Heute im Hospiz

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von atebe3004 19.05.11 - 21:32 Uhr

Hallo ihr Lieben

eigentlich bin ich eher ein stiller Mitleser in dieser Rubrik.

... heute musste ich allerdings meine liebe Nachbarin im Hospiz besuchen. Sie ist noch verhältnismässig jung und schwer an Krebs erkrankt.

... mich macht das unendlich traurig.

... traurig zu sehen, dass sie langsam fort geht.
... traurig zu sehen, dass ihre 80jährige Mama so leidet.
... traurig zu sehen, dass sie ihre eigene Beerdigung plant.

Ich mache mir im moment so viele Gedanken über den Sinn des Lebens. Leben wir jeden Tag sinnvoll?
Hätten wir erfüllt gelebt, wenn uns so eine Botschaft ereilen würde?
Kann man so jung schon von einem erfüllten Leben sprechen?
Meine Gedanken drehen sich im Kreis und ich erkenne keine Antwort. Ich habe Angst und mache mir Sorgen. Wie verläuft unser Leben?

Als der Regenbogen verblasste
da kam der Albatross
und er trug mich mit sanften Schwingen
weit über die sieben Weltmeere.

.... ich wünsche meiner lieben Nachbarin, dass sie mit diesem Gefühl diese Welt verlässt.

Nachdenkliche Grüsse
Beate

Beitrag von knutschkugel4 19.05.11 - 21:51 Uhr

#liebdrueck
mehr kann ich nicht schreiben#schmoll


ganz liebe Grüße dany


eins fällt mir noch ein
nein wir leben nicht jeden tag sinnvoll#schmoll-leider

Beitrag von golm1512 20.05.11 - 07:49 Uhr

Wie sähe das denn aus, wenn man jeden Tag sinnvoll lebte?

Ich glaube, das geht nicht, weil das Leben ganz aus alltag besteht, bestehen muss. Wir können nicht permanent darüber nachdenken, wie wir diesen heutigen Tag an unserem Lebensende sehen werden.

Auch Todkranke denken nicht 24 Stunden am Tag übers Sterben nach und sind nicht 24 Stunden am Tag traurig und ängstlich. Gesunde müssen das auch nicht sein.

Natürlich ist es traurig, wenn ein junger Mensch stirbt. Für die Mutter ist das so nicht vorgesehen und unvorstellbar. Aber wenn schon, dann ist es gut, dass sie die Zeit zum Abschied haben.

Mich machte selten traurig, wenn jemand seine eigene Beerdigung plante. Das war immer der Punkt, an dem die Dinge klar waren, an dem man nicht mehr drumherum reden musste. Und wenn man sich an diesen Plan gehalten hat, dann war derjenige noch ein wenig weiter "lebendig".

Du wirst keine Antwort auf diese endgültigen Fragen bekommen, weil jeder anders lebt und stirbt. Jeder hat seine Vorstellung vom Leben. Wir können nicht 100% glücklich sein und unser Leben wird nie 100% erfüllt sein. Zum Glück! Man könnte sonst keine Schwingungen erleben, wäre unter Druck, alles richtig machen zu müssen.

Und du wirst sehen: Das jetzt beschäftigt dich, ist traurig und furchtbar und in ein paar Wochen denkst du kaum noch daran, weil dein Leben weiter geht. Das der Mutter wird sehr beeinträchtigt sein, vielleicht geht sie bald danach auch. Auch das wird dich traurig machen und weitere Fragen bringen und dann wirst du wieder in deinem Alltag verschwinden.

Das ist nicht verwerflich, sondern menschlich und überlebensnotwendig.
Ich habe viele Menschen sterben sehen und habe für mich gelernt, den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen. Manchmal war ich traurig undhabe das auch zugelassen, aber ich lebe ja noch und will das bis zum Ende tun. Den Toten hilft nicht, wenn ich jetzt den Rest meines Lebens um sie trauere und mein Leben vergesse.

Gruß
Susanne

Beitrag von atebe3004 20.05.11 - 10:51 Uhr

#liebdrueck

Danke für deine sehr lieb Antwort.

Ja Du hast Recht - im moment bin ich in der traurigen Zeit, aber klar werde ich wieder im Alltag verschwinden.
... und sicherlich ist das auch gut so.

Gruss Beate

Beitrag von sunny42 20.05.11 - 11:52 Uhr

Liebe Susanne,

ich bin sehr wohl der Meinung das man jeden Tag voller Genuß und Fülle leben kann. Der Alltag ist nur Stress wenn wir all die Dinge ohne Liebe machen.
Dafür muss man nicht jede Minute ans streben denken, aber man kann in vielen Dingen des Lebens ein Geschenk sehen, selbst in denen die einem Anfang negativ erscheinen.
Und wenn man einmal anfängt sein Leben so zu gestalten dann wird es immer intensiver und ich bin mir ganz sicher am Ende dieses Lebens dann sagen zu können, dass ich das Beste und intensivste daraus gemacht habe was mir nur möglich war!
Selbst wenn ich morgen sterben sollte!

Liebe Beate,

Deine Nachbarin ist der Engel der Dich darauf aufmerksam macht über den Sinn des Lebens nachzudenken und Dir der Kürze der Zeit bewusst zu werden. Ich würde ihr all meine Dankbarkeit und Zuneigung schenken in der Zeit die sie noch hat und ihr so weit es mir möglich ist noch schöne Momente für ihre Erinnerung bereiten.

Liebe Grüße
Sunny

Beitrag von atebe3004 20.05.11 - 12:58 Uhr

#danke, das werde ich beherzigen!!

Beitrag von schullek 20.05.11 - 12:20 Uhr

du würdest die frage nach dem sinn des lebens nicht stellen, wenn es keinen sinn hätte.
wir kommen auf die welt und glaube dass alles immer gut und schön ist. und nach udn nach machen wir andere erfahrungen. einige davon können uns zweifeln lassen, wofür das leben überhaupt gut ist. aber die antwort steckt ja schon in der frage: es ist eben leben.mit all seinen guten udn schlechten seiten.

dieses erfüllte leben ist für mich ein mythos. wie soll kman es beurteilen udn kategorisieren?
mir jedenfalls fällt das schwer. deshalb versuche ich einfach glücklich zu sein. ich mach mir keine liste, was ich alles erleben will etc. den sinn sieht man überall: in unseren kindern, einem schönene abend mit familie oder freunden, einer herrlichen landshcaft...

leider hat uns nie jamdn versprochen, dass alles immer gut sein würde. und dieses risiko ist es, was das leben so kostbar macht.
nicht leicht, aber eben einfach so.

lg

Beitrag von pechawa 20.05.11 - 12:58 Uhr

Hallo,

die Frage nach dem Sinn des Lebens ist relativ, denn was für den Einen ein sinnreiches Leben bedeutet, ist für den Anderen vertane Zeit!
Aber jedes Leben hat seinen Sinn, egal wie lange es dauert - wir müssen nur begreifen, dass die Unendlichkeit mehr bedeutet, als die paar Jahre auf unserem Planeten. Wir müssen lernen, uns selbst nicht zu wichtig zu nehmen einerseits, andererseits dürfen wir uns selbst auch nicht vergessen. Wir müssen achtsam mit dem Leben umgehen und dankbar sein, dass wir leben dürfen, vor allen Dingen wenn wir es ohne Krankheiten, Hunger und Krieg leben dürfen. Und wenn uns Krankheiten treffen, dann müssen wir sie annehmen - was bleibt einem auch anderes übrig? Und wer es dann noch schafft, Dinge zu regeln, wie deine Nachbarin, vor dem ziehe ich meinen Hut! Wir haben einfach nicht gelernt, mit dem Tod umzugehen. Das Schlimme ist nicht der Tod, sondern das Unwiderrufliche, was er mit sich bringt. Der Abschied und ich bin überzeugt, dass es für Angehörige/Freunde viel schlimmer ist, als für den Betroffenen selbst!
Ich schicke dir und vor allen Dingen deiner Nachbarin viel Kraft für die kommende Zeit!

LG Pechawa

Beitrag von sasa1406 20.05.11 - 20:46 Uhr

Manchmal ist es unvorstellbar, dass junge Leute gehen, obwohl es so viele ältere Leute gibt, die gehen möchten.

Wo da der Sinn drin liegt weiss ich auch nicht.

Man kann sich die Zeit zu der man geht leider nicht aussuchen, es wäre schön wenn man es könnte.....

Dir, deiner Nachbarin und ihrer Mutter ganz ganz viel Kraft für diesen Weg