr dafür tun, dass es auch eintritt.
das sehe ich als kern der self fulfilling prophecy.
der konstruktivismus ist mir da zu allgemein gehalten.

allerdings fidne ich die analogie zu urbia klasse;-)

lg

Beitrag von lisasimpson 13.05.11 - 23:06 Uhr

natürlich haben menschen die Fähigkeit ihr denken und damit ihr fühlen und handeln zu verändern.
Dadurch wird die Wirklichkeit aber nicht wirklicher- sondern nur anders:)

und ja- der Aspekt den du erwähnst der ist nicht zu vernachlässigen. Je eher wir an etwas glauebn ,desto eher sind wir auch bereit es zu tun und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit auch, daß es gelingt.

Auch hier ist das ein wichtiger teil von Erziehung (so weit ich weiß bist du Lehrerin, oder?!)- denn Kinder, die von sich selbst glauben dies oder jenes bewältigen zu können und die aus ihrere erfahrung heraus "wissen", daß ein rückschlag nichts schlimmes ist, sondern die chance bietet es nochmal zu versuchen, die werden natürlich vie eher das boot zur Rettung führen als diejenigen ,die von sich "wissen", daß sie nichts taugen, daß sie schlecht in mathe sind, daß eine note 5 einfach nur beweist, daß sie zu dämlich sind...

und ja- der Konstruktivismus umfaßt mehr als nur die Selbst erfüllende Prophezeiung- aber das macht ihn ja gerade so spannend:)

lisasimpson

Beitrag von schullek 27.05.11 - 23:03 Uhr

hallo,

ein wenig verspätet, aber noch eine kurze rückmeldung von mir.

ja, ich bin lehramtsstudentin. und in bezug auf die schule gibts da viel unerschlossenes gebiet.

in bezug auf die sich selbst erfüllenden prophezeihungen sollte man dann aber noch in betracht ziehen: glaube, wille sowie den willen zu glauben (nicht im religiösen sinne).
ein text von william james gibts dazu, um den ich mich drehe.

lg

Beitrag von lena1309 14.05.11 - 00:59 Uhr

Hallo,

ich bin jetzt ehrlich und gebe zu, dass ich nicht genau weiß, was deine Frage oder Intention ist.

Die Grundlage der "self fullfilling prophecies" kenne ich gut aus meinem Studium, aber mir fällt es gerade schwer, zu erkennen, was du willst.

Ich kenne diesen Sog, etwas zu erwarten, bevor man die direkte Situation sieht, aber als Profi sollte ich gelernt haben, die Reflexionen aus meinen Besuchen auch in meine nächsten Terminen einfließen zu lassen.

Also für mich musst du wohl deine Frage präzisieren.

LG
M.

Beitrag von plazafrau 16.05.11 - 15:18 Uhr

Hallo!
Da ich mich aufgrund meines Studiums viel mit der Soziologie beschäftige, werfe ich folgendes ein:

Die "selbst erfüllende Prophezeihung" ist in der Soziologie ein Phänomen der Individuen einer Gesellschaft. Es besagt, dass Menschen, die zum Beispiel ein niedriges Bildungsniveau haben, in sozialen Brennpunkten leben, etc., allein aufgrund dieser Tatsachen eine selbst erfüllende Propheizehung sind. Das heißt, dass sie weder der Meinung sind die Möglichkeit auf ein "besseres" Leben zu haben, da sie dies ja gar nicht kennen, noch ist die Gesellschaft dazu bereit, sie wirklich zu integrieren, was dann häufig dazu führt, dass sie kriminell werden o.ä. (das ganze ist natürlich nur ein Beispiel, es gibt ja abertausend andere Fälle, in denen diese Theorie Bestand hat).

Was haltet ihr davon?

Beitrag von zeitblom 16.05.11 - 15:34 Uhr

Bei aller Selbstsicherheit: ich kann noch so fest glauben, dass ich morgen ein Hindernis/Pruefung/what so ever erfolgreich hinter mich bringe: der Glaube mag Berge versetzen, aber allein gibt er hoechstens Kraft, ersetzt aber nicht Kenntnis, Training, Glueck usw.

Ich dachte, dass dieser Begriff vor allem massenpsychologische Phaenomene gut trifft. Am Aktienmarkt kann dies gut beobachtet werde: obwohl sich in Wirtschaftsdaten nichts veraendert hat, beginnt eine kleine Minderheit (moeglicherweise unbegruendet) Angst vor einer Rezession zu haben und faengt an, Aktien zu verkaufen. Fallende Aktienkurse koennte die Sorge verstaerken, so dass langsam immer mehr Anleger verkaufen und die Kurse weiter fallen. Dies kann so weit gehen, dass andere Anleger verkaufen muessen, weil sie entweder ihre Aktien auf Kredit gekauft haben oder weil interne Vorschriften gebieten, Aktien zu verkaufen, wenn bestimmte Kurse unterschritten werden. Diese Stimmung verstaerkt sich weiter, bis der Pessimismus auch die Realwirtschaft ergreift und sie weniger investiert und verhaltener plant... und somit nun die realen Wirtschaftsdaten tatsaechlich verschlechtert werden...