Kita - bin ich zu anspruchsvoll?

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Beitrag von williamsburg 20.05.11 - 16:53 Uhr

Hallo zusammen,

seit knapp 10 Tagen machen wir nun Eingewöhnung in der Kita. Im Vorfeld habe ich viel Gutes über die Einrichtung gehört und war dementsprechend froh, einen Platz erhalten zu haben.

Seit einigen Tagen mache ich mir allerdings etwas Gedanken. In der Gruppe meiner Tochter läuft es folgendermaßen ab:

12 Kinder in einem Raum, die alle wild umherlaufen, mehr oder weniger spielen, sich streiten usw. Es ist ein ziemliches Chaos. Mittendrin 2 Erzieherinnen, die nur umher laufen und die Kinder - wenn sie sich mal streiten, prügeln oder zu laut sind - maßregeln.

Es werden keine gemeinsamen Spiele gespielt, auf die einzelnen Kinder wird nicht eingegangen und von einer Förderung habe ich noch nichts mitbekommen. Die Kleinsten kommen in einen mit einem Gitter abgetrennten Bereich und sind dort größtenteils sich selbst überlassen. Ansonsten herrscht das reinste Chaos.
Ich habe auch erlebt, dass Kinder, die geweint haben, einfach dazu aufgefordert wurden, aufzuhören.

Ich habe bisher nicht erlebt, dass auf individuelle Bedürfnisse eingegangen worden ist. Bei einem unter 1-jährigen, der deutlich müde war, hat man sogar so lange gewartet, bis er nur noch geweint hat. Selbst ich als Außenstehende hatte das Bedürfnis den kleinen Kerl zu tragen und in den Schlaf zu begleiten.

Bei dem Gepräch mit den Erzieherinnen waren Begriffe wie "Urvertrauen" und "Bindungstheorie" irgendwie Fremdwörter...

Wie seht ihr das? Habt ihr andere Beispiele oder übertreibe ich?!?

Beitrag von pegsi 20.05.11 - 17:02 Uhr

klingt absolut furchtbar und würde bei uns nie vorkommen, selbst nicht in Zeiten des Personalmangels

Beitrag von williamsburg 20.05.11 - 17:20 Uhr

Dann kann es also auch anders gehen? Ich kann halt nicht verstehen, wie man als Erzieherin einfach nur im Raum stehen kann und das Chaos irgendwie entrückt beobachten kann.
Die Kinder werden größtenteils alleine gelassen - auch, wenn die Erwachsenen im Raum sind.

Sollte ich das ansprechen?

Ich habe wirklich Bedenken, dass meine Tochter emotional dort eingehen könnte...

Beitrag von pegsi 20.05.11 - 17:35 Uhr

Bei uns in der Kita gibt es auch Zeiten, in denen weniger Erzieher da sind, sei es durch Krankheiten oder unverhoffte Schwangerschaften etc.

Trotzdem steht der liebevolle Umgang mit den Kindern an erster Stelle. Es gibt IMMER einen Morgenkreis (der freiwillig ist). Ausflüge finden nicht statt, wenn Personalmangel herrscht, aber dann wird eben in der Kita gebastelt, gesungen, getanzt usw.
Wenn ein Kind mehr braucht, dann bekommt es auch mehr, so lange es irgend möglich ist. Beispiel: Meine Tochter hatte am Anfang eine Phase, in der ihr das Einschlafen dort sehr schwer fiel. In dieser Zeit hat eine Betreuerin jeden Mittag meine Tochter eine Stunde lang im Arm gehalten, damit sie auch schlafen kann! Gut, das geht natürlich nicht, wenn alle Kinder so bedürftig sind, aber das ist ja zum Glück normalerweise nicht der Fall.

Beitrag von williamsburg 20.05.11 - 17:45 Uhr

wenn ich das lese, wird mir gerade ganz anders. Hier wird nicht gebastelt, nicht gesungen o.ä.
Einfach ein reiner Chaoshaufen....und dabei ist es hier ein christlicher Träger...

Beitrag von pegsi 20.05.11 - 17:48 Uhr

Naja, christlich muß ja nicht immer besser sein. ;-)

Hör auf Dein Gefühl. Wenn das sagt, da stimmt etwas nicht, dann paßt es auf jeden Fall nicht richtig zu Euch! Wenn es geht, wechsle die Einrichtung, ansonsten versuche zu verändern, was geht! Sicher gibt es doch einen Elternsprecher oder so etwas?

Beitrag von williamsburg 20.05.11 - 17:57 Uhr

ich werde es wohl ansprechen, bzw. die Elternsprecher aufsuchen. Danke für den Tipp!

Viele Grüße

Beitrag von pegsi 20.05.11 - 17:59 Uhr

Ganz viel Glück und Erfolg wünsche ich !

Beitrag von zweiunddreissig-32 20.05.11 - 17:21 Uhr

Ich würde den Vertrag mit der Kita kündigen!

Beitrag von brille09 20.05.11 - 18:22 Uhr

Komisch! Probier doch einfach mal zusammen mit ner Freundin auf 12 unter Dreijährige gleichzeitig aufzupassen und auf jedes einzelne einzugehen. Wahrscheinlich sind die zwei froh, wenn kein Kind dem anderen den Schädel einschlägt. Verständlicherweise! Es KANN NICHT klappen. Die Mamas, die hier so von Kitas schwärmen, machen sich entweder was vor oder sie haben total brave, anspruchslose oder total schlimme Kinder, um die dann die Erzieher rumhüpfen (müssen).

Fördern soll man seine Kinder daheim und das geht auch, wenn man arbeitet. Urvertrauen, Bindung? Ich glaub, da hast du was falsch verstanden! Die hat das Kind zu den Eltern, meinetwegen auch zu den Großeltern oder zu ner sehr lieben Tagesmutter. Aber bei dem Betreuungsschlüssel kann es gar nicht sein, dass jedes Kind zu den Erzieherinnen maximale Bindung aufbaut. Geht gar nicht!

Also, entweder du musst arbeiten (aus welchen Gründen auch immer) und hast keinerlei Alternative zur Betreuung in der Kita (Oma, Kinderfrau, Tagesmutter, Nachbarin, Vater, Freundin mit Kind, mit der man sich abwechseln kann, Telearbeit, Heimarbeit, ...), dann musst du eben damit leben. Dein Kind stehts schon durch, nicht immer ist alles optimal im Leben. Oder aber du änderst etwas an DEINER/eurer Situation. Mich nervt es schon, wenn Leute Kinder bekommen und dann sind für Aufbewahrung, Betreuung, Förderung, Liebhaben, Erziehung, ... immer alle anderen zuständig.!

Beitrag von williamsburg 20.05.11 - 18:53 Uhr

Atme erst mal ein, bevor du hier einen solchen Wind machst.

Betreuung geht auch anders und Kinder zu bekommen heisst nicht, sich nur auf die soziale Rolle der Mutter reduzieren zu müsse.

Ich kenne mich sehr wohl aus mit Urvertrauen und Bindungstheorie. Gerade im Bezug auf die Bindung sind Kinder schon im Alter von 6 Monaten in der Lage, verschiedenartige Bindungen einzugehen, wobei sie genau differenzieren können, wer nun Erzieher, Mutter oder Großmutter ist. Voraussetzung ist allerdings, dass die Erzieher auch eine solche Bindung ermöglichen. Weiteres hierzu findet man in einschlägiger pädagogischer Literatur, bzw. in vor kurzem veröffentlichten psychologischen Studien.

In Australien werden Kita alle drei Jahre akkreditiert, wobei ein 52-Punkte Plan im Rahmen einer gesetzlichen Grundlage eingehalten werden muss.

Es ist Sache der Einrichtung mehr qualifizierte (!!) Erzieher einzustellen und dafür auch GERNE mehr Geld zu verlangen.



Zu behaupten, eine fachgerechte Betreuung sei nicht möglich, entspricht schlicht und ergreifend nicht der Tatsache. Wichtig sind hierbei der Betreuungsschlüssel und die fachlich kompetenten Erzieher einschließlich ihrer charakterlichen Eigenschaften.

Und nochmals: Gegen dieses Rabenmutterargument - Kind bekommen und dann schnell fremdbetreuen - wehre ich mich vehement. Es sind auch nicht "alle anderen nur zuständig". Schließlich bezahle ich auch dafür! Und dafür kann ich zumindest eine Umarmung für ein weinendes Kind erwarten.

Beitrag von misshancock2010 20.05.11 - 20:02 Uhr

#pro ganz deiner meinung.

lg

Beitrag von pfirsichbacke 20.05.11 - 20:27 Uhr

muss mich mal kurz einmischen. es ist NICHT die entscheidung der einzelnen einrichtung mehr erzieher einzustellen. der betreuunggsschlüssel (also wieviele erzieher auf wieviele kinder) wird politisch im bundesland beschlossen. und die betreuungskosten werden meist nach einkommen abgerechnet. dieser zustand erlaubt es nicht 4 erzieher für eine gruppe von 10 kindern einszustellen. und glaub mir, erzieher verdienen vorallem im osten nicht das was sie entsprechend ihrer verantwortung verdient hätten! gespart wird eben überall. aber die ganz oben sitzen und das zu entscheiden haben, erleben nicht den alltag einer praktizierenden erzieherin.
eine gute erzieherin wird versuchen dem personalmangel trotzallem mit liebe und geduld entgegenzustehen und die kinder bestmöglich zu versorgen und zu betreuen. man sollte aber als eltern nicht zu hohe ansprüche haben. ein lernangebot mit unter 2jährigen zu machen (1 erzieherin 8 Kinder) ist wirklich kein zuckerschlecken.
desweiteren sagt der aktuelle bildungsplan, das derartige angebote vernachlässigt werden sollen und die kinder selbst ihre welt entdecken sollen, statt immer vorgegebene angebote vor die nase gelegt zu bekommen.
dennoch gibt es immer schwarze schafe im beruf die lieber kaffee trinken als sich um die kinder zu kümmern. aber zu verlangen auf kleinste bedürfnisse einer horde kleinkinder zeitgemäß richtig zu reagieren ist keine kunst der ausbildung, sondern einfach nicht zu schaffen. wenn ein kind nicht sofort beim weinen in den arm genommen wird, wird es sicher keinen dauerhaften schaden nehmen.

Beitrag von bonsche 20.05.11 - 21:34 Uhr

ich finde deine aussagen ziemlich provokant. nur weil eltern ihre kinder in eine einrichtung bringen, sind sie doch keine schlechten eltern. sicherlich kannst du deinem kind auch viel beibringen, aber ich denke, die kinder lernen es schneller und haben viel mehr interesse an anderen sachen, wenn sie es bei anderen kindern sehen. ausserdem finde ich es sehr wichtig, dass mein kleiner soziale kontakte zu anderen kindern hat und nicht jahrelang das gefühl hat, er steht im "mittelpunkt". ich finde es wichtig, dass er lernt, mit anderen kindern zu spielen, ihre meinungen und geesten zu respektieren.

ich respektiere es, wenn mütter sich dazu entschliessen "nur" noch mama zu sein und zuhause zu bleiben, aber genauso sollte man die gegenseite respektieren. ausserdem gibt es familien, die es einfach nicht so gut haben und aus finanziellen gründen wieder arbeiten müssen. mir ist mein beruf wichtig, aber das heisst nicht, dass finn mir unwichtig ist. ich liebe den kleinen über alles, aber ich liebe eben auch meinen beruf. ich bereue meine entscheidung ihn in eine einrichtung gegeben zu haben, nicht einen tag. er hat in dieser kurzen zeit soviele neue dinge gelernt und er ist sowas von selbstbewusst geworden, dass ich einfach nur stolz auf ihn bin #verliebt und mein kind gibt mir nicht das gefühl, dass er sich abgeschoben fühlt. er kommt mir jeden tag aufs neue freudestrahlend entgegengerannt, wenn ich ihn abhole und es macht mich einfach nur glücklich, ihn glücklich zu sehen #verliebt

liebe grüsse, ivi & finn (24.01.2010)#herzlich

Beitrag von williamsburg 21.05.11 - 10:18 Uhr

sehe ich auch so! #pro

Beitrag von brille09 21.05.11 - 18:25 Uhr

Siehst du, und genau diese Haltung finde ich schrecklich. Ich find es absolut legitim, nach einer Zeit, die man selber gut findet, wieder arbeiten zu gehen. Ich wär schon mit 2 Monaten wieder gegangen, wenn es finanziell nicht einfach Schwachsinn gewesen wär, sich die Teilzeiten aufzuteilen. Jedenfalls besser als daheim zu sitzen und den Koller zu bekommen. Ich bin halt einfach keine Hausfrau! Aber was mich ank... ist, dass man es so verkauft, als würden die Kinder in der Kita tatsächlich schneller und besser lernen und dann auch noch glücklicher sein. Wasn Quatsch!

Beitrag von bonsche 22.05.11 - 11:55 Uhr

ich kann nur von meinem sohn ausgehen und er hat nunmal sachen, die ich ihm vorher 100mal gezeigt habe, eben nicht gemacht, sondern erst seitdem er in der kita ist. was ist so falsch daran, die kinder mit anderen kindern zusammen zu bringen? ich komme ursprünglich aus der ehemaligen DDR und wir mussten schon sehr früh in die kita, weil es so eine elternzeit eben nicht gab. ich hab bis heute nicht das gefühl, dass meine eltern mich abgeschoben haben und dazu kommt, dass ich sehr schnell selbstständig geworden bin. wenn mütter sich dazu entschliessen, ausschliesslich mutter und hausfrau zu sein, ist das völlig in ordnung für mich. aber ich denke, man sollte auch den anderen müttern ihre meinung zugestehn. ;-)

liebe grüsse, ivi #herzlich

Beitrag von ignisessen 20.05.11 - 20:55 Uhr

Hallo,

also unsere Tochter 2 Jahre geht auch bis Mittag in die Kita. Wir hatten drei Wochen Eingewöhnungszeit und es wurde auf die Kinder eingegangen. Die Kleinen wurden genau wie die Großen zusammen in der Gruppe beschäftigt und nicht in so ein Gitter gesperrt. Es wird gesungen und zusammen gespielt, gebastelt und gemalt oder auch raus gegangen, aber die Kinder müssen sich auch mal eine Zeit lang selbst beschäftigten. Man kann sehr wohl eine Erziehung erwarten, denn das ist deren Job. Sonst würden sie sich wohl kaum Erzieher schimpfen. Meine Tochter geht gerne hin und ich schaue mir auch oft beim Abholen meiner Tochter manchmal die Gruppe an. Es gibt natürlich immer ein paar Defiziete, aber sehr wohl zu verschmerzen. Aber das was bei euch in der Kita passiert, hört sich ganz nach Überforderung an. Erzieher die ihren Job gerne machen und lieben, werden auch voll auf die Kinder eingehen. Das ein Kind bis zur Erschöpfung wach gehalten wird, finde ich unmöglich. Ich würde das sehr wohl ansprechen beim Elternrat oder der Leitung ansonsten kann ich dir nur empfehlen wechsel schleunigst die Kita.

Lg

Beitrag von bonsche 20.05.11 - 21:22 Uhr

das klingt ja wirklich schrecklich. in so eine einrichtung könnte ich finn niemals bringen. ich würde mich einfach nicht wohl dabei fühlen.

bei uns ist es ganz anders. es gibt feste rituale und die meisten sachen wiederholen sich, damit die kleinen sich an einen sicheren ablauf gewöhnen. es wird sich mit allen kindern beschäftigt und sie machen jeden tag sachen, die dann auch alle gemeinsam tun, z.b. fuss- und handabdrücke etc. ich finde es sehr wichtig, dass sie einen festen und geregelten ablauf haben, damit die kleinen auch eine gewisse sicherheit bekommen. ausserdem finde ich 2 erzieherinnen auf 12 kinder etwas wenig. kein wunder, wenn diese überfordert sind. bei uns sind 3 erzieherinnen auf 8 kinder und das gefällt mir auch sehr gut.

liebe grüsse, ivi & finn (24.01.2010)#herzlich