Leukämie

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von scrapie 13.05.11 - 20:58 Uhr

Hi,

vllt nervts schon, aber ich habe niemanden zum reden, bzw findet sich kaum Zeit, keine ruhige Minute mit der Person, mit der ich reden könnte. Mit meinem Mann möchte ich nicht so gerne darüber reden, da ich nicht weiß ob er es so aufnehmen wird, wie ich es meine... ich möchte keinen Streit provozieren.

Ich habe einen Bekannten der Leukämie im Endstadium hat. Diese Info ist schon schwer für mich zu verdauen, aber da er weit weg wohnt und ich ihn lange nicht gesehen habe, hab ich das Glück, dass ich es meistens schaffe Abstand davon zu nehmen und versuche, meinen Alltag davon nicht beeinflussen zu lassen.

Ich habe eine besondere Beziehung zu diesem Bekannten, aber aus persönlichen Gründen (u.a. meine Familie) keinen Kontakt zu ihm, sondern nur zu seiner Tante.

Und nun erfahre ich heute, dass seine Tante am Ende diesen Monats zu Besuch kommen wird und ich habe wirklich Angst, dass es aus mir ausbricht. Das starke Gefühl, bzw. die starke Verbindung, die ich zu ihm spüre. Es ist keine Verliebtheitsliebe. Es ist tiefste Dankbarkeitsliebe. Aber niemand, ausser ganz wenigen Personen weiß davon. Eigentlich nur 2... mein Mann und meine beste Freundin.

Meinen Eltern kann ich davon nicht erzählen, denn sie sind "altbacken" und würden es falsch oder gar nicht verstehen. Zumal ich dann ganz schön weit ausholen müsste, um alles richtig zusammen zu fassen. Sie wissen nur, dass ich mich für den Krankheitsverlauf interessiere, da ich regelmäßig nachfrage und vermuten einen "normalen Freundschaftsdienst"...

und bald kommt seine Tante... ich habe keine Ahnung wie ich ihr gegenüber treten soll ohne viele Gefühle zu zeigen... ob ich mich so zusammenreißen kann?

Natürlich erwarte ich keine Antworten... denn das Schicksal wirds zeigen, ob ich es schaffe... ich muss es schaffen. Aber im Moment fällts mir eh immer schwerer "neutral" zu bleiben... und nun kommt noch der Hammer :-(

Wünscht mir Glück.

Beitrag von gisele 13.05.11 - 22:11 Uhr

hallo.
das hört sich ja wahnsinnig kompliziert und traurig an:-(
hast du nicht eine möglichkeit zu deinem bekannten zu fahren?und von ihm abschied zu nehmen?
ich kann mich schwer in die situation hinein versetzen und weiss ja auch nicht genau was vorgefallen ist das kein kontakt da ist...aber das geht mir durch den kopf das ich dann hinfahren würde wenn es mich so sehr trifft.
vielleicht geht es dir danach besser?
tut mir leid,ist eine schwere entscheidung:-(
lieben gruss,nadine

Beitrag von scrapie 13.05.11 - 22:19 Uhr

Glaub mir... als ich davon erfuhr, hätte ich keine Kinder gehabt im Kleinkindalter, ich wäre hingefahren... aber er wohnt in Ukraine... ich könnte ihn auch anrufen, ich habe alle seine Daten, von Adresse bis zur Telenummer... aber ich mache es bewusst nicht.

Nicht nur, dass ich nach 7 Jahren Funkstille nichts mehr in seinem Leben verloren habe... wäre es auch ziemlich "asozial" (nicht im beledigenden Sinne) jetzt kurz vor seinem Tod da aufzutauchen (wenn auch nur telefonisch) und ihm das Leben mit meinem Kummer noch schwerer zu machen (denn DA würde ich es NIEMALS schaffen, mich zu verstellen).

Es ist besser für uns alle. Ich habe eine Familie, ich möchte sie nicht mit runterziehen. Ich war nach der Diagnose mehrere Wochen neben mir, war hin und her am überlegen, was ich tun kann, was ich tun soll und was ich tun will und ich habe mich für diesen Weg entschieden und nun gibts kein zurück mehr :-(

Beitrag von gisele 13.05.11 - 22:39 Uhr

so weit weg...das ist natürlich etwas anderes:-(
und das mit den kindern kann ich verstehen,habe ja auch 2.
du bist hin und her und egal wie,es wird für dich sehr schwer werden,vor allem wenn er nicht mehr da ist:-(
dieses hätte ich doch usw.
ich drücke dich mal unkannterweise und wünsche dir viel kraft!!
versuche mit seiner tante ohne deine familie zu reden!es gab nun mal abschnitte davor,das ist bei mir nichts anderes,das gehört zu deinem leben und dann sollte der mann verständnis haben das es dir weh tut!!
ganz lieben gruss,nadine

Beitrag von scrapie 13.05.11 - 22:47 Uhr

Verständnis hat er viel ( er hat mir auch viel Arbeit abgenommen, als es mir dreckig ging und mich auch getröstet, als vor wenigen Tagen der Anruf kam, dass die Ärzte ihn nun aufgeben). Ich habe es ihm erklärt und als wir noch nicht zusammen waren und es auch nicht so aussah, dass es passiert, da hab ich ihm alles erzählt. Aber da ich mit diesem Mann auch kurzzeitig zusammen war (was aber unwichtig ist, seitdem ich meinen Mann habe), möchte ich meinen Mann soweit es geht da raus halten, da ich Angst habe, dass er es trotzdem irgendwie in den falschen Hals bekommt.

Mit seiner Tante wirds schwierig zu reden, da ich der russischen Sprache kaum noch mächtig bin... und wenn ich schon Probleme habe, es in deutsch in Worte zu fassen... ausserdem ist sie eine Tratschtante, was nicht böse gemeint ist, aber ich glaube nicht, dass sie dichthalten wird :-(

Mir bleibt nichts anderes übrig, als zu gucken, wie ich damit klar komme :-( Naja, ich kann von Glück reden, dass ich trotzdem jemanden zum reden habe, auch wenn es noch ein wenig dauern wird, bis ich dazu die Möglichkeit habe.

Danke dir. Ist schön zu wissen, dass man verstanden wird.

Beitrag von alpenbaby711 31.05.11 - 08:21 Uhr

Wenn es von Herzen kommt ist es schlicht gesagt SCheiß egal wann du auftauchst.
Ela

Beitrag von sina236 13.05.11 - 23:47 Uhr

jeder mensch tickt anders. aber wenn ICH du wäre, ich würde mir ein, zwei freie tage nehmen und zu IHM fahren. das kann man einrichten. ich hab selber kind und mann, aber dennoch, DAS würde ich mir nicht nehmen lassen. da du weisst, dass es endstadium ist, ist es eine frage der zeit. und wenn du irgendwann in deinem leben zur ruhe kommen willst, dann FAHR DA HIN. todkranke sind im letzten stadium ihres lebens meistens ebenfalls froh, wenn unausgesprochenes noch ausgesprochen werden kann. wie viele konnten nicht gehen und haben ihr leider künstlich verlängert, weil sie wussten, da ist noch was. etwas, das nicht gesagt wurde. also ich wüsste, was zu tun wäre. ABER: ich bin nicht du. und das ist nur das, was ich ganz persönlich als anspruch an mich selber hätte. um ihm letzte gewissheit zu geben und für mich selber ruhe zu finden. wenn er stirbt und es gibt ungesagtes, wird es dich dein ganzes leben lang begleiten, und zwar nicht als ruhiges und gutes gefühl. noch kannst du es beeinflussen.

traurige grüsse von sina, die froh ist, noch vieles gesagt zu haben.

Beitrag von scrapie 14.05.11 - 00:03 Uhr

Die Sache ist die, das ich ihm bei weitem nicht so wichtig bin, wie er mir... denn ich bin IHM dankbar... er weiß nichtmal, dass er mein Leben verändert hat.

Ich will ihm keine kostbare Zeit mit seiner Familie stehlen und ihm nun meine Probleme auf den Hals binden. Er weiß bestimmt noch, wer ich bin... aber er hat den Kontakt nicht gesucht, obwohl er weiß, dass ich mit seiner Tante im Kontakt stehe und das akzeptiere ich auch so.

Beitrag von sina236 14.05.11 - 00:23 Uhr

ja das verstehe ich dann auch wieder. aber vielleicht wäre es ja auch für ihn schön zu wissen, dass er jemandem wesentlich mehr bedeutet hat, als er gewusst hat??? ist doch ein tolles gefühl? ich verstehe, wenn du das nicht willst. aber ich selber bin eben immer so für die offenheit, weil ich die erfahrung gemacht habe, dass es für manche sachen nur einen einzigen zeitpunkt im leben gibt. du könntest es ihm ja auch schreiben.

Beitrag von scrapie 14.05.11 - 00:28 Uhr

Dafür reicht meine Sprachbegabung nicht... ich spreche nahezu gar kein russisch mehr... es ist weniger wie mein Schulenglisch. Ich verstehe zwar alles, kann aber nicht sprechen. Es würde nicht klappen...

ich möchte es aber auch nicht. Ich möchte es gar nicht so nah an mich ranlassen. Ich hab lange gebraucht um damit klar zu kommen, dass die Möglichkeit besteht, dass er sterben wird... und zum Schluß hab ich es schon im Gefühl gehabt, da die Chemos nicht den gewünschten Effekt gebracht haben. Ich habe mich mit allem abgefunden, auch dass es demnächst einen noch weniger erfreulicheren Anruf geben wird... meine einzige Sorge ist, was passiert, wenn ich seine Tante treffe. Denn das war in meinem "Plan" nicht einkalkuliert, dass ich nochmal so direkt damit konfrontiert werde.

Beitrag von sina236 14.05.11 - 00:35 Uhr

jeder mensch, der dir in deinem leben begegnet (also näher begegnet), will dir was bestimmtes vermitteln. so auch seine tante. lass es auf dich zu kommen. ich bin sicher, es gibt noch eine überraschung für dich. das muss nicht negativ sein. warte einfach mal ab. und hab keine angst. was soll jetzt schon noch passieren???

Beitrag von scrapie 14.05.11 - 00:46 Uhr

Ja, mir bleibt nichts anderes, ausser: Augen zu und durch. Drumherum kommen werde ich eh nicht... da hast du recht...