EEG-Befund

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von fragole 16.05.11 - 13:02 Uhr

Hallo,

wir sind gerade vom SPZ zurück und dort wurde auch das EEG von letzter Woche ausgewertet. Die Ärztin meinte, dass wir zum MRT müssen weil Davids Grundaktivität (oder war's die Gehirnaktivität?) allgemein erhöht wäre. Weiß jemand was das bedeutet oder hat gar jemand den gleichen Befund?

LG fragole

Beitrag von fascia 18.05.11 - 10:15 Uhr

Hallo fragole,

es ist nicht sehr aussagekräftig, was die Ärztin hier gesagt hat. Sie sprach aber wohl von der Grundaktivität.
Das Alter deines Kindes wäre dazu noch ganz interessant. (Und der Grund des EEG.)
Denn bei sehr kleinen Kindern, auch noch bei Kleinkindern und auch im Alter zwischen 9 und 15 etwa, verhalten sich die EEG-abgeleiteten Werte in besonderer Weise - zum Teil insgesamt, zum Teil in Bezug auf bestimmte Reize (wie das Luftanhalten während des Testes). (Die EEG-Deutung bei Kindern ist daher schwierig und bedarf eines Spezialisten.)

Zunächst: Die allermeisten hirnorganische Störungen, darunter auch die häufigsten, bringen eher eine Verringerung der Grundaktivität mit sich. Die Grundaktivität ist ein individuelles Merkmal jedes Menschen, das also zwischen den Menschen variiert. Sie wird in Frequenz ausgedrückt. Aber auch in anderen Parametern - sie alle innerhalb bestimmter Grenzwerte, die man als "normal" erachtet.
Es kommt dabei vor, dass ein Mensch außerhalb dieser Normwerte funktioniert. Das ist so ähnlich wie beim Blutdruck: Manche Menschen haben einen Blutdruck, der - gemessen an den Normwerten ihres Alters - "zu" niedrig ist. Für diese Leute ist er aber völlig normal - sie haben auch kein Leiden oder eine Erkrankung. Sie "ticken" eben so.

Es ist schade, wenn ein Arzt/eine Ärztin eine solche Aussage macht, ohne zugleich kurz zu erklären, welche Bedeutung sie eigentlich hat. Und auch, welche Absicht mit dem MRT verbunden ist. Denn natürlich macht man sich sofort Sorgen. Am besten ist: Sofort nachfragen.
Das MRT soll nun vermutlich eigentlich zeigen, bestätigen, dass nämlich Nichts ist. Die Ärztin vermutet Nichts zu finden. Und das will sie bestätigt haben.
Als Patient oder Angehöriger denkt man aber (unaufgeklärt): Es wird etwas Bestimmtes vermutet, das nun auch auf dem MRT sichtbar werden soll, etwas "Krankes".
Das sind zwei ziemlich unterschiedliche Dinge, wie ich meine.

Auch bei der Mehrheit von gesunden Menschen finden sich im EEG ein paar Auffälligkeiten, die keine wirkliche Bedeutung haben. Das sind dann Zufallsbefunde. Man findet dann natürlich auch solche Auffälligkeiten bei allen anderen Menschen, deren EEG man wegen einer gezielteren Fragestellung durchführt. Auch diese Befunde können dann ebenso bedeutungslos sein. Aber: Die Sorge, die sie verursachen, die wächst natürlich.

Ich denke, es ist klug, wenn du dich also nicht beunruhigen lässt von den diversen Fragezeichen in deinem Kopf.
Schreib diese Fragen stattdessen auf, sobald sie dir bewusst werden.
Und dann: Frag den Arzt/die Ärztin Löcher in den Bauch.
Denn: Am Ende bist doch du diejenige, die vielleicht eine Entscheidung zu treffen hat. Ärzte dürfen nur Empfehlungen aussprechen.
Deine Entscheidung wird umso besser sein, je besser du verstehst.
Und dafür braucht man den Arzt, der einen aufklärt.
Darum muss man aber meist bitten - und mit konkreten Fragen helfen...

Viel Glück,
f.

Beitrag von fragole 21.05.11 - 12:04 Uhr

Danke für Deine liebe und ausführliche Antwort.
Genau so fühl ich mich...ich erwarte etwas was krankhaft ist, weil die Ärztin nicht auf meine Fragen eingegangen ist. Wir haben am 14.7. den nächsten Termin zur Auswertung der weiteren Untersuchungen und bis dahin möchte Sie keine Aussagen treffen. Es wäre eins für dieses Alter (mein Kleiner ist 5) unübliches EEG, könnte allerdings auch eine seltene Grundvariante sein. Auf Fragen zu Tumoren oder ähnlichem, sagte Sie nur abwarten und jetzt noch nicht verrückt machen. Bei den meisten Kindern finden sie auch im MRT nichts. Nur ich bin die Mama und ich mach mir natürlich Sorgen, wenn im Kopf meines Kindes etwas nicht in Ordnung ist. Jetzt heißt es warten bis nächsten Donnerstag, dann ist das MRT. Die Tage bis dahin sind jetzt schon sehr lang mit vielen Grübeleien.

LG und ein schönes WE von Astrid und David (5)