Fahrten zum Papa - Regelung? JA, ja-nein?

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Forum: Allein erziehend

Als Alleinerziehende selbstbestimmt zu leben hat Vorteile, andererseits ist es oft sehr anstrengend, den täglichen Herausforderungen allein zu begegnen. In diesem Forum findet ihr die Hilfe und Unterstützung von Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Beitrag von tinami 18.05.11 - 22:41 Uhr

Hallo ihr Lieben!

Bin seit der Schwangerschaft und Geburt meines mittlerweile 8jährigen Sohnes nicht mehr hier gewesen, aber heute ist es soweit!

Warum? Weil ich mich heute tierisch über meinen Ex-Mann aufgeregt habe. Wir haben uns eigentlich in aller Freundschaft getrennt, als unser Junior 2 1/2 Jahre alt war. Bislang lief eigentlich immer alles gut. Er zahlt seinen Unterhalt, aber halt nur, was er zahlen muss. Wenn es an Extra-Kosten wie Schulbücher, Landschulheim, Ferienfreizeit, Gitarrenunterricht, etc. geht, dann zahlt er nix. Und die Kosten werden von Jahr zu Jahr mehr und er zahlt mittlerweile wirklich keinen Cent mehr extra. Wir verdienen beide gut, das ist nicht das Thema, aber ich reiß mir echt den Ar... auf, dass ich meinem Sohn dieses Leben ermöglichen kann!

Heute ist aber ne Bombe hochgegangen, ich bin so enttäuscht. Er wirft mir jedenfalls vor, dass ich meine Prioritäten über die Freizeitgestaltung meines Sohnes stelle, was überhaupt nicht der Fall ist. Ich sehe immer zu, dass ich alles geregelt bekomme mit meinem Schichtdienst und habe selbst keine Hobbies. Die Hintergründe sind jetzt erst mal egal. Was ich von euch wissen möchte ist folgendes:

Wie ist das mit dem Holen und Bringen bei euch geregelt? Wir wohnen 75 km voneinander entfernt und da ich damals weggezogen bin, habe ich es irgendwie so mit ihm vereinbart, dass einer ihn bringt und der andere ihn wieder holt - oder umgekehrt. Ich meine allerdings, dass die Fahrt schon bei dem Unterhalt, den er an mich zahlen muss für den Kleinen eingerechnet ist. Muss ich ständig hin und her fahren? Das kotzt mich nämlich mittlerweile echt an, dass ich mir immer sagen lassen muss, dass ich mein Leben nicht geregelt bekomm. Ich denke, ich muss nicht immer nachgeben und könnte das jetzt mal von ihm verlangen, oder? Dann hätt ich auch mehr Zeit für mich und müsst mir nicht ständig den Kopf drüber zerbrechen, dass das immer funktioniert mit meiner Schicht ;-) Er arbeitet auch öfter am WE, aber muss ich da immer Rücksicht drauf nehmen? Oder könnt ich auch mal sagen, wenn du nicht kannst, dann bleibt er eben hier? Bin auch schon soweit, das ganze vom JA regeln zu lassen, aber ich glaube, die lachen sich kaputt, wenn ich mit meinem Problemchen komm!

Sorry, ist bissel länger geworden, aber das musste jetzt mal raus.....

Beitrag von redrose123 19.05.11 - 05:50 Uhr

Warum? Weil ich mich heute tierisch über meinen Ex-Mann aufgeregt habe. Wir haben uns eigentlich in aller Freundschaft getrennt, als unser Junior 2 1/2 Jahre alt war. Bislang lief eigentlich immer alles gut. Er zahlt seinen Unterhalt, aber halt nur, was er zahlen muss. Wenn es an Extra-Kosten wie Schulbücher, Landschulheim, Ferienfreizeit, Gitarrenunterricht, etc. geht, dann zahlt er nix. Und die Kosten werden von Jahr zu Jahr mehr und er zahlt mittlerweile wirklich keinen Cent mehr extra. Wir verdienen beide gut, das ist nicht das Thema, aber ich reiß mir echt den Ar... auf, dass ich meinem Sohn dieses Leben ermöglichen kann!

Ferienfreizeit ist absehbar somit muss er sich soweit ich weiss nicht beteiligen, Schulsachen genauso. Und Gitarrenunterricht? Wenn du Ihn dir nicht leisten kannst geht es eben nicht mehr, es ist ein Hobby das du und klar das Kind will, aber das muss papa nicht bezahlen dafür ist ja Unterhalt gedacht.....Die Stieftochter von mir nimmt reitunterricht, ja so nennen die das. 20 Euro für 20 min dumm im Kreis der dazu noch klein ist, wenn sie bei uns ist darf die Mama nachzahlen.....

Das mit den Fahrten find ich bei der Entfernung ok, bei uns sind es ca 10 km und mein Mann holt und bringt sie.

Ich würde es weiter so handhaben und nicht nach was suchen wo du Ihm eins reindrücken kannst :-)

Beitrag von sini60 19.05.11 - 07:35 Uhr

Du hast dich über deinen Ex geärgert und suchst jetzt krampfhaft ihm irgendwo eine reinzudrücken. Am meisten schadest du aber deinem Kind, wenn er zwischen die Fronten gerät.

Mit dem Unterhalt ist alles abgegolten, was das tägliche Leben kostet. Ob du euer Kind zum Tennis oder Klavierunterricht schickst ist deine Entscheidung und vom Unterhalt zu bestreiten. Ebenso Schulbücher und Klassenfahrten. Das sind Dinge, die vorhersehbar sind. Wenn dein Ex gut verdient ist der Unterhalt auch dementsprechend.

Du warst diejenige, die weggezogen ist. Daher ist es völlig gerecht, dass die Fahrten aufgeteilt werden. Auch das JA wird an dem wie es jetzt ist nichts entgegensetzen.

Schluck deinen Ärger runter und eröffne nicht unnötig einen Kriegsschauplatz.

LG
Sini

Beitrag von ppg 19.05.11 - 07:45 Uhr

Nach der aktuellen Rechtsprechung ist Deim mann vollkommen im Recht:

Schulbücher, Landschulheim, Ferienfreizeit, Gitarrenunterricht, sind im Regelunterhalt enthalten.

Auch ist es vollkommen korrekt, das Du Dich hälftig an den Fahtkosten beteidigen mußt, da Du ( weiter als 50 km ) weggezogen bist. Das ist kein Entgegenkommen von Dir, sondern sogar von Deinem Ex einklagbar.

Außerdem sollte es selbstverständlich sein, das der Umgangstag ( oder das Wochende ) getauscht wird, wenn der Vater arbeiten muß. Bedenke, es geht beim Umgang nicht um Dich und Dein Wohlergehen, sondern darum das Euer gemeinsammes Kind sein Recht auf liebevollen Umgang mit beiden (!!!!) Elternteilen ausüben kann.

Auch wenn Du Dich tierisch aufregst, und auch mal wieder die Antworten nicht das sind , was Du hören wolltest, der KV ist in Deinem Fall vollkommen im Recht. Natürlich kannst Du Dir das alles dann auch noch mal vom Jugendamt erklären lassen

Ute

Beitrag von white-blank-page 19.05.11 - 15:14 Uhr

Das hast du gut gesagt. Mich interessiert jetzt: Woher weisst du das alles? Wann wer was zahlen muss etc.?


Beitrag von redrose123 19.05.11 - 15:54 Uhr

Wenn die KM die Entfernung schafft muss sie sich beteiligen glaub ab 50 Km ist das so ;-) Das weiss man gleich, würd mich da auch informieren wenn die Ex meines Mannes soweit wegzieht....

Beitrag von karna.dalilah 19.05.11 - 08:27 Uhr

Ich hätte dem Vater lächelnd angeboten sich an den Freizeitaktivitäten des Sohnes in jeglicher Hinsicht zu beteiligen- da meine Prioritäten mehr als ich bisher für das Kind nicht zulassen...
Er kann das Kind gerne zur gewünschten Aktivität bringen und abholen und zahlen. Großzügig wie du bist würdest du dich nicht gegenstellen ;-)

Alternativ zum Holen und Bringen kannst du dem Vater die Spritkosten erstatten. Nur überlege ob es den Stress wert ist.

Karna

Beitrag von lilatuerkis 19.05.11 - 21:09 Uhr

Es ist so, dass "Extrakosten" durch den Unterhalt "beglichen" werden. Des weiteren ist es so, dass wer Umgang haben will, und dass ist ja dein Exmann, ist für bringen und holen verantwortlich. Ob du weggezogen bist oder nicht, spielt keine Rolle. Du solltest aber darüber nachdenken, ob du deinem Kind ein Gefallen damit tätest, dieses umzusetzen, wenn dann im Zweifel kein Umgang stattinden würde.

Beitrag von ppg 19.05.11 - 21:47 Uhr

Stimmt nur teilweise:

Umgangsbedingte Kosten sind grundsätzlich von dem Umgangsberechtigten zu tragen. Dieser hat sich in aller Regel darum zu kümmern, dass das Kind abgeholt bzw. zurückgebracht wird und damit auch die Fahrtkosten zu tragen. Gleiches gilt für Übernachtungskosten, Verpflegungskosten etc..

Ausnahmen kommen in Betracht, wenn der Umgangsberechtigte so weit von den Kindern entfernt wohnt, dass angesichts ohnehin beengter wirtschaftlicher Verhältnisse die alleinige Kostenlast für ihn unzumutbar wäre. Hier kann der Elternteil, bei dem die Kinder leben, zur Mitwirkung verpflichtet sein, beispielsweise indem er die Kinder am Anfang des Wochenendes zu dem anderen Elternteil bringt, besonders wenn die Distanz von diesem Elternteil geschaffen worden ist.

Ute

Beitrag von ppg 19.05.11 - 22:05 Uhr

"Die angemessenen Kosten des Umgangs eines barunterhaltspflichtigen Elternteils mit seinem Kind können dann zu
einer maßvollen Erhöhung des Selbstbehalts oder einer entsprechenden Minderung des unterhaltsrelevanten Einkommens führen,
wenn dem Unterhaltspflichtigen das anteilige Kindergeld gem. § 1612 b Abs. 5 BGB ganz oder teilweise nicht zugute kommt
und er die Kosten nicht aus den Mitteln bestreiten kann, die ihm über den notwendigen Selbstbehalt hinaus verbleiben.

Nachzulesen im
BGH, Urteil vom 23. Februar 2005 - XII ZR 56/02 - OLG Bamberg - AG Bamberg

Aber was für ein OLG-Leitsatz!
Damit wird klargestellt, welche entscheidungsrelevanten Fragen (vom AG oder JA) zu beantworten sind:
a) Welche Umgangskosten sind angemessen?
b) Kommt das anteilige Kindergeld dem barunterhaltspflichtigen Elternteil ganz oder teilweise nicht zugute?
c) Verbleibt dem barunterhaltspflichtige Elternteil unter Berücksichtigung der angemessen Kosten des Umgangs mit seinem Kind nicht der notwendige Selbstbehalt?
d) Wenn b) und c) mit "Ja" zu beantworten sind:
e) Welche Selbstbehalts-Erhöhung/ Einkommens-Minderung ist maßvoll?
f) Kann der Selbstbehalt erhöht bzw. das unterhaltsrelevante Einkommen vermindert werden?

Also ist Deine Aussagen nur sehr realtviert zu sehen, vom rechtlichen Standpunkt aus gesehen...

Ute

Beitrag von tinami 20.05.11 - 10:04 Uhr

Erstmal bin ich froh, dass so viele meinen Beitrag ernst genommen und prompt geantwortet haben. Dafür "Vielen Dank".

Ich denke, einiges ist vielleicht etwas schräg rüber gekommen, wenn ich mir meinen Beitrag nochmal so durchlese. Hätte wahrscheinlich gereicht, wenn ich nur gefragt hätte, wie das mit der Hol-und Bring-Regel so gehandhabt wird. Naja, wollte bissel weiter ausholen und ist jetzt auch nicht schlimm und änderbar.
Ich denke, ich werde meine Gründe haben, warum ich die 75 km weg gezogen bin, ganz bestimmt nicht, um meinem Ex was reinzuwürgen. Nur mal so.....Aber wenn die Emotionen hoch kochen, ich denke einige werden sich auch ein bisschen in mich hinein versetzen könnnen, dann will man irgendwie mal handeln und nicht immer schlucken. Im Prinzip ist so ne kompakte Regelung, wie man am Besten für das Wohl der Kids miteinander umgeht eine sehr schwierige und für beide Teile belastende Aufgabe und Situation.

Ich wollte lediglich wissen, ob ich irgendein Recht auf "geregeltere" Abläufe habe und mache mir jetzt meine Gedanken!

Nochmals vielen Dank für einige wirklich hilfreiche Beiträge!

Beitrag von ppg 20.05.11 - 15:26 Uhr

Es ist vollkommen egal welche Gründe für Deinen Umzug vorlagen : Dennoch mußt Du die hälftigen Umgangskosten tragen. Ich habe ausführlich Gesetzestexte und aktiuelle Urteile umkopiert.

Hättest Du keine guten Gründe für den Umzug gehabt, hat der KV sogar die Möglichkeit gehabt den ganzen Umzug wieder rückabzuwickeln - nur mal so am Rande bemerkt.



"dann will man irgendwie mal handeln und nicht immer schlucken."

Du hast doch gehandelt, oder? Du bist Umgezogen, jetzt mußt Du eben die Kröte schlucken , um den Umgang zu fördern - sprich das Kind bringen oder holen!

Ute