Er verstummt zunehmend

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von abenteuer 19.05.11 - 20:14 Uhr

Hallo
Es geht um einen meiner fast 3jährigen Zwillinge.
Vor etwa einem 3/4 Jahr war er eher ein aufgeschlossenes Kind. Er grüßte jedenfalls sogar fremde Menschen. Schüchtern war er nie.
Vor ca 6 Monaten fing er langsam an sich zu verändern. Es war ein schleichender Prozess, so dass es mir erst die letzten 1-2 Monate aufgefallen ist.
Während er zuhause ganz normal spricht, verstummt er, sobald wir auf andere Menschen treffen.

Wenn es viele Leute sind, verstummt er ganz. Er lässt sich von allen anfassen und klammert auch nicht. Er spricht nur einfach kein Wort (auch wenn er angesprochen wird). Wenn ich ihn dann etwas frage, bekomme ich auch nur eine leise Antwort. Und selbst dann sagt er manchmal einfach nichts.

Sind wir bei Bekannten und Freunden zuhause oder sie bei uns, taut er nach einiger Zeit etwas auf. Wenn er die Leute gut kennt, antwortet er manchmal sogar. Oftmals aber auch nicht. Er ignoriert dann einfach, dass er angesprochen wurde #schwitz
Während er spielt, erzählt er die ganze Zeit. Er erfindet da sehr schöne Geschichten. (z.B. Gespräche 2er Giraffen). Mit den anderen Kindern spricht er dann auch.

Letztens waren wir bei einer aus der Spielgruppe zu besuch. Sie war sehr erstaunt darüber, als sie hörte, wie er lauthals im Zimmer nebenan spielte. Sie hatte ihn noch nie ein Wort sagen hören.

Nun kommen meine Zwillinge bald in den Kindergarten. Ich mache mir um meinen Kleinen echt Sorgen, da er auch lieber auf trinken etc. verzichtet, ehe er den Mund aufmacht. :-( Oft denken andere Leute auch, er könne sie nicht verstehen, da er so reagiert. Er ist recht klein und sieht dadurch jünger aus, als er ist.

Bei uns zuhause, bei meinen Eltern, meinen Schwiegereltern, dem Nachbarskind und unseren engsten Freunden ist er ganz normal!!!

Was kann ich tun, damit mein Kind unter Leuten mehr spricht? Wir sind wirklich oft unter Menschen- u.a. 2X die Woche im Spielkreis und beim Kinderturnen.
Der große Bruder ist übrigens das genaue Gegenteil.

Beitrag von arienne41 19.05.11 - 20:30 Uhr

Hallo

Hier mal ein Link (ich habe nicht alles gelesen)

http://www.stern.de/wissen/mensch/mutismus-wenn-kinder-verstummen-596608.html

Bei Google findest du viel darüber wenn du "wenn Kinder verstummen) eingibst.

Ich kannte ein Mädchen das darunter litt. Wir hatten zusammen Konfirmantenunterricht. Komischerweise sprach sie mit mir zumindestens antwortete sie und irgendwann redete sie mit mir zwar nicht viel aber eben etwas. Vielleicht lag es daran das ich einen Sprachfehler hatte.

Beitrag von abenteuer 19.05.11 - 21:38 Uhr

Danke für den Link.
Lassen sich mutistische Kinder denn auch an die Hand nehmen? Mein Sohn krabbelt manchen Leuten sogar freiwillig auf den Schoß, spricht aber kein Wort mit ihnen.

Beitrag von lisasimpson 19.05.11 - 20:33 Uhr

ferndiagnosen sind bei dem thema immer schwierig.
gu finde ich, daß du die entwicklung sehr genau im auge hast.
sprich doch vielleicht mal mit deinem Kinderarzt drüber und bitte ihn egebenenfalls um eine überweisung zur frühförderung.

Hier mal ein paar links zum reinlesen

http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:rla02N6JW88J:www.echle.ch/mutismus.pdf+mutismus+zwillinge&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de&source=www.google.de

http://www.dgs-ev.de/fileadmin/bilder/dgs/pdf-dateien/sprachheilarbeit/3-2010/Abstracts_SHA_3-2010.pdf

vor allem würde ich mich mit jemaden auseinandersetzen (am besten geeignet sind dafür die frühförderstellen), die euch und dem Kindergarten vielleicht ein bißchen beratend zur seite stehen können ,was förderung im kiga und vor allem die frage "einzeln ode getrennt in einer gruppe" angeht..

lisasimpson

Beitrag von abenteuer 19.05.11 - 21:42 Uhr

Huhu
Hab mir den erstenb Link grade durchgelesen. Das bringt mich echt zum nachdenken...
Vielen Dank.

Ich hab auch schon überlegt mit dem KIA zu sprechen, doch mein Mann möchte von Therapie etc. nichts wissen, da er meint, da werde aus unserem gesunden Kind ein krankes gemacht...

Die Zwillinge kommen in getrennte Gruppen, werden sich aber oft sehen, da es ein sehr kleiner Kindergarten ist. Der große Bruder (5) ist auch dort. Dann habe ich nach dem Sommer in jeder Gruppe ein Kind

Beitrag von lisasimpson 19.05.11 - 22:15 Uhr

dann würde ich es an deiner stelle weiterhin gut im auge behalten.
Dem Kindergarten würde dann einfach nichts sagen um ihm die chance zu geben nicht von anfang an "abgestempelt" zu werden.
nach ca nem halben jahr würde ich dann dort einfach um ein elterngespräch bitten (innerhalb von 1-2 wochen) mit dem auftrag bis dahin eben ds von dir genannte Problem (sollte es bis dahin noch bestehen) zu beobachten

Ich kann deinen mann gut verstehen.- ich bin kein freund von ergo- logo oder sonstigen therapien, die ein kind heute scheinbar spätestens im Kindergartenalter gemacht haben muß.

Aber sollte dein kind mutistische züge entwickelt, dann ist es sinnvoll da früh einzugreifen. Spät behandelt ist das oft ne sehr hartnäckige geschichte.


lisasimpson

Beitrag von abenteuer 19.05.11 - 23:00 Uhr

Das sind gute Ideen von dir. Danke.
Hoffentlich ist es nur eine "Phase" und er wird im KIGA richtig aufblühen.

Wir haben bald die U7a Der Arzt wird da ja merken, dass er da nicht spricht. Ich hoffe er wird dann vom Arzt nicht gleich abgestempelt.

Beitrag von cherry19.. 19.05.11 - 20:53 Uhr

Ich kann dir nur von meinem Sohn berichten. Er ist auch ein zartes Kerlchen. Er ist jetzt 4, ist 95 cm und wiegt 14 Kg. Als er anfing mit Sprechen (das war um den 2. Geburtstag - aber da kamen dann gleich ganze Sätze), quatschte er jeden auf der Straße voll. Dann Schlag auf Schlag sagte er nicht mal mehr zu bekannten Nachbarn "Guten Morgen", weil er total verschüchtert war. Ich fand das auch etwas "komisch", aber nun gut. Machen direkt kannst du ja nix. Ich hab ihn gelassen. Diese Schweigephase Fremden gegenüber hatte er dann von ca. 2,5 bis 3,5. Und jetzt mit 4 ist er noch immer ein eher schüchterner Junge, aber er sagt zu allen nett "Hallo" und antwortet auch auf Fragen. Vielleicht sieht dein Kind die Welt jetzt momentan etwas anders, als er sie gesehen hat, als er noch ein Stück kleiner war. Wenn er bei Bekannten normal ist, würde ich das vorerst nicht überbewerten. Aber ich kanns dir nur aus meiner Situation heraus so schildern. Meiner bequatscht derzeit zu gern ältere Omas im Bus. Manchmal schon fast peinlich, was er denen alles erzählt. Vor nem Jahr niemals denkbar gewesen.

Was den Kindergarten betrifft. Mein Sohn ist in seinem alten Kindergarten nicht zurecht gekommen, da er dort die nötige Zuwendung nicht bekommen hat. Suche demnach Eure Instution GENAU aus. In diesem sollte Herzlichkeit sofort erkennbar sein. Auch wäre es evtl wichtig, dass du siehst, dass die Kinder dort hören. Bei unserem alten Kindergarten haben viele Kinder kein Stück gehört und es war daher auch immer extrem laut dort. Im neuen Kindergarten sind die Erzieherinnen sehr liebevoll, herzlich und bemühen sich echt extrem. Das merkt mein Sohn genau und das brauch er auch. Auch sind dort die Kinder sehr lieb und hören und fragen auch nach, bestimmte Dinge tun zu dürfen, was es in dem anderen Kindergarten nicht gab. Demnach: Schau genau hin und es klappt sicher alles ganz gut.

Beitrag von abenteuer 19.05.11 - 21:43 Uhr

Danke. Das macht mit Mut. Ich hoffe das wird bei meinem Sohn auch so sein.

Beitrag von bienle 19.05.11 - 21:30 Uhr

Hallo!!

Also, ich glaube auch, dass in dem Alter viele schüchtern sind. Meine Große hat bis sie knapp 4 4 war auch kaum mit Fremden gesprochen, selbst wenn Nachbarn, die sie fast täglich im vorbeigehen sah, sie angesprochen haben hat sie sich hinter mir versteckt und nix gesagt. Ich denke, mit 2, als deiner noch offener war, sind sich die Kinder ihrer selbst noch gar nicht so bewusst, bzw. sie denken da noch nicht groß bewusst drüber nach wie sie nach außen hin und auf andere wirkne, sie sind da einfach wie sie sind. Und ich denke, deiner hat da nun nen Entwicklungsschub gemacht und sieht plötzlich alles ganz anders und ist dann einfach lieber stumm, wenn er nicht so recht weiß was er in einer fremden Situation anfangen soll. Also, so lange er bei Besuchen nahc ner Weile auftaut und sonst unter anderen Vertrauten auch ganz normal ist würde ich mir nicht allzu viele Sorgen machen. Ich bin mir sicher, spätestens mit 4 oder 5 Jahren wird er fremden gegenüber wieder offener werden.
Lass ihn einfach auch mal still sein, und ermahne ihn nicht, dass er doch mit fremden reden soll oder so, ich glaube je mehr du ihm gegenüber signalisierst, dass er sich "nicht richtig" verhält, desto beängstigender werden für ihn solche Situationen. Wenn andre ihn ansprechen und er will nix sagen, dann muss er auch nix sagen. Wenn er aber mal irgendwas von jemandem will, dann würd ich nicht für ihn reden, dann bestärke ihn das selbst zu tun. Meine wollte z.B. mal mit 3 nen Luftballon von nem Wahlstand haben, ich wollte da aber nicht hingehn weil ich mich nicht vollquatschen lassen wollte, und ich sagte ihr, geh doch hin und frag ob du einen bekommst. Na, und das war ihr dann so wichtig, dass sie das tatsächlich getan ht obwohl sie sonst ja auch keinen Ton bei Fremden raus bekam.

Wünsch euch alles Gute!

Steffi

Beitrag von abenteuer 19.05.11 - 21:48 Uhr

Danke.
Ich übernehme die Sprache auch nicht für ihn. Manchmal macht das allerdings sein Zwillingsbruder (2eiig).

Heute hatten wir mit der Spielgruppe einen Ausflug und mein Sohn wollte noch etwas trinken. Die Leitung verteilte Apfelschorle. Ich schickte ihn also zu ihr. Er ging auch hin und stand dann ohne ein Wort mit seinem Becher in ihrer Nähe. Doch es kam kein Ton raus und sie bemerkte nicht, dass er etwas von ihr wollte. Er kam dann irgendwann einfach wieder zu mir zurück.
Egal wie wichtig ihm etwas ist- er sagt nichts!

Beitrag von bellpepper 20.05.11 - 15:32 Uhr

Hallo,

eine Ferndiagnose bei Mutismus ist ziemlich schwer...außerdem ist dein Sohn noch sehr klein. Allerdings: mit Mutismus ist nicht zu spaßen und sollte tatsächlich der Verdacht bestehen bleiben, dann scheue dich nicht, einen Experten aufzusuchen, der sich mit Mutismus auskennt. Er allein wird dir sagen können, ob es sich wirklich um Mutismus oder "nur" um Schüchternheit handelt. Und zwar lieber früher als später, denn je mehr das Schweigen die Chance hat, sich zu verfestigen, desto langwieriger wird die Therapie sein.
Mein Sohn hat sich auch von allen anfassen und hochnehmen lassen. Er konnte ja nicht protestieren, denn er konnte ja nicht sprechen....
Aber: ich habe das Problem bei meinem Sohn recht früh als solches erkannt. Er war schon immer so.
Bei deinem ist das anders. Deshalb würde ich persönlich dir raten, einfach noch ein bisschen abzuwarten und zu beobachten. Vielleicht ist es ja nur eine Phase und gibt sich von alleine wieder. Aber warte nicht zu lange.
Und wenn du das Gefühl hat, dass es nicht besser wird, oder du den Druck einfach nicht mehr alleine aushältst (denn ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man als Eltern eines mutistischen Kindes einem immensen Druck ausgesetzt ist), dann such dir Hilfe:
www.mutismus.de (Therapeutennetzwerk).
Alles Gute,
bellpepper