Depressionen und Borderline bei Freundin - Heute wieder in Klinik

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Beitrag von myimmortal1977 18.05.11 - 23:56 Uhr

Hallo :-)

Vielleicht können mir Betroffene ein paar Tipps an die Hand geben.

Ich habe eine Nachbarin, die letztes Jahr ein halbes Jahr lang wegen schweren Depressionen mit Borderlinezügen stationär behandelt wurde.

Wir wussten zu dem Zeitpunkt nicht, dass sie sich in der Klinik aufhält. Mein Mann traf irgendwann ihren Mann beim Kinderturnen und mein Mann fragte nach seiner Frau, dann kamen große Augen und die Frage, ja ob wir es denn nicht wissen würden?!?!? Nö, zu dem Zeitpunkt nicht.

Mir tat ihre Geschichte damals sehr leid und bot ihr halt meine Hilfe an, als sie wieder aus der Klinik zu Hause war. Wir verstehen uns sehr gut und sie sagte mir auch einmal, dass es ihr sehr gut täte, mit mir zu reden und sie gern mit mir zusammen ist.

Sie ist ein super herzlicher Mensch, zerreist sich fast für andere, für ihre Familie, für ihr Kind, für ihre Arbeit..... Ja fast zu sehr, sie übersieht sich selbst meiner Meinung nach oftmals dabei. Was mit Sicherheit auch Auslöser für ihr psychisches Problem ist.

Sie befindet sich seit dem permanent in psychischer und psychiatrischer ambulanter Therapie mit entsprechender Medikation.

Die Depressionen äußern sich halt in totaler Antriebslosigkeit, bishin zur Rast- und Ruhelosigkeit, Erregbarkeit, permanenten Erschöpfungszuständen, Schlafstörungen, Herzrasen, Esstörungen.

Der Borderline äußert sich "nur" in der ständigen Angst verlassen zu werden, suizidalen Gedankengängen in schlechten Zeiten, gestörter Selbstwahrnehmung ihres Körpers und ihres eigenen Ich. Ohne direkte Selbstverletzung.

Bisher war sie eigentlich nach den Klinikaufenthalten ganz stabil. Konnte sich auch ganz gut um ihr Kind kümmern, hatte Haushalt und alles drum herum ganz gut auf der Reihe.

Jetzt gab es am Wochenende EINEN Vorfall. Ihr Mann hat sich, allerdings mit ihrem Einverständnis, mit einer Arbeitskollegin getroffen, da er einen Drucker mit Computer für sie einrichten sollte. Meine Freundin hatte Verständnis dafür, dass er da hinfahren wollte, hatte aber schon das Gefühl von Eifersucht in sich.....

Ihre Schwiegereltern waren an diesem Tag bei ihr selbst auf Besuch und haben sie dann wohl (seeehhhhrrrrr dummer Weise) so madig geredet, von wegen, was will der da ohne Dich, kommt Dir das nicht komisch vor etc.....

Genauso haben sie sie mit dem Thema Rauchen belatschert.... Seit den Klinikaufenthalten raucht ihr Mann wieder. Meiner Freundin stinkt das selbst gewaltig, ich versuche immer etwas zu beschwichtigen, indem ich ihr halt auch sage, dass dieser Wunsch nach dem Aufhören von ihm selbst kommen muss und sie sich dabei nur die Zähne ausbeist, da das halt eine Sucht ist und man kann schon sagen, das es einem nicht gefällt, aber der andere halt selbst auch irgendwie zur Einsicht kommen muss..... Sie sich sonst nur selbst unnötig Stress macht, da sämtliche Diskussionen bei denen über dieses Thema so wie so nur in Streit ausarten.....

Was taten seine Eltern am Wochenende.... Ja, kann ja nicht sein, dass der raucht, sie soll das unterbinden und mal was sagen......

Letzte Woche Donnerstag war sie noch blendend drauf....

Am Wochenende haben wir uns nicht gesehen......

Am Montag Abend ruf ich bei ihr an, das bedurfte nur 3 Worte von ihr und ich merkte sofort, da stimmt was nicht..... Sie wollte auch nicht reden.....

Am Dienstag wollte sie am Nachmittag vorbei kommen. Sie kam auch, ich glaube, ich habe seltenst einen Menschen gesehen, der beschissener aussah....

Ich habe dann nicht locker gelassen und gefragt, wie das Wochenende war..... Dann rückte sie mit der Sprache raus, sagte aber im letzten Satz, sie hätte eigentlich keine Lust zu reden......

O.K..... Erzählt dann aber trotzdem weiter und rückte damit raus, dass sie seit dem Wochenende Lorazepam einnimmt und dazu trinkt..... Sie hält es sonst nicht anders aus.....

Vor ihren Schwiegis ist sie am Wochenende wohl ausgerastet und hat mit Gegenständen vor ihrem Kind durch die Wohnung geschmissen....

Sie war auch absolut nicht bei der Sache, versuchte immer ihren Therapeuten zu erreichen, der ihr dann nur den "ultimativen" Tipp gab, sie soll an die frische Luft gehen um so ihre Gedanken zu vertreiben #schock

Ich erahnte ungefähr, was heute folgen sollte...... Und so kam es auch.....

Ihr Kind wurde heute den ganzen Tag von ihren Eltern betreut.... Genug Zeit, um sich selbst gedanklich zu zermatern.... Und noch mehr Tabletten und Alkohol einzuwerfen.....

Sie ist ZUM GLÜCK mir gegenüber recht redseelig...... Was heute Nachmittag folgte, war für mich dann auch wie ein Hilfeschrei.... Denn ich glaube, Menschen, die nicht wollen das ihnen geholfen wird, sagen gar nichts und machen einfach.....

Ich bekam eine SMS wo drin stand, dass es ihr heute noch schlechter geht, als gestern. Dann schrieb ich zurück, dass, wenn sie will, ich sie ins Krankenhaus fahre.... Dann kam wieder eine SMS mit Tabletten und Alkohol wird sie den Tag schon überstehen....

Soooooo #kratz

Sie sagte mir gestern, dass sie aktuell seit dem Wochenende zusätzlich Lorazepam einnimmt..... Alles in allem konnte keine gute Kombi sein.....

Was tue ich jetzt.....

Ich nahm allen Mut zusammen und rief sie dann an unter einem belanglosem Vorwand, ob ich für sie einkaufen fahren soll.....

Sie ging dann auch ran und brach dann am Telefon vollkommen zusammen.

Dann haben wir erstmal beide am Telefon geheult.... Ich mehr aus Verzweiflung, da ich nicht mehr wusste, wie ich sie da raus holen soll/kann....

Ich fragte sie, ob ich ihren Mann anrufen soll auf der Arbeit.... Sie gab mir zum Glück die Telefonnummer.... Ich dann da angerufen, er muss sofort nach Hause kommen, sonst kann ich da für nichts mehr garantieren.....

Dann wollte ich sie wieder anrufen, dann ging sie nicht ans Telefon.... Ich dachte echt, ich dreh gleich durch, hab mich schon mit einem Stein in der Hand gesehen, wie ich mir Zutritt in ihr Haus verschaffe......

Dann rief sie zum Glück zurück, ich dann vorsichtig gefragt, ob ich rüber kommen darf, ihr Mann käme auch gleich nach Hause....

Zum Glück lies sie mich rein #schwitz

Paar Minuten später kam dann auch ihr Mann.... Ich kenne ihn nicht so gut, er macht aber so auf den oberflächlichen Blick einen sehr netten Eindruck, sie sagte mir aber, dass er schlecht mit ihrer Erkrankung umgeht, auch nicht so der gesprächige Typ sei und wohl auch ganz gern mal übersieht, wenn es ihr schlecht geht.....

Wie gesagt, ihr ging es gestern schon super schlecht und genauso sah sie auch aus....

Was sagte er.... Oh, Dir ging es gestern auch schon schlecht, hättest ja mal was sagen können #schock Da brauchte man gestern nichts zu sagen, das hätte er auch mal selbst sehen können.... Das konnte jeder sehen..... #schock Wenn man gewisse Dinge sehen will....

Zum Glück sind sie dann in die Klinik gefahren, sie zu diesem Schritt zu bewegen, kostete aber eine Menge Redekunst....

Sie schiebt halt immer ihr Kind vor, um das sie sich zu kümmern hat, doch ganz ehrlich, so kann sie sich nicht um ihr Kind kümmern..... Das könnte niemand. Sie konnte sich noch nicht mal um sich selbst kümmern.....

Sie musste auch da bleiben. Sie hatte heute Nachmittag bei der Blutentnahme 1,4 Promille..... Und etliche Hammermedis in sich drin.....

Sie wusste noch nicht mal mehr, wie ich ins Haus gekommen bin.... Totaler Blackout und sie hatte nachher wohl auch immer wieder vergessen, dass ihr Mann sie auf der Arbeit krank gemeldet hat, fragte wohl mehr als 10 Mal nach.....

Ihr Mann rief mich, nachdem er sie ins KH gebracht hatte, nochmal an und erzählte mir, was da noch abgelaufen ist und das sie halt da geblieben ist.....

Das war ein Tag...... Hatte selten in meinem Leben so viel Angst #zitter Angst, dass sich ein Mensch wirklich etwas antut und ich hilflos daneben stehen muss.....

Es ist soooooooooo schade..... Sie ist so ein wertvoller Mensch, voller Ideen, voller Hilfsbereitschaft, voller Hingabe.....

Doch leider zu sensibel um zu leben......

Sie leidet unter diesen psychischen Krankheiten erst seit ihrem 30. Lebensjahr. Vorher war nichts.....

Kann so was auch wieder besser werden? "Verwächst" sich so was irgendwann einmal mit klitzekleiner Chance?

Gibt es hier irgendjemanden, der auch sehr schwer betroffen war und bei dem es irgendwann erträglicher wurde?

Ich möchte ihr so gern eine Hilfe sein.... Aber mehr als da zu sein und ihr zu zuhören kann ich wahrscheinlich auch nicht?!?!?!

Sie wird dieses Jahr 38 Jahre alt.....

Es ist so..... Ja, ich versuche es zu verstehen, versuche ihre Sichtweisen zu verstehen, doch vieles verstehe ich natürlich nicht, da vieles bei ihr auch von Zwangsgedanken geleitet ist.....

Auf der anderen Seite ist sie vollkommen "normal"..... Ich habe mich noch nie mit einem Menschen besser über Themen unterhalten, als mit ihr..... Da kommt so viel Feedback..... Ich habe auch noch nie mit einem Menschen so viel gelacht, wie mit ihr......

Es tut einfach nur weh..... Weh zu sehen wie so eine Krankheit eine ganze Familie ein ganzes Leben zerstört. Wiederum die Familie auch oftmals Auslöser für diese schweren Krisen zu sein scheint.....

Ggf. findet sich ja hier der eine oder andere, der mir mal seine Geschichte erzählen mag, was ihm/ihr geholfen hat und wie es heute ausschaut!

#danke

Janette



Beitrag von ninast83 19.05.11 - 07:58 Uhr

Ich hatte es zwar selber nicht, habe aber Sozialpädagogik mit Schwerpunkt ,,Psychisch Kranke" studiert. Wichtig ist es, das sie es richtig behandeln läßt und sich nicht zurück zieht. Viele schämen sich heutzutage, was ich schlimm finde.....

Es ist sehr schön das du für sie da bist und ihr hilfst und nicht wie viele andere die Augen verschließt! Leider ist es heutzutage noch oft so.
Du kannst jetzt nur abwarten das sie die Therapie durchzieht und medikamentös richtig eingestellt wird.

Sei einfach für sie und ihren Mann da und motiviere und lobe sie bei jedem neuen Schritt!

LG

Beitrag von schwilis1 19.05.11 - 09:24 Uhr

ich bin Betroffene und ich war eine Freundin von Betroffenen.
und ich kann sagen, bei vielen wird es tatsächlich irgndwann besser wenn sie die richtige Unterstützung haben.

Als Freundin von Betroffenen (in der klinik lernt man sich kennen) muss ich sagen, dass es mir irgendwann zuviel wurde.... zuviel Verantwortung zuveil negatives... zuviele Sorgen und ich mich von leuten abgewendet habe... das musste ich aber tun aus reinem Selbstschutz... zumal ich dann schwanger wurde und selber genug mit mir zu tun hatte (medis absetzen, leben neu ordnen, ziele definieren und selbstschädigende Verhaltensweisen aufzugeben).

Ich finde es toll dass du ihr helfen willst, und mehr als zuhören wirst du nciht können. oder mit ihr spazieren gehen. und den arzt rufen wenn es dringend ist... aber ich moechte dir ganz ehrlich raten, auf dich selber gut aufzupassen.
Als Therapeut, hast du einen gewissen Abstand zu deinen Patienten, als Freundin verschwindet dieser ABstand irgnedwann und es kann auch für dich ziemlich hässlich werden. Muss nicht. Kann aber.

Meine größte Angst war immer, dass ich durch meine KRankheit, mein Verhalten, sei es nun selbstschädigend oder die ganze Pillenfresserei oder oder oder andere mit hineinziheren und zu meinem jetzigen Freund sagte ich nach usnerem dritten Date: An deiner Stelle würde ich jetzt wegrennen, so schnell du kannst.. ich werde dir nicht gut tun...
Lustig oder?
PAss auf dich auf.. und sorge dauch dafür dass du mit jemanden reden kannst wennd ir die sorge über den kopf wächst

Beitrag von babybaer4 19.05.11 - 21:51 Uhr

Hallo,

meine Freundin litt auch an Borderliner und Depressionen.
Bei uns ist es leider nicht gut ausgegangen,da ich damit völlig überfordert war und zuwenig an mich gedacht habe.Ich bin fast mit untergegangen .
Wir haben heute keinen Kontakt mehr .
Mir hat es umheimlich geholfen über diese Sache hinwegzukommen ,indem ich in ein Borderliner-Forum gegangen bin.
Dort konnte man mit Angehörigen und Betroffenen sprechen .Ich habe Zuspruch,Hilfen und Tipps bekommen .

Lg Sabine