Traumgeburt von Luis mit Geburtsstillstand und KS

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von emmy2010 20.05.11 - 10:58 Uhr

Heute vor 8 Monaten ist unser Sohn geboren. Ich wollte meinen Geburtsbericht schon lange geschrieben haben, bin aber doch froh dass ich ihn erst so spät schreibe. Jetzt sehe ich einige Sachen etwas anders.

20. September 2010

5:00Uhr – Im Halbschlaf dachte ich, ich hätte ein leichtes „knacken“ im Unterbauch gespürt. Mein erster Gedanke … Blasensprung … war aber nichts nass, ich war ja auch erst bei 37+3 und beim letzten FA Termin 2 Wochen vorher sah noch gar nichts nach Geburt aus. Mir hat das aber keine Ruhe gelassen und nach 10 Minuten bin ich zur Toilette, wie ich dachte, nichts. Ich stand auf und mit einem Mal alles nass … OK … da ist mir dann doch die Fruchtblase geplatzt.
Im selben Moment fiel mir ein was ich doch noch alles machen wollte, Akkupunktur, Sitzbäder, Dammmassage … und am wichtigsten, ich wollte schon seit Wochen meine Kliniktasche packen.
Wir waren dann noch duschen, haben alles gepackt und ich habe die Hebamme zuhause angerufen. Die Hebammen haben bei uns 24 Stunden Rufbereitschaft, um 8Uhr ist Schichtwechsel, normal ist auch nur zwischen 8 und 10 ist eine Hebamme im Haus, ist halt ein kleines Krankenhaus (108 Geburten 2010).
Während der Fahrt ins KH bekam ich zum ersten Mal etwas Angst. Beim letzten FA Termin war unser Sohn ein Sternengucker und wer weiß ob er sich gedreht hat. Aber Sternengucken finden auch den Weg.

6:00Uhr – Wir waren im Wehenzimmer, die Nachtschwester schloss mich ans CTG an und einige Minuten später war die gerufene Hebamme bei uns. Sie war zwar relativ nett, aber man hat ihr deutlich angemerkt das sie leicht genervt war, das ich sie um halb 6 aus dem Bett geklingelt habe.
Sie tastete den Mumu ab und machte einen Fruchtwassertest. Mumu zu und FW-Test negativ, außerdem nicht eine Wehe. Sie schickte mich zur Toilette um meinen Mann in der Zwischenzeit zu fragen ob ich vielleicht schon öfter Probleme mit Inkontinenz hatte, könne ja vorkommen so zum Ende der Schwangerschaft. Als ich zurück kam war mein Mann alleine im Zimmer und fragte mich brüh warm ob es sein kann das ich mir nur in die Hose gemacht habe. (Das ist eine Sache die mir da nichts ausgemacht hat, heute würde ich ihm am liebsten für den Satz ein klatschen).
Im ersten Moment dachte ich das ich doch nicht doof bin, ich merke doch wohl aus welchem Loch mir was läuft, außerdem lief es ja immer noch.
Die Hebamme kam zurück und wollte uns wieder weg schicken, da komme heute und die nächsten Tage mit Sicherheit kein Kind. Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken und sofort gefahren, mein Mann hat dann darum gebeten das wir noch bleiben bis der FA (gegen 9Uhr) im Haus ist.
Die Hebamme fuhr nachhause und ich saß heulend auf dem Sofa (immer noch am CTG) weil ich mir doch nicht mehr so sicher war ob mir die FB geplatzt/gerissen ist. Im Kopf bin ich schon durch gegangen was mich jetzt mein Leben lang verfolgen wird … „Weißt du noch, damals, wo Maria dachte ihr sei die FB geplatzt? #rofl„ …

7:00Uhr – Ups … eine Wehe, die war aber ganz schön heftig für die Erste. Na ja, geht ja erst los und ich dachte ich hätte noch Zeit bis zur nächsten. 2 Minuten später die nächste Wehe und so ging es weiter. Mein Mann hat es sich auf dem Massagesessel bequem gemacht und ich habe verzweifelt eine Position gesucht in der ich die sch… Wehen halbwegs ertragen konnte. Ich war komplett überfordert mit der Situation. Wieder eine Sache die mich jetzt tierisch stört, ich war auf mich alleine gestellt obwohl mein Mann nur 1m von mir entfernt war.

7:45Uhr – Ich habe nach einer PDA gebettelt, dabei wollte ich niemals ein haben. Ich wusste nicht wirklich wo ich dran bin, nach 45Minuten schon am Ende der Kräfte? Stelle ich mich an? Bis zur möglichen PDA muss ich aber noch mindestens bis 8Uhr warten, dann ist erst die neue Hebamme im Haus.
Zu dem Zeitpunkt war ich noch feste davon überzeugt das ich diese Situation noch die nächsten 8-10 Stunden ertragen muss, schließlich bekommt man ja im GVK erzählt das die Eröffnungsphase beim ersten Kind durchaus 10 Stunden und mehr dauern kann. Mir wurde schlecht bei dem Gedanken an die kommenden Stunden.
Und mein Mann, der saß da (immer noch im Massagesessel) und fragte allen Ernstes ob ich solche Schmerzen habe und ob er mal Klingeln soll :-[. Ich glaube in dem Moment hätte ich aber auch keine Berührungen von ihm ertragen und bin jetzt froh dass er mich in Ruhe gelassen hat.

8:00Uhr – Endlich war die Hebamme da, sie schaute sich einige Wehen auf dem CTG an und meinte dass ich aber ganz schön heftige Wehen hätte. Gott sei Dank, jetzt wusste ich dass ich mich nicht anstelle und mein Mann hat auch endlich mal kapiert das es nicht witzig ist.
Sie meinte sie würde erst mal nach meinem Mumu schauen und dann besprechen wir ob ich wirklich eine PDA möchte. Sie tastet meinen Mumu ab und schaut mich mit großen Augen an … „Dein Muttermund ist komplett und ich habe eine Presswehe gespürt!“ OK, dann hat sich das Thema PDA wohl erledigt.

Ab jetzt lief alles wie in einem Traum, als sei ich selbst gar nicht dabei, sondern würde irgendwo in der Ecke stehen und das Ganze nur beobachten.

8:10Uhr – Die Hebi war sich umziehen, in der Zwischenzeit haben mein Mann und die Nachtschwester mir irgendwie die Hose ausgezogen und mich auf das Kreissaalbett getragen.
Ich lag auf dem Bett und äußerte den Wunsch in die Wanne zu wollen. Die Antwort der Hebamme: „Ich brauch kein Wasser mehr laufen lassen, in 15 Minuten bist du Mama!“

Die Zeit verging, ich hatte alle Positionen durch die man so machen kann. Ich war auch zwischendurch in der Wanne, im Wasser hatte ich aber nur noch kurz Wehen, also wieder raus. Beim pressen im Wasser fiel mir ein das ich ja unbedingt vorher einen Einlauf wollte #hicks… die Hebamme hat das aber sehr diskret entfernt. Der Spruch, dass es einem egal ist wenn da was aus dem Darm kommt stimmt nicht, es war zwar nebensächlich, aber total peinlich.

12:00Uhr – Ich hatte immer noch Presswehen und mein FA kam zum ersten Mal gucken. Er schaute sich das Ganze nur an und meinte er gibt mir noch 30 Minuten, dann müssen wir uns was einfallen lassen.

12:30Uhr – Die letzte halbe Stunde habe ich nochmal gepresst wie eine Irre. Ich habe auch bei jeder Wehe gespürt das sich was nach unten bewegt, aber sobald der Druck weg war, zog sich alles wieder zurück. Auch bei dem Versuch das die Hebamme mir auf den Bauch drückte um den Druck nach unten zu halten war erfolglos. Ich weiß nicht wie viele Wehen sie das versucht hat, es schien auch was zu bringen, aber sobald sie nachließ war wieder alles weg. Während der Presswehen konnte ich sogar mit meinem Finger den Kopf schon spüren, das Ganze hat mich nochmal so angespornt, das er wirklich schon so nah war, leider ohne Erfolg.
Mein Mann hat mich in der ganzen Zeit unterstützt und ich habe ihn einmal angeschrien. Ich sollte mal einige Wehen veratmen um nochmal Kraft zu tanken, konnte ich aber nicht und mein Mann meinte „du solltest doch veratmen“ Da musste ich leider etwas laut werden (das erste Mal das ich in der Zeit laut war) ich sagte das er seine Fresse halten soll.

Der FA kam zurück und besprach sich mit der Hebamme. Sie kamen auf uns zu und wir haben zwei Möglichkeiten genannt bekommen, Saugglocke oder Kaiserschnitt.
Wir haben uns gegen die Saugglocke entschieden, mein FA ist kein KS Freund und als er sagte er würde zum KS raten war für uns die Entscheidung einfach.

--- GEBURTSSTILLSTAND ---

Jetzt kam für mich das schlimmste der gesamten Geburt. Es war ja nicht so dass unser Sohn sich noch gar nicht in Richtung Ausgang bewegt hat. Also musste er wieder ganz zurück. Als der FA das machte habe ich geschrien und ich dachte der reißt mich auseinander, dadurch habe ich auch einen Scheidenriss bekommen.

13:00Uhr – Der Wehenhemmer hat nicht angeschlagen und ich musste bis zur Spinal alle Wehen veratmen, das war extrem anstrengend. Ich hatte einfach keine Kraft mehr und dann noch die Gedanken was nach dem KS kommt. Welche Schmerzen ich habe, dass ich mein Kind nicht versorgen kann usw.

13:28Uhr – Luis wurde mit 2885g, 49cm und 34cm KU geboren. Es war so schön, ich durfte ich anfassen und küssen, ganz anders als ich mir das immer vorgestellt habe. Ich dachte man bekommt das Kind gezeigt und zack weg ist es wieder.

14:00Uhr – Ich war im Wachbereich und hatte endlich die Möglichkeit mir klar darüber zu werden was die letzten Stunden alles passiert ist. Es hat noch etwa eine Stunde gedauert bis ich meine beiden Männer bei mir hatte und mir unser Sohn zum ersten Mal angelegt wurde.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich als Versagerin gefühlt, ich habe noch nicht mit Arzt und Hebamme sprechen können und sonst konnte mir auch niemand sagen ob der KS wirklich notwendig war.
Für meinen Mann war die Zeit alleine mit unserem Baby was ganz besonderes, normalerweise haben die Papas ja eher die Nebenrolle, aber er durfte vom ersten Moment an bei ihm sein und ihn versorgen.

18:00Uhr – Wir durften endlich aufs Zimmer, ich war fix und fertig, eine Mischung aus puren Glücksgefühlen, dem Gefühl versagt zu haben und Müdigkeit.
Kurz darauf kam endlich die Visite, unser kleiner Mann wäre niemals auf natürlichem Wege geboren worden und die Saugglocke hätte ihn in Lebensgefahr gebracht. Er war noch ein Sternengucker, was aber nicht das Problem war. Das Problem war eine Nabelschnurumschlingung um Hals und Schulter, er konnte sich nicht richtig eindrehen und wurde immer wieder gegen den Beckenknochen gedrückt und wieder zurück gezogen. So sah er auch aus, überall Beulen am Kopf und blaue Flecken, aber nach 3 Tagen war davon nichts mehr zu sehen.

Von den Schmerzen her war der KS wirklich harmlos, die Anfangszeit waren die seelischen Schmerzen für mich mehr das Problem. Obwohl mir bestätigt wurde dass es nicht anders ging, das Gefühl vielleicht doch nicht alles gegeben zu haben war so stark und hat erst aufgehört als auch der Wochenfluss vorbei war. Wenn mich am Anfang auch jemand nach der Geburt gefragt hat, am liebsten hätte ich die ganze Geschichte erzählt, nur damit niemand denkt ich hätte es mir einfach gemacht.

Jetzt sehe ich das alles sehr locker. Natürlich ist der KS für mich keine wirkliche Alternative, aber wenn es beim nächsten Kind wieder so kommt oder wenn es von vorn herein heißt dass ein KS gemacht wird, es ist für mich OK.
Bis vor einigen Monaten hatte ich auch noch das Gefühl das irgendwas fehlt, davon ist jetzt keine Spur mehr, es ist alles perfekt so wie es ist.

Für mich war es ein wunderschönes Erlebnis.

Sooooo … ganz schön lang geworden, aber nochmal schön nach 8 Monaten wieder an einen so bewegen Tag zu denken.

Ich wünsche euch alles Liebe.

Beitrag von bubi1981 20.05.11 - 13:31 Uhr

Na dann #herzlich en Glückwunsch zur geburt!!#torte#glas#fest

Ich fand dein Bericht richtig schön, super geschrieben!! Musste echt mitfiebern.#schwitz

Und ich finde, daß du das super gemeistert hast. Und warum versagen?? Die Hebamme hätte ich aber nicht mehr zur Nachsorge genommen. Ich denke eher, daß du wegen Ihr am Anfang nichts sagen konntest, daß du doch Wehen hast. Hätte Sie dir von vornherein geglaubt, hättest du dich besser auf die Geburt einstellen können. Du hast das einzig richtige für dein Krümel gemacht.

Was ich nie verstehen werde ist: " Warum können die Ärzte wenn man mit Wehen ins KH kommt, nicht noch ein letztes Mal ein Ultraschall machen um zu sehen ob die Nabelschnur um den Hals liuegt oder nicht?" Das werde ich nie kapieren. Man könnte sich doch soviel ersparen!!

Ich wünsche dir alles Gute
Liebe Grüße bubi1981 mit Gizem 6J und boy inside 30SSW

Beitrag von derhimmelmusswarten 21.05.11 - 13:04 Uhr

Ach herrje, da hattest du ja das volle Programm... Zum Glück hat man sich für KS entschieden. Viele Ärzte hätten sicher die Saugglocke angesetzt, was ja bei dieser Ausgangslage nicht ungewöhnlich gewesen wäre.