Erfahrungen - Ohrspeicheldrüsentumor

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Beitrag von muh73 14.05.11 - 21:22 Uhr

So- nun ist aber mal Schluss mit der Schwarzmalerei in Foren...Dies ist an alle, die die OP eines gutartigen Tumors noch vor sich haben:

Ich habe auch eine fast 6stündige OP an der Ohrspeicheldrüse hinter mit. Der Tumor war so vernarbt mit dem umliegenden Gewebe, dass man ziemlich viel entfernen musste (auch etliche Lymphknoten usw...) Das "Loch", was dadurch eigentlich entstanden wäre, wurde ganz toll wieder mit Fett - und Muskelgewebe aus anderen Regionen "aufgepolstert". Und: es hat sich herausgestellt, das der Tumor gutartig war. Stand heute: Man sieht absolut nichts (1/2 Jahr nach der OP) und ich bin total beschwerdefrei.

Meine Geschichte fing mit einem ganz kleinen Knötchen hinter dem Ohr an, was stetig wuchs. Ich war bis zur "wahren Erkennung des Tumors" bei 4 verschiedenen Ärzten, die alle meinten, ich solle mir keine Sorgen machen, das wäre nichts Schlimmes - nur eine kleine Drüse, die ab und an mal angeschwollen sein kann. Doch ich ließ nicht locker, zumal das "Ding" anfing, zu wachsen... Letztendlich diagnostizierte man dann auch bei mir den Ohrspeicheldrüsentumor... Ich bin aus allen Wolken gefallen - nahm ich doch aufgrund der ganzen vorherigen Arztmeinungen an, es würde sich um etwas Harmloses handeln... Im Nachhinein bin ich froh, so hartneckig gewesen zu sein, denn so ein Tumor kann im Laufe der Jahre doch mal von gut - auf bösartig umschlagen.

Also, was ich Euch eigentlich sagen wollte: 1. Habt keine Angst vor der OP!! Sucht Euch bloß einen Arzt, der so etwas nicht zum 1. Mal macht, denn das Separieren der Nerven will gelernt sein. (ich war im Klinikum Bremen Mitte)
2. Hört auf die Foren diesbezüglich rauf und runter zu lesen... ich habe das leider auch gemacht und bin in Depressionen verfallen. Ich hatte schlimme Alpträume und Angstzustände. Schlussendlich habe ich hunderte von Euros für ein professionelles Fotoshooting ausgegeben, weil ich nach der Forenleserei ganz fest annahm, meine Mimik käme nach der OP nicht wieder in Ordnung und ich würde ewig mit bleibenden "Entgleisungen" meines Gesichts herumlaufen müssen... Ich bin echt von Gesichtslähmungen ausgegangen - hatte ich doch soviel darüber gelesen... Mein Prof. sagte dazu nur: Das habe ich in meinem ganzen OP -Leben ein einziges Mal erlebt. Hier sei erwähnt, dass "mein" Professor zu diesem Zeitpunkt 1 Jahr vor seiner Rente stand...
3. Ja, auch ich hatte Schläuche im Hals, die die Wundflüssigkeit ablaufen lassen sollten... und Ihr glaubt gar nicht, was ich für einen Horror davor hatte... ABER: die werden unter Narkose gelegt und wenn man aufwacht, sind sie zwar da (sieht nicht ganz so toll aus) aber man merkt nichts... (Außer, dass man aufpassen muss, nicht irgendwo damit hängen zu bleiben)... Ich hatte echt null Schmerzen und das Ziehen der Schläuche später ist auch üüüüüberhaupt nicht schlimm - wirklich. Ist, als würde man ganz schnell ein Pflaster abziehen - kurzer Piecks und das wars. Die einzigen Schmerzen, die ich hatte, waren extreme Nackenschmerzen aufgrund von Verspannungen, weil ich so eine Art Schonhaltung eingenommen habe. Das hatte aber mit der OP an sich rein gar nichts zu tun. Ich hatte danach keine Schmerzen. Im Gegenteil - anfangs war alles taub. Ich lag auf der HNO Station und jede Mandelentnahme dort war schlimmer von den Schmerzen her gesehen...
Und 4. Bekommt keine Panik, wenn am Anfang ein taubes Gefühl auf der Seite ist. Das ist ganz normal und hat sich bei mir (obwohl mir gesagt wurde, dass das Gefühl wahrscheinlich nicht ganz wieder kommt) fast komplett regeneriert. Es dauert halt nur seine Zeit (bei mir 4 Monate), denn so Nerven sind super komplex und wachsen nicht in 2 Wochen wieder zusammen. Also Geduld...

Also Ihr Lieben, Kopf hoch, Augen zu und durch. Es gibt tatsächlich viel, viel Schlimmeres im Leben - das hat mich diese Erfahrung gelehrt. Und ich empfand das anfangs mit der OP vor Augen als das Allerschlimmste überhaupt. Ihr schafft das auch, denn ich bin der Angsthase in Person. Laßt Euch nicht entmutigen und hört auf, Euch an den 2 % hochzuziehen, die tatsächlich etwas Bösartiges hatten... Und auch bösartige Tumoren sind - sofern schnell gehandelt - in den Griff zu bekommen. Nur ich möchte mir nicht anmaßen, darüber zu urteilen, denn meiner war ja gutartig.

Ich hoffe, ich konnte einigen ein zumindet ein ganz kleines bisschen die Angst nehmen und trotzdem dabei aufklären... Ich habe mir damals geschworen, dass ich meine Erfahrungen niederschreiben werde, sollte alles gut verlaufen. Und hier sind sie nun...toi...toi...toi... für alle, die es noch vor sich haben... Das wird ganz bestimmt alles gut.


Beitrag von frau-mietz 14.05.11 - 21:41 Uhr

<<<2. Hört auf die Foren diesbezüglich rauf und runter zu lesen...<<<

Sollen sie die Foren doch durchstöbern, somit finden sie auch Deinen Beitrag ;-)

Toll, das alles so super bei Dir gelaufen ist! Da kannst Du wirklich froh sein.

Ich selbst hatte keinen Tumor, aber mir wurde die Unterkieferspeicheldrüse entfernt, wegen Steinen und einer chronischen Entzündung.

Der Gesichtsnerv wurde etwas angekratzt. Bei entspanntem Gesichtsausdruck, sieht man, dass der rechte Mundwinkel leicht hängt. Zum Glück fällt es nur mir auf.

Bei mir ist etwas schief gelaufen. Er hatte sogar "vergessen" die Steine im Drüsengang zu entfernen.
Er war ein hochgelobter Arzt, ein Fachmann in der Sache...tja...
Was ich damit sagen will, jeder kann mal Fehler machen, auch ein Arzt der nur die besten Beurteilungen bekommen hat. Man kann leider nie ganz sicher sein.

Aber toll, das es Dir nun so gut geht und Du keine beleibenen Schäden hast!

Alles Gute! #winke

Beitrag von koqu 15.05.11 - 11:26 Uhr

Da kann ich nur beipflichten!
Mein Mann hat diese OP vor sechs Jahren mitgemacht und der Tumor war bereits durch die Wangenwand fast bis in die Mundhöle durchgewachsen.
Am Tag nach der OP saß er schon wieder (lädiert aussehend) recht fidel im Bett und nach vier Tagen wurde er entlassen.
Die Schmerzen waren deutlich weniger als bei seiner Wurzelbehandlung und auch zu sehen ist jetzt so gut wie nichts mehr. Nur wenn man es weiß und darauf achtet kann man erkennen, dass hinter dem entsprechenden Ohn eine leichte Einwölbung nach innen ist.
Und Obwohl der Tumor um die Trigeminus Nerven ehrumgewachsen war, ist auch da kein PRoblem aufgetreten.
Gruß Luise

Beitrag von simone1177 15.05.11 - 19:32 Uhr

Hallo...

Da war dein Arzt aber nicht gut. Grundtumor Op hat bei mir 3,5 Stunden gedauert. Tumor war ca 4 cm im Durchmesser. Facialisschwäche in allen Ästen war nach knapp 4 Wochen fast weg.
2. OP nach 4 Wochen war 8,5 Stunden mit bis heuter anhaltender Astlähmung des Mundwinkelnervs, der Rest hat sich nach knapp 2 Jähriger Therapie erholt. Das Auge konnte nach knapp 8 Wochen wieder geschlossen werden, Tropffreies Essen war nach 4 Monaten möglich.
3.-7 Op...

Schlimm an sich ist nicht die Erst Op sondern folgende da bei der Erst Op viel Fett und Muskelgewebe entfernt wird und es dann sehr schwierig ist erhaltend nach zu operieren.

Bei meiner Erst Op wurde mir zuvor gesagt, daß eine bleibende Lähmung sehr unwahrscheinlich ist, aber das es Schwächen gibt, da man die Nerven zu bewegt, zur Seite schiebt und sonstiges.
Mein Arzt hatte dies in seiner Laufbahn noch nie und in der Uni HNO Poliklinik Münster (2.OP)war ich der erste Fall einer so schlimmen Lähmung, aber ich hatte auch eine extreme Ausräumung, da die ersten Lymphknoten schon befallen waren.
Seitdem sind auch alle meine Grübchen weg, da sich die Mimik auch total verändert hat. Schade eigentlich.


Eine Tumorentfernung hat gar nichts mit einer Krebsoperation zu tun und ist nie so schwierig wie eine Krebs Op.

Gruß