Nichte möglicherweise mit Hirnschaden

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von unipsycho 17.05.11 - 18:14 Uhr

Hallo!

Ich hoffe ja immer noch auf die Neuroplastizität, aber vorbereiten schadet wohl nichts.

Meins Schwester bekam letzten Donnerstag eine kleine Tochter. Sie hat nach 2 Kaiserschnitten auf eine natürliche Geburt bestanden.
Kurz nach der Geburt hat die Kleine Krämpfe bekommen. Sauerstoffmangel während der Geburt?
Meine Schwester ist mit ihrer Tochter in ein anderen Krankenhaus verlegt worden und wird heute operiert, weil sie in der Scheide eingerissen ist.

Meine Schwester macht sich riesige Vorwürfe, weil sie sich für das Geschehene verantwortlich fühlt.
Nun meldet sie sich nicht bei mir und ich frage mich, wie sie sich fühlt?
Wie ging es euch, als es hieß "Ihr Kind wird behindert sein?" (Wie drückt man das möglichst nett aus? "behindert" klingt so schlecht.. #kratz)
Ich hab eine Freundin, die bei der Geburt stecken geblieben ist. Sie ist jetzt 20 und auf dem geistigen Stand einer 6jährigen. Sie arbeitet stundenweise als Reinigungskraft in der Kinderkrippe.

Ich hab sie vor Augen, wenn ich an meine kleine Nichte denke...

Ich möchte meine Schwester nicht bedrängen, aber ich würde sie eben auch gern sehen.
Und was sag ich zu ihr? Was sage ich, wenn sie meint, dass sie sich so verantwortlich für das Ganze fühlt?
Diese Selbstvorwürfe mit "nein du bist nicht schuld, sowas passiert nun mal" wegwischen find ich irgendwie komisch. #kratz
Ich hab mir nach der Geburt meines Sohnes auch vorgeworfen, dass ich eine schlechte mutter bin, weil er mir den ersten Tag so egal war. Und ich hab mich gar nicht richtig ernst genommen gefühlt, als man mir jedes mal sagte "quatsch! du bist ne gute mutter!"

Ich kann mich nicht so richtig in die Situation meiner Schwester hineinversetzen. Wenn ich so daran denke, denke ich oft: "egal was! Hauptsache noch ein Kind!"
Aber dann sehe ich auch eine andere Freundin von mir, deren Sohn autist ist und wie ausgelaugt sie sich momentan fühlt... so ein Kind ist doch anstrengend... besonders mit 2 größeren (8 und 4) Kindern.

Meine Schwester tut mir leid. Ich würde am liebsten mit ihr tauschen... :-( Ich hab ja nur 1 Kind.

LG
Uni

Beitrag von enni12 17.05.11 - 18:37 Uhr

Hallo Uni,

das ist keine einfache Situation...
Versuche, deiner Schwester Phrasen a lá "alles wird gut" zu ersparen, die braucht keiner. Sei einfach für sie da, nimm sie mal in den Arm. Manchmal braucht es keine Worte, glaub mir.

Zum Thema behindertes Kind:
Ich habe drei Kinder: 13,2,2
Mein Kleiner ist Asperger-Autist und ja, unser Alltag ist schwierig und man hat halt noch zusätzliche Aufgaben (Diagnoseverfahren, Förderung, Integration usw.)

Aber ehrlich? Wenn ich mir meine Kinder nochmal aussuchen könnte, ich würde sie genau wieder so nehmen wie sie sind :-) Denn sie sind alle auf ihre Art besonders und genau deshalb liebe ich sie.

Liebe Grüße und alles Gute

Dani

Beitrag von elofant 17.05.11 - 19:44 Uhr

Es gibt keine "behinderten" Kinder, sondern nur "besondere" Kinder!

Sei Deiner Schwester eine Stütze. Nimm ihr die Großen ab etc. Wenn sie reden will, lass sie reden. Will sie nicht reden, dann lass sie...

Als unser Sohn (fast 8) Hirnbluten nach einer Herz-OP hatte - da war er 6, wußten wir auch nicht, wie und ob es weiter geht. Meine Freundin hat immer zu mir gesagt "alles wird gut!" - und es stimmt. Unser Sohn lebt, geht seit November in die Schule. Ok, er hat Pflegestufe 3 - aber er wacht jeden Tag mit einem Lächeln auf...


Ich wünsche Euch alles Gute. Und herzl. Glückwunsch zur Tante...
Gruß, Elo.

Beitrag von froehlich 17.05.11 - 21:41 Uhr

Ich versteh gut, was Du meinst: aber genau diesen Euphemismus vom "besonderen" Kind würde ich mir sparen. Vielen Menschen ist das kein Trost. Ich sage das, weil mein Mann, dessen erste Tochter das Down Syndrom hatte (und leider sehr frühr starb) das niemals als Trost empfunden hat. Gut, natürlich sind alle Leute unterschiedlich. Aber letztendlich: JEDES Kind ist besonders, egal, ob gesund oder behindert - aber Kinder, die geistig niemals den Stand eines reifen Erwachsenen erreichen werden sind nun einmal "beschränkt", "behindert" oder wie immer Du es auch nennen willst. Etwas GANZ anderes ist es, wie diese Tatsache bewertet wird!!!!!!!! DA würde ich natürlich auch behaupten: WER bitte sehr gibt uns das Recht, das eine höher als das andere zu beurteilen?! Wenn Du mich fragst: wir müssen eher dahin kommen, behinderte Menschen als gleichwertig und vor allem gleichBERECHTIGT zu bewerten anstatt vorzugeben, daß sie einfach nur "besonders" sind - als würde sie das liebenswerter und lebenswerter machen. Jeder Mutter und jeder Vater mit einem behinderten Kind weiß, was das heisst.......da muß man nicht um den heissen Brei herum reden. Denke ich.

Beitrag von elofant 18.05.11 - 08:19 Uhr

Ich wolte bzw. will das "behinderte" Kind ja nicht hervorheben, wenn ich sage, es ist ein "besonderes" Kind.

Unser Sohn ist wie schon geschrieben, seit 2009 mit einigen Handicaps behaftet, wenn ich das mal so schreiben darf.
Er wird aber von mir und meinem Mann bzw. von meiner Freundin genauso behandelt, wie es früher war. Die Behinderung an sich macht für uns keinen Unterschied.

DAS wollte ich eigentlich damit sagen. Wenns falsch verstanden wurde, tuts mir leid. Ich wollte der TE nur die "Angst" nehmen, was falsch zu machen. Ich finde es gut, wenn sie sich Sorgen macht. Aber machen wir uns nicht um all unsere Kinder Sorgen? Egal ob behindert, besonders oder "normal"?

Gruß, Elo. #winke

Beitrag von skbochum 17.05.11 - 22:09 Uhr

Hallo,

ich würde meine Schwester einfach anrufen und fragen wann ich meine Nichte sehen darf. Es ist ein Baby und sie wird wunderschön sein :-)

Alle anderen Gedanken bleiben ja so oder so erstmal, bis weitere Untersuchungen gemacht worden sind und eventuell bleibt dieser Schwebezustand (In welcher Art ist sie behindert, wie stark, ist sie´s überhaupt, wie wird gefördert etc. etc.) erstmal eine ganze Weile :-(

Mir persönlich gefällt es gut, wenn Menschen einfach nachfragen und einen offenen Umgang damit haben.
Bei Weinanfällen auch einfach nur da sitzen und zuhören.

Glückwunsch du Tante ;-)
GrussGruss

Beitrag von unipsycho 18.05.11 - 12:07 Uhr

danke schön, für eure Lieben Antworten. Und danke für die Glückwünsche :-)

Ich habe die beiden noch nicht gesehen. Meine schwester schottet sich momentan ziemlich ab. Was ich aber auch verstehen kann.
Leider wohne ich über 100km weit weg. Ist immer bisschen schwierig, da wirklich in den kontakt zu kommen. meine mutter und ihre schwiegereltern haben da mehr zugang.

ich möchte nur nicht die begrenzte zeit, die ich mit meiner schwester habe irgendwie verderben, oder sie total schaffen, weil sie sich so intensiv mit mir auseinander setzen muss... Deswegen frag ich euch ja :-)

wir werden erst mal sehen was wird.
ich seh es noch ganz zuversichtlich und denke, so lange die Kleine Lebensfreude empfinden kann, ist doch alles halb so schlimm.
Sie kennt es dann ja nicht anders und wär wohl die letzte, die unter ihrer Behinderung zu leiden hätte - vorerst. Wenns dann aber so wird, wie bei meiner Freundin, dass die Familie geschnitten wird und das Kind gedemütigt wird.. das wär schlimm.
Ich hoffe mal, dass meine mutter ein bisschen zur vernunft kommt... Sie meinte doch tatsächlich "lieber tot als behindert" #aerger Muss ja nicht gleich so schlimm sein, dass die Kleine nur noch als ein passiver Körper existiert, von dem man nicht weiß, ob da auch nur ein Funken Menschlichkeit drin ist...
Und nebenbei: mein Bruder hat auch nen leichten Hirnschaden und hier und dort so seine Defizite, aber von dem würde sich meine Mutter ja nie wünschen, dass er gestorben wär.
Vielleicht ist er ja ein kleines(inzwischen 2m großes) Beispiel für "Glück gehabt" :-)

Beitrag von parzifal 18.05.11 - 15:43 Uhr

Schuld setzt ein objektives Fehlverhalten voraus.

Hat sich Deine Schwester trotz dringendem Anraten der Ärzte einen Kaiserschnitt zu machen dagegen entschieden? Und die prognoszierte Gefahr sich verwirklicht?

Wenn nein, gibt es für begründete Schuldvorwürfe keinerlei Grundlage.

Dann sind die "Vorwürfe" die gleichen als wenn sich jemand bei einem unverschuldeten Unfall Schuldvorwürfe macht, weil er bei zwei möglichen Fahrstrecken den "Falschen" nahm.

In solchen Fällen verwirklicht sich ohne jede Schuld das allgemeine Lebensrisiko.

Ich würde mich jedenfalls melden und einen Begrüßungsbesuch anstreben.

parzifal

P.S.
Zunächst ist sowieso abzuwarten was, weshalb und warum passiert ist .

Beitrag von deoris 18.05.11 - 20:28 Uhr

Hallo
also erstmal steht doch noch gar nicht fest ,ob das Mädchen behindert sein wird! Ausserdem lass ihr etwas Zeit,du sagst ,wir wurde gestern operiert,vielleicht hatte sie noch nicht die Kraft sich zu melden .Was sie jetzt braucht ist ruhe und gelassenheit.

Alles Gute

LG Ewa

Beitrag von nicola_noah 19.05.11 - 08:55 Uhr

Hallo,

Ich habe einen Sohn (3) der unter der Geburt bedingt durch Sauerstoffmangen mehrere Hirnblutungen hatte.
Sein noch vorhandenes Gehirnvolumen beträgt nur noch 25%...
Das mag sich jetzt vielleicht blöd anhören,aber durch Max habe ich eine ganz andere Sichtweise auf das Leben bekommen.
Er hat so viele Handicaps (Epilepsie,auf einem Auge Blind,kann nicht sprechen,hat eine rechte Halbseitenlähmung etc.etc.)aber er ist das fröhlichste Kind was es gibt.
Er kommt sehr gut im Leben klar.(Naja,er kennt es ja auch nicht anders;-))

Ich weiß noch wie ich mich gefühlt habe als Max auf die Welt kam...Ich habe mir die Schuld für alles gegeben...Was habe ich nur falsch gemacht?
Ich habe nicht geraucht,mich gesund ernährt.
Heute weiß ich das ich nicht Schuld bin sondern der Blödmannsgehilfe von Oberarzt (Erfolgreich geklagt!).

Aber all die Fragen nach dem Warum bringen einen nicht weiter...Das was wirklich hilft ist einfach für sie da zu sein.
Und das was man am allerwenigsten braucht ist : Mitleid.

Alles Gute für deine Schwester und deine kleine Nichte#liebdrueck

LG

Nicola

Beitrag von .roter.kussmund 22.05.11 - 00:06 Uhr

mein sohn wog bei seiner geburt 1910gramm und lag 7wochen (erste woche im inkubator) in der kinderklinik. die kinderärztin beim ersten gespräch sagte uns (mir und meiner mutter in begleitung) daß mein sohn höchstwahrscheinlich einen wasserkopf bekäme und nicht allzu alt werden würde. beides ist nicht eingetroffen.

ich weiß nun gar nicht genau, wie ich mich danach verhalten habe, was ich gefühlt habe. das alles, ist wie ausgeblendet in mir. ich bin wohl gar nicht gerne zur kinderklinik gefahren, um ihn zu sehen, weil es zu sehr schmerzte. .. damals war ich 19,5 jahre alt. meine freundin hat mich öfter besucht.. das gab vielleicht später ein bild... drei monate altersunterschied zwischen den beiden... mein kleines zierliches dünnes söhnchen und ihr "dicker" mit seinen fressbacken.. der dagegen wie ein vollmond wirkte. lang lang, ists her :)