Frage an StB/St FA o. ä.: Abfindung, wie "optimale" Netto-Summe (lang)

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Beitrag von stefele 15.05.11 - 14:03 Uhr

Hallo zusammen,
ich erhalte von meinem bisherigen AG eine nicht unbeträchtliche € Summe als Abfindung, da nach Ende der Elternzeit keine entsprechende Stelle für mich vorhanden ist, und wir deshalb einen Aufhebungsvertrag machen werden, hierfür habe ich bereits juristischen Beistand, die mir hilft das "bestmögliche rauszuholen".
Eine neue Stelle habe ich gleich im Anschluß, das ist also nicht das Thema. :-)

Da wir vorhaben diese Summe als Eigenkapital für einen Immobilienerwerb zu nutzen, und nicht einfach so zu "verprassen", stellt sich uns nun die Frage was wir hier für Mögichkeiten haben um die "optimale" Netto-Summe zu bekommen!?
Der Aufhebungsvertrag beendet mein Arbeitsverhältnis zum 30.6.11, woran auch nichts zu ändern ist, das ich die neue Stelle zum 1.7.11 antreten soll.
Es sagte uns jemand dass wohl die Möglichkeit besteht sich durch "kurzfristiges Selbstständigmachen/ bzw durch Gründen einer "Ich-AG" (dachte das gibts gar nicht mehr...?!) nahezu den gesamten Brutto-Betrag als Netto zu bekommen, ist da was dran? Hat jemand einen Tipp wie man hier vorgehen könnte?

Mein Mann meinte wenn wir hierzu einen Steuerberater konsultieren würden, dieser uns nicht seinen Stundensatz für eine Beratung in Rechnung stellen würde (was wohl ein paar 100 € wären und für uns in diesem Fall vollkommen ok), sondern einen %-Satz der Netto-Abfindungssumme, und dies wären seiner Meinung nach min. € 1000-2000.-, was natürlich zu viel wäre, sollten wir tatsächlich 35-45% an Steuern dafür zahlen sollen...
Weiß jemand dazu mehr?

Danke und Grüße
Stefele

Beitrag von myimmortal1977 15.05.11 - 23:44 Uhr

Ich kann Dir zu Deiner Geschichte nur eins sagen.

Dein AG, von dem Du die Abfindung bekommst, ist verpflichtet, den zu versteuernden Anteil an das Finanzamt abzuführen. Von daher bekommst Du sicherlich kein Brutto auf Dein Konto.

Die Frage für Dich bleibt nur die Versteuerungsart. Ob normal besteuert wird oder nach der Fünftelregelung.

Da Du im Anschluss gleich wieder Einnahmen haben wirst, hier niemand weiß, ob Du mit Deinem Mann gemeinsam oder getrennt veranlagt wirst und was ihr für Ausgaben gegenzuetzen habt, wird Dir hier NIEMAND eine korrekte Antwort geben können.

Ein Wirtschaftsprüfer oder ein Steuerberater KÖNNEN Euch da behilflich sein, aber wie Du schon den korrekten Tipp bekommen hast, werden diese Leute sicherlich für sich das Einsacken, was Du bei guter Beratung steuermäßig eingespart hättest.

Wenn Du keine wirkliche Ahnung von der Materie hast und nicht bereit bist, da was in eine ausführliche Beratung zu investieren (wäre in Deinem Fall so wie so eine Milchmädchenrechnung), dann lass es so, wie es kommt....

Es wird sicherlich noch genügend übrig bleiben.

Dir alles Gute, Janette

Beitrag von stefele 16.05.11 - 11:13 Uhr

Danke für Deine Antwort! :-)

LG
Steffi

Beitrag von madlen2252 16.05.11 - 18:29 Uhr

Hallo,

ich kann Dir nur den Tipp geben, Dich von einem richigen Steuerberater beraten zu lassen. Man kann das Honaorar mit Ihm auch vorher verhandeln. Dann hat man aber auch Gewißheit, macht der berater was falsch, steht er dafür gerade.
Ob die 5tel Regelung anwendbar ist, kommt auf die Abfindung an. Das ist nur der Fall, wenn es sich dabei um entgangenen Arbeitslohn für mehrere Jahre handelt....
Zum Thema Ich-AG (die gibt es schon ewig nicht mehr), kann ich nur sagen, dass das Quatsch ist und man Steuern maximal im Jahr verschieben könnte. (aber prizipiell für Deinen Zweck Müll)
Ansonsten kann ich nur raten, falls Du in der Kirche bist, tritt aus so schnell wie möglich und lass Dir die Abfindung erst auszahlen, wenn der Austritt wirksam ist.

Beitrag von stefele 16.05.11 - 21:26 Uhr

Danke für Deine Tipps!

LG Stefele

Beitrag von baerbelsche70 27.07.11 - 00:47 Uhr

Hallo Stefele,
bei Dir stecken mehrere verschiedene Einzelfragen drin.
a) Du mußt nicht unbedingt eine Ich-AG anmelden. Es ist völlig egal in welcher Gesellschaftsform Du selbstständig wirst. Entscheidend ist dass Du eine sehr hohe Summe wirklich investierst. Davon kannst Du dann bestimmte Teile absetzen, die sich dann auch auf die Besteuerung der Abfindung auswirken. Fazit: Das geht, ist aber für Dich Quatsch, weil wirklich eine hohe Summe investiert werden muss.

b) Du mußt auch aufpassen: Der alte Arbeitgeber wird Dir erfahrungsgemäß die Lohnsteuervorauszahlung für Dein bis zum Tag der Entlassung verdientes Gehalt plus der Abfindung (mit Fünftelregelung) abrechnen.
Wichtig: Wenn Du nach dem Tag, in dem Steuerjahr weitere Einkünfte hast und wohlmöglich (verheiratet) gemeinsam veranlagt bist, wird nach dem Jahresende auf Dein komplettes Jahreseinkommen und auch auf das Einkommen Deines Mannes die Abfindung (mit Fünftelregelung) gerechnet und führt normalerweise zu erheblichen Steuernachzahlungen#schock.

Wie Du bestimmt merkst, ist das ganze Thema recht komplex. Vor einiger Zeit habe ich einen Internet-Videokurs entdeckt, wo die Einzelheiten genau erklärt werden (auch mit der Absetzbarkeit beim Selbständigmachen) und dort gibt es auch einen Abfindungsrechner, wo auch wieder die einzelnen Eingaben erklärt werden, auch für Leute, die sonst nicht mit Steuern zu tun haben.
http://www.abfindung-steuerfrei.de/

Meine Ex-Kollegin hat diese Optimierung, die dort erklärt wird, mit Erfolg gemacht, aber das hat sich auch erst ab einer bestimmten Summe gelohnt. Auch wenn die Optimierungslösung für Euch nicht infrage kommt, sind die Erklärungen wirklich gut.
Viel Glück dabei und auch beim Immokauf
Bärbel