Meine Freundin und ihre Stieftochter

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von fastwieneu 15.05.11 - 13:10 Uhr

Hallo zusammen!

Ich versuche mich kurz zu fassen, aber ich brauche, glaube ich, doch mal ein paar andere Meinungen/ Sichtweisen.

Meine Freundin (40) ist seit 21 Jahren mit ihrem Mann (45) zusammen, seit 9 Jahren verheiratet. Sie haben zwei Töchter (9 und fast 2) zusammen. Die Beziehung war, abgesehen von der Anfangsverliebtheit, immer schon sehr schwierig. Vor allem vermisst sie Nähe und Zärtlichkeiten. Sie arrangierte sich halt mit den Jahren mit ihm.
Das mal ganz grob zu den Rahmenbedingungen.

Nun hat er eine Tochter (jetzt 21) aus erster Beziehung, die er, bevor sie 18 wurde, nie gesehen hat. Die Mutter wollte ihn wohl immer zurück und hat über das Kind versucht, dieses durchzusetzen. Anfangs hat er wohl mal Anstrengungen unternommen, das Umgangsrecht durchzusetzen, hat das aber schnell wieder aufgegeben.

Als die Tochter 18 war, wollte sie Kontakt zum Vater und sie lernten sich kennen. Da merkte ich schon, dass meine Freundin zwiegespalten ist. Das Mädel war nun auch nicht so, wie sie sich das, glaube ich, vorgestellt hat. Sie ist recht selbstbewusst, oft vorlaut und altklug. Außerdem hat sie nun auch ausschließlich die Erziehung ihrer Mutter genossen, also auch deren Werte mitbekommen. Sie ist ihr vom Verhalten her ähnlich. Meine Freundin hasst diese Frau und findet sie nun teilweise in ihr wieder. Ich kann sie da ein Stück weit verstehen, trotzdem finde ich, sind das Dinge, über die man mit ihr reden kann und sollte. Kann sie aber nicht. Auch wenn die Stieftochter sich in ihre Erziehung zu ihren Töchtern einmischt, kann sie nicht mit ihr darüber reden und beschwert sich nur bei mir darüber. Sie ist der Meinung, dass ihr Mann da was sagen muss, nicht sie. Ich merkte schnell, dass in Bezug auf die Stieftochter plötzlich eine Gefühlskälte von ihr rüberkommt, die ich an ihr nicht kenne.
Beispiel: Beim ersten Weihnachtsfest nach Kontaktaufnahme (ca. ¼ Jahr später) meinte meine Freundin, sie wollen Heiligabend lieber nur „als Familie“ feiern. Die Stieftochter könne ja dann am ersten und zweiten Feiertag bei ihnen sein. Überhaupt passte es ihr nicht, dass die Tochter alle zwei Wochenenden bei ihnen sein wollte, es sei zu wenig Platz in der Wohnung und die Arbeit habe ja dann immer sie. Ich war erstmal sprachlos. Meine Einwände deswegen kommen bei ihr nicht wirklich an, ich verkenne nämlich da die Situation. Ich finde aber eben, dass sie wusste, dass der Mann, den sie da nimmt, eine Tochter hat und musste doch damit rechnen, dass sie irgendwann einmal den Kontakt sucht. Und dass seine Tochter nicht hinter ihren Töchtern zurückstehen sollte (soweit das möglich ist), schließlich haben sie denselben Vater. Denke ich denn so verkehrt? Sie meint aber, die Tochter habe kein Benehmen, nehme sich insgesamt zuviel raus und sie wolle auch immer irgendwas bezahlt kriegen. Sie fragt wohl nicht explizit, aber aus ihren Worten hört sie die Erwartung heraus.

Gestern haben wir uns bei unserer Schwiegermutter getroffen und meine Freundin meinte, die Tochter habe mit ihnen reden wollen (meine Freundin rollte bei dem Satz sehr abfällig die Augen)... sie wolle gern den Nachnamen ändern und auch den ihres Vaters haben. Sie trägt den Nachnamen des Mannes, den die Mutter geheiratet hatte, als die Tochter noch nicht volljährig war. Sie habe sich kundig gemacht und müsse dafür von ihrem Vater adoptiert werden. meine Freundin meint, das sei doch Quatsch, weil er die Vaterschaft doch nach der Geburt anerkannt habe. Ich weiß nicht, wie sich das verhält und hatte den Vorschlag gemacht, sich mit der Tochter gemeinsam oder eben für sich nochmal kundig zu machen, um ihr zu helfen, denn ihren Wunsch kann ich verstehen. Sie hat keinen Kontakt mehr zur Mutter und zu deren Mann erst Recht kein Verhältnis mehr (zumal die längst wieder geschieden sind).
Meine Freundin hat aber Angst, dass das nur geht, wenn man dafür bezahlt. Ich meinte dann, das werde man dann sehen und müsse man dann eben neu besprechen, aber der Wunsch sei doch verständlich. Sie aber sieht es überhaupt nicht so. Sie könne das „Theater“ nicht nachvollziehen, irgendwann werde „sie doch eh heiraten“, dann bekäme sie doch sowieso einen anderen Nachnamen. Abgesehen davon, dass ich die Aussage sehr heftig finde, hat die Tochter nicht mal einen Freund... mit dem Heiraten kann es also noch sehr lange dauern.

Ich bin erschrocken über diese Gefühlskälte. Sie ist sonst, wenn nicht übermäßig warmherzig (außer natürlich zu ihren Töchtern), so doch verständnisvoll. Auch hat sie ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Auch sie ist als Jugendliche von der Mutter zur Familie ihres Vaters gezogen und hatte ähnliche Probleme mit ihrer Stiefmutter. Das sei allerdings etwas anderes gewesen, meint sie. Sie habe gewusst, wie man sich zu benehmen habe.

Vielleicht habe ich aber einfach zu wenig Verständnis für meine Freundin. Deshalb wäre es schön, wenn ich ein paar andere Meinungen dazu lesen könnte und bedanke mich erst mal bei euch, dass ihr den langen Text überhaupt gelesen habt.

Fastwieneu

Beitrag von ajl138 15.05.11 - 14:23 Uhr

Hallo,
ich kann deine Freundin auf eine Art schon verstehen.
Das hat nichts mit Gefühlskälte zutun.
Ich kann aber auch die Tochter verstehen und den Mann.

Ich denke du siehst die ganze Geschichte nicht objektiv genug.

Da kam kein kleines Kind auf einmal "neu" in die Familie,sondern eine volljährige junge Erwachsene.
Die alles erstmal durchwirbelt,alt genug ist sich in die Erziehung der Geschwister einzumischen,aber wie es scheint Haushalt und Organisation auf die Stiefmutter abwälzt.Und richtig ihr Mann müsste da eingreifen,nicht sie.Doch den interessiert es auch nicht,dass an deine Freundin alles hängenbleibt.
Da wäre ich auch mehr als sauer.

Mit der Namensänderungen stimme ich auch mit deiner Freundin überein.
Und es ist auch klar,dass sich das Vaterherz da geschmeichelt fühlt.

>>Denke ich denn so verkehrt? Sie meint aber, die Tochter habe kein Benehmen, nehme sich insgesamt zuviel raus und sie wolle auch immer irgendwas bezahlt kriegen. Sie fragt wohl nicht explizit, aber aus ihren Worten hört sie die Erwartung heraus. <<

Würde dich das nicht stören? Wenn es dir so vorkommt,als ob jemand immer auf dem Trip wäre,du hast jahrelang nix für mich bezahlt,nun mach mal.Du hast was gutzumachen?

Tut mir leid,aber so wie du das beschreibst,würde ich in einigen Dingen genauso denken,wie deine Freundin.

Beitrag von phantastica123 15.05.11 - 15:21 Uhr

Das ist doch alles sehr komplex und tiefgründig. Ich kann irgendwie alle verstehen: Deine Freundin, den Vater, die Stieftochter. Es wirkt alles ein wenig entwurzelt auf mich, jetzt, da sie da ist. Ich denke aber, dass es zu schaffen ist.

Vielleicht sollte sich Deine Freundin mal an eine Familienberatungsstelle wenden, um zu lernen, mit der neuen Situation umzugehen, sich zu positionieren. Und im besten Fall gehen alle mit und ängern gemeinsam was an der stressigen Situation. .

Beitrag von fastwieneu 15.05.11 - 15:55 Uhr

Hallo, :-)

ja, das ist tatsächlich sehr komplex und tiefgründig.

Die Idee mit der Familienberatungsstelle ist gut. Das werde ich mal ansprechen. Zusammen wird das aber sicher nichts, denn ihr Mann sieht keine Probleme. Vielleicht möchte meine Freundin sich ja da Hilfe holen.

Danke dir. :-)

Ich merke gerade noch deutlicher, dass ich bei meiner Freundin zuviel Verständnis vorausgesetzt habe... das tut mir jetzt wirklich Leid. Wie soll es ihr denn auch gehen, wenn sie von ihrem Mann da einmal mehr allein gelassen wird. :-(

Liebe Grüße

Beitrag von fastwieneu 15.05.11 - 15:42 Uhr

Hallo, :-)

erst mal Danke für deine Sichtweise.

Ja, ich bin sicher nicht objektiv genug. Deswegen hab ich's hier eingestellt.

Wahrscheinlich sehe ich das zu sehr aus Sicht der Tochter, die sieht, wie die Vier eine Familie sind und ihr der Zugang quasi verwehrt wird. Wenn ich erlebe, wie abfällig meine Freundin mit ihr und über sie spricht, dann tut sie mir Leid.

>>Würde dich das nicht stören? Wenn es dir so vorkommt,als ob jemand immer auf dem Trip wäre,du hast jahrelang nix für mich bezahlt,nun mach mal.Du hast was gutzumachen? <<

Hmmm, doch, das würde mich irgendwann schon auch stören, aber ich denke, ich würde mich deswegen mit meinem Mann auseinandersetzen, denn dass das seine Sache ist, sehe ich auch so.
Das Einmischen in die Kindererziehung würde ich wiederum schon selbst bei ihr ansprechen. Das empfinde ich auch als unverschämt und es betrifft ja auch meine Freundin direkt.
Unterstützung von ihrem Mann hat sie nicht, der hält sich aus allem raus, ist ja ihr Problem. Er hat ja keins. Schon weil von ihm nichts kommen wird, fänd ich es wichtig, dass sie mal mit ihr darüber spricht, denn so verbeißt sie sich nur mehr in das "schlechte" Verhalten der Tochter, fühlt immer mehr Antipathie zu ihr und die weiß gar nicht, worum es geht.

Alles in Allem habe ich in der Sache wohl die Gefühlswelt meiner Freundin nicht ernst genug genommen. :-(

Danke dir für's Futter zum Nachdenken. :-)

Lieben Gruß

Beitrag von ajl138 15.05.11 - 15:47 Uhr

Vielleicht,denkt deine Freundin aber auch,dass es ihr vorgeworfen werden könnte,mit der Tochter ein ernstes Wörtchen zureden,einen Keil treiben zuwollen,da der werte Herr ja in seinen Vaterfreuden ein wenig geblendet zu sein scheint.Er sagt zwar ist ihre Sache,doch hab ich noch nichts von dir erzählt bekommen,wo er denn negativ auf seine Tochter reagiert hätte.

Ich denke einfach,deine Freundin ist der Meinung,wie sie es macht wird es als verkehrt angesehen

Ehrlich gesagt,wüsste ich auch nicht,wie ich in ihrer Situation reagieren würde.Zumal der Mann alles noch schwieriger macht,aber kein Problem sieht.

Beitrag von fastwieneu 15.05.11 - 16:04 Uhr

>>Vielleicht,denkt deine Freundin aber auch,dass es ihr vorgeworfen werden könnte,mit der Tochter ein ernstes Wörtchen zureden,einen Keil treiben zuwollen[...]<<

Ja, so ist das wohl auch, das hat sie mir anfangs mal gesagt.
Stimmt, sie hat es wirklich nicht leicht und ist in einer für sie ausweglosen Situation... schwierig.

Er reagiert nicht negativ auf seine Tochter, eher, hmmm... nicht besonders liebevoll, wie seine beiden anderen Töchter, er behandelt sie eher wie eine Freundin der Familie. Also eher distanziert.

So, bin mal weg, Familie drängelt. ;-) Schaue später nochmal rein.

Beitrag von unilein 15.05.11 - 17:56 Uhr

Gerade bei der Namensfrage stimme ich überhaupt nicht mit der Freundin überein.

Für manch einen mögen Namen Schall und Rauch sein, für andere eben nicht.

Den Namen einer Person zu tragen, mit der man so gar nichts zu tun hat, fände ich schon sehr störend.

Meine beiden kleinen Geschwister tragen z.B. den Namen meines Vaters, den sie aber gar nicht kennen. Meine Mutter hat den nach der Scheidung behalten. Sie sagt, es sei nun eben "ihr Name". Aber aus Sicht meiner Geschwister und auch meines Vater finde ich die Konstellation mehr als seltsam. Wenn die beiden jetzt wiederum Kinder kriegen, tragen sie einen Namen weiter, der gar nicht zu ihren Genen gehört.

Ich möchte gerne das sichere Gefühl haben, mein Ur-Ur-Ahn war bereits ein Schmidt, darum bin ich auch ein Schmidt. Die Vorstellung, dass zwischen dem Ur-Ahn Schmidt und mir irgendwo in der Kette jemand wie diese Stieftochter oder meine Geschwister sein könnte, und ich also mit Ur-Ahn Schmidt eigentlich gar nichts zu tun habe, finde ich sehr blöde.

Beitrag von ajl138 15.05.11 - 17:57 Uhr

Sorry,aber ich hatte auch als Mädchennamen den angeheirateten Namen meiner Mutter.Hat mich nie gestört.

Beitrag von fastwieneu 17.05.11 - 09:28 Uhr

Hallo unilein,

ja, so hatte ich das auch gesehen und ihr auch versucht, so zu vermitteln. Zumal ich das Problem aus eigener Familie kenne. Meine (Halb-)Schwester hat den Nachnamen meines Vaters (meine Mutter war geschieden, aber trug eben noch den Namen meines Vaters). Sie hat sich damit nie identifizieren können, weil sie mit dem Mann überhaupt nichts zu tun hat. Das habe ich meiner Freundin auch erzählt. Trotzdem sprach sie so furchtbar abwertend über diesen Wunsch, das hat mich einmal mehr erschreckt.

Sie haben aber darüber gesprochen und sind mit diesem Gespräch auch in tiefere Regionen vorgestoßen ;-) . Es war wohl ein sehr gutes Gespräch.

Lieben Gruß

Beitrag von redrose123 15.05.11 - 19:26 Uhr

Die Tochter ist ja kein Kleinkind mehr auf das sie aufpassen muss, und sie gehört zur Familie das sollte deine Freundin immer bedenken...

Beitrag von fastwieneu 17.05.11 - 09:33 Uhr

Hallo redrose,

hmmm, ich glaube, das macht es gerade so schwierig. Einerseits ist sie kein Kleinkind mehr, andererseits gehört sie zur Familie. Da den Platz in der Familie zu finden, stelle ich mir schwierig vor. Und den Platz zu schaffen, auch.

Lieben Gruß

Beitrag von summersunny280 16.05.11 - 17:03 Uhr

Also ich denke der Hase ist ganz woanders vergraben.
In wirklichkeit ist es nicht die Stieftochter allein die den Ärger bei deiner Freundin hervorruft.
Natürlich ist es schwer wenn plötzlich eine 18 jährige im Familienleben eine Rolle spielt.
Ich denke das eigentliche Problem dass sie hat ist, dass ihr Mann sich dazu nicht äusert.
Wie du schon geschrieben hast : Er hat ja kein Problem sondern Sie.
Das ist das was deiner Freundin übel aufstößt.
Die neu gewonne Tochter darf nun alles , und den eigenen Mann erkennt man plötzlich nicht mehr.
Sie schiebt natürlich alles auf die Tochter und ich denke ,diese junge Frau könnte eine perfekte Erziehung genossen haben aber bei dem kleinsten Streit, würde deine Freundin ein Manko finden.


Ich muss schon sagen Männer machen es sich oft sehr leicht .
Würde der Ehemann nicht so geblendet sein vom Vaterglück sondern mal für klare Verhältnisse sorgen gäb es nicht solch Probleme

Beitrag von fastwieneu 17.05.11 - 08:37 Uhr

Hallo Summersunny, :-)

ja, dass er die Situation und die Gefühle meiner Freundin einmal mehr nicht ernst nimmt, ist wohl mit das größte Problem bei der Sache.
Sie war aber auch von Anfang an eifersüchtig auf die Tochter.
Hmmm... ich muss vielleicht doch mal etwas ausholen zum besseren Verständnis...
Die Beziehung meiner Freundin zu ihrem Mann ist ziemlich schwer zu verstehen. Er ist ein Mann, also sagt er, wo es lang geht. Meine Freundin hat von jeher Schwierigkeiten, ihn um etwas zu bitten, auch um, in meinen Augen, Selbstverständliches. So ist es z.B. so, dass sie sich immer schon zwei Kinder und die Hochzeit gewünscht hat. Das erste Kind "durfte" sie dann schließlich nach 12 Jahren Beziehung haben. Aber nur, wenn sie nicht zuviel von ihm in Sachen Kindererziehung von ihm fordert (sie sei schließlich dann die Mutter und trage die Hauptlast). Daran hat sie sich gehalten. Beinahe jede kleine Entscheidung erschwert sie sich, weil immer zu beachten ist, dass keine Forderung an ihn gestellt wird. Natürlich verwischte sich seine Forderung mit den Jahren des Vaterdaseins...Er kümmert sich schon um seine Kinder, schon weil er sie sehr liebt, aber meine Freundin achtet eben immer sorgsam darauf, dass es von ihm allein kommt, dass sie ihm keine Forderungen stellt. Das steckt tief in ihr drin. (Mit dem Mann könnte und wollte ich nie und nimmer zusammenleben!)
Nun kam seine Tochter in die Familie und mit ihrer Unbekümmertheit und ihrer selbstbewussten Art (meine Freundin ist seeehr wenig selbstbewusst) erfragt, also "fordert" (in den Augen meiner Freundin) sie nun viele Dinge einfach, die für meine Freundin mit Schwierigkeiten verbunden wären. Sie findet das dann unverschämt.
Alles sehr verquer. Ich kann meine Freundin und ihre Gefühle unter diesen Bedingungen schon verstehen, denke aber, dass sie das nicht an seiner Tochter auslassen kann. Zumal sie sonst immer eher überkorrekt war im Umgang mit ihren Mitmenschen und das eben auch bei anderen erwartet. Also dass die Tochter sich nicht benehmen kann (wie ich im Ausgangspost schrieb) empfinde ich in vielen Dingen gar nicht so. Sie war zwar schon volljährig, als sie in die Familie kam, aber längst nicht erwachsen. Sie hatte also dieses typische "Ich habe das Rad neu erfunden"-Verhalten eines jungen Erwachsenen. Es hätte in vielen Dingen (die Einmischung in die Kindererziehung z.B.) wohl einfach nur eine Ansage seitens meiner Freundin gebraucht. Das hat sie aber nicht machen wollen, weil -wie ajl138 schon schrieb- sie nicht wollte, dass der Gedanke aufkommt, sie wolle einen Keil zwischen Vater und Tochter treiben. Ich sehe das trotz erneuter Überlegung anders. Es sind (laut ihrem Mann) mehr "ihre" Kinder, ihr Mann wird sich da nie einmischen, also bleibt ihr gar nichts anderes übrig, als das selbst zu klären.

Allerdings hat meine Freundin wohl am Samstagabend noch ein Gespräch mit seiner Tochter gehabt. Eigentlich ging es um diese Namensänderung, aber das Gespräch ist dann tiefer gegangen. Meine Freundin hat sich und ihr Verhalten bei seiner Tochter erklärt, sie hatten wohl ein sehr gutes Gespräch. Ich finde toll, dass meine Freundin wohl drüber nachgedacht hat, wie sie auf ihre Stieftochter wirkt und mit ihr darüber gesprochen hat. Ging wohl auch ganz ohne den Vater ^^... musste ja. Vielleicht hat das einen Knoten gelöst.
Ich drücke ihnen jedenfalls beide Daumen.

Liebe Grüße

Beitrag von holy_cow 16.05.11 - 23:15 Uhr

Hola,

ich muss noch mal nachfragen, denn ich verstehe da einiges nicht.
Die Tochter kommt nur alle 2 Wochenende und wo lebt sie sonst?
Wieso hat sie den Namen ihres Stiefvaters, wenn der Vater die Vaterschaft anerkannt hatte und zur Geburt die Mutter nicht verheiratet war?
Hat der leibl. Vater in den 18 Jahren Unterhalt gezahlt?
Er hat es schnell aufgegeben und sich 18 Jahre nicht um seine Tochter gekuemmert, richtig? Ich kann die Sehnsucht und den Wunsch nach dem Vater, der Tochter verstehen und auch, dass sie ein Teil der Familie sein moechte. Zumal wenn sie keinen Kontakt mehr zur Mutter hat, warum auch immer. Eine 21 ist zwar Erwachsen, kann sich dennoch sehr alleine fuehlen und vor allem sich eine Familie wuenschen.
Sollte der Vater nie Unterhalt gezahlt haben, finde ich schon, dass der Vater hier und da auch mal fuer seine Tochter was springen lassen kann.
Warum ist es nur Arbeit wenn die Tochter kommt?
Sie kann mithelfen, aufraeumen, sich um die kleinen Geschwister auch mal kuemmern, wenn man sie auch einspannt.
18 Jahre war deine Freundin sicherlich froh, dass es nie Kontakt zu dem Kind gab und sie ihren Mann fuer sich alleine hatte.
Nun muss sie ihn teilen, mit einem Menschen, den sie selber ablehnt. Traurig fuer das Maedchen, denn ich denke, sie hat in den 18 Jahren ihren Vater sicher vermisst und sich abgelehnt gefuehlt, da er sich nicht wirklich um sie bemueht hat.
Schwierig.

Einen Rat kann ich dir auch nicht geben.

Saludos

Beitrag von fastwieneu 17.05.11 - 09:23 Uhr

Hallo holy cow, :-)

>>Die Tochter kommt nur alle 2 Wochenende und wo lebt sie sonst?
Wieso hat sie den Namen ihres Stiefvaters, wenn der Vater die Vaterschaft anerkannt hatte und zur Geburt die Mutter nicht verheiratet war?
Hat der leibl. Vater in den 18 Jahren Unterhalt gezahlt?
Er hat es schnell aufgegeben und sich 18 Jahre nicht um seine Tochter gekuemmert, richtig?<<

Die Tochter wohnt sonst in einer eigenen kleinen Wohnung, ist aber wohl recht einsam, hat wenig und nur lockere Freundschaften.
Den Namen hat die Mutter nach der Hochzeit für ihr Kind einfach ändern können. Wie genau das so einfach und unkompliziert passieren konnte, ist uns allen ein Rätsel. Der Vater hat kurz danach nur eine Info vom Jugendamt bekommen, dass das Kind nun zukünftig den anderen Namen trägt und dass das keinerlei Einfluss auf seine Unterhaltsverpflichtung (!) hat.
Ja, der Vater hat gezahlt. Und er hat schnell aufgegeben, den Umgang zu fordern und hat die Tochter nie gesehen, bis sie von selbst kam, als sie volljährig war.

Ich sehe das so: Trotz der Unterhaltszahlungen finde ich es ein Stück weit normal, dass sie eine Erwartungshaltung hat. Sie sieht, wie selbstverständlich auch mal die nicht so notwendigen Wünsche der Kleinen erfüllt werden und sie gehört ja nun in diese Familie, ist also ein Kind dieser Familie, wie die anderen beiden auch. Wünsche, die nicht ins Budget passen, müssen eben abgelehnt werden. Man muss also darüber reden.
Meine Freundin wiederum findet diese unausgesprochenen Forderungen schon unverschämt und ärgert sich im Stillen (offen nur bei mir).

>>Warum ist es nur Arbeit wenn die Tochter kommt? <<

Weil z.B. meine Freundin auch an sie keine Forderungen stellt. Sie ist der Meinung, die Tochter müsse von allein sehen, wo sie helfen kann. Die wiederum musste sich erst mal reinfinden. Das hat ein bisschen gedauert. Mittlerweile hilft sie auch unaufgefordert.

>>18 Jahre war deine Freundin sicherlich froh, dass es nie Kontakt zu dem Kind gab und sie ihren Mann fuer sich alleine hatte. <<

Ja, ein bisschen ist es wahrscheinlich so, schon deshalb, weil die Beziehung zu ihrem Mann von jeher sehr schwierig war. In meiner Antwort an Summersunny habe ich das ein bisschen detaillierter beschrieben.

Alles unglaublich schwierig und sehr komplex. Wenn meine Freundin sich bei mir ausweint, versuche ich schon immer, alles ein bisschen zu differenzieren und ihr das dann nahezubringen, aber sie ist dann auch ein bisschen verbohrt. Mit ihren Augen betrachtet, sicher auch zu verstehen. Und für mich nicht ganz so einfach, weil sie sich seit Jahren über ihren Mann und ihre merkwürdige Beziehung zu ihm bei mir ausweint, ohne dass sich was ändert (kann ja aber auch nicht, weil er da nicht mitspielt. Er ist der Meinung, sie muss ihn schon nehmen, wie er ist) ... nach so langer Zeit (sie sind nun schon 21 Jahre zusammen und bis auf 2-3 gute Jahre geht das schon so) ist man versucht, zu sagen: Trenn dich oder leide still... #schwitz #hicks (Oh Mann, bin ich eine schlechte Freundin)

>>Traurig fuer das Maedchen, denn ich denke, sie hat in den 18 Jahren ihren Vater sicher vermisst und sich abgelehnt gefuehlt, da er sich nicht wirklich um sie bemueht hat. <<

Das finde ich auch.

Liebe Grüße