Tochter will zum Vater - was tun? (sorry - lang)

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Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von vivian80 14.05.11 - 22:33 Uhr

Hallo zusammen,

mein Mann hat eine größere Tochter, die jetzt nächsten Monat 10 wird. Sie lebt gut 400 km von uns entfernt bei der Mutter. Wir haben zwei Kinder im Alter von 5 und 6 Jahren. Das Verhältnis ist gut, sowohl zwischen den Erwachsenen als auch zwischen bzw. mit den Kindern. Auf Grund der Entfernung klappt das mit dem Besuchen natürlich nicht so oft. Bislang beschränkten sich die Besuche auch auf ein paar Stunden, meist auch im Beisein der Mutter. Sie hat auch den Kontakt zwischen Vater und Kind kontrolliert, sprich es gab wenig Telefonkontakt. Jetzt hat die Mutter ein weiteres Kind bekommen. Die Große ist in der Schule abgestürzt, akute Versetzungsgefahr in der 4. Klasse. Mittlerweile wissen wir, dass es nicht (nur) an der Schwester liegt, sondern wohl hauptsächlich daran, dass sie sich vom Vater vernachlässigt fühlt.

Daraufhin haben wir natürlich sofort den Kontakt verstärkt. Jetzt gibt es 2 Telefonabende pro Woche mit dem Vater und wir holen Sie in den Ferien für ein paar Tage zu uns. Die Mutter war anfangs nicht begeistert - allerdings haben wir ihr gesagt, sie kann nicht sagen, dass wir uns zu wenig kümmern, und sie blockt dann. Es geht uns allen nur um die Große.

Wir waren vor kurzem auch ein paar Stunden mit ihr alleine im Schwimmbad.

Jetzt kam sie von der Schule heim und hat ihrer Mutter erzählt, dass sie zum Papa ziehen will. Beim Papa wäre alles besser und sie würde mehr bekommen. Wir haben ihr nie große Geschenke gemacht. Klar ist allerdings, dass wir immer versucht haben ihr in den wenigen Stunden, in denen wir sie gesehen haben, ein paar tolle Stunden zu bereiten und soweit es möglich war, etwas besonderes zu unternehmen - Spaziergänge, Ausflug auf den Spielplatz, ein Eis in der Eisdiele oder jetzt der Schwimmbadbesuch.

Sie hat auch ihrer Mutter erzählt, dass der Papa für sie Unterhaltsgeld zahlt und der Papa gar nichts zu sagen hat, da nur die Mama bestimmen darf (Kurz: Unterhaltszahlung und alleiniges Sorgerecht). Woher sie das weiß ist uns allen unbekannt. Es haben NIE Gespräche in ihrer Gegenwart stattgefunden, und wenn es etwas am Telefon zu besprechen gab, wurde dies immer spät Abends gemacht.

Auch den "anderen Papa" akzeptiert sie seit der Geburt der Schwester nicht mehr. "Du hast mir gar nichts zu sagen" - bisher war er ihr immer wichtig, immerhin ist er seit über 7 Jahren Bestandteil ihrer Familie.

Wie sollen wir uns jetzt verhalten. Wir und die Mutter sind völlig ratlos und überfordert.

Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht und kann uns Tipps oder Ratschläge geben. An wen könnten wir uns wenden?

Vielen Dank für Eure Antworten ! ! !

Gruß
Vivian80

Beitrag von dore1977 14.05.11 - 23:16 Uhr

Hallo,

wichtig ist das ihr und die Mutter (und ihr Mann der ja schon lange ein Bestandteil der Familie ist) an einem Strang zieht.

Sie will zu Euch kommen ? Die Sommerferien bieten sich doch da grade zu an! Aber dann bitte mit vollem Programm (Pflichten) und Familienleben mit kleinen Geschwistern. Sie wird schnell merken das nicht alles Gold ist was glänzt.

Ich gehe jetzt einfach mal davon aus das die Tochter bei der Mutter wohnen bleiben soll, somit wäre auch eine klare Ansage in dieser Richtung angebracht.

Die Mutter sollte allerdings auch aufhören zu blocken, wieso kann das Mädel Euch nicht einfach besuchen wie sie möchte? Ferien oder WE mal voraus gesetzt.

LG Dore

Die große Tochter meines Mannes hatte auch die ein oder andre Anwandlung die uns ( Mutter, Vater und mir) so manches heiße Telefonate/Gespräche gekostet hat. Aber ich denke wir haben sie gut "groß" bekommen.
Sozusagen das wichtigste "zwischen familieäre Großprojekt" an dem ich je Teil genommen habe.

Beitrag von sacredheart 15.05.11 - 08:17 Uhr

hallo,
ich bin auch ein scheidungskind und beneide die tochter deines mannes richtig;-) so wie du schreibst,, versteht ihr euch gut und eigentlich werden sowohl dem vater als auch der tochter viele freiheiten gegeben. zwar ist die entfernung ein problem, doch ein überwindbares.
habt ihr schon mal mit dem mädchen gesprochen, wie es bei euch abläuft, wenn sie nicht oder längere zeit bei euch ist?!
der vorschlag, sie mal über die sommerferien zu euch zu holen mit vollem familienprogramm(rechte und pflichten) ist bestimmt der beste, den ihr bekommen könnt. ich hätte mich früher über so eine aktion sehr gefreut und hätte weitaus weniger probleme mit dieser situation gehabt.
redet offen mit der tochter, zieht alle an einem strang und versucht es über die ferien, sie bei euch leben zu lassen. wenn es ihr immer noch so gut beim papa gefällt, dann solltet ihr überlegen, sie wirklich zu euch ziehen zu lassen.
da auch der schulwechsel bald ansteht, wäre es der günstigste zeitpunkt, so hätte sie gelgenheit, sich in den ferien bei euch einzugewöhnen und direkt danach kann sie sich auf die schule konzentrieren, die ebenfalls mit neuen kindern und lehrern beginnt.

ich bin damals auf gut glück zu meinem vater gezogen,den ich nicht mal kannte, in eine fremde umgebung ohne freunde und dazu mitten in der pubertät. es ging voll in die hose... hätte ich menschen wie dich und deinen mann gehabt, wäre bestimmt einiges anders gelaufen ;-)

viel erfolg
sacredheart

Beitrag von blinkingstar 15.05.11 - 09:02 Uhr

Hallo,

woher sie das weiß, ist mir klar. Das Papa Unterhalt bezahlt, wird wohl kein Geheimnis sein. Aber Mama kontrolliert Telefonate und Besuche in Häufigkeit und Ausführung. Natürlich kann sie 1 und 1 zusammenzählen und weiß, wer den Ton angibt ;-)

Zu Euch ziehen möchte sie vermutlich, weil sich gerade in ihrem Leben etwas verändert hat: ein Baby ist ins Haus gekommen.
Mama hat weniger Zeit für sie und beim Stiefvater wird sie nun Angst haben, die zweite Geige spielen zu müssen (ob begründet oder unbegründet will ich hier gar nicht bewerten!). Und zusätzlich steht der Schulwechsel an.

Da sieht das Leben bei Euch ohne Baby und ohne "Alltag" (den kennt sie ja bei euch nicht) natürlich verlockender aus ;-)

Was ihr helfen könnte ist denke ich mal die Bestätigung ihrer Mutter und ihres Stiefvaters, dass sie auch nach der Geburt ihres (Halb-) Geschwisterkindes die selbe Rolle für sie spielt und geliebt wird.
Zudem hast Du schon den Rat bekommen, sie mal für ein paar Wochen Alltag bei Euch schnuppern zu lassen. Dadurch würde sie ein Leben bei Euch nicht mehr übermäßig idealisieren.

Viele Grüße
Blinking#stern

Beitrag von vivian80 15.05.11 - 09:59 Uhr

Hallo,

vielen Dank für Eure Tipps. Das mit den Ferien wird auch schwieriger, da wir in unterschiedlichen Bundesländern wohnen (Sachsen und Bayern). Geplant sind jetzt mal 6 bis max. 8 Tage im August, da die Tochter auch noch zur Oma nach Österreich darf. In den paar Tagen können wir ihr wahrscheinlich gar nicht so viel Alltag bieten, um sie von ihrem Hirngespenst wegzubringen.

Klar soll sie bei der Mutter bleiben. Ich will mir gar nicht vorstellen, wenn ich an ihrer Stelle wäre und mir meine Tochter sagt, sie will weg. Es hat damals auch einige Zeit gedauert, bis sie mich akzeptiert hat, irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass sie Angst hat, dass sie ihre Tochter verliert. Auch als dann die zwei Halbgeschwister kamen hat die Mutter Angst gehabt, dass sich der Vater weniger um die Große kümmern wird. Was aber nicht der Fall war. Unsere zwei wussten vom ersten Tag an, dass es da noch eine große Halbschwester gibt, es hängen in der Wohnung auch einige Bilder von ihr. Die Mutter hat der Großen erst vor ca. 2 Jahren von den Halbgeschwistern erzählt.

Die Sicht der Tochter kann ich durchaus nachvollziehen. Ich wollte als Teenie auch immer zu meiner Oma ziehen, da ich davon ausging, dass dort alles besser ist. Für sie wird es nicht anders sein.

Hat es Sinn, dass die Mutter Kontakt mit Schulpsychologen oder ähnlichem aufnimmt?

Viele Grüße
Vivian80

Beitrag von blinkingstar 15.05.11 - 10:04 Uhr

Hallo nochmal,

ich hätte jetzt eher zu einer Familienberatungsstelle geraten.

Viele Grüße

Blinking#stern

Beitrag von bambolina 15.05.11 - 15:08 Uhr

Hallo

was macht es aus, wenn unterschiedliche Ferien sind?
Sie kommt, wann sie Schulferien hat. Sie wird dann schon merken, dass ihr euren geregelten Tagesablauf habt, dass man sich nicht den ganzen Tag um sie kümmern kann, dass es auch bei euch Regeln und Pflichten gibt.

Der Sohn meiner Freundin wollte auch immer zum Papa. Klar, es war in der Ferien und zu Besuchszeiten immer toll dort. Papa hatte viel Zeit, es gab keine großartigen Regeln und "gesponsert" wurde auch einiges.
Ok sie hat schweren Herzens nachgegeben und ihn ziehen lassen (er war 15 und da der Papa nicht weit weg wohnt, konnte er auf seiner Schule bleiben).
Er hielt es erstaunlich kurz dort aus, nach 2-3 Wochen gab es die ersten Probleme. Aber Mama fragen, kann ich zurück war er zuerst zu stolz. Gingen dann sicher 3 Monate ins Land, bis er zurück kam.

Ein Psychologe hätte schon Sinn, sofern die Kleine mit macht und nicht von vorne rein sagt, sie will das nicht.

lg bambolina

Beitrag von manavgat 15.05.11 - 10:48 Uhr

Beim Papa wäre alles besser und sie würde mehr bekommen.


Die Kleine spielt Euch aus.

Ich würde ihr klar sagen: wir haben Dich lieb, die Mama hat Dich auch lieb. Wenn Du in der Schule nichts machst, dann wird das hier auch nicht besser. Auch bei uns gelten Regeln, werden Hausaufgaben gemacht und Mithilfe im Haushalt erwarten wir - wenn Du kein Wochenendbesuch bist - selbstverständlich auch.

Ich erlebe oft Kinder, die "Familienhopping" betreiben. Für die jeweilige (Patchwork-)familie bedeutet das Unruhe, Wohnungswechsel, Ärger in der Schule etc.

Ich würde nicht nachgeben. Es kann nicht sein, dass ab der Pubertät immer danach gegangen wird, wo es gerade "netter" ist.

Gruß

Manavgat

Beitrag von parzifal 15.05.11 - 16:59 Uhr

Zumindest lag bisher bei Euch einiges im Argen.

Es ist nicht normal, dass bei einer Entfernung von 400 km bis jetzt nur stundenweise Besuche möglich waren.

Bei jedem normalen Umgang hätten da längere Besuche dabeisein müsen (verlängerte Wochendenen, Ferien).

"ein paar tolle Stunden zu bereiten und soweit es möglich war, etwas besonderes zu unternehmen - Spaziergänge, Ausflug auf den Spielplatz, ein Eis in der Eisdiele oder jetzt der Schwimmbadbesuch. "

Das wäre für mich Standard und nicht besonderes.

Entweder hat Dein Mann sich bisher von der Mutter auf der Nase herumtanzen lassen (die wenig oder keinen Kontakt wünscht) oder er wollte selbst keinen wirklichen Kontakt zur Tochter bisher.

Wie gesagt. So wenig Kontakt ist nicht normal.


Dass das Kind jetzt umziehen will ist aufgrund des wenigen Kontakts sowieso nur als Laune zu bewerten (noch dazu mit neure Schwester um die sich mehr drehen könnte als von ihr gewünscht).

Was aber möglich gemacht werden sollte wären endlich mal längere Aufenthalte z.B. in den Ferien 2-3 Wochen.

Gruß
parzifal

Beitrag von geli0178 15.05.11 - 22:06 Uhr

Hallo,

mein Cousin hat ähnliches durch, allerdings ging es dort um zwei Kinder. Es konnte über Jahre keine Einigung gefunden werden.
Die Tochter Deines Mannes ist inzwischen zehn Jahre alt und kann ab einem gewissen Alter selbst entscheiden wo sie leben möchte. Sie steht am Anfang der Pubertät. Ein Baby zu "ertragen" ist manchmal schwieriger als Kinder die älter sind. Ich würde versuchen in Absprache mit der Mutter mehr Zeit ,verlängerte Wochenenden, einplanen damit sie sich überlegen kann was sie wirklich möchte. Das bedeutet für Euch mehr Stress, jedoch ist die Zeit absehbar. Die Ferien bei Euch zu verbringen ist gut aber mit allen Rechten und Pflichten. Zeitgleich würde ich an Eurer Stelle eine Familienberatungsstelle aufsuchen. Meist sitzen dort Kinder- und Jugendpsychologen und können nachvollziehen was in dem Kind /Teene vor sich geht.

Mein Cousin sieht seine Tochter, inzwischen 12 oder 13Jahre, regelmäßig trotz großer Entfernung. Die Oma hat eine Vermittlerrolle übernommen sodass das Mädchen ihren Vater öfter sieht aber inzwischen ist Papa nicht mehr der Held zudem unbedingt gegen den Willen der Mutter gezogen werden muss. Die Mutter muss sich nun um anderen männliche Bekanntschaften der Tochter Gedanken machen ;-)

VG Geli

Beitrag von sinta75 16.05.11 - 00:23 Uhr

hi

seh ich genauso ,wie die anderen. ich hatte das auch.aus meiner 1.beziehung hab ich drei große (jetzt 8,fast 7 und fast 5 jahre). nach den geburten der kleinen .mit meinem neuen partner,wollten die großen plötzlich nach fast 2,5 jahren zum papa ziehen. ich war ihnen zu streng, und papa erlaubt alles spielt mit ihnen hat immer zeit#rofl.
nun da ich meinen ex kenne (ist nach gut 12 std völlig überfordert), sind die also in den letzten sommerferien (er musste sich nach langen reden urlaub nehmen) 4 wochen zum papa.damit sie nicht nur die paar std mit ihm kenne, sondern auch den alltag mit ihm, denn da hat er keine zeit mehr mit ihnen.hat dementsprechend auch geld von mir bekommen (480E), damit er nicht sagen konnte ,er hatte nichts zu essen holen können,ausflüge usw.
nun er also wie erwartend schnell überfordert gewesen, gab die kinder nach 17 tagen völlig entnervt zurück (aber ohne restgeld), und die erwähnten nie wieder sie wollen zum papa ziehen#rofl.
sie mussten ins kalte wasser, da ichkeine zeit und auch keine lust auf ewiges diskutieren hab.auch sage ich ihnen meine meinung, wenn er wieder mal die kinder versetzt, und nehm ihn nicht in schutz warum auch.damit er immer als engel dasteht , und ich die böse bin.ne danke.
dieses wo auch.es wäre seins gewesen, und freitag kam ne sms, er hatt keine zeit,kann sie doch net holen, muss ins sauerland fahren feiern.genau das hab ich auch so an die kids weitergegeben. soll er doch ausbaden.er sinkt im ansehen , nicht ich.so wissen sie auf jeden fall ihren papa genau einzuschätzen, und sind auch durch solche sachen nicht allzu enttäuscht, und sind trotzdem fröhlich.früher nahm ich ihn in schutz (das erste jahr), da gabs immer nur tränen, jetzt kennen sie ihn , und wissen wie sie damit umgehen müssen.

Beitrag von vivian80 16.05.11 - 19:43 Uhr

Hallo! Ich danke dir für diesen kurzen auszug. Wir glauben auch das unser kind nicht einschätzen kann was auch bei uns alltag bedeutet. natürlich kann sie es nicht in vier tagen wahrnehmen , das bedeutet sie müsste auch mal vier wochen am stück da sein um wirklich zu begreifen was da abgeht. schauen wir mal wie wir es realisieren können.