Ist das Zeugnis jetzt gut oder schlecht?

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Beitrag von chatterbox 15.05.11 - 09:32 Uhr

Guten Morgen Ihr Lieben!

Ich soll zum ersten Mal für meinen Chef Bewerbungen (als LKW - Fahrer) sichten und hab das noch nie gemacht. Bei einem Bewerber ist folgendes Zeugnis dabei:

Zuerst kommen die Daten des Bewerbers, dann die Dauer des Arbeitsverhältnisses und dann gehts so weiter:

"Herr X war zunächst als Kraftfahrer tätig.

Zu seinen Aufgaben gehörte die Belieferung unserer Kunden mit Getränken und Fässern im Großraum München und Oberbayern.

Herr X wurde hierbei auf LKWs der Marken Mercedes und MAN eingesetzt.

Zu seiner Tätigkeit gehörte außerdem die Abrechnung des Leerguts beim Kunden, sowie das Kassieren von Rechnungen. Die Abrechnungen von Herrn X waren stets einwandfrei. Sein Auftreten gegenüber Kunden war stets höflich.

Später war Herr X als Gabelstaplerfahrer tätig. Er wurde hierbei auf sowohl auf Einfach- als auch Doppelkammerstaplern eingesetzt.

Zu seinem Aufgabenbereich gehörte das Be- und Entladen unserer LKWs für den Fern- und Verteilerverkehr sowie das Ein- und Auslagern von Getränkepaletten in unserem Block- und Durchlaufregallager.

Herr X arbeitete hierbei schnell, zuverlässig, sicher und fehlerfrei.

Dank seiner handwerklichen Fähigkeiten führte Herr X auch Reparaturen auf dem Betriebsgelände und kleinere Reparaturen am Fuhrpark aus.

Das Auftreten von Herrn X gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten war stets höflich und einwandfrei.

Wir bescheinigen Herrn X Ehrlichkeit und Fleiß. Er erfüllte die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.

Das Arbeitsverhältnis endet zum .....

Wir wünschen Herrn X für seinen weiteren beruflichen Lebensweg alles Gute.


Fa. Y"


Ich weiß jetzt nicht so wirklich, was ich davon halten soll. Das mit der Pünktlichkeit fehlt schon mal und bei den letzten zwei Sätzen hab ich irgendwie ein komisches Gefühl.

Ist hier vielleicht jemand, der öfter sowas liest und nicht nur über den Daumen peilt, so wie ich?

Hätte ich mich doch um dieses Bewerbungen aussortieren gedrückt!!!!:-[

LG und schönen Sonntag noch!

Chat

Beitrag von king.with.deckchair 15.05.11 - 10:04 Uhr

Es ist widersprüchlich. Einerseits ist hier "Das Auftreten von Herrn X gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten" die Reihenfolge nicht eingehalten, was auf Heckmeck mit dem Chef hinweist. Dann fehlt die Pünktlichkeit, wie du richtig sagst und soweit ich weiß, muss bei jemandem, der Mit Waren/Geld zu tun hat, diese Dreierkombi mit der Ehrlichkeit und dem Fleiß rein - wobei da die Reihenfolge wohl auch etwas bedeutet.

Andererseits dann "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit", wobei die Abschiedsfloskel wieder das Wörtchen "weiterhin" fehlt. Steht denn auch kein Satz da, warum das Arbeitsverhältnis endete? Und endete es evtl. mitten im Monat, aber nicht am 15. ?

Ich habe solche Zeugnisse, insbesondere die falsche Reihenfolge bei Vorgesetzten und Mitarbeitern oft auch bei Leuten gesehen, die gegen eine Kündigung gerichtlich vorgingen und wo das AV dann mit einem Vergleich z.B. endete. Was per se auch nicht immer etwas Schlechtes heißen muss, kann ja sein, dass die frühere Firma wirklich ein Sauhaufen war.

Hm. #kratz Kann auch durchaus sein, dass dieses Zeugnis jemand geschrieben hat, der noch nicht soviel Erfahrung hat und der dem Mitarbeiter nichts Böses wollte. Was sagen denn die anderen Zeugnisse von ihm aus?

LG
Ch.

Beitrag von chatterbox 15.05.11 - 10:40 Uhr

Guten Morgen!

Danke für Deine schnelle Antwort. Der Bewerber hat nur dieses eine Zeugnis. Bei der Firma war er seit 1984. Er ist schon über 50 und in den Jahren davor sieht der Lebenslauf eher nach "wilden Jahren" aus. Lehre nicht abgeschlossen und danach so hier und da gejobbt, aber keine Zeugnisse dazu. Die Bewerbung ist aber eine der wenigen ordentlichen, aber halt nur mit Führerschein, Staplerschein, Führungszeugnis (war verlangt) und eben diesem Arbeitszeugnis.
Dass die Firma unerfahren ist im Ausstellen von Zeugnissen, glaube ich nicht. Ist schon eine Größe in München, die kenne sogar ich, weil ich als Kind immer das Limo von denen getrunken habe.

Beitrag von alex_22_nrw 15.05.11 - 11:07 Uhr

Seit 1984 ist doch was!
Mein Arbeitszeugnis war besch...kleine Firma, familiär. Aber es war nett gemeint!
Bin nämlich von denen aus nun wieder dort ;))

Lg

Beitrag von king.with.deckchair 15.05.11 - 12:14 Uhr

Naja, immerhin seit 1984 in der Firma, das sagt doch auch etwas über ihn aus.

Aber wenn da kein Kündigungsgrund drinsteht und die Sache mit dem Dreigestirn "pünktlich, ehrlich, fleißig" plus das Ignorieren der Hirarchie beim Vorgesetzten, würde mich das auch stutzig machen.

Beitrag von chatterbox 15.05.11 - 10:52 Uhr

oh je, ich bin noch nicht wach.
"Das Arbeitsverhältnis endet zum 31.05.2011." Da steht nichts mehr weiter.
Müsste da nicht auch noch irgendwie was von Bedauern oder so stehen, dass das Arbeitsverhältnis endet? Stand zumindest bei mir drin...

Ich komm mir bei der Erbsenzählerei echt blöd vor, vor allem weil ich ja selber keine Ahnung habe....

Beitrag von joy1975 15.05.11 - 10:13 Uhr

Ich halte das Zeugnis nicht für so schlecht. Man liest immer in der Theorie, was dieses oder jenes bedeutet. Nach meiner persönlichen Erfahrung können die wenigsten Personaler wirklich Zeugnisse schreiben, vor allem nicht in kleineren Unternehmen. Die meinen es wirklich nur "gut" und achten nicht darauf, was drin sein sollte.
Ich würde den Herrn auf jeden Fall mal einladen.

Beitrag von chatterbox 15.05.11 - 10:44 Uhr

Das stimmt schon. Wir sind jetzt auch keine kleine Firma. Aber vor Zeugnissen hocken wir alle wie die Deppen, wie man sieht.

Ich möchte nicht wissen, was unsere Arbeitszeugnisse bedeuten#hicks.
"Prügelt sich mit Kunden und schläft mit der Frau des Chefs" oder so ähnlich!??!#kratz

Beitrag von bruchetta 15.05.11 - 11:02 Uhr

Du hast recht.
Ich denke, die Zufriedenheitsklausel kennt jeder und dieser Pasus ist ja sehr gut ausgefallen.
Der Rest ist mit Sicherheit gut gemeint, es besteht wahrscheinlich nur Unkenntnnis darüber, dass erst die Vorgesetzten erwähnt werden müssen und dass Pünktlichkeit drinstehen muß.
Ich würde ihn zumindest mal einladen, dann kann man sich ein besseres Bild machen.

Beitrag von king.with.deckchair 15.05.11 - 12:14 Uhr

Ich nicht.

Beitrag von manavgat 15.05.11 - 10:52 Uhr

Das Auftreten von Herrn X gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten war stets höflich und einwandfrei.


Der Mann ist sozial unverträglich. Die Vorgesetzten müssen immer an erster Stelle genannt werden, ansonsten ist es der Code für aufmüpfig.

Auch dass die Höflichkeit ständig betont wird, ist ein Hinweis auf "scheißfreundlich". Wenn Du weißt, was ich meine.

Gruß

Manavgat

Beitrag von chatterbox 15.05.11 - 11:59 Uhr

#schock

Das könnte ich ja mal gar nicht brauchen. Das Problem ist nur, sonst ist auch nicht so viel an geeigneten Bewerbern da. Entweder zu jung (Containerfahren braucht echt viel Praxis, ich habs aus Personalmangel auch schon er-fahren#schwitz, ich bin nach zweimal fahren fertig, weil mir die Nerven schlappmachen, bin ja eigentlich nicht dafür eingestellt) oder die Bewerbung schaut aus wie Bombe.
Obwohl: Vielleicht nehm ich doch lieber ne chaotische Bewerbung, der Typ soll ja nicht nette Briefchen schreiben, sondern Laster fahren.

Jetzt weiß ich, warum der Chef so schnell davongelaufen ist, nachdem er mir den Stapel auf den Tisch gehauen hat.....#aerger

Beitrag von king.with.deckchair 15.05.11 - 12:22 Uhr

"Obwohl: Vielleicht nehm ich doch lieber ne chaotische Bewerbung, der Typ soll ja nicht nette Briefchen schreiben, sondern Laster fahren."

Ich denke, dass in Berufsbereichen, die nichts mit Büro im engeren Sinn zu tun haben, eine schicke Bewerbung einfach nur aussagt "Hat ein Bewerbertraining vom Arbeitsamt besucht".

Mein damaliger Chef (Leiter Haupt- und Personalamt) hat durchaus auch Bewerber für den Betriebshof z.B. eingeladen, bei denen sowohl der Lebenslauf als auch das Anschreiben handschriftlich waren. OK, es war dafür superordentlich, aber nicht jeder "einfache" Arbeiter oder LKW-Fahrer hat einen PC oder jemanden im Bekanntenkreis, der ihm adäquat helfen kann.

LG
Ch.

P.S Nach längerer Überlegung - ich würde den Mann nicht in die engere Wahl nehmen. Es klingt alles so nach "Hat sein Dung durchgezogen und - wie manavgat auch schreibt - war aufmüfpfig". Vielleicht hat er auch wirklich über Jahre beschissen bzw. unkorrekt gearbeitet und es flog erst jetzt auf, wer weiß. Eine große Firma sollte wissen, was es heißt, wenn die Pünktlichkeit fehlt und wenn der Chef erst an zweiter Stelle genannt wird.
Und: Es ist zwar bitter für viele 50pluser, aber die lange Betriebszugehörigkeit spricht zwar einerseits für ihn. Andererseits habe ich festgestellt, dass gerade diese Leute sich oft sehr schwer tun, sich an neue Abläufe zu gewöhnen.

Beitrag von chatterbox 15.05.11 - 13:15 Uhr

Hihi, "hat sein Dung durchgezogen" - war das Absicht?:-D

Ich zieh hier auch grad meinen Dung durch;-) und leg dem Chef einfach die eine Bewerbung als "Wackelkandidaten" hin. Der kann ruhig auch was dazu sagen, er redet sich halt damit raus, dass ich die Hälfte der Woche allein mit den Fahrern klarkommen muss und deswegen muss der Kandidat mir auch passen. Aber ich glaub allein mag ich mir den Schuh nicht anziehen und hinterher wär ich an allem Schuld#nanana

Da sind noch drei andere, die ganz ok sind, das sind halt Fernfahrer, die oft dem Mega-Stress bei uns nicht gewachsen sind (da wär ein Stadt-Limo-Fahrer schon näher dran) und halt auch die Technik nicht beherrschen, aber das kann man lernen... hab sogar ich geschafft.

Wenn ich länger über das Zeugnis nachdenke, haben Du und manavgat echt Recht, es ist wirklich irgendwie nicht so toll. Hört sich irgendwie so an: "arbeitet zwar schnell und gut, aber nur wenn ER Lust dazu hat und anschaffen darf man es ihm auch nicht". Da gruselts mich irgendwie.

Danke nochmal, heut früh so auf nüchternen Magen, war ich echt irritiert bei dem Zeugnis...

LG

Beitrag von hedda.gabler 15.05.11 - 13:20 Uhr

>>> aber die lange Betriebszugehörigkeit spricht zwar einerseits für ihn. <<<

Ich finde, dass die in dem Fall gar nicht für ihn spricht.
Wir reden ja hier nicht von einem Bereich, in dem es notwendig ist, seinen beruflichen Horizont durch die Arbeit in einem anderen Unternehmen zu erweitern oder von jemanden, der nach vielen Jahren durch einen Headhunter abgeworben wurde oder von einem, für den die Karriereleiter in dem einen Unternehmen zu Ende ist und er sich deswegen neu orientiert ...

... sondern wir reden von einem, der schlicht LKW und Gabelstapler fahren soll.

Und da würde es mich schon sehr interessieren, warum nach einer solch langen Zugehörigkeit das Arbeitsverhältnis endet.

Beitrag von king.with.deckchair 15.05.11 - 14:03 Uhr

Ich schrieb ja auch "einerseits". Und ich denke schon, dass in den meisten Fällen eine so lange Betriebszugehörigkeit auch etwas Positives über den Arbeitnehmer aussagt.

In diesem Fall ist es jedoch höchst merkwürdig, dass es endet, was ich ja auch mit meinem Hinweis auf das evtl. unkorrekte Arbeiten, welches jetzt erst aufgeflogen sein könnte, deutlich machen wollte.

Beitrag von chatterbox 15.05.11 - 14:37 Uhr

Wäre beim Ex-Arbeitgeber anrufen nicht irgendwie fies?

Ich hab das zwar schon gehört, dass das gemacht wird, haben wir hier aber noch nie. Ist halt nicht üblich bei uns.

#kratz

Beitrag von tigaluna 15.05.11 - 11:14 Uhr

Ich würde ihn ebenfalls einladen. Was nützt es dir wenn du nach dem perfekten Arbeitszeugnis suchst und daher niemanden findest? Wie schon geschrieben, die meisten Firmen wissen nicht genau wie sie es nun formulieren müssen, damit nicht irgendjemand was hineininterpretieren kann. Es hört sich nicht schlecht an. Ausserdem gehts hier um einen LKW-Fahrer, das ist eine andere Branche, als wenn ich jemanden als Manager einstellen möchte. Er scheint doch fleissig zu sein.
Es gibt genügend Leute mit perfekten Zeugnissen die dann trotzdem riesengroße Ar... sind.
Der persönliche Eindruck ist wichtig. Absagen kann man den Leuten immer noch nach dem Gespräch.

Beitrag von derhimmelmusswarten 15.05.11 - 11:20 Uhr

Einfach einladen, notfalls 1-2 Tage probeweise arbeiten lassen. Mit einem eurer Mitarbeiter zusammen, der euch dann Bericht erstatten kann über die Arbeitsweise. Ich habe für Rechtsanwälte gearbeitet. Sogar Fachanwälte für Arbeitsrecht und noch nicht mal die hatten wirklich Ahnung wie man ein Zeugnis schreibt.

In den Kanzleien, in denen ich gearbeitet habe, lief das dann so ab: Gucken sie mal im PC. Da müssen noch Arbeitszeugnisse gespeichert sein. Schreiben sie sich einfach eins um. Oder: Schreiben sie sich selbst eins. #klatsch#klatsch

Beitrag von bongomaus 15.05.11 - 11:27 Uhr

Da Arbeitszeugnisse grundsätzlich wohlwollend formuliert sein müssen, sind die für mich als Arbeitgeber uninteressant.

Ich lege Wert auf die nachgewiesene, abgeschlossene Ausbildung sowie Weiter- und Fortbildungen.

Grundsätzlich lasse ich die Bewerber 1 Tag zur Probe arbeiten, meistens sagt dieser eine Tag mehr als 1000 Worte.

Beitrag von hedda.gabler 15.05.11 - 13:22 Uhr

Hallo.

Ruf das Unternehmen an und erkundige Dich über den Arbeitnehmer, sprich ganz klar an, ob die Formulierungen mit Absicht so gewählt wurden ...

... und bring vor allem in Erfahrung, warum das Arbeitsverhältnis nach so langer Zeit endet. Das hat mich nämlich am Meisten stutzig gemacht.

Gruß von der Hedda.

Beitrag von nobility 15.05.11 - 17:51 Uhr

Wenn du deine eigenen Fähigkeiten noch nicht mal klar erkennst wie willst du dann andere beurteilen ???

Beitrag von chatterbox 15.05.11 - 19:32 Uhr

Meine Kenntnisse sind in dem Gebiet nur rudimentär vorhanden, weil ich Teilzeit als Disponentin arbeite und wunderbar mit 50 Lastern und deren Fahrern jonglieren kann, kombiniert mit mindestens doppelt so vielen Kunden und das gleichzeitig während ich telefoniere und mir ne Butterbreze schmiere(soweit zu meinen Fähigkeiten), aber leider bisher nicht das zweifelhafte Vergnügen hatte, mich mit Personalangelegenheiten zu befassen. Kann mich auch nicht dran erinnern, dass ich mal behauptet hätte, das zu können oder zu wollen.
Leider wird darauf im Arbeitsleben nicht immer Rücksicht genommen - und: auch das werd ich überleben:-)